Genesis

Stichworte Decca Records | Yes | Emerson, Lake & Palmer | King Crimson | Gentle Giant



Genesis, britische Rockband, 1967 in Godalming (Waverle/Surey) gegründet.

Bandbiografie

Genesis ging aus zwei Schülerbands, Garden Wall und The Anon hervor: ↑Peter Gabriel (* 1950; voc) und Tony Banks (* 1950; kb, g) wollten mit dem Gitarristen Anthony Phillips (* 1951), dem Bassisten Mike Rutherford (* 1950) und dem Schlagzeuger Chris Stewart (* 1950) weniger eine Band als ein Kollektiv von Songschreibern bilden. Als die Musiker aber keine Band fanden, die ihre Musik spielten wollte, entschlossen sie sich doch, selbst als Band aufzutreten. In Jonathan King, ehemals Schüler der Schule, die auch die Musiker besuchten, fanden sie einen im Musikgeschäft bereits einigermaßen erfolgreichen Mentor, der ihnen riet, ihre Band Genesis zu nennen. King konnte der neuen Band auch zu einem Plattenvertrag verhelfen: 1969 wurde die erste LP der Band bei Decca Reccords veröffentlicht. »From Genesis to Revelation« hatte King ganz nach seinem Geschmack produziert: Die Songs, angelehnt an die seinerzeit sehr erfolgreichen Hits der Bee Gees, hatte er mit Streicherarrangements versehen und dann im Sinne eines ↑Concept Albums angeordnet. Während der Aufnahmen Ende 1968 hatte Stewart die Band verlassen und war durch den Schlagzeuger John Silver ersetzt worden, doch auch der blieb nicht lange und räumte noch im selben Jahr seinen Platz für John Mayhew.
Obwohl sich das Album schlecht verkaufte, beschlossen die Musiker, mit ihrer Band eine professionelle Karriere einzuschlagen. Das erste Album sollte ihnen dabei aber nichts mehr nützen: King hielt die Rechte an den Songs, gab sie nicht an die Band heraus, sondern veröffentlichte seitdem das Album unter immer wieder neuen Titeln. Die Band verlängerte den Vertrag mit Decca nicht, sondern unterschrieb bei ↑Charisma Records.
Die erste bei Charisma produzierte LP der Band trug den Titel »Trespas«. Das 1970 veröffentlichte Album war der Prototyp der in den 1970er-Jahr von Genesis veröffentlichten Schallplatten: Ausgedehnte Kompositionen, getragene Melodien, komplexe Instrumental-Arrangements und verrätselte Texte waren die Kennzeichen der Musik. Bei Konzertauftritten überraschte Peter Gabriel die Mitglieder der Band wie das Publikum mit immer neuen, teils bizarren Kostümierungen.
Phillips allerdings litt unter starkem Lampenfieber, so dass er 1970 die Band verließ; er veröffentlichte später eine Reihe von Solo-LPs. Banks und Rutherford sahen Genesis am Ende und wollten die Band auflösen, doch widersprach Gabriel. So wurde der Gitarrist Steve Hackett (* 1950) von der Band Quiet Sun abgeworben und bei der Gelegenheit auch gleich Mayhew durch den Schlagzeuger Phil Collins (* 1951) ersetzt. In der neuen Besetzung wurde »Nursery Crime« eingespielt. Collins und Hackett hatten sich schnell ihre Plätze in der Band erobert, Collins war hier schon das erste Mal als Sänger zu hören, und gemeinsam mit Hackett hatte er »The Musical Box« geschrieben. Die Band hatte sich eingespielt: 1972 legte Genesis »Foxtrot« vor, ein Album, das mit »Supper’s Ready« einen Klassiker der Band enthielt. 1973 wurde »Selling England by the Pound« veröffentlicht. Die aus dem Album ausgekoppelte Single »I Know What I Like (in Your Wardrobe)« war die erste Single der Band, die die britischen Charts erreichte und bis auf Platz 17 stieg. Abgeschlossen wurde die »klassische« Phase der Band durch das Doppelalbum »The Lamb Lies Down on Broadway«. Das Konzeptalbum erzählte die Geschichte eines in New York lebenden Puertoricaners. Anders als bei den vorangegangenen Alben waren die Songs auf »The Lamb Lies Down on Broadway« kürzer, dennoch erweckte das Album den Eindruck eines unablässigen Klangstromes, denn die kurzen, mitunter zerfasernden Songs waren mit instrumentalen Zwischenspielen untereinander verbunden.
Die Band stand auf dem Zenit ihrer Karriere und wurde in einem Atemzug mit anderen Progressive-Rock-Bands wie Yes und Emerson, Lake & Palmer genannt. Doch während der Aufnahmen waren vor allem Peter Gabriel und Tony Banks immer wieder in Streit geraten, so dass Gabriel während der auf die Veröffentlichung des Albums folgenden Tour bekannt gab, sich von der Band trennen zu wollen. Der Sänger schlug anschließend eine äußerst erfolgreiche Solo-Karriere ein.
