Family

Stichworte Frank Zappa | Gentle Giant | Jethro Tull | Querflöte



Family, britische Rockband, 1967 aus den Vorläuferbands The Farinas und Roaring Sixties hervorgegangen.

Bandbiografie

Charlie Whitney, eigentlich John Whitney, (* 1944; Gesang, Gitarre) hatte 1962 in Leicester gemeinsam mit Jim King (* 1945; Saxofon, Querflöte), Harry Overnall (Schlagzeug) und Tim Kirchin (Bass) die Rock ’n’ Roll Band The Farinas gegründet. Als die ↑Beatles die britische Rockmusik gründlich veränderten, entschlossen sich die Musiker, ihrer Musik ebenfalls eine neue Richtung zu geben und benannten sich 1964 schließlich in The Roaring Sixties um. Kirchin und Overnall waren allerdings nicht recht überzeugt von den Erfolgsaussichten des Richtungswechsels, verließen The Roaring Sixties und wurden durch den Bassisten Ric Grech, eigentlich Richard Roman Grech, (* 1946) und den Schlagzeuger Rob Townsend (* 1947) ersetzt. Als 1966 der Sänger Roger Chapman (* 1944) zu The Roaring Sixties stieß, änderte sich der Klang der Band radikal. Dem Produzenten Kim Fowley erschien die Band um den Sänger mit der einzigartigen Stimme als eine verschworene Gemeinschaft und so schlug er 1967 den Musikern vor, ihre Band abermals umzubenennen: Family schien ihm der geeignete Name.
1968 veröffentlichte die Band das erste Album unter dem neuen Namen. »Music in the Doll’s House«, von Dave Mason und Jimmy Miller – beide Musiker bei Traffic – produziert, enthielt eine bunte Mischung von Songs, die es gleichwohl in die Top-40 der britischen Hitparade schaffte. »Family Entertainment«, 1969 veröffentlicht, war noch erfolgreicher, brachte es sogar in die Top-10. Der Eröffnungs-Song des Albums, »The Weaver’s Answer«, war schon lange vor der Veröffentlichung der LP obligater Bestandteil der Konzerte der Band gewesen und wurde nun zu einer Art Markenzeichen. Trotz des kommerziellen Erfolges blieb Family von Musikerwechseln nicht verschont: 1969 verließ Grech Family und spielte fortan bei Blind Faith Bass; für ihn kam John Wieder (* 1947), der 1971 von John Wetton (* 1949), eine der Schlüsselfiguren des britischen Progressive Rock, abgelöst wurde. Auch Townsend ging, an seiner Stelle spielte Poli Palmer, eigentlich John Palmer, (* 1943) das Schlagzeug. Die ständigen Umbesetzungen – kurze Zeit war auch der Keyboard-Spieler Tony Ashton bei Family Mitglied – leiteten Anfang der 1970er-Jahre trotz regelmäßiger Veröffentlichung von LPs wie »Anyway« (1970), »Fearless« (1971) und »Bandstand« (1972) das langsame Sterben der Band ein; 1973 gab die zerstrittene Familie ihr letztes Konzert, dann gingen die Musiker ihrer Wege.
Whitney und Chapman, die gemeinsam einige Songs für Family geschrieben hatten, brachten zunächst eine LP unter eigenem Namen heraus und gründeten anschließend die Gruppe Streetwalker, deren Musik allerdings wenig mit der von Family gemein hatte.
Trotz einiger guter und vom britischen Publikum auch positiv aufgenommener Platten, trotz zahlreicher Konzerte – Family war 1969 mit den Rolling Stones im Londoner Hyde Park aufgetreten, gehörte zu den Bands, die 1971 beim Festival auf der Isle of Wight auf der Bühne gestanden hatten und war auch in den USA nicht unbekannt, hatten sie doch im Fillmore East Konzerte gegeben – war der Band der große kommerzielle Erfolg versagt geblieben. Allerdings war die Musik Familys selbst in der musikalisch vielfältigen Welt der ausgehenden 1960er-Jahre einmalig: Ein Gemisch von Bluesrock, Jazz und Progressive Rock, das mal an Frank Zappa, mal an Gentle Giant erinnerte. Dennoch standen die Multiinstrumentalisten der Band, die nicht nur das obligate Rockinstrumentarium beherrschten, sondern auch Violine, Vibraphon, Cembalo und Querflöte zur Hand nahmen, stets ein wenig im Schatten des Sängers Roger Chapman. Chapman sang wie kein anderer Rocksänger: Würgend, mit meckerndem Vibrato und dennoch mindestens so ausdrucksstark wie etwa Robert Plant.



Diskografie

Music in a Doll’s House (1968)
Family Entertainment (1969)
A Song for Me (1970)
Anyway (1970)
Fearless (1971)
Bandstand (1972)
It’s Only a Movie (1973)