Frank Zappa

Zappa, Frank Vincent, amerikanischer Musiker (Komposition, Text, Gitarre, Gesang), * Baltimore (Maryland) 21.12. 1940, † Los Angeles (Kalifornien) 4.12. 1993; Zappa stammt von arabischen, griechischen, italienischen und französischen Vorfahren ab.

Biografie

Frank Zappa interessierte sich in seiner frühen Jugend für den Rhythm & Blues der Schwarzen und schloss sich als Schüler einer R & B-Band namens The Ramblers an; bei den Ramblers spielte er allerdings noch nicht Gitarre, sondern Schlagzeug. Zur gleichen Zeit begann er, eine Sammlung von R & B-Singles anzulegen, hörte parallel zu diesen Platten aber auch Werke der traditionellen Kunstmusik, etwa von Edgar Varèse.

Tatsächlich galt zu dieser Zeit sein Interesse an der Musik vor allem den Perkussionsinstrumenten: Angeregt durch eine Schallplatten-Rezension, begann er, Schallplatten mit der Musik Edgar Varèses zu sammeln, kaufte sich aber auch eine Snare Drum, um sich selbst die Grundlagen des Orchester-Schlagzeugspiels beizubringen. Auf diese Weise lernte er auch die Musik etwa von Igor Strawinsky näher kennen. Als Jugendlicher versuchte er sogar, Kontakt zu Varèse aufzunehmen. Varèse sandte Zappa einen Antwortbrief, den dieser den Rest seines Lebens aufbewahrte.

Wegen des Umzugs seiner Familie in einen Ort in der Nähe von Los Angeles war Zappa auch gezwungen, die Schule zu wechseln. Hier begegnete er Don Vliet, der sich später Don van Vliet nannte und als Captain Beefheart selbst einige Bekanntheit, nicht zuletzt aufgrund seiner späteren Zusammenarbeit mit Zappa, erlangte. Zappa spielte weiterhin Drums, so bei einer Band, die sich The Blackouts nannte, doch verschob sich sein Interesse zunehmend vom Schlagzeug zur Gitarre. 1957 kaufte er seine erste elektrische Gitarre und begann, wiederum autodidaktisch, das Spiel des Instrumentes zu lernen; er orientierte sich dabei an Aufnahmen von Blues-Musikern wie Johnny Guitar Watson, Howlin` Wolf und Clarence Gatemouth Brown. Dabei verlor er die Kunstmusik nicht aus dem Auge, sondern begann zu komponieren, seine Musik zu instrumentieren und mit dem Orchester der Schule einzustudieren.

Einen Versuch, zu studieren, brach Frank Zappa nach einigen Monaten wieder ab. Auch eine Tätigkeit in der Werbeindustrie gab er bald wieder auf und versuchte stattdessen, als Komponist und Arrangeur erfolgreich zu sein. Er schrieb die Musik zu zwei Filmen – »The World’s Greatest Sinner« (1962; Regie Timothy Carey) und »Run Home slow« (1965; Regie: Ted Brenner) –, nahm daneben aber auch Engagements als Musiker an. Anfang der 1960er-Jahre arbeitete er mit dem Sänger und Komponisten Ray Collins und dem Produzenten Paul Buff zusammen; in Buffs Pal Recording Studio lernte er seinerzeit avancierte Studiotechnik kennen: Buff besaß eine Tonbandmaschine, mit der es möglich war, auf fünf Spuren gleichzeitig aufzunehmen. 1963 veranstaltete Zappa ein Konzert mit seiner eigenen Musik, engagierte dazu ein Orchester und nahm die Musik für eine Rundfunksendung auf. Mit van Vliet tat er sich zu der mehr oder weniger fiktiven Formation The Soots zusammen; gemeinsam produzierten die beiden Musiker einige Songs und boten sie dem Label Dot Records zur Veröffentlichung an. Dot Records lehnte die Musik jedoch mit den Worten »No commercial potential« ab – Zappa ließ die Worte später auf das Cover von »Freak out« (1966) drucken, die dadurch zu einem geflügelten Wort der Musikindustrie wurden. Mitte der 1960er-Jahre gründete Zappa einerseits mit The Muthers ein eigenes Trio – er spielte nunmehr ausschließlich Gitarre –, verbrachte andererseits jedoch die meiste Zeit in Buffs Studio, um mit Aufnahmen, Überspielungen und Schnitt zu experimentieren; Buff verkaufte ihm schließlich das Studio. Allzu viel Freude hatte Zappa an seiner Neuerwerbung allerdings nicht: Man verdächtigte ihn der Produktion pornografischen Materials, die Polizei fingierte eine einschlägige Bestellung, nahm ihn fest und beschlagnahmte sämtliche im Studio befindlichen Aufnahmen. Eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis wurde zwar verhängt, doch musste Zappa davon nur zehn Tage absitzen. Schwerer wog für ihn, dass er von seinen Aufnahmen nur einen kleinen Teil zurück erhielt, und so schloss er 1966 das Studio.

