Eddie Jobson

Jobson, Eddie, eigentlich Edwin Jobson, britischer Rockmusiker (Komposition, Keyboards, Violine), * Billingham, England

Eddie Jobson erhielt seit seinem achten Lebensjahr traditionellen Klavierunterricht und zusätzlich ab seinem neunten Lebensjahr Violinunterricht. So fiel es ihm leicht, im Alter von 16 Jahren bei Fat Grapple, einer Band seiner Heimatstadt, im Vordergrund zu stehen und beispielsweise »Ji-a-Jig«, ein Hit der Folkrock-Band East of Eden, zu spielen. Fat Grapple kam zwar nicht über lokale Bedeutung hinaus, trat aber im Vorprogramm eines Konzertes von Curved Air auf. Als Curved Air einige Zeit später in personelle Schwierigkeiten geriet und als Ersatz für Darryl Way einen Violinisten benötigte, fiel die Wahl der Musiker auf Eddie Jobson. Dies Inkarnation von East of Eden bestand zwar nur kurze Zeit, Jobson war aber wieder der richtige Mann zur richtigen Zeit,als Roxy Music einen Keyboard-Spieler suchte – Brian Eno hatte die Band gerade verlassen. Ein Zufall kam Jobson zur Hilfe: Seine Schwester war mit der Schwester von Bryan Ferry befreundet und machte den Sänger auf den vielseitigen Jobson aufmerksam. Bei Roxy Music blieb Jobson einige Jahre, nahm mit der Band die Alben »Stranded« (1973), »Country Life« (1974) und »Siren« (1975) auf, baute aber nebenbei eine Karriere als Studiomusiker auf und spielte Keyboards und Violine etwa für King Crimson, The Who, Deep Purple und die Solo-Alben der Musiker von Roxy Music, Ferry Mackay und Manzanera. Vor Angeboten konnte er sich kaum retten, wollte sich nicht von Procol Harum engagieren lassen, sondern lieber in Frank Zappas Band seine Instrumente spielen. Dieses Engagement führte zu dem Kuriosum, dass er zwar auf dem Cover von Zappas Album »Zoot Allures« abgebildet ist, aber keine Ton dafür beisteuerte; ebenso erging es aber auch Bassist Patrick O’Hearn. Jobson ist dann extensiv auf Zappas Album »Zappa in New York« (1978) zu hören.
Bis dahin war Jobson stets Wasserträger der Bands, in denen er meist an den Keyboards stand und ab und an zur Violine griff, oft zu einer aus transparentem Plexiglas gefertigten. 1977 aber erhielt er endlich die Chance, maßgeblich in einer Band auftreten zu können und nicht bloß der Sideman zu sein. U.K. War eine Supergroup, die aus den Trümmern von King Crimson hervorging: John Wetton und Bill Bruford hatten nach dem Ende von Fripps Band versucht, eine neue Band zu gründen, unter anderem mit Rick Wakeman, was misslungen war. Die neue Formation sollte U.K. heißen und sowohl Wetton als auch Bruford sollten je einen Musiker ihrer Wahl in die neue Gruppe bringen dürfen. Wetton wählte Jobson, Bruford den Gitarristen Allan Holdsworth. Das nicht nur musikalische Experiment misslang: Wetton und Jobson drängten Holdsworth nach der Veröffentlichung der ersten LP und einer Tour aus der Band, der verstimmte Bruford ging dann auch. Für ihn holten Jobson und Wetton den Schlagzeuger Terry Bozio und beließen es beim Trio. Ein Album war schnell aufgenommen und die drei Musiker gingen gemeinsam mit Jethro Tull auf Tour. Als es danach an die Aufnahmen zu einem weiteren Album gehen sollten, gerieten Jobson und Wetton aneinander und die hoffnungsvolle Supergroup ging auseinander.
Wie so oft funktionierte Jobsons Netwerk: Ian Anderson von Jethro Tull engagierte ihn als Sideman für eine Solo-LP. »A« sollte das Werk heißen, Andersons Vertrags-Label aber wollte das Album als Jethro-Tull-LP verkaufen. Jobson, nunmehr des ständigen Zuarbeitens überdrüssig, wollte es daraufhin solo versuchen. Diese Solo-Karriere – Jobson schrieb Filmmusik, produzierte, gründete zwei Schallplatten-Label und veröffentlichte 1983 »Zinc – The Green Album« und 1985 »Theme of Secrets« – wurde nur kurz unterbrochen, als Yes ihn als Keyboard-Spieler in die Band holen wollte. Als Jobson gewahr wurde, dass er als zweiter Keyboard-Spieler neben Tony Kaye wieder nur der Lückenbüßer sein sollte, sagte er ab; es gab wohl nur einige wenige gemeinsame Proben. Jobson zog sich von der Bühne zurück und nahm auch keine Engagements in bestehende Bands mehr an. Erst im neuen Jahrtausend, nach fast drei Jahrzehnten Abstinenz von der Konzertbühne, war er wieder im Konzert zu sehen und trat einmalig mit der Patti Smith Group, Fairport Convention und dem King Crimson Project auf. 2007 gründete er erstmals eine eigene Band, die er UKZ nannte, und zu der der Gitarrist Trey Gunn, der Schlagzeuger Marco Minnemann, der Gitarrist Alex Machacek und der Sänger Aaron Lippert gehörten. 2010 schließlich fanden sich Jobson, Wetton und Bozio für eine Reunion von U.K. zusammen, bestritten zunächst in dieser Konstellation einige Konzerte, dann kamen für Bozio der Schlagzeuger Gary Husband und Machacek.
Aufs Ganze gesehen, ist die Karriere Eddie Jobsons eine der seltsamsten der Rock-Geschichte: Virtuos als Violinist wie als Keyboard-Spieler, war er für kürzere oder länger Zeit Mitglied von Bands wie Roxy Music, Jethro Tull, U.K. und Curved Air, war in der Band Frank Zappas und spielte für eine Vielzahl von Musikern im Studio oder bei Tourneen. Dabei ist er einem größeren Publikum lange Zeit nahezu unbekannt geblieben, fast schien es, als genüge ihm die Rolle des Wasserträgers, als stünde ihm nicht der Sinn nach Eigenem. Selbst U.K., die Band, die ihm wohl mehr bedeutete als die vielen Engagements bei den Großen der Rockmusik, bestand nur für wenige Jahre. Er selbst legte auf die Auffälligkeit eines Keith Emersons oder Rick Wakemans wohl keinen Wert und selbst Hörer, denen sein Name nicht unbekannt ist, verbinden mit ihm keinen bestimmten Song, kein epochales Album. Darin, in der Zweckdienlichkeit seines Spiels, liegt natürlich auch seine Stärke, die es ihm ermöglichte, in all diesen Formationen die gestellten Aufgaben zu erfüllen.


Diskografie

Zinc – The Green Album (1983)
Theme of Secrets (1985)
Ultimate Zero Tour – Live (2010)

Mit U.K.

U.K. (1978)
Danger Money (1979)
Night After Night (1979)
Concert Classics, Vol. 4 (1999)


Weblinks

http://www.eddiejobson.com/ (Offizielle Website des britischen Keyboard-Spielers und Violinisten Eddie Jobson)