Herbert Grönemeyer

Grönemeyer, Herbert Arthur Wiglev Clamor, deutscher Rockmusiker (Gesang, Klavier, Text, Komposition) und Schauspieler, * Göttingen 12. 4. 1956.

Herbert Grönemeyer, jüngster von drei Brüdern, erhielt seit seinem achten Lebensjahr Klavierunterricht. Aus einem Engagement als Theatermusiker – er war Sänger der BO-Band am Bochumer Schauspielhaus – wurde eine kleine Karriere als Schauspieler: Der Regisseur Joachim Preen ließ ihn in dem Stück »John,George, Paul, Ringo und Bert« eine Rolle spielen. 1975 begann Grönemeyer Jura und Musikwissenschaft zu studieren, nahm aber im folgenden Jahr ein Engagement als Musikalischer Leiter am Schauspielhaus Bochum an; nebenbei wurden ihm einige Schauspiel-Rollen übertragen.

Grönemeyer versuchte, seine musikalische Karriere trotz steigender Bekanntheit als Schauspieler parallel zu betreiben: Claus Peymann hatte ihn als Musikalischen Leiter nach Stuttgart an das Württembergische Staatstheater geholt und er veröffentlichte seine LPs »Grönemeyer« (1979) und »Zwo« (1981); andererseits war er in Kinofilmen wie »Das Boot« (1981; Regie: Wolfgang Petersen) und »Frühjahrssinfonie« (1982; Regie: Peter Schamoni) auf der Leinwand zu sehen.

Wenn auch seine beiden ersten Platten unbeachtet geblieben waren, seinen klassischen Song »Currywurst« zunächst niemand hören wollte und auch die dritte LP, »Gemischte Gefühle« (1983) in den Plattenläden liegen geblieben war, entschied Grönemeyer sich unbeirrt für die Musik.

Erfolgreich wurde der Sänger mit dem Album »4630 Bochum« (1984), das mit »Männer« einen weiteren Klassiker Grönemeyers enthielt, der gleichzeitig auch typisch für seine weiteren Produktionen sein sollte: Der Text und sein staccatohafter, wenig modulierter Gesang standen im Vordergrund, dahinter sorgte ein versierte Band für den passenden Hintergrund und holte sich die Bauteile ihrer Musik aus der international erfolgreichen Popmusik. Seitdem nehmen Grönemeyers Alben regelmäßig die Top-Position der CD-Verkaufscharts ein. Zwar zog es ihn noch einmal vor die Filmkamera, »Väter und Söhne« (Regie: Bernhard Sinkel) kam 1985 in die Kinos, doch ließ ihm dann seine wachsende Popularität keine Wahl mehr.

Die Alben »Sprünge«, »Ö« und »Luxus«, zwischen 1986 und 1991 erschienen, und Songs wie »Kinder an die Macht« (1986), »Was soll das?« (1988), »Halt mich« (1988), »Vollmond« (1988), »Deine Liebe klebt« (1990) und »Marie« (1991) machten Grönemeyer zum Superstar der deutschen Rockmusik, der bald nur noch in den größten Stadien auftreten konnte. Der Versuch allerdings, mit englischsprachigen Versionen seiner Songs und CDs in den USA und Großbritannien zu reüssieren, misslang; lediglich in Kanada gelangen ihm Achtungserfolge.

1993 veröffentlichte Grönemeyer »Chaos«, bald darauf die englischsprachige Version. Sein Erfolg hatte ihm erhebliche Reputation eingebracht, so dass der Musiksender MTV ihn 1994 bat, in der Reihe »Unplugged« aufzutreten. 1998 entschloss der Sänger sich, mit seiner Familie nach London zu gehen und seine Platten fortan dort im eigenen Studio zu produzieren. Mit dem Wechsel in die britische Hauptstadt vollzog er auch einen stilistischen Wechsel. Hatten elektronische Klangerzeuger schon immer mal weniger, mal mehr eine Rolle in seinen Arrangements gespielt, so bestimmten in der Musik der 1998 vorgelegten CD »Bleibt alles anders« Synthesizer und Sampler nun die Klangwelten manch eines Songs.

Persönliche Schicksalsschläge – der Tod seiner Frau und seines Bruders Wilhelm 1998 – unterbrachen Grönemeyers Karriere für mehr als ein Jahr. Ab 2000 trat er wieder öffentlich auf, so anlässlich der EXPO in Hannover. Seine Popularität war ungebrochen, wie auch der Erfolg des 2002 veröffentlichten Albums »Mensch« zeigte. Der Titelsong stieg wie die CD selbst auf den ersten Platz der deutschen Hitparaden – erstmals gelang Grönemeyer damit ein Single-Top-Hit. Die ebenfalls 2002 veranstaltete Tournee »Alles gute von gestern bis Mensch« führte ihn erneut in die Stadien Deutschlands und musste aufgrund der Publikumsnachfrage verlängert werden.