Bereits 1965 hatte er das Angebot, in der R & B-Band The Soul Giants Gitarre zu spielen, angenommen. Selbstbewusst und routiniert hatte Zappa sich bald als zweiter Lead-Sänger der Band etablieren können und deren Führung übernommen. Überzeugt davon, dass The Soul Giants mit seiner Musik würden erfolgreicher sein können, änderte Zappa den Namen der Gruppe in The Mothers. Etwa zur gleichen Zeit lernte er den Manager Herb Cohen (* 1933) kennen und übertrug ihm die Geschäfte der Band. Cohen verschaffte den Mothers zunächst einige Auftritte in lokalen Veranstaltungsorten, die sich selbst dem gerade aufkeimenden »Underground« zugehörig fühlten und deshalb Musikern und Bands, die die konventionelle Musik der Hit-Paraden mieden, Auftrittsmöglichkeiten boten. So lernte der Schallplattenproduzent Tom Wilson Zappas Mothers kennen und nahm die Band für Verve Records, seinerzeit ein Unterlabel von MGM Records, unter Vertrag. Verve war zwar als Label für Jazz bekannt geworden, doch hatte die Leitung des Labels – von der so genannten British Invasion unter Zugzwang gesetzt – beschlossen, sich der Rockmusik zu öffnen. Im Falle der Band von Zappa bestand man allerdings darauf, dass die Gruppe ihren Namen in Mothers of Invention ändern müsse – der Name Mothers ließ allzu viele, auch negative, Konnotationen zu.

Das Debüt-Album der Band, »Freak out!«, 1966 veröffentlicht, machte mit seiner wilden Mixtur amerikanischer Musik beinahe jeglicher Herkunft die Mothers of Invention und ihren Bandleader Frank Zappa schlagartig bekannt. Wilson hatte »Freak out!« produziert und saß auch bei den Aufnahmen für das folgende Album der Band, »Absolutely free« (1967), am Mischpult. In schneller Folge spielten The Mothers of Invention weitere Alben ein, 1968 »Lumpy Gravy«, nach dem Wechsel der Band nach New York und einer missglückten Europa-Tournee 1968 »We’ re only in it for the Money« – eine böse Anspielung auf die Veröffentlichungen der Beatles -, noch im selben Jahr »Cruising with Ruben and the Jets«, eine Sammlung von selbst angefertigten Doo-Wop-Songs, die das Publikum ratlos machte, ob dieses Platte ernst gemeint war oder wieder eine der provokativen Parodien des Meisters mit dem charakteristischen Bart. Doch Zappa ließ seinen Zuhörern keine Zeit, über derlei Fragen lange nachzudenken und veröffentlichte wenige Monate später »Uncle Meat« (1969).

