Electric Light Orchestra

Electric Light Orchestra, abgekürzt ELO, britische Rockband, 1970 von dem Sänger und Gitarristen Roy Wood, eigentlich Roy Adrian Wood (* 1946), und dem Sänger und Gitarristen Jeff Lynne , eigentlich Jeffrey Lynne (* 1947), in Birmingham gegründet.

Bandbiografie

Roy Wood hatte als Mitglied der einigermaßen erfolgreichen Rockband The Move schon Ende der 1960er-Jahre die Idee, eine konventionelle Rockband obligat mit einem kleinen Orchester zu kombinieren – ganz im Stile der Beatles, die mit Songs wie »Eleanor Rigby«, »Strawberry Fields forever« und »I am the Walrus« einigen Erfolg hatten. Die übrigen Musiker von The Move fanden an Woods Plan allerdings keinen Gefallen. Erst als 1970 der Gitarrist Carl Wayne die Band verließ, fand Wood in dessen Ersatzmann Jeff Lynne, zuvor bei The Idle Race, einen Verbündeten – Lynne hatte seinem Engagement bei The Move allerdings auch unter dem Vorbehalt zugestimmt, dass Wood seinen Plan mit ihm gemeinsam auch verwirklichen würde. Als Prototyp wurde der Song »10538 Overture« ausgewählt; Lynne hatte den Song komponiert, Wood ihn mit einem Streicherarrangement ausgestattet. »10538 Overture« wurde auf diese Weise der erste Song der neuen Band, die Wood und Lynne Electric Light Orchestra nannten. Während die beiden Musiker das erste Album der neuen Band einspielten, blieb The Move noch bestehen, sogar zwei Alben kamen noch zustande.
1971 wurde »Electric Light Orchestra« veröffentlicht. Wood und Lynne hatten das Album mit dem Schlagzeuger der Move, Bev Bevan, eigentlich Beverley Bevan (* 1944), dem Hornisten Bill Hunt und dem Geiger Steve Woolam eingespielt. Lynne schien die Musik dieses ersten Albums allerdings allzu verspielt, fast schon anarchistisch, und er geriet mit Wood in Streit, in dessen Folge dieser die Band verließ und mit Hunt und Woolam seine eigene Band, Wizzard, gründete.
Lynne allerdings hielt an der ursprünglichen Idee fest, und machte sich mit Bevan, dem Keyboard-Spieler Richard Tandy (* 1948), dem Bassisten Mike de Albuquerque (* 1947) sowie den Cellisten Mike Edwards und Colin Walker und dem Geiger Wilfred Gibson an die Aufnahmen zu einem zweiten ELO-Album; Walker wurde bald durch Hugh McDowell (* 1953) ersetzt). »ELO 2«, 1973 veröffentlicht, begründete den Erfolg der ungewöhnlichen Band: Die Streicher saßen auf der Bühne nicht wie ein Kurpark-Orchester brav hinter Pulten, sondern tanzten mit ihren elektrisch verstärken Instrumenten ebenso über die Bretter wie Gitarrist und Bassist der Band. Die aus dem Album ausgekoppelte Cover Version des Chuck-Berry-Songs »Roll over Beethoven«, provokativ mit den ersten Takten der Symphonie Nr. V von Ludwig van Beethoven verbunden, arrangiert für die drei Streicher, brachte die Band in die amerikanischen Charts.
Während der Aufnahmen zu dem dritten Album, der noch 1973 veröffentlichten LP »On the Third Day«, gingen Gibson und Walker, wurden jedoch durch den Geiger Mik Kaminski (* 1951) und den Cellisten Ted Blight gleich ersetzt. Lynne hatte alle Songs komponiert, mit »Showdown« ein kleines Meisterwerk und damit einen Klassiker der Band geschaffen, ganz im Stile von »I Am the Walrus« von den ↑Beatles, inklusive Streicherglissandi und heulender Background-Chöre.
Bis dahin hatte Lynne auf die Musiker seiner Band vertraut, mittels Overdubbing die drei Streicher vervielfältigt und Tandy mit elektronischen Klängen seines Moog-Synthesizers Löcher im Klangbild stopfen lassen. Für »Eldorado, A Symphony« (1974), genügte ihm dieses Verfahren nicht mehr: Er engagierte für das ausgedehnte, einer Suite und nicht einer Symphonie ähnlichem Gebilde ein Orchester und einen Chor, und bettete seine Songs als Teile der »Symphony« zwischen die »Eldorado Overture« und das »Eldorado Finale« – ein Konzeptalbum wie seinerzeit »Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band« (1967) von den Beatles. Lynne hatte es an nichts fehlen lassen, sich an »Showdown« erinnert, ein wenig bei den Symphonien Gustav Mahlers abgeschaut und die Filmmusik der 1930er-Jahre geplündert. Mittendrin eine Hit-Singlee: »Can’t Get It out of My Head« schaffte es in die Top-Ten der amerikanischen Hitparade.
