Eyes of Blue

Eyes of Blue, britische Progressive-Rock-Band, 1966 aus der 1964 gegründeten Band The Smokestacks in Neath (Wales) hervorgegangen

The Smokestacks war von dem Keyboard-Spieler Paul Ryan und dem Sänger Gary Pickford-Hopkins gegründet worden. 1966 taten die beiden Musiker sich mit dem Schlagzeuger Wyndham Rees sowie dem Bassisten Ray Williams und dem Gitarristen Ritchie Francis von der ebenfalls in Neath beheimateten Band The Mustangs zu Eyes of Blue zusammen. Die gerade gegründete Band hatte sofort Erfolg und gewann einen von der Musikzeitschrift Melody Maker ausgerichteten Wettbewerb. Der Hauptpreis, ein über den Zeitraum von einem Jahr geltender Schallplattenvertrag bei Deram Records, erwies sich allerdings als Danaergeschenk: Die Band durfte nicht etwa eigene Kompositionen einspielen, sondern musste Stücke anderer Urheber aufnehmen, die dann auf zwei Singles veröffentlicht wurden.
Immerhin hatte die Band mit ihrer Musik – seinerzeit eher an Soul als an Rock orientiert – das Interesse des Produzenten Lou Reizner wecken können. Reizner nutzte die instrumentalen Fähigkeiten der Band und verschaffte den Musikern ein Engagement als Begleitband für den amerikanischen Sänger William »Buzzy« Linhart. Bedeutsamer für Eyes of Blue war allerdings die Zusammenarbeit mit Quincy Jones, der zu dieser Zeit an dem Soundtrack zu dem Film »Toy Grabbers« (später unter dem Titel »Mother« veröffentlicht) laborierte und auf der nach aktuellen Klangfarben war. Das mit dieser Zusammenarbeit erregte öffentliche Interesse war für die Band von Vorteil, konnte sie doch von Deram zu Mercury Records wechseln und bei dem renommierten Label 1968 die erste eigene LP veröffentlichen. Mit »Crossroads of Time« präsentierten die sechs Musiker elf Songs, eine für die Zeit typische Mischung von Eigenem und Bekanntem, darunter etwa eine Bearbeitung des populären »Largos« (Ombra mai fù) von Georg Friedrich Händel und eine Cover Version von »Yesterday« von The Beatles.
Die Situation der Band allerdings blieb unsicher. Die Musiker arbeiteten an einem weiteren Film mit (»Connecting Rooms«) und traten in einigen Szenen sogar leibhaftig auf. Eine derartige Karier hatten sich Rees und Williams allerdings nicht erträumt und verließen die Band. Sie wurden durch den Bassisten Ray Bennett und den Schlagzeuger John Weathers ersetzt. In dieser Besetzung nahm die Gruppe die zweite LP unter dem Namen Eyes of Blue auf. »In Fields of Ardath« wurde 1969 veröffentlicht. War die erste LP noch diffus auf den noch jungen Progressive Rock ausgerichtet, so stellte das zweite, vom Klang diverser Keyboards bestimmte Album zumindest in Teilen ein Konzeptalbum dar: Der Titel ging auf eine 1897 von Marie Corelli veröffentlichten Novelle zurück und die Texte der Songs kreisten wie Corellis Buch um das Thema Reinkarnation. Damit war Eyes of Blue zwar durchaus auf der Höhe der Zeit, größerer Erfolg bleibe allerdings aus. Unter dem Namen Big Sleep wurde 1971 noch die LP »Bluebell Wood« veröffentlicht, zu dieser bestand Eyes of Blue aber schon nicht mehr. Die Musiker blieben zum Teil dem Progressive Rock treu: John Weathers spielte später bei Gentle Giant Schlagzeug, Paul Ryan Keyboards bei Man. Ryan hatte sich während seiner Zeit bei The Neutrons allerdings von dem Progressive Rock dieser Jahre ein wenig distanziert: Das zweite Album der Band trug den Titel »Tales from the Blue Cocoons« (1975), eine ironische Anspielung auf das Album »Tales from Topographic Oceans« (1973) von Yes.



Diskografie

Crossroads (1968)
In Fields of Ardath (1969)

Als Big Sleep

Bluebell Wood (1971)