Die Flut der Veröffentlichungen, die zahllosen Konzerte – die Zappa mittlerweile allesamt mitschneiden ließ – täuschten darüber hinweg, dass die Band permanent in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Zappa bezahlte seinen mittlerweile auf neun Mitglieder angewachsenen Band ein festes Gehalt, gleichgültig, ob die Musiker eine LP aufnahmen, Konzerte gab oder untätig in seinem Haus saß; mittlerweile waren The Mothers of Invention wieder nach Los Angeles zurückgekehrt. 1969 löste Zappa die Band auf, engagierte einige der Musiker aber weiterhin je nach Bedarf für die Aufnahmen seiner LPs. Auf dieser Grundlage entstanden die Alben »Weasels ripped my Flesh« (19709 und »Burnt weeny Sandwich« (1970).
Seinerseits veröffentlichte Zappa nun auch Solo-LPs. Bereits Ende der 1960er-Jahre hatte er begonnen, in seine Musik Elemente von Jazz und traditioneller Kunstmusik einzuflechten, nun, für »Hot Rats« (1969), holte er Musiker wie den Geiger Don Sugarcane Harris und den Bassisten Shuggie Otis in das Studio und ließ nur für einen Track Don van Vliet, nunmehr Captain Beefheart, an das Gesangsmikrofon treten und erlaubte sich selbst ausgedehnte Gitarrensoli. »Hot Rats« stellt in der Tat ein Schlüsselwerk des Jazzrocks dar, wie er sich in diesen Jahren langsam entwickelte.

Mit seien kompositorischen Ambitionen hatte Zappa gelegentlich auch weniger Glück: Als er 1970 den Dirigenten Zubin Mehta (* 1936) kennen lernte, verabredeten die beiden Musiker Zusammenarbeit. Das gemeinsame Konzert – bei dem einige Werke Zappas aufgeführt wurden – hinterließ einen desillusionierten Zappa, der fortan auf Orchestermusiker nur noch schimpfte. Die Musik indes, tauchte 1971 zumindest in Teilen in seinem Film »200 Motels« auf.

Zunächst aber konstruierte Zappa eine neue Band, engagierte den britischen Schlagzeuger Aynsley Thomas Dunbar (* 1946), den Keyboard-Spieler George Duke, den Gitarristen Jeff Simmons, holte von den früheren Mothers den Keyboard-Spieler Ian Underwood, vor allem aber von der amerikanischen Band The Turtles deren Bassisten Jim Pons sowie die Sänger Mark Volman (* 1947) und Howard Kaylan, eigentlich Howard Kaplan, (* 1947). Die beiden Sänger, komödiantische Talente ersten Ranges, stahlen als »The Phlorescent Leech and Eddie«, kurz Flo & Eddie, mit ihren stets rücksichtlosen, mitunter brutalen Parodien Zappa bald die Show. Mit dieser Band nahm Zappa zunächst das Album »Chungas Revenge« (1970) auf, dann machten sich die Musiker an die Aufnahmen für den Soundtrack von Zappas Film »200 Motels« (1971; Regie: Frank Zappa, Tony Palmer). Der Film – der das Leben von Rockmusikern auf Tour zum Inhalt hat, allerdings versehen mit diversen Beigaben, die mit diesem zentralen Thema nicht viel zu tun haben – repräsentiert am besten das Image von Zappa selbst wie auch das seiner Musik. Er hatte wiederum ein Orchester engagiert, doch konnte das Royal Philharmonic Orchestra seine negative Meinung von Orchestermusikern nicht ins Gegenteil verkehren. »200 Motels« prägte auch die Konzerte, die Zappa mit seinen Musikern Anfang der 1970er-Jahre gab und die auf den LPs »Fillmore East – June 1971« (1971) und »Just another Band from L.A.« (1972) gab. Überschattet wurde das Jahr 1971 von zwei Unfällen: Bei einem Konzert in Montreux geriet die Bühne in Brand; zwar konnten sich Band und Publikum retten, doch war das Equipment der Musiker den Flammen zum Opfer gefallen. Nur wenige Tage später gab die Band ein Konzert in London; Zappa wurde von der Bühne gestoßen und erlitt dabei so schwere Verletzungen, dass die Tournee nicht fortgesetzt werden konnte. Da die Rekonvaleszenz Zappas sich hinzog, brach die Band auseinander.

