Japan

Japan, britische Rockband, 1974 von David Sylvian, eigentlich David Batt (* 23.2. 1958; voc, g), dessen Bruder Steve Jansen, eigentlich Steve Batt (* 1.12. 1959; dr), Mick Karn, eigentlich Anthony Michaelides (* 24.7. 1958; bg, cl) und Richard Barbieri (30.11. 1959; kb) in London (Lewisham) gegründet; zur Gründungsformation gehörte auch der Gitarrist Rob Dean (23.4. 1955). Die Band bestand bis 1982, doch kamen Sylvian, Jansen, Karn und Barbieri Ende der 1990er-Jahre noch einmal zusammen und veröffentlichten unter dem Namen Rain Tree Crow 1991 ein einziges Album.

Bandbiografie

Die Musiker sahen ihre Vorbilder zunächst in der Musik von Bands wie Roxy Music und New York Dolls, teils auch in der von David Bowie. Mitte der 1970er-Jahre, als Punk die britische Musikwelt eroberte, war es mit der etwas ungelenken Mischung von Art Rock und Glam Rock, dem die Band sich verschrieben hatte, allerdings äußerst schwer, in Großbritannien einen Plattenvertrag zu bekommen. Den erhielten die Musiker schließlich von dem deutschen Label Hansa Records, das zu dieser Zeit auf dem britischen Markt zu reüssieren versuchte. Das Debütalbum erschien 1978. »Adolescent Sex« stieß aber weder in Großbritannien noch in den USA auf Interesse. In Japan hingegen brachte es die Band zu einiger Polularität und durfte im Rahmen der Konzerte von Blue Öyster Cult auftreten. Mit dem nur sechs Monate später veröffentlichten Album »Obscure Alternatives« erging es Japan nicht anders, wieder blieb größerer Erfolg aus, obwohl Sylvian einige Anstrengungen unternommen hatte, mit eigenen Kompositionen der Band ein unverwechselbares Gesicht zu geben. Hansa verlor die Geduld und stellte den Musikern für die Produktion der dritten LP Giorgio Moroder zur Seite. Dieser hatte Gefallen an den New Romantics wie Ultravox und Visage gefunden und tatsächlich sahen Sylvian, Jansen, Barbieri, Karn und Dean nicht aus wie Punks. Der Versuch misslang zwar, »Quiet Life« (1979) war kaum erfolgreicher als Vorgänger-LPs, doch zeigten sich Ansätze, mehr elektronische Instrumente einzusetzen und damit den Gruppenklang völlig zu verändern. Hansa mochte das Ergebnis der Experimente aber nicht abwarten und entließ die Band aus dem Vertrag. Japan hatte allerdings mittlerweile eine derartig große Reputation erreicht, dass Virgin Records die Band unter Vertrag nahm.

»Gentleman takes Polaroids«, 1980 vorgelegt, präsentierte dann auch eine völlig andere Musik als die Vorgänger-Alben: Sylvian, Barbieri, Karn und Jansen hatten unter der Anleitung des Produzenten John Punter – der schon für Roxy Musics »Stranded« am Mischpult gesessen und »Country Life« produziert hatte – der Elektronik den Vorrang gegeben, gemeinsam einen singulären Gruppenklang geschaffen, in dem sich Gitarrist Dean allerdings nicht mehr zurecht fand und die Band verließ. Nunmehr zum Quartett geschrumpft, machte sich Japan an die Aufnahmen zu einem neuen Album. »Tin Drum«, 1981 veröffentlicht, brachte den Musikern endlich den großen Erfolg in der Heimat, hob sie in den Status einer Kultband und zählt sicher zu den wichtigsten Alben der 1980er-Jahre. Innerhalb der Gruppe aber kam es zur Krise, 1982 ging man auseinander. Wie groß die Reputation Japans zu dieser Zeit war, kann daran abgelesen werden, dass die sechs Abschiedskonzerte im Hammersmith Odeon ausverkauft waren.

Mit »Tin Drum« hat sich Japan in der Rock-Geschichte verewigt: Der artifizielle, mitunter gekünstelte Gesang Sylvians stand im Gegensatz zu den Klangwelten, die Barbieri mit seinen Synthesizern, Mick Karn mit dem Fretless Bass und Jansen mit seinen archaischen Drums schufen. Selbst Funk-Riffs wie der Musik Asiens abgelauschte Skalen hatten in diesem Konzept ihren Platz, wurden aber dem spezifischen Gruppenklang unterworfen. Dieser Klang, der Umgang mit Elektronik, eingebettet in wuchtige Basstöne und ausgesparte Drum-Pattern fand denn auch keine Nachahmer, wenn auch vor allem Karn und Barbieri bei späterer Gelegenheit zeigten, dass der typische »Japan-Sound« vor allem auf ihr Konto ging.

Diskografie

Japan

Adolescent Sex (1978)
Obscure Alternaives (1978)
Quiet Life (1979)
Gentleman take Polaroids (1980)
Tin Drum (1981)
Oil on Canvas (1983)

Rain Tree Crow

Rain Tree Crow (1991)

 

Stichworte

Art Rock | Glam Rock | Virgin Records | Roxy Music