Gazpacho

Stichworte Concept Album | Marillion | Porcupine Tree



Gazpacho, norwegische Progressive-Rock-Band, 1996 gegründet; der Name bezieht sich auf die kalt servierte spanische Gemüsesuppe und soll andeuten, dass es sich bei der Musik der Band ebenfalls um ein aus verschiedenen Elementen bestehendes Gemisch handelt.

Bandbiografie

Der Gitarrist Jon-Arne Vilbo und der Keyboard-Spieler Thomas Andersen hatten schon als Jugendliche in einer Band namens Delerium gespielt, verloren sich nach Auflösung dieser Band jedoch aus den Augen. Mitte der 1990er-Jahre trafen sie sich wieder und beschlossen, wieder eine Band zu gründen. Andersen hatte inzwischen eine Karriere als Produzent von Werbemusik eingeschlagen und dabei den Sänger Jan-Henrik Ohme kennen gelernt. Ohme, angetan von der Idee einer Progressive-Rock-Band, erklärte sich bereit, an den Aufnahmen zu einer CD teilzunehmen. Als Bassisten engagierten die drei Musiker Roy Funner, der allerdings anders als Ohme nicht Mitglied der Band wurde. Für die Schlagzeugparts setzte die Band einen Drum-Computer ein.
Aufnahme und Produktion des ersten Albums zogen sich über Jahre hin. Ohme, Vilbo und Andersen hatten sich ein hohes Ziel gesetzt: »Random Acces Memory« sollte gleich ein Concept Album werden. Nach zwei Jahren war das Album immer noch nicht komplett fertig, doch ließen die Musiker vier Tracks auf eine CD pressen und verteilten diese während einer Marillion-Tribute-Veranstaltung an interessierte Zuhörer. Nach kurzer Zeit waren diese Aufnahmen auf einschlägigen Web-Sites zu hören und machten Gazpacho allmählich einem Internet-Publikum bekannt. So war es nur ein kleiner Schritt, einige der vorhandenen Tracks zu einem nur über das Internet erhältlichen MP3-Album zusammenzustellen. Unter dem Titel »Get It While It’s Cold (37°C)« veröffentlicht, erreichte die MP3-Sammlung damit auch ein internationales Publikum.
2003 veröffentlichte die Band »Bravo«, ein Album, das aus einem Teil der MP3-Tracks und einigen neuen Kompositionen bestand. Für einige der neuen Aufnahmen hatte man den Drum Computer ausgeschaltet und den Schlagzeuger Geir Digernes engagiert; für Konzerte wurden außerdem der Geiger Mikael Krømer und der Flötist Kristian Skedsmo hinzugezogen. Im Hintergrund hatten aber noch andere ihren Beitrag geleistet, so etwa die Sängerin Esther Valentine – sie sang im Duett mit Ohme den Song »Novgorod« – und der Produzent Peter Kearns.
Doch gelang es der Band weder mit »Bravo« noch mit dem zweiten Album, »When Earth Lets Go«, 2004 veröffentlicht, bei irgendeinem Label einen regulären Plattenvertrag zu erhalten. Erst, als Gazpacho mit ↑Marillion auf eine ausgedehnte Tournee ging und die Band damit ihre Musik einem internationalem Publikum demonstrieren konnte, kam Bewegung in die Vermarktung der Musik Gazpachos: Marillion bot der Band an, die nächste CD auf Racket Records, dem Label Marillions, zu veröffentlichen. So brachte Racket 2005 nicht nur das dritte Album der Band, »Firebird«, auf den Markt, sondern übernahm auch die Wiederveröffentlichung von »Bravo« und »When Earth Lets Go«.
Die Band selbst veränderte sich ebenfalls: Digernes war durch Robert Johansen ersetzt worden, Funner und Skidsmo mochten sich nicht mehr den Anforderungen der Tourneen aussetzen; für Funer kam der Bassist Kristian Torp. 2007, nach der Veröffentlichung von »Night«, wurde Violinist Krømer endlich reguläres Mitglied der Band. Den mit »Night« eingeschlagenen Weg setzte die konsolidierte, und mittlerweile bekannte und erfolgreiche Band 2009 mit »Tick Tock« fort.
Die Karriere Gazapchos ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, für den Progressive Rock nach 1995 aber auch typisch: Da Plattenfirmen dem Progressive Rock in aller Regel eher skeptisch gegenüberstehen, setzten die Mitglieder der Band zunächst ausschließlich auf die Möglichkeiten des Internets, wo ↑Progressive Rock – beinahe als eine Art »Underground-Musik« – durchaus erfolgreicher ist als in den Medienmärkten, wo er ein Nischendasein fristet. Die Band wurde bekannt mit Hilfe des Internets, verkaufte über das Netz die ersten Aufnahmen und bezog seinerseits Anregungen über das Internet: An »When Earth Lets Go« beteiligten sich Fans, in dem sie der Band Audio-Samples verschiedenster Art zusandten. Während amerikanische Vertreter des Genres eher Hardrock und Heavy Metal als eines der hauptsächlichen Elemente des jüngeren Progressive Rocks ansehen, beziehen sich die Musiker von Gazpacho weit mehr auf europäische Vorbilder, kaum auf die »Big Four« der 1960er- und 1970er-Jahre, als vielmehr auf Porcupine Tree und die im Umfeld dieser britischen Band entstandenen Formationen. So spielen die Klänge elektronischer Instrumente bei den Norwegern eine ähnlich zentrale Rolle wie in der Musik von Porcupine Tree. Insgesamt aber, selbst bei Kompositions-Zusammenstellungen, die – wie etwa bei »Tick Tock« oder »Missa Atropos« – epische Ausmaße annehmen können, fehlt Gazpacho das Spröde der Briten, gerät Pop nicht völlig in den Hintergrund. Eine der Ursachen dürfte in den Qualitäten des Sängers Jan Henrik Ohme, genannt »O«, liegen – er gehört zu den wenigen herausragenden Sängern des jüngeren Progressive Rock.



Diskografie

Get it while it’s cold (37°C) (2002)
Bravo (2003)
When Earth lets go (2004)
Firebird (2005)
Night (2007)
Tick Tock (2009)
A Night at Loreley (2010)
Missa Atropos (2010)



Weblink

http://www.gazpachoworld.com/ (Offizielle Website der norwegischen Progressive-Rock-Band Gazpacho)