Focus

Stichworte Hammond-Orgel | Querflöte | Jethro Tull | The Nice | Tritonus | Triumvirat | electra



Focus, niederländische Progressive-Rock-Band, 1969 gegründet

Bandbiografie

Der Flötist Thijs van Leer (* 1948) hatte als Kind Querflöte gelernt und nach der allgemeinen Schulausbildung ein Studium der Kunstgeschichte aufgenommen. Anschließend studierte er in Amsterdam Flöte und Komposition; im Rahmen dieses Studiums erhielt er auch Unterricht an Klavier und Orgel sowie in Instrumentation.
Van Leer hatte schon während seiner Ausbildung eine Jazzgruppe gegründet, in der er Flöte spielte und sang; später musizierte er auch in der Begleitband einer Cabaret-Gruppe. 1969 gründete er mit dem Bassisten Martijn Dresden und dem Schlagzeuger Hans Cleuver ein Trio, mit dem er sich vorsichtig der Rockmusik annäherte und etwa Songs der britischen Band Traffic nachspielte. Noch 1969 stieß der Gitarrist Jan Akkerman (* 1946) zu van Leers Band, die daraufhin in Focus umbenannt wurde.
Zwar konnte das Quartett schon 1970 mit »In and Out of Focus« das erste Album veröffentlichen, doch nahm außerhalb der Niederlande niemand von der Band Notiz. Akkerman verließ Focus und gründete mit dem Bassisten Cyril Havermans und dem Schlagzeuger Pierre van der Linden eine eigene Band. Als Dresden und Cleuver ebenfalls Focus verließen, schloss sich van Leer Akkermans Band an, die daraufhin den Namen Focus übernahm.
In der Besetzung van Leer, Akkerman, Havermanns und van der Linden wurde die zweite LP der Gruppe eingespielt. »Moving Waves« (1971) enthielt mit »Hocus Pocus« eine ausgedehnte Rock-Suite, die von einem einem Ritornell ähnelnden Gitarrenriff Akkermans zusammengehalten wurde, aber auch etwa mit Falsettgesang, Jodeln und einem Schlagzeugsolo aufwartete. »Movin Waves«, und insbesondere »Hocus Pocus« machten das Quartett beinahe schlagartig in Europa bekannt, und selbst in den USA fand die LP Beachtung. Als die Musiker nach Veröffentlichung der LP sich anschickten, auf Tour zu gehen, verließ Havermans die Band; er wurde bald darauf durch den Bassisten Bert Ruiter ersetzt (* 1946). Bis 1974 blieb die Band stabil, es wurden das Doppelalbum »Focus III« (1972) und die Live-LP »At the Rainbow« (1973) eingespielt, dann ging van der Linden. Er wurde durch den britischen Schlagzeuger Colin Allen (* 1938) ersetzt, der in den 1950- und 1960er-Jahren bereits mit diversen Größen der amerikanischen und britischen Blues- und Rockmusik gespielt hatte, etwa mit Bob Dylan, John Lee Hooker, Solomon Burke, T. Rex, Georgie Fame, Donovan und Stone the Crows. Allen war weniger dem Jazz verhaftet wie van der Linden und gab dadurch Focus einen etwas anderen Klang. Er blieb indes kaum länger als ein Jahr, dann nahm der Amerikaner David Kemper (* 1947) hinter den Drums Platz.
Focus hatte allerdings die erfolgreichsten Tage hinter sich: 1975 wurde noch »Mother Focus« vorgelegt, dann zerfiel die Band. Akkerman ging 1976, der Jazzrock-Gitarrist Philip Catherine kam für ihn, die Band nahm mit dem amerikanischen Sänger P.J. Proby ein Album auf – »Focus con Proby« (1978) –, auf das noch nicht einmal die eisernen Fans der Band gewartet hatten. Dann entschieden sich die Musiker, die Band aufzulösen.
1985 kamen van Leer und Akkerman für die Aufnahmen eines Albums zusammen, um zu erproben, ob der Name Focus noch seinen alten Klang hatte. »Focus« fand allerdings keine Zuhörer und van Leer und Akkerman begruben ihre Pläne. Seitdem versuchte vor allem van Leer immer wieder mal, Focus aufs Neue zu beleben, doch gelang dies erst nach der Jahrtausendwende und dann auch nur teilweise: Van Leer holte mit van der Linden einen alten Mitstreiter in seine zu dieser Zeit aus dem Bassisten Bobby Jacobs und dem Gitarristen Jan Dumée bestehenden Band und spielte 2006 »Focus 9/New Skin« ein. 2009 gehörten neben van Leer und van der Linden der Gitarrist Niels van der Steenhoven und der Bassist Bobby Jacobs zu Focus.
Den instrumentalen Fähigkeiten, dem kompositorischen Einfallsreichtum und dem Bildungsgestus nach gehört Focus in die erste Reihe der großen Progressive-Rock-Bands der 1960er- und 1970er-Jahre, müsste neben Yes, Gentle Giant, Jethro Tull und Emerson, Lake & Palmer stehen. Nach wie vor bieten vor allem die LPs »Moving Waves«, Focus III« und »At the Rainbow« mustergültige Beispiele einer intelligenten Rockmusik, in der Einflüsse von Jazz und Folk ebenso selbstverständlich und plausibel eingearbeitet sind wie riff-betonter Gitarrenrock und Versatzstücke barocker Musik; die Live-LP »Hamburger Concerto« von 1974 gibt einen Eindruck von dem Können der Band. Tatsächlich bezog sich die Band nur wenig auf die britischen Vorbilder wie etwa Jethro Tull und The Nice, nahm ihrerseits aber Einfluss auf deutsche Bands wie Tritonus, Triumvirat, electra und Stern-Combo Meißen. Das Instrumentalspiel von Akkerman wie von van Leer ist nach wie vor mustergültig – wie etwa die Orgel-Begleitung für eine Rockballlade zu fassen ist, zeigen einige Kompositionen von Focus in nicht zu verbessernder Weise.



Diskografie

In and Out of Focus (1970)
Moving Waves (1971)
Focus III (1972)
At the Rainbow (1973)
Hamburger Concerto (1974)
Mother Focus (1975)
Ship of Memories (1977)
Focus con Proby (1978)
Focus 81985)
Focus 8 (2002)
Live in america 82003)
Live at the BBC 1976 (2004)
Focus 9/New Skin (2006)



Weblink

http://www.focustheband.com/ (Offizielle Website der niederländischen Progressive-Rock-Band Focus)