Frumpy

Frumpy, deutsche Rockband, 1969 von der Sängerin Inga Rumpf, dem Organisten Jean-Jacques Kravetz (* 1947), dem Bassisten Karl-Heinz Schott und dem Schlagzeuger Carsten Bohn (* 1948) in Hamburg gegründet.

Bandbiografie

Inga Rumpf, Kravetz und Schott waren Mitglieder der Hamburger Folk-Formation The City Preachers um den Iren John O’Brien Docker und entschlossen sich, als es in der mehr als ein Dutzend Sänger und Musiker umfassenden Band O’Dockers zu kriseln begann, unter dem Namen City Preachers eine eigene Band zu gründen. Zwar fanden sie in Udo Lindenberg schnell einen motivierten Schlagzeuger, doch da O’Docker die Namensrechte an The City Preachers wie an City Preachers besaß, musste das Quartett das Vorhaben zunächst aufgeben. Lindenberg wandte sich eigenen Plänen zu, doch gaben Rumpf, Kravetz und Schott so schnell nicht auf und gründeten – nunmehr mit dem Schlagzeuger Carsten Bohn – eine neue Band, die sie mit dem englischen Slangwort Frumpy benannten – was so viel wie »ohne jeden Chic« bedeutet. Vorbilder fanden die Musiker in britischen Bands wie The Nice und The Trinity um den Organisten Brian Auger und die Sängerin Julie Driscoll.

Das Debütalbum der Band, »All Will Be Changed«, kam 1970 auf den Plattenmarkt. Mit für deutsche Rockbands seinerzeit ungewohnter Professionalität gewann die Band das deutsche Rockpublikum weniger mit durchaus beachtlichen Plattenverkäufen, als durch die Konzerte, die das Quartett gab: Inga Rumpf hatte den Freiraum, der ihr bei den City Preachers nicht zugestanden worden war und hielt dem Vergleich mit Julie Driscoll mühelos stand, Kravetz bildete mit einem zwischen Soul und dem noch jungen Classical Rock stehenden Orgelspiel den Widerpart zu Inga Rumpfs Gesang. Dennoch zog die Band für die Aufnahmen zur zweiten LP den Gitarristen Rainer Baumann (*1949, † 2007) hinzu. Die Platte, mit dem schlichten Titel »Frumpy II« versehen, erschien 1971.

Nun hatte Frumpy mit ihrer trotz aller Anleihen bei den britischen Vorbildern eigenständigen Musik in Deutschland erreicht, was erreicht werden konnte. Der Sprung nach England und damit auf den internationalen Markt indes scheiterte. Eine LP noch, »By the Way« (1972), wurde veröffentlicht, dann löste sich die Band auf, die Musiker schlossen sich anderen Bands an oder versuchten es solo. Zu einer kurzen Reunion kam es 1976, vom Publikum kaum beachtet. 1990 fand die Band zu einigen Konzerten wieder zusammen und produzierte bis 1995 auch drei CDs, doch nahmen die Musiker die ursprüngliche Idee einer Mischung von Blues, Jazz und Klassik nicht wieder auf.

1969 entsprach die Idee eines Orgeltrios mit einer Sängerin in höchstem Maße dem Zeitgeist. Der Spagat zwischen dem neuen Progressive Rock einerseits – durch Kravetzs Bearbeitungen von Werken der Kunstmusik gerechtfertigt – und dem Blues, vertreten durch den Gesang Inga Rumpfs, musste aber bereits wenige Jahre später misslingen, als der britische Progressive Rock die Rockmusik dominierte und für Blues oder auch nur an den Blues angelehnte Musik kein Platz mehr war. Zudem legten die britischen Bands einen technischen Overkill an den Tag, dem die deutschen Bands nicht gewachsen waren.

Frumpy hat sich trotz der Kürze ihres Bestehens im Gedächtnis des Rockpublikums gehalten, vor allem wegen der Musik, aber nicht zuletzt auch durch die jeweilige Cover-Gestaltung der ersten beiden LPs: »All Will Be Changed« zeigte ein buntes Chamäleon, das durch ein grafisch raffiniertes Klapp-Cover aus Plastikfolie und Papier als Bild entstand; »Frumpy II« steckte in einer runden, durchsichtigen Plastiktasche mit Tragegriff; die Liner Notes waren auf einem rund geschnittenen, ausklappbaren Faltheft abgedruckt. Die LP selbst gab es in drei Ausführungen: rot-schwarzes Vinyl, grün-schwarzes Vinyl und blau-schwarzes Vinyl. Beide Originalcover sind gesuchte Sammlerstücke.

Diskografie

All will be changed (1970)
Frumpy II (1971)
By the way (1972)
Live (1973)
Now (1990)
News (1991)
Frumpy – live ´95 (1995)