Faust (Band)

Faust, deutsche Rockband, 1970 in Hamburg gegründet.

Die zunächst namenlose Band bestand aus Musikern der Bands Nukleus – nicht zu verwechseln mit Ian Carrs Band Nucleus – und Campylognatus – der Sänger, Gitarrist und Bassist Jean-Hervé Péron, der Gitarrist und Keyboard-Spieler Rudolf Sosna und der Saxophonist Gunther Wüsthoff waren zuvor bei Nukleus, der Schlagzeuger Zappi Diermeier, eigentlich Werner Diermaier, der Organist Hans Joachim Irmler und der Schlagzeuger Arnulf Meifert bei Campylognatus. Die Band fand in dem Musikjournalisten Uwe Nettelbeck einen Mentor, der aufgrund seiner Verbindungen zur Musikindustrie einen Kontakt zu Polydor Records anbahnen konnte. Polydor ermöglichte es den Musikern, in Wümme in der Nähe von Bremen ein kleines Studio einzurichten und dort ihre erste LP aufzunehmen. »Faust« wurde 1971 veröffentlicht, 1972 folgte mit »So Far« die zweite. Nach den Aufnahmen zu »Faust« war die Band öffentlich aufgetreten, doch geriet schon das erste Konzert den Musikern indes so chaotisch, dass Meifert nicht länger Mitglied von Faust sein wollte.
Der Erfolg von Faust beim Publikum hielt sich auch nach Veröffentlichung von »So Far« in engen Grenzen, so dass Polydor die Band aus dem Vertrag entließ. Auf Vermittlung von Nettelbeck konnten die Musiker aber einen neuen Vertrag bei dem aufstrebenden britischen Label Virgin unterschrieben und wechselten nach Großbritannien. Die LP »Outside The Dream Syndicate« (1973) wurde noch auf Caroline, dem Unterlabel von Virgin, veröffentlicht, »The Faust Tapes« (1973) und »Faust IV« (1974) dann bei Virgin. Nettelbeck gelang es auch, einem beim Publikum recht unbekannten Trio aus Deutschland zu einem Vertrag bei Virgin zu verhelfen: Slapp Happy, zu dem die Sängerin Dagmar Krause, der Gitarrist Peter Blegvad und der Gitarrist Anthony Moore gehörten, wurden von Richard Branson für sein Label unter Vertrag genommen. Bei ihren ersten Aufnahmen in Deutschland waren Krause, Blegvad und Moore von Musikern von Faust unterstützt worden.
Der Erfolg von Faust blieb gering: »The Faust Tapes« konnte noch in großer Zahl verkauft werden, nicht zuletzt aufgrund des außergewöhnlich niedrigen Preises. Als »Faust IV« aber in den Plattenläden liegen blieb, hatte Branson bald genug von der deutschen Band und beendete das Vertragsverhältnis.
Im Grunde war das Ende von Faust damit besiegelt. Zwar hatte die Band die Arbeiten an einem fünften Album schon aufgenommen, veröffentlicht wurden diese Aufnahmen und frühere erst mehr als ein Dutzend Jahre später von ↑Chris Cutlers Label Recommended Records, bei dem zunächst 1986 »Return of a Legend: Munic and Elsewhere«, 1989 dann »The Last LP« (1989) erschienen.
Ab 1990 taten sich – in wechselnden Kombinationen – einzelne Musiker der Band zu neuen Formationen zusammen, die dann auch den Namen Faust trugen. Sosna war 1996 verstorben, die meisten dieser Gruppen wurden von Péron, Diermeier und Irmler gebildet, jeweils verstärkt um Gastmusiker. Irmler hatte ein kleines Tonstudio aufgebaut und ein Plattenlabel gegründet; bei Klangbad wurde ein Großteil der CDs, die seit 1994 von den Faust-Musikern aufgenommen worden sind, veröffentlicht. Gemessen an der Zahl der Veröffentlichungen, ist Faust seit 1990 weit erfolgreicher als in den 1970er-Jahren. Seit etwa 2008 tritt die Band in der Besetzung Diermeier, Irmler, Péron und James Johnston auf; Johnston war zwischen 2003 und 2008 ständiger Gast-Gitarrist in Nick Caves Band The Bad Seeds. Zu dieser Faust-Formation gehört auch die Sängerin Geraldine Sayne.
Faust ist eigentlich nicht dem Canterbury Rock zuzurechnen, zumindest nicht dem engeren Kreis. Die Nähe zum Canterbury Rock wurde einerseits durch den Vertragsschluss mit Virgin Records, andererseits durch die Verbindung zu Slapp Happy hergestellt. Auch in der Musik, einem experimentellen Rock, ebenso vom Free Jazz wie von Neuer Musik, manchmal auch vom Psychedelic Rock Pink Floyds beeinflusst, gibt es nur wenige Berührungspunkte mit dem Canterbury Rock. Bemerkenswert sind einige Covers der Schallplatten der Band- »Faust« zeigt die Röntgenaufnahme einer Faust, »So Far« ist bis auf Bandnamen und Titel-Schriftzug komplett in Schwarz gehalten, »Faust IV« präsentiert auf beiden Seiten des Covers lediglich leere Notensysteme, »The Faust Tapes« auf der Vorderseite einige Schallplattenkritiken, mit der Schreibmaschine geschrieben, ohne jeden weiteren Schmuck. Ein Teil dieser Covers wurde von Uwe Nettelbeck gestaltet.


Diskografie

Faust (1971)
So Far (1972)
Outside The Dream Syndicate (1973; mit Tony Conrad)
The Faust Tapes (1973)
Faust IV (1974)
Return of a Legend: Munic and Elsewhere (1986; Aufnahmen von 1975)
The Last LP (1989; Aufnahmen 1971–1972)
Rien (1994)
You know faUSt (1997)
Faust Wakes Nosferatu (1997)
Ravvivando (1999)
Patchwork 1971-2002 (2002)
Derbe Respekt, Alder (2004)
Impressions (2005)
Collectif Met(z) (2005; Aufnahmen 1996-2005)
Trial und Error (2007)
Direct Injection (2007)
Disconnected (2007; mit Nurse With Wound)
C’est com…com…compliqué (2009)
faust is last (2010)
Something Dirty (2011)


Weblink

http://www.faust-pages.com (Offizielle Website der deutschen Rockband Faust)