Zappa selbst ließ die Zeit allerdings auch nicht ungenutzt verstreichen: Mit wechselnden Musikern spielte er die Jazzrock-Alben »Waka/Wajaka« (1972) und »The Grand Wazoo« (1972) ein und behielt diese Produktionsweise bei. Zum Kern der Band gehörten zu dieser Zeit Ian Underwood, Ruth Underwood (Mallets), Chester Thompson (Schlagzeug), George Duke und Jean-Luc Ponty (Violine). Jahr für Jahr erschienen LPs, darunter »Roxy & Elsewhere« (1974) und »One Size fits all« (1975); »Bongo Fury« (1975) brachte ihn wieder mit dem alten Weggefährten Captain Beefheart zusammen.

Mitte der 1970er Jahre war Zappa kommerziell zwar einigermaßen erfolgreich – sein Solo-Album »Apostrophe« von 1974 hatte es sogar bis auf Platz 10 der Billboard-Charts gebracht -, doch war der Preis die Notwendigkeit größtmöglicher Autarkie. Zappa hatte bereits die Platten-Labels Straight Records und Bizarre Records gegründet, fasste diese 1973 aber mit Cohens Hilfe zu Discreet Records zusammen. 1976 gerieten Manager und Musiker in einen heftigen Konflikt und blockierten gegenseitig ihre Aktivitäten. Zappa schloss daher für die Veröffentlichung von »Zoo Allures« (1976) einen separaten Vertrag mit Warner. Als er seine nächsten Alben bei Mercury veröffentliche wollte, sperrte sich Warner, so dass der Musiker nun auch hier seine Rechtsanwälte konsultieren musste.

Dennoch fand Zappa Zeit, weiter an seiner Musik zu arbeiten. In seiner Band spielten nun neben anderen der Schlagzeuger Terry Bozio, der Keyboard-Spieler Eddie Jobson, der Saxofonist Michaels Brecker und dessen Bruder, der Trompeter Randy Brecker; ein musikalisches Dokument dieser Besetzung ist das Album »Zappa in New York«, 1978 nach Beilegung der Streitigkeiten auf Discreet veröffentlicht. Warner indes veröffentlichte die Instrumental-Alben »Studio Tan« (1978), »Sleep Dirt« (1979) und »Orchestral Favorites« (1979) ohne Zappa lange zu fragen.

Der Musiker reagierte auf seine Weise: Er gründete mit Zappa Records wieder ein Label und legte unter seinem Namen eine Reihe von Alben vor, deren Vertrieb CBS übernahm: »Sheik Yerbouti« (1979) und die über zwei Alben mit insgesamt drei LPs verteilte Rock-Oper »Joe’s Garage« (1979). Songs aus diesen Alben wie »Bobby Brown«, »Jewish Princess« oder »Catholic Girls« waren einerseits äußerst erfolgreich, brachten ihrem Urheber allerdings auch wieder Ärger ein – in den USA zieh ihn eine jüdische Organisation des Antisemitismus, was Zappa vehement zurückwies.

Mittlerweile hatte Zappa, auch aufgrund des technischen Fortschritts, seine Produktionsweise erheblich verfeinert. Die Aufnahmen im Studio wie auch von den Konzerten lieferten ihm nunmehr den Grundstoff für die endgültige Arbeit, die er in langwierigen Sitzungen in einem in sein Haus eingebautem Studio vornahm. Hier auch nahm er das Album »You are what You is« (1981) auf, ein Produkt seiner komplizierten Produktionsweise. Zu seiner Band zählten zu dieser Zeit hervorragende Musiker, darunter der Schlagzeuger Vinnie Colaiuta oder der Gitarrist Steve Vai.

Ab 1981 auch hielt Zappa eine Art Rückschau, sammelte diverse Aufnahmen seiner Gitarren-Soli und veröffentlichte sie im Rahmen einer Reihen von Instrumental-Alben, »Shut up ’n play Your Guitar« (1981), » Shut up ’n play Your Guitar some more« (1981) und »The Return of the Son of Shut up ’n play Your Guitar«; später erschienen mit »Guitar« (1988) und »Trance-Fusion« (2006) weitere. Daneben produzierte er weiterhin Album um Album, 1982 etwa »Ship arriving too late to save a drowning Witch« mit der Single »Valley Girl«, die nicht zuletzt Dank des von seiner Tochter Moon eingestreuten Teenager-Sprechs ein Hit wurde und Zappa einen seiner größten kommerziellen Erfolge bescherte.