Genesis überlebte die Trennung von dem Sänger – normalerweise der Todesstoß für eine Band – und bestand fort. Schwierigkeiten bereitete allerdings die Suche nach einem neuen Lead-Sänger: Angeblich wurden über 400 Kandidaten gehört, bevor Collins – bis dahin gelegentlich Background-Sänger – selbst die verwaiste Stelle am Mikrofon einnahm. Nun war die Band auf der Suche nach einem Schlagzeuger, engagierte für eine anstehende Tour Bill Bruford von King Crimson, während für die Aufnahmen von »A Trick of the Tail« Collins die Drum-Parts einspielte. Noch im selben Jahr legte die Band mit »Wind & Wuthering« ein weiteres Album vor, das sich thematisch stark auf Emily Brontës Roman »Wuthering Heights« (1847) bezog. Für die sich 1977 anschließende Tournee wurde der Schlagzeuger Chester Thompson (* 1948) engagiert; Thompson hatte zuvor unter anderem in Frank Zappas Band gespielt und war Mitglied von Weather Report gewesen.
Während der Aufnahmen zu »Wind & Wuthering« waren Steve Hackett und die anderen Bandmitglieder in Streit über die Frage geraten, wer welchen Anteil an welchen Songs geschrieben hatte und welche Songs überhaupt auf das Album gelangen sollten. Noch 1977 verließ Hackett Genesis, während die Aufnahmen der vorangegangen Tournee zu einem Album zusammengestellt wurden, das den doppeldeutigen Titel »Seconds out« (1977) trug: es war das zweite Live-Album der Band.
Deutlicher wurde das Trio aus Banks, Rutherford und Collins mit der Veröffentlichung der nächsten LP, die die Musiker »…and Then We Were Three…« nannten. Das 1978 veröffentlichte Album bedeutete eine erste Abkehr vom Progressive Rock vergangener Tage, was die Fans der Band schon daran ablesen konnten, dass einer der Songs, »Follow Me, Follow You« Gefallen bei amerikanischen Rundfunkstationen fand und das Album aufgrund der zahlreichen Verkäufe in den USA mit Platin ausgezeichnet wurde.
1979 nahm Collins wegen familiärer Schwierigkeiten eine Auszeit, Rutherford und Banks stimmten zu. Im Herbst 1979 kehrte Collins nach Großbritannien zurück und fand seine Bandkollegen mit Solo-Aufnahmen beschäftigt. Kurzerhand nahm er selbst eine Solo-LP auf – mit »Face Value«, 1981 veröffentlicht, hatte der Schlagzeuger immensen Erfolg.
Mit »Duke« (1980) erfolgte die endgültige Abkehr vom Progressive Rock vergangener Tage. Der Schwenk hin zu radio- und hitparadenfreundlicher Musik wurde vom Publikum belohnt, das Album war das erste der Band, das den ersten Platz der britischen Charts erreichte und selbst in den USA auf den elften Platz der Charts kam. Mit dem 1981 veröffentlichten Album setze Genesis den neuen Weg fort, auch diese LP stieg bis auf den ersten Platz der britischen Hitparade. Für die Aufnahme des Songs »No Reply at All« im neu eingerichteten eigenen Studio hatte die Band die Bläser von Earth, Wind & Fire ins Studio geholt. Auf dieser LP ist auch erstmals der Effekt Gated Reverb von Phil Collins zu hören, ein spezieller Schlagzeug-Effekt, der fortan von Collins häufig eingesetzt und zu seinem Markenzeichen wurde.
1982 wurde das Konzertalbum »Three Sides Live« veröffentlicht, das wenigstens eine Plattenseite mit neuen Studioaufnahmen aufwies; in Europa enthielt das Album allerdings vier Seiten mit Live-Aufnahmen. Collins schien die musikalische Richtung zu bestimmen, der Song »Paper Late« – von der LP-Seite mit Studioaufnahmen genommen – erwies sich als höchst erfolgreich. Wie auch das 1983 ver-*öffentlichte Album »Genesis«, das in Großbritannien auf den ersten Platz der LP-Charts stieg. Der größte Erfolg stand der Band allerdings noch bevor: 1986 legten die drei Musiker »Invisible Touch« vor. Nicht weniger als fünf aus dem Album ausgekoppelte Singles erreichten die Top 5 der amerikanischen Hitparade. Zu Recht sah Collins den Erfolg der Genesis-CD als seinen Erfolg an. Er war zu dieser Zeit als Solo-Künstler so beliebt, dass es dem Publikum gleichgültig war, in welchem Rahmen er auftrat. Er verfolgte seine Solo-Karriere, für Genesis blieb wenig Zeit. So kam die Band erst Anfang der 1990er-Jahre wieder zusammen und spielte das 1991 veröffentlichte Album »We Can’t Dance« ein. Einmal mehr enthielt das Album diverse Hits, darunter »Jesus He Knows Me« und »I Can’ t Dance«. Genesis wurde nunmehr als die Begleitband Collins’ wahrgenommen, Banks und Rutherford schienen sich damit abgefunden zu haben und wichen auf eigene Projekte aus. 1996 zog Collins die Konsequenz und verließ die Band. Rutherford und Banks ihrerseits lösten Genesis nicht auf, sondern ließen die Band als Duo fortbestehen – nicht nur Collins hatte sie verlassen, sondern auch Chester Thompson und der viele Jahre an den Tourneen beteilige Gitarrist Daryl Stuermer (* 1952). Thompson nahm den Genesis-Urgesteinen übel, dass er von ihnen nach 19 Jahren, die er für Genesis getrommelt hatte, immer noch nicht als reguläres Bandmitglied anerkannt wurde. So suchten Rutherford und Banks wieder einmal neue Musiker. Sie fanden sie in dem Sänger Ray Wilson (* 1968) von der Band Stiltskin, in dem Schlagzeuger Nir Zidkyahu (* 1967) und dem Drummer von ↑Spock’s Beard, Nick D’Virgilio (* 1968). Mit diesen Musikern spielte Genesis das Album »…Calling all Stations…« (1997) ein, das allerdings die Erfolge der vorangegangenen Alben nicht erreichen konnte.
1999 nahmen Rutherford, Banks, Collins, Hackett und Gabriel für die Zusammenstellung »Turn It on again: The Hits« (1999) in einer einmaligen Aktion den Song »The Carpet Crawlers« auf. Genesis begann, auf ihr Vermächtnis zurück zu blicken, es erschienen luxuriös ausgestattete Box-Sets, ein Film über die Band entstand, Bücher wurden geschrieben. Altersweis-*heit verbreitete sich, Rutherford, Banks und Collins versuchten, Hackett und Gabriel für eine gemeinsame Tour zu gewinnen, doch sagte Gabriel trotz guten Willens wegen Terminschwierigkeiten ab, so wurde auch auf Hackett verzichtet und man holte Stuermer und Thompson wieder. Die Tour ergab wieder ein Live-Album, »Live over Europe 2007« (2007).
Abseits aller Erfolge in den 1980er- und 1990er-Jahren hat Genesis vor allem in den 1970er-Jahren bedeutende Schallplattenwerke geschaffen. Was Progressive Rock ist, ließe sich mit eineigen dieser Platten leicht demonstrieren. Unter den Progressive-Rock-Bands dieser Zeit – Yes, Emerson, Lake & Palmer, Pink Floyd, King Crimson, Gentle Giant – ist Genesis sicherlich die Band, die ihre Inspiration besonders stark aus der britischen Kultur bezog. Kenntlich etwa daran, dass in dieser Band nicht die instrumentale Virtuosität etwa von Yes oder Emerson, Lake & Palmer erreicht wurde, nicht die ausgeklügelte Kompositionsweise von Gentle Giant, nicht die auf einem Nimbus beruhende Präsenz von Pink Floyd, stattdessen aber ein Einklang von durchaus komplexer Musik mit den Texten, die bis zu seinem Weggang von Peter Gabriel stammten. Auch wusste die Band ihre Musik adäquat zu präsentieren, weniger unter Ausnutzung aller technischen Möglichkeiten wie bei Emerson, Lake & Palmer oder Pink Floyd, sondern in Teilen ganz unzeitgemäß mit phantastischen Kostümen. Zudem bewies die Band mit »The Lamb Lies Down on Broadway«, dass Progressive Rock möglich war, ohne ganze Plattenseiten mit zusammenhängenden Suiten oder weitgehend formlosen Klangprozessen zu füllen – auch dies ein Indiz für die Bedeutung der Texte Gabriels. Ohne Genesis wäre das Bild vom Progressive Rock unvollständig – was man auch daran ablesen kann, dass diverse Bands jüngeren Progressive Rocks – von Marillion bis Dream Theater – sich auf die Musik dieser Band immer wieder mehr oder weniger direkt beriefen.



Auszeichnung

Grammy 1988



Diskografie

From Genesis to Revelation (1969)
Trespas (1970)
Nursery Crime (1971)
Foxtrot (1972)
Selling England by the Pound (1973)
Genesis Live (1973)
The Lamb lies down on Broadway (1974)
A Trick of the Tail (1976)
Wind & Wuthering (1976)
Seconds out (1978)
…And then we were three… (1978)
Duke (1980)
Abacab (1981)
Three sides Live (1982)
Genesis (1983)
Invisible Touch (1986)
We can’t dance (1991)
The Way we walk, Volume I: The Shorts (1992)
The Way we walk, Volume II: The Longs (1993)
…Calling alls Stations… (1997)
Live over Europe 2007 (2007)



Weblinks

http://www.genesis-music.com/ (Offizielle Website der britischen Band Genesis)
http://www.genesis-music.de/ (Offizielle deutsche Website der britischen Band Genesis)