Zwar hatte Lynne seinen Stil endgültig gefunden, noch aber war die Band nicht konsolidiert: de Albuquerque und Edwards verließen ELO, für sie kamen der Bassist und Sänger Kelly Groucutt, eigentlich Michael William Groucutt (* 1945, † 2009), und der Cellist Melvyn Gale (* 1952). Damit stabilisierte sich die Gruppe.
ELO war zwar auf dem Kontinent und den USA – wo sie in den großen Stadien auftrat und häufig in den Fernsehshows gastierte – erfolgreich, doch erreichte die Band auch mit dem fünften Album, »Face the Music« (1975), im heimatlichen Großbritannien nur ein relativ kleines Publikum. Dies änderte sich erst mit der 1976 veröffentlichten LP »A New World Record«. Dieses Album zeigte das später, für das Doppelalbum »Out of the Blue« (1977) zu einer gewaltigen Raumstation ausgebaute Logo. Seinen Ursprung hatte dieses Logo in der Gestaltung der Rock-O-La-Jukebox 4008 der Firma Wurlitzer. Auf »A New World Record« enthielt unter anderem die Songs »Telephone Line« – einer der heimlichen Klassiker der Band – und »Rockaria«, der Groucutt im Konzert stets die Gelegenheit gab, seinen ↑Falsettgesang zu präsentieren. Auch zu »Out of the Blue« gehörten einige Songs, die die Qualitäten Lynnes als Komponist und die Stärken der Musiker zeigten: »Turn to Stone«, »Mr. Blue Sky«, »Wild West Hero«. Die Band stand auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, trat vor 80 000 Menschen im Cleveland Stadium auf und acht Abende hintereinander im jeweils ausverkauften Wembley Stadium.
»Discovery«, 1979 veröffentlicht und mit einem hintersinnigen Titel versehen – man konnte auch Disco? Very! aus den Buchstaben lesen –, markierte den Niedergang der Band, wenn auch die Single »Don’t Bring Me down« die erfolgreichste der Band überhaupt war. Doch fehlte dem Album die Einheitlichkeit der vorangegangenen Produktionen und manch ein Song klang gar zu läppisch (»Last Train to London«). In der Band selbst machten sich Auflösungstendenzen bemerkbar: Die drei Streicher, Kaminski, McDowell und Gale gingen und wurden nicht durch neue Musiker ersetzt. Obwohl ELO kommerziell auf dem Höhepunkt der Bandkarriere stand und Millionen von Platten verkaufte, glaubte Lynne, die Band mit einer der seltsamsten Verbindungen der Rockgeschichte noch attraktiver machen zu können: Er produzierte für den Film »Xanadu« (1980) den Soundtrack und gab ELO als Begleitband für die amerikanische Sängerin Olivia Newton-John her. Während der Film schnell wieder aus den Kinosälen verschwand, wurde das Album gut verkauft.
Das 1981 veröffentlichte Album »Time« zeigte zwar einen zerknirschten Lynne – ELO kehrte mit der Platte wieder zu den Kompositionsmustern früherer Jahre zurück – doch hatte er die Streicher mit Synthesizern und sich damit selbst der Live-Attraktivität der Band beraubt – lediglich Mik Kaminski wurde für die Tour nach Veröffentlichung der LP engagiert.
Die Band löste sich weiter auf: Bevan half bei Black Sabbath aus, blieb dann ganz, Groucutt ging und verklagte später Lynne und Bevan wegen zu wenig ausbezahlter Honorare, lediglich Tandy blieb. Lynne machte weiter und hatte noch Erfolge, wenn auch die CBS die Veröffentlichung eines Doppelalbums abblockte und »Secret Messages« 1983 als einzelne LP veröffentlichte. 1985 nahmen Lynne, Tandy und Bevan »Balance of Power« auf – an den Aufnahmen war auch der Saxofonist Christian Schneider beteiligt. Es blieb ein matter Erfolg, ELO gab mit einigen hinzuengagierten Musikern noch wenige Konzerte, dann beendete Lynne die Existenz der Band sang- und klanglos.
