Eels

Eels, auch eels oder EELs, amerikanische Rockformation, 1993 von E, eigentlich Mark Oliver Everett (* Virginia 10.4.1963; Gesang, Gitarre, Komposition, Text), gemeinsam mit dem Schlagzeuger Butch, eigentlich Jonathan Norton (* 21.3.1958) und dem Bassisten Tommy Walter (* 30.10.1970) in Los Angeles gegründet. Der Bandgründung gingen einige Solo-Versuche Everetts voraus und auch später lockerte er das Bandgefüge immer wieder.

Everett hatte während einer kritischen Phase in seiner Jugend, unter anderem vom frühen Tod seines Vaters ausgelöst, die Musik für sich entdeckt und begonnen, eigene Songs zu schreiben. Bereits 1985 veröffentlichte er mit »Bad Dude in Love« eine erste Schallplatte, doch folgte diesem Debüt jahrelang nichts Weiteres. Erst 1992 legte er »A Man Called E« vor, im folgenden Jahr »Broken Toy Shop«. Im selben Jahr lernte er Butch kennen, kurze Zeit später auch Tommy Walter und gemeinsam bildeten die Musiker das Trio The Eels. 1995 nahm das gerade gegründete Label DreamWorks Records The Eels unter Vertrag. Bereits das erste bei DreamWorks veröffentlichte Album, »Beautiful Freak« (1996) geriet zu einem Klassiker der Rockmusik, eine Sammlung von Pop- und Rock-Kunststückchen, die der Band 1998 einen Brit Award einbrachte. Bekannt wurde das Trio allerdings vor allem durch diverse Tourneen in den Jahren 1996 und 1997 einerseits, andererseits aber durch den Trickfilm »Shrek« (2001), in dessen Soundtrack der Eels-Song »My Beloved Monster« aufgenommen wurde; auch in den zwei folgenden »Shrek«-Filmen ist Musik Everetts zu hören. Der Erfolg des ersten »Shrek« Filmes warf sein Licht auch auf Eels, so dass weitere Songs der ersten CD in verschiedenen Kino- und Fernsehfilmen verwendet wurden; nebenbei machte Everett sich auf diese Weise auch einen Namen als Komponist für Filmmusik.
Trotz des sich abzeichnenden Erfolges verließ Walter die Band und wurde nach der Veröffentlichung der CD »Electro-Shock Blues« 1998 für anstehende Konzerte durch Adam Siegel ersetzt. Die ganze Atmosphäre dieses Albums ist geprägt von diversen privaten Schicksalsschlägen, die Everett vor allem in den Texten zu verarbeiten suchte. An »Electro-Shock Blues« hatten neben Butch und Siegel unter anderem auch Lisa Germano, Grant Lee Phillips und T-Bone Burnett mitgewirkt. Nach der obligaten Tour zur CD nahm Siegel aber schon wieder Abschied und widmete sich seiner eigenen Band The Blondes.
Danach setzte Everett nicht mehr auf ein festes Trio, zu dem Gastmusiker engagiert wurden, sondern veränderte die Besetzung der Band nach seinen Vorstellungen; feste Größe blieb allein Schlagzeuger Butch. So stellt er für die Tour nach der Veröffentlichung von »Daisies of the Galaxy« (2000) ein kleines Orchester zusammen, zu dem auch die Sängerin Lisa Germano gehörte, bestritt daneben aber auch Solo-Auftritte.
Eine Veränderung brachte das Album »Souljacker«, 2001 vorgelegt: Everett hatte die meisten Songs gemeinsam mit dem Gitarristen John Parish verfasst und eingespielt. Der Verspieltheit des Vorgängeralbums setzte »Souljacker« handfesten Rock entgegen, den die Band, zu der neben Everett und Parish der Bassist Koool G Murder gehörte, auch auf der der Veröffentlichung folgenden Tour vorführte. Welche Reputation Eels inzwischen genoss, mag man unter anderem auch daran ablesen, dass Wim Wenders das Video für die erste Single drehte.