Unangefochten stand Herbert Grönemeyer nunmehr auf dem Zenit seiner Laufbahn als Rockmusiker. Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland war er gebeten worden, die offizielle WM-Hymne zu komponieren. Der Song »Zeit, dass sich was dreht«, gemeinsam mit dem Duo Amadou and Mariam aus Mali produziert und zur Eröffnungsfeier der WM vorgestellt, wurde zum zweiten Nr.-1-Hit Grönemeyers.

Zu dieser Zeit waren die Vorbereitungen zum zwölften Album des Sängers abgeschlossen. Die CD, schlicht »12« betitelt, wurde Anfang 2007 veröffentlicht, »Lied 1- Stück vom Himmel«, die ausgekoppelte Single der dritte Nr.-1-Hit Grönemeyers. Die im Laufe des Jahres durch Deutschland, Österreich, Italien und Schweiz führende anschließende Tournee fand wiederum ausschließlich in den größten Stadien statt.

Herbert Grönemeyer stellt in seiner Musik vor allem den Text und seinen Gesang in den Vordergrund. Dahinter verblasst die Musik ein wenig. Seit Jahren arbeitet er mit einem Stamm von Musikern zusammen und in seiner Band gab es nur wenig Veränderungen. Allemal ist es ein Mainstream-Rock, in dem das herkömmliche Rockinstrumentarium die Hauptrolle spielt. Im Laufe der Jahre allerdings traten elektronische Klangerzeuger neben Gitarre und die traditionellen Keyboards – oft geben sie den Songs überhaupt erst die Atmosphäre. Auch Samples sind seit Ende der 1990er-Jahre verstärkt Bestandteil der Songs Grönemeyers. Eine besondere Stärke des Sängers liegt in der Ausgestaltung seiner langsamen Songs, die der eine mit Romantik, der andere mit Sentimentalität verbindet.

Wenn auch die Platten Grönemeyers seit Jahren sehr erfolgreich sind, so ist er auch mit seinen Tournee überaus erfolgreich. Seine Auftritte – häufig in den lokal jeweils größten Arenen – sind derart eigen, dass sein gesamtes Gebaren auf der Bühne mitunter auch Zielscheibe des Spotts von Komikern war. Möglicherweise liegt darin die eigentliche Stärke Grönemeyers: Er wirkt nicht nur authentisch, sondern ist es. Er verstellt sich nicht und signalisiert damit, dass ihn in seinem Ureigensten nichts von seinen Zuhörern unterscheidet.

Herbert Grönemeyer hat in diversen Songs Stellung zu politischen und sozialen Fragen bezogen, wenn es auch gewiss nicht das hauptsächliche Anliegen seiner Musik ist, Missstände anzuprangern. In »Band für Afrika« engagierte der Sänger sich für die Zusammenarbeit von Musikern, um Geld für afrikanische Länder zu sammeln, übernahm de Vorsitz des deutschen Ablegers von Bob Geldofs Einrichtung »Make Poverty History« und trat immer wieder für Benefiz-Zwecke auf. Allerdings lässt er sich nicht instrumentalisieren: Als die Lufthansa von seiner Popularität profitieren wollte und ein Video von einem seiner Auftritte im Rahmen eines Antirassismus-Konzertes an die Goethe-Institute verschickte, versehen mit dem Kranich-Logo der Fluggesellschaft, wehrte er sich gerichtlich dagegen und verschickte die Videos selbst an die Institute – ohne Kranich.

Obwohl Herbert Grönemeyer sein Privatleben weitgehend vor der Öffentlichkeit abschottet, fanden vor allem zwei Schicksalsschläge öffentliches Interesse. 1998 starben kurz nacheinander sein Bruder Wilhelm und seine Frau, die Schauspielerin Anna Henkel (* 1953, † 1998). Aus der Verbindung sind zwei Kinder hervorgegangen, Felix (* 1987) und Marie (* 1989). Der zweite Bruder Herbert Grönemeyers, der Arzt Dietrich Grönemeyer (* 1952), wurde durch einige populärmedizinische Bücher bekannt.

Auszeichnungen

Adolf-Grimme-Preis 1988 (Soundtrack für den Film »Sommer in Lesmona«, Regie: Peter Beauvais)
Echo 1992
Echo 1994
Echo 2002
Echo 2003 in zwei Kategorien
Echo 2004
Echo 2008 in zwei Kategorien

Diskografie

Grönemeyer (1978)
Zwo (1979)
Total egal (1982)
Gemischte Gefühle (1983)
4630 Bochum (1984)
Sprünge (1986)
Ö (1988)
Luxus (1990)
Luxus (1990; englische Texte)
So gut (1992)
Chaos (1993)
Chaos (1993; CD-ROM)
Cosmic Chaos (1994)
Unplugged Herbert (1995)
Live (1995)
Chaos (1996; englische Texte)
Bleibt alles anders (1998)
Mensch (2002)
12 (2007)

Weiterführende Literatur

U. Hoffmann: Grönemeyer. Biografie (Neuausgabe 2003)
V. Scheffel: Das verlorene Ich. Gesellschaftsreflexionen in den Liedtexten Herbert Grönemeyers (2005)

Weblinks

http://www.groenemeyer.de (Offizielle Website des deutschen Rocksängers Herbert Grönemeyer)