In den 1980er-Jahre gab Zappa seiner Musik eine neue Ausrichtung: Mit »The Man from Utopia« legte er 1983 zwar ein weiteres Rock-Album vor, stellte den Text aber melodramatisch in den Vordergrund; schon in den ersten Jahren seiner Karriere als Musiker hatte er ab und zu auf den Talking Blues zurückgegriffen, hatte auch bei »Tinsel Town Rebellion« (1981), der ersten Veröffentlichung auf seinem neuen Label Barking Pumpkin Records, das Stilmittel der Melodramatik verwendet, doch nun schien ihm die Aussage des Textes so wichtig, dass er sie nicht durch etwaige melodische Zwänge stören wollte. Wichtiger für ihn aber war, dass ihm mit dem Synclavier endlich ein Instrument zur Verfügung stand, das ihm vollständige Kontrolle über den Kompositions- wie Produktionsprozess erlaubte. 1983 hatte er wieder einmal mit einem Orchester zusammen gearbeitet – dieses Mal mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Kent Nagano – und 1983 eine erstes Album vorgelegt, dem 19097 ein zweites folgte. Das Synclavier nun bot ihm erstmals die Möglichkeit, den Klang von Orchesterinstrumenten zu imitieren und aus diesen Klängen seine Partituren zusammen zu bauen. Mitte der 1980er-Jahre veröffentlichte er eine CD, »Boulez conducts Zappa: The perfect Stranger« (1984), das Aufnahmen eines von Pierre Boulez geleiteten realen Orchesters wie einige mit dem Synclavier produzierten enthielt. Das avancierte elektronische Instrument wurde Zappas bevorzugtes Mittel und kam auch für »Thing Fish« (1984), ein bitterböses Musical, für »Francesco Zappa« (1984) und »Them or Us« (1984) zum Einsatz.

Die Verfügbarkeit digitaler Studiotechnik brachte Zappa dazu, seine früheren Alben, nunmehr für die Veröffentlichung auf CD vorgesehen, zu remastern. Daneben veröffentlichte er 1986 das Album »Jazz from Hell«, das ihm den ersten Grammy seines Lebens einbrachte, in der Kategorie »Best Rock Instrumental Perfomance« – Zappa hatte das Album bis auf ein Gitarren-Solo ausschließlich unter Zuhilfenahme des Synclaviers aufgenommen. Die Beschäftigung mit seiner eigenen Musik ließ ihn 1988 auch wieder ein Tournee planen, während der er mit einem Dutzend weiterer Musiker vor allem Kompositionen aus dem eigenen Repertoire, ergänzt durch einige Cover Versions, vortragen wollte. Der Plan ließ sich zwar nicht in jedem Detail in die Tat umsetzen – so erwies es sich als unmöglich zwölf Musiker über Wochen zusammen zu halten -, doch ergab das während der Tour mitgeschnittene Material drei Alben.
1990 berief der damalige Präsident der Tschechoslowakei Václav Havel, Kenner der Musik des Amerikaners, Zappa zum Kulturattaché seines Landes. Voller Pläne für die neue Aufgabe, wollte Zappa sich an die Arbeit machen, als er erfuhr, dass er unheilbar an Krebs erkrankt war. In der ihm verbleibenden Zeit widmete Zappa sich daher beinahe ausschließlich seiner Musik. Er veröffentlichte 1993 ein früher begonnenes Album, »Civilization, Phaze III«, und nahm 1991 ein Angebot des in Frankfurt am Amin beheimateten Orchesters Ensemble Modern an, an der Aufführung einiger seiner Kompositionen mitzuwirken. Die Zusammenarbeit war so fruchtbar, dass daraus eine Reihe von Konzerten wurde; Zappa war bei zwei Konzerten selbst anwesend. Teile der Konzerte erscheinen 1993 auf seinem letzten zu Lebzeiten veröffentlichten Album »The Yellow Shark«, weitere 1999 mit »Everything is healing nicely«.