»Shootenanny!« (2003) war die letzte CD der Eels, an der Butch beteiligt war. Der Schlagzeuger hatte die Band nicht ganz freiwillig verlassen – er und Everett waren über die Finanzen miteinander in Streit geraten. Butch wurde durch einen Musiker namens Puddin’ ersetzt, doch blieb die Besetzung der Eels weiterhin vage und kurzlebig. 2003 etwa gehörten neben Everett und Puddin’ der Gitarrist Shon »Golden Boy« Sullivan und Koool G Murder zu der Band.
An dem 2005 veröffentlichten Album »Blinking Lights and other Revelations« etwa nahm Sullivan schon nicht mehr teil und war durch den Gitarristen Chet Atkins III ersetzt worden, aber Everett hatte noch eine Reihe weiterer illustrer Gäste eingeladen: Tom Waits, Peter Buck (R.E.M.) und John Sebastian (Lovin’ Spoonful). Für die Tour engagierte Everett wieder andere Musiker – das Korsett einer Rockband-Besetzung schien ihm schon lange zu eng geworden, und so nahm er die Instrumentation einer Reihe von Eels-Songs – Gitarre, Drums, Orgel, Streicher – zum Anlass, mit einer um ein Streichquartett erweiterten Formation auf Tour zu gehen; »Eels with Strings« war dann auch der Titel der Tour. Die prompte Kehrtwendung blieb nicht aus: Für die Tour zur Veröffentlichung zweier umfangreicher Zusam-*menstellungen, »Meet the Eels: Essential Eels Vol.I« und »Useless Trinkets« nahm er nur The Chet, wie Chat Atkins II von ihm genannt wurde, mit auf die Bühne – er selbst setzte sich dann auch schon mal ans Schlagzeug.
Leicht wäre es, Mark Oliver Everett als mehr oder weniger egozentrischen Eigenbrötler abzustempeln, der in den Texten seiner vielen Songs sein nicht gerade einfaches Leben thematisiert, ungerührt das Können seiner Mitmusiker ausnutzt und damit sein Publikum findet. Näher hingesehen, ist Everett – und darin Frank Zappa oder Howie Gelb sehr ähnlich – ein Sammler. Er betrachtet die gesamte tonale Musik als Material, das er benutzt, sich unterwirft und zu Songs verbastelt. Manchmal scheint ihm der Text wichtiger als die Musik, dann nimmt er einige gängige Akkorde und konstruiert einen Pop-Song daraus, der in einem Publikumsrenner wie dem Film »Shrek the Third« eine gute Figur macht (»Losing Streak«), dann wieder geht es ihm um die Musik, und er konstruiert aus Piano, Gitarre, Bass, Schlagzeug und einer Handvoll Samples eines bulgarischen Frauenchores ein Stück Neofolk, das melancholischer nicht sein könnte (»Flowers«). Dahinter könnte die Idee der Musik-über-Musik stecken, das Wissen, dass der Pop Music nichts Neues mehr hinzugefügt, sondern nur das Altbekannte in immer wieder neuen Kombinationen vermischt werden kann. Zentral bleibt ihm das Generalthema der Pop Music, die Einsamkeit des Menschen.



Auszeichnung

Brit Award 1998



Diskografie

Mark Oliver Everett

Bad Dude in Love (1985)
A Man called E (1992)
B Toy Shop (1993)
Levity (2003; Soundtrack)

Eels

Beautiful Freak (1996)
Electro-Shock Blues (1998)
Daisies of the Galaxy (2000)
Oh, what a beautiful Morning (2000)
Souljacker (2002)
Electro-Shock Blues Show (2002)
Shootenanny! (2003)
Blinking Lights and other Revelations (2005)
Sixteen Tons (Ten Songs) (2005)
Eels wiht Strings: Live at Town Hall (2006)
Live and in Person! London 2006 (2008)
Hombre Lobo (2009)

Zusammenstellungen

B-Sides & Rarities 1996-2003 (2005)
Meet the Eels: Essential Eels,Vol. 1 (1996-2006) (2008)
Useless Trinkets: B-Sides, Soundtracks, Rarities and Unreleased 1996-2006 (2008)



Literatur

Everett, Mark Oliver: Things The Grandchildren should know (Boston 2008)



Weblink

http://www.eelstheband.com (Offizielle Website der amerikanischen Rockband Eels)