Hugh Hopper

Hopper, Hugh Colin, englischer Jazz- und Rockmusiker (elektrische Bassgitarre, Komposition), * Whitstable, Kent (England), † Whitstable 7.6. 2009

Hugh Hopper wuchs in Canterbury auf und war Schulkamerad von Robert Wyatt. Mit Wyatt und dem aus Australien stammenden Gitarristen Daevid Allen bildete Hopper, der das Bassspiel autodidaktisch gelernt hatte, ab 1963 The Daevid Allen Trio. 1964 tat er sich mit weiteren Schülern der Simon Langdon Grammar School zusammen und gründete mit seinem älteren Bruder Brian Hopper und Robert Wyatt, KevinAyers und Richard Sinclair The Wilde Flowers. Als Wyatt und Ayers die Band verließen, wurden sie durch Richard Coughlan und Pye Hastings ersetzt. Mit ihrem von Rhythm’n’Blues und etwas Rock’n’Roll bestimmten Repertoire gelang es der Gruppe zwar, gelegentlich aufzutreten, nicht aber, eine Schallplatte aufzunehmen und zu veröffentlichen. Hopper begann bereits bei The Wilde Flowers, eigene Songs zu schreiben, die sich teils als äußerst zählebig erwiesen und später noch bei Soft Machine gespielt wurden. Hopper blieb bis 1967 bei The Wilde Flowers, wechselte zeitweise auch zum Saxophon, schloss sich dann aber der 1966 gegründeten Band Soft Machine als Roadie an und war auch bei der denkwürdigen USA-Tournee der Jimi Hendrix Experience mit dabei – die zum Trio geschrumpfte Soft Machine bestritt das Vorprogramm der Konzerte. Nach der Tournee schenkte Ayers Hopper seinen Bass und verließ die Band.
Hopper war damit der neue Mann am Bass und veränderte den Guppenklang des Trios erheblich, nicht nur, weil er eine relativ stark verzerrten Basston bevorzugte, sondern auch, weil die Band sich stärker dem Jazz zuwandte. Soft Machine wurde in kurzer Zeit um weitere Jazzmusiker verstärkt, wuchs zu einem Septett, verkleinerte sich dann aber im Laufe weniger Jahre zu der »klassischen« Quartett-Besetzung. Hopper komponierte für die Band, und nicht zuletzt seine Kompositionen führten dazu, dass mit der Musik Soft Machines ein europäischer Gegenpart zu dem Jazzrock US-amerikanischer Prägung entstand.
Hopper allerdings missfiel wie schon zuvor Robert Wyatt, der zunehmend kompromissloser werdenden Jazzrock, den Ratledge und der Saxophonist Elton Dean favorisierten. 1973 verließ er die Band und veröffentlichte 1974 mit »1984« sein erstes Solo-Album; der Titel bezieht sich auf mit dem gleichen Titel versehenen Roman von George Orwell. Die LP markiert den Beginn von Hoppers Karriere als äußerst umtriebiger Musiker, der durch seine rastlose Aktivität zu »der« zentralen Figur des Canterbury Rocks wurde, allein schon aufgrund der Tatsache, dass er mit jedem Musiker von einiger Bedeutung der Strömung wenigstens einmal in einer Formation zusammen arbeitete. So ist sein Namen auf Alben von Stomu Yamahstas Gruppe East Wind, auf einigen von Isotope zu lesen, dann präsentierte er seine eigene Monster Band, übernahm es, für Robert Wyatts Solo-Album »Rock Bottom« (1974) den Bass zu spielen und ging in den Jahren 1976 und 1977 mit der Carla Bley Band auf Tournee. Er traf in Konzerten und bei Plattenaufnahmen mit Dave Stewart, Elton Dean und Gary Windo zusammen, gründete 1978 Soft Heap, aus der – als deren Schlagzeuger Pip Pyle an einer Tournee nicht teilnehmen konnte – Soft Head wurde. Mit Alan Gowen, Mitglied beider Bands, bildete Hopper später dann Gilgamesh.
In den 1980er-Jahren zog Hopper sich zeitweise ein wenig zurück, nahm dann aber immer wieder an den Schallplattenaufnahmen befreundeter Musiker wie Phil Miller und Pip Pyle teil und gründete mit dem französischen Gitarristen Patrice Meyer, dem Keyboard-Spieler Dioys Breuker, dem Saxophonisten Frank Van Der Kooij und dem Schlagzeuger Pieter Bast Ende der 1980er-Jahre eine Band. Damit nutzte er sein mittlerweile auch international gültiges Renommee, traf in der Formation Hughscore auf den Bassisten Fred Chalenor, die Sängerin und Keyboard-Spielerin Elaine di Falco und den Schlagzeuger Henrx Franzoni, spielte auch bei Brainville Bass und immer wieder mit Vertretern des Canterbury Rocks wie Daevid Allen, Pip Pyle, Chris Cutler, dann nach der Jahrtausendwende in Bands wie Soft Works, Soft Machine Legacy und PolySoft mit unter anderem Allan Holdsworth, John Marshall und Elton Dean.
Über die mehr als 40 Jahre, die Hugh Hopper als europäischer Jazz- und Rockmusiker aktiv war, betrachtet, ist er nolens volens in die Rolle des »zentralen« Vertreters des Canterbury Rocks hineingewachsen. Einerseits hat er mit beinahe jedem Vertreter dieser Strömung der britischen Musik zusammengearbeitet, andererseits verstand er es durch seine Kompositionen wie auch sein singuläres Bassspiel den Stil Canterbury Rock zwischen Jazz und Rock in der Schwebe zu halten. Dennoch präsentiert er sich in seinen vielen Schallplattenaufnahmen nicht als Sektierer, der eifersüchtig über die »Reinheit der Lehre« wachte, sondern war stets bereit, die eigene Musik durch Einflüsse aus anderer Musik zu ergänzen. Dieses aktive Interesse hielt bis zu seinem Tod im Jahre 2009 an.


Werke

Hopper, Hugh: The Rock Bass Manual – The Complete Guide to the Electric Bass Guitar; London 1984)


Diskografie

1984 (1973)
Cruel But Fair (1976)
Hopper Tunity Box (1977)
Soft Head – Rogue Element (1978)
Soft Heap (1979)
Two Rainbows Daily (1980; mit Alan Gowen)
Mercy Dash (1985)
Monster Band (1985)
Alive (1989)
Meccano Pelorus (1991)
Hugh Hopper and Odd Friends (1993)
A Remark Hugh Made (1994)
Hooligan Romantics (1994)
Carousel (1995)
Caveman Hughscore (1995)
Adreamor (1995)
Somewhere In France (1996)
Bracknell-Bresse Improvisations (1996)
MASHU – Elephants in your head? (1996)
Huge (1997)
Highspot Paradox (1997)
Different (1998)
Delta Flora (1999)
Cryptids (2000)
Jazzloops (2002)
In a Dubious Manner (2003)
The Mind In The Trees (2003)
The Stolen Hour (2004)
The Swimmer (2005)
Soft Mountain (2007)
Numero D’Vol (2007)
Dune (2008)
The Gift of Purpose (2010; Aufnahmen von 2008)

Weitere Alben mit The Wilde Flowers, Soft Machine, Syd Barrett, Kevin Ayers, Stomu Yamashta’s East Wind, Isotope, Gilgamesh, In Cahoots, Pip Pyle, Lindsay Cooper, Brainville, Brian Hopper, Brainville 3, Soft Machine Legacy, Delta Saxophone Quartet


Weblink

http://www.hugh-hopper.com/ (Website des englischen Bassisten Hugh Hopper)