Lynne arbeitete seitdem vor allem als Produzent, etwa für Tom Petty, Randy Newman, später für Regina Spektor und andere; er war maßgeblich an der Produktion der drei »Anthology«-Alben der Beatles beteiligt. Auch legte er mit »Armchair Theatre« 1990 eine Solo-CD vor.
Bev Bevan rief die Formation ELO Part II ins Leben, mit der er 1991 die CD »Electric Light Orchestra Part Two« veröffentlichte; Kaminski, Groucutt und McDowell schlossen sich der leidlich erfolgreichen Band an, die 1994 mit »Moment of Truth« noch ein weiteres Album präsentierte, bis Bevan sich 1999 aus ELO II zurückzog und seinen rechtlichen Anteil an dem Namen Electric Light Orchestra an Lynne verkaufte. Ohne Bevan gaben die Musiker ihrer Band den Namen The Orchestra.
Im Jahre 2000 wurde die CD-Box »Flashback« veröffentlicht, eine Retrospektive auf die Band, die Lynne zu einer Reinkarnation seiner Gruppe inspirierte. Lynne nahm mit Hilfe einer großen Zahl von Gastmusikern – darunter Ringo Starr und George Harrison – 2001 ein Album auf. An »Zoom« war nur noch ein Musiker aus früheren Tagen beteiligt, Richard Tandy. Eine angekündigte Welttournee kam nicht zustande.
Es gibt genug Gründe, das Electric Light Orchestra für einen Vertreter des ↑Progressive Rock der 1970er-Jahre zu halten, es gibt eben so viele, genau dies abzustreiten. Es gibt einige wenige Zitate aus der traditionellen Kunstmusik – etwas von Beethoven, etwas Grieg -, es gibt ein Konzeptalbum, es gibt aber eben auch Rock ’n’ Roll (»Roll over Beethoven«, »Rockaria«) und perfekten Pop. Es fehlen Verbindungen zu anderen Progressive-Rock-Bands jener Tage völlig – ELOs Musik ist nicht mit der von Yes oder Genesis in Verbindung zu bringen. Die Band hat ihren Ursprung vielmehr im britischen Pop der 1960er-Jahre, nicht nur personell, sondern eben auch in der Haltung der Musik gegenüber. »Eldorado« ist so sehr Pop, wie »Concerto for Group und Orchestra« von Jon Lord (Deep Purple) eben Rock ist. ELO ist mehr Phil Spector und The Left Banke als alle anderen Bands, die unter dem Emblem Progressive Rock mit einem Orchester zusammen im Studio waren oder auf der Bühne standen.
Lynne hatte die Idee zu dieser Band von Roy Wood, der das Experimentelle der von ihm als Vorbilder angesehenen Beatles-Songs zwar gesehen hatte, nicht aber das kommerzielle Potential dieser Musik. Das erkannte Lynne, straffte die Anarchie Woods, überlebte mit ELO den Konflikt und komponierte einige der schönsten Pop-Songs der ersten Hälfte der 1970er-Jahre.
Wenn es auch eine Unzahl von Zusammenstellungen der Songs der Band gibt, so hat sie doch merkwürdig wenige Spuren hinterlassen. Unter den Rockjournalisten späterer Jahrzehnte gilt sie bestenfalls als Unikum, meist aber wird die Musik vehement abgelehnt, als hätte ELO nicht mehr als 100 Millionen Platten verkauft. Einen ironischen Nachklang auf ELO präsentierte die amerikanische Band Bigelf 2009 mit einigen Songs auf ihrer CD »Bigelf«.



Diskografie

The Electric Light Orchestra (UK) / No Answer (US) (1971/1972)
ELO 2 (UK) / Electric Light Orchestra II / ELO II (US) (1973)
On the Third Day (1973)
The Night the Light went on (in Long Beach) (1974)
Eldorado, A Symphony (1974)
Face the Music (1975)
A New World Record (1976)
Out of the Blue (1977)
Discovery (1979)
Xanadu (1980)
Time (1981)
Live at Winterland 76 (1998)
Live at Wembley 78 (1998)
Secret Messages (1983)
Balance of Power (1986)
Live at the BBC (1999)
Zoom (2001)



Weblinks

http://www.elomusic.com/ (Offizielle Website der britischen Rockband Electric Light Orchestra)
http://www.ftmusic.com/ (Website mit Informationen zu ELO, Jeff Lynne und Künstlern, die mit ELO oder Lynne in Beziehung standen.
http://www.jefflynnesongs.com/ (Website mit detaillierten Informationen zu von Jeff Lynne komponiertenSongs)