Jerry Lee Lewis

Lewis, Jerry Lee, amerikanischer Country- und Rockmusiker (Gesang, Klavier), * Ferriday (Louisiana ) 29.9.1935.

Jerry Lewis interessierte sich als Kind für das Klavier und erhielt gemeinsam mit seinen Cousins Mickey Gilley und Jimmy Swaggart Unterricht; seine Eltern nahmen für den Kauf eines Instrumentes sogar eine Hypothek auf ihr Haus auf. Lewis stand allerdings bald der Sinn nicht nach dem Üben von Tonleitern oder dem Interpretieren von Clementi-Sonaten, sondern er orientierte sich am Boogie-Spiel seines Cousins Carl McVoy. Schon bald hatte er einen aus Boogie-Woogie-Elementen, