Happy the Man

Stichworte Genesis | King Crimson | Querflöte | Peter Gabriel | Suite | Hipgnosis | NEARfest



Happy the Man, amerikanische Progressive-Rock-Band, 1973 in Harrisonburg (Virginia) gegründet

Bandbiografie

Der Gründung der Band ging eine längere Geschichte voraus, die in Deutschland ihren Anfang nahm: Der Gitarrist Stanley Withaker (* 1054) und der Bassist Rick Kennell (* 1952) hatten sich 1972 in Deutschland kennen gelernt. Whitakers Vater war als Offizier der US-Army nach Deutschland versetzt worden und hatte seine Familie mitgenommen. Sohn Stanley hatte mit dem amerikanischen Keyboard-Spieler David Bach eine Freizeitband namens Shady Grove gegründet. Kennel seinerseits war Soldat bei der US-Army und ebenfalls in Deutschland stationiert. Bei einem Auftritt von Shady Grove lernten die beiden Musiker sich kennen und Kennell gab Whitaker, der kurz vor der Rückkehr in die USA stand, die Adresse von zwei Musikern der Band Zelda, bei der er bis zu seiner Stationierung in Deutschland Bass gespielt hatte. Whitaker gründete daher mit Bach, dem Schlagzeuger Mike Beck (* 1952), dem Sänger und Flötisten Cliff Fortney (* 1952) und dem Saxofonisten und Pianisten Frank Wyatt (* 1954) die Band Happy the Man; den Namen bezogen sie vage auf J.W. von Goethes Drama »Faust«. Feste Absicht der Musiker war es von vornherein, sich nicht an amerikanischen Bands zu orientieren, sondern an der Musik europäischer Bands wie Genesis und King Crimson. So spielte Happy the Man anfangs auch Cover Versions von Songs dieser Bands.
Kennell schloss sich nach seiner Rückkehr in die USA 1974 der Band an. Bach war da schon durch Kit Watkins (* 1953) ersetzt worden und auch Fortney hatte seinen Abschied genommen; für ihn kam Dan Owen in die Band, ging allerdings schon ein Jahr später wieder. 1975 wechselte Happy the Man von Harrisonburg nach Washington D.C. und konnte hier so häufig auftreten, dass die Band das Interesse von ↑Peter Gabriel weckte, der auf der Suche nach einer Begleitband war. Zwar kam die Verbindung zwischen Gabriel und Happy the Man dann doch nicht zustande, brachte der Band aber einen Vertrag mit dem Label Arista Records ein.
Das Debüt-Album der Band kam 1976 in die Plattenläden. Tatsächlich hatte sich die Band die europäischen Progressive-Rock-Bands zum Vorbild genommen und so fanden sich auf der LP ausgedehnte Instrumentalstücke, darunter etwa die Suiten »Mr. Mirrors Reflection on Dreams« und »New York Dream’s Suite«; selbst das Cover erinnerte an die Arbeiten des Studios Hipgnosis. Happy the Man gehörte mit dieser Veröffentlichung zur Spitze der US-Bands und ging mit unter anderem Foreigner, Renaissance und Jefferson Airplane auf Tour. Statt sich an die Arbeiten zu einem weiteren Album begeben zu können, schlug sich die Band mit Musikerwechseln herum: Beck verließ Happy the Man, für ihn kam der Schlagzeuger Ron Riddle, der aber nach den Aufnahmen von »Crafty Hands« (1978) auch schon wieder ging. Schwerer wog, dass Arista den Vertrag mit der Band kündigte, als »Crafty Hands« sich als schwer verkäuflich erwies. Riddle war zwar noch durch den französischen Schlagzeuger Coco Roussell (* 1951) ersetzt worden, und auch die Planungen für ein weiteres Album, das unter dem Titel »Labyrinth« veröffentlicht werden sollte, hatte Form angenommen, doch gelang es der Band nicht, einen neuen Plattenvertrag zu bekommen. Als dann auch noch Watkins zu Camel wechselte, bedeutete dies das Ende von Happy the Man.
Whitaker, Kennell und Bach gründeten bald nach dem Bruch unter dem Namen Vision eine neue Band, und auch Watkins und Roussell arbeiteten in den 1980er-Jahren hin und wieder zusammen, dabei mitunter Musik von Happy the Man verwendend. 2000 kamen einige Musiker von Happy the Man beim NEARfest wieder zusammen. Whitaker, Kennell, Wyatt, der Schlagzeuger Joe Bergamini und der Keyboard-Spieler David Rosenthal nahmen dann 2004 unter dem Namen Happy the Man die CD »The Muse Awaken« auf; danach verfiel Happy the Man wieder in einen Dornröschen-Schlaf.
Die Musiker um Whitaker und Kennell versuchten in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre etwas, was vermutlich nur schwer gelingen konnte: als amerikanische Band europäisch geprägte Rockmusik in den USA zum Erfolg zu führen. Tatsächlich hält die Musik auf den LPs »Happy the Man« und »Crafty Hands« jedem Vergleich mit der Musik von King Crimson und besonders Gentle Giant stand, allemal handelt es sich um ausgeklügelte Kompositionen, in denen Gesang eine höchst untergeordnete Rolle spielt, dafür das formale Experiment mit kurzen und kürzesten Abschnitten eine große. Trotz des kurzen Bestehens von Happy the Man konnte sich die Band geradezu einen Nimbus aufbauen, eine Band für Eingeweihte. Das führte dazu, dass im Nachhinein nicht nur die Platten in Remaster-Versionen wieder aufgelegt wurden, sondern dass auch zahlreiche Sammlungen von verstreuten Aufnahmen der Band ihre Käufer fanden.



Diskografie

Happy the Man (1977)
Crafty Hands (1978)
Better Late… (1983; Aufnahmen von 1979)
Beginnings (1990; Aufnahmen vor 1977)
Death’s Crown (1999; Aufnahmen von 1974 und 1976)
The Muse Awakens (2004)



Weblink

http://www.happytheman.com/ (Offizielle Website der amerikanischen Progressive-Rock-Band Happy the Man)