Frank Zappa starb am 4. Dezember 1993 in Los Angeles; er hinterließ außer seiner Frau Gail seine vier Kinder Moon Unit, Dweezil, Ahmet Emuukha Rodan und Diva Thin Muffin Pigeen.
Nach Zappas Tod begann Gail Zappa das musikalische Vermächtnis ihres verstorbenen Mannes zu sichten und gründete zu dessen Vermarktung The Zappa Family Trust. Nach Frank Zappas Tod erschien daher eine Reihe von CDs.

Frank Zappa steht mit seiner Musik außerhalb von Kategorien wie Rock, Pop, Jazz oder Kunstmusik. So fühlt sich zwar eine große Anzahl von Musikern von ihm beeinflusst, doch ist Zappas Musik nicht nachzuahmen und kaum in die eigene Musik einzubauen. Es ist gerade die Distanz zur Musik an sich, die an den Werken Zappas zu erkennen ist. Er kannte sehr viel Musik und machte zwischen Jazz, Rock und traditioneller Kunstmusik keinen Unterschied. So findet sich in seinem Werk auch jede Art von Musik, wenn auch immer aus der speziellen Sicht Frank Zappas. Dies bedeutet allerdings, dass seine Musik stets Musik über Musik ist und sich anderer Musik als Mittel bedient; seine Musik ist originell, aber nicht originär. Dafür spricht auch sein Wille, noch über jedes Detail seiner Musik die Kontrolle zu bekommen und zu erhalten. Er schrieb nicht nur seinen Musikern – in aller Regel Meister ihres Instrumente wie Dunbar, Bozio, Underwood, Duke und andere mehr – vor, was sie zu spielen hatten, legte ihnen seine Partituren vor in der Erwartung, dass sie seine gewiss komplizierte Musik mit ihren ständigen metrischen Veränderungen und diffizilen Arrangements ohne weiteres vom Blatt spielen könnten, sondern beharrte auch auf scheinbar nebensächlichen Dingen wie exakter Stimmung der Instrumente und absoluter Präzision in der Ausführung rhythmischer Details. Ihm allein stand die Freiheit zu, ihm als Komponist, und nicht den Musikern, von denen mehr als einer eben gerade wegen dieser fehlenden Freiheit die Nähe Zappas bald mied. Die digitale Tontechnik – die er zumindest in ihren Anfängen kennen und nutzen lernte – mag ihm wie ein Erlösung erschienen sein, gab sie ihm doch die Freiheit mit realer, als Aufnahme vorliegender Musik mach zu können, was immer im dazu einfiel. Er nutzte diese Möglichkeit und war damit in der Tat ein Avantgardist.

Ob Zappa sich selbst als Komponist im Sinne des autonomen Komponisten der traditionellen Kunstmusik sah, muss dahingestellt bleiben. Manches spricht dafür wie gerade die Anerkennung seines Werkes, die er noch in seinen letzten Lebensjahren erfuhr. Doch ist die Spur seines Werkes gerade in der Kunstmusik nur schwach zu sehen und beruht möglicherweise auf Umständen außerhalb der Musik.

So ähnlich ist es auch mit seinen Jazzrock-Experimenten: Der Hörer nimmt sie mit Staunen zur Kenntnis, doch hatten sie außerhalb des von Zappa aufgebauten Kosmos’ keine Bedeutung. Und nach Zappa gab es keine Rockband, die Rock machte wie Zappa. Falls es denn Rock war.

Die Thematik seiner Musik allerdings blieb aktuell: Er kritisierte den American Way of Life, die Bigotterie der amerikanischen Gesellschaft, wo immer er konnte. Er nahm die Lautsprecher der Politik beim Wort und forderte Freiheit ein, wann immer er sie bedroht fühlte; legendär sein Auftritt vor dem Senat, bei dem er Freiheit für das Wort einforderte. Er nahm kein Blatt vor den Mund, erschreckte die amerikanische Öffentlichkeit mit Provokationen aller Art und erwartete, dass die amerikanische Öffentlichkeit ihre plakatierten eigenen Maximen ernst nähme. Das schien oft lustig, war aber nicht so gemeint.

Auszeichnungen

Grammy 1987
Grammy 1995
Grammy Lifetime Achievement Award 1997

Diskografie

Freak Out! (1966)
Absolutely Free (1967)
We’re Only in It for the Money (1968)
Lumpy Gravy (1968)
Cruising with Ruben & the Jets (1968)
Uncle Meat (1969)
Hot Rats (1969)
Burnt Weeny Sandwich (1970)
Weasels Ripped My Flesh (1970)
Chunga’s Revenge (1970)
Fillmore East – June 1971 (1971)
200 Motels (1971)
Just Another Band from L.A. (1972)
Waka/Jawaka (July 1972)
The Grand Wazoo (1972)
Over-Nite Sensation (1973)
Apostrophe (1974)
Roxy & Elsewhere (1974)
One Size Fits All (1975)
Bongo Fury (1975)
Zoot Allures (1976)
Zappa in New York (1978)
Studio Tan (1978)
Sleep Dirt (1979)
Sheik Yerbouti (1979)
Orchestral Favorites (1979)
Joe’s Garage (1979)
Tinsel Town Rebellion (1981)
Shut Up ’n Play Yer Guitar (1981)
You Are What You Is (1981)
Ship Arriving Too Late to Save a Drowning Witch (1982)
The Man from Utopia (1983)
Baby Snakes (1983)
London Symphony Orchestra, Vol. 1 (1983)
Boulez Conducts Zappa: The Perfect Stranger (1984)
Them or Us (1984)
Thing-Fish (1984)
Francesco Zappa (1984)
Frank Zappa Meets the Mothers of Prevention (1985)
Does Humor Belong in Music? (1986)
Jazz from Hell (1986); London Symphony Orchestra, Vol. 2 (1987)
Guitar (1988)
You Can’t Do That on Stage Anymore, Vol. 1 (1988)
You Can’t Do That on Stage Anymore, Vol. 2 (1988)
Broadway the Hard Way (1988)
You Can’t Do That on Stage Anymore, Vol. 3 (1989)
The Best Band You Never Heard in Your Life (1991)
You Can’t Do That on Stage Anymore, Vol. 4 (1991)
Make a Jazz Noise Here (1991)
Beat the Boots (1991; acht CDs)
Beat the Boots II (1992; sieben CDs)
You Can’t Do That on Stage Anymore, Vol. 5 (1992)
You Can’t Do That on Stage Anymore, Vol. 6 (1992)
Playground Psychotics (1992)
Ahead of Their Time (1993)
The Yellow Shark (1993; mit Ensemble Modern)

CDs posthum veröffentlicht

Civilization, Phaze III (1994)
The Lost Episodes (1996)
Läther (1996)
Frank Zappa Plays the Music of Frank Zappa: A Memorial Tribute (1996)
Have I Offended Someone? (1997)
Mystery Disc (1998)
Everything Is Healing Nicely (1999)
FZ:OZ (2002)
Halloween (2003)
Joe’s Corsage (2004)
QuAUDIOPHILIAc (2004)
Joe’s Domage (2004)
Joe’s XMASage (2005)
Imaginary Diseases (2006)
Trance Fusion (2006)
The Making of Freak Out! (2006)
The Frank Zappa AAAFNRAA Birthday Bundle (2006)
Buffalo (2007)
The Dub Room Special (2007)
Wazoo (2007)
One shot Deal (2008)
Joe’s Menage (2008)
The Lumpy Money Project (2009)
Philly 76 (2009)

Literatur

Zappa, Frank/Occhiogrosso, Peter: The Real Frank Zappa Book; New York 1989
Walley, David: No Commercial Potential. The Saga of Frank Zappa.Then and Now; New York 1980
Gray, Michael: Mother! Ist the Story of Frank Zappa; London 1984)
Ludwig, Wolfgang: Untersuchungen zum musikalischen Schaffen von Frank Zappa; Frankfurt/Main 1992
James, Billy: Necessity is…: The Early Years of Frank Zappa & The Mothers of Invention; London 2000)
Miles, Barry: Frank Zappa; London 2004

Weblink

http://www.zappa.com/ (Offizielle Website des Zappa Family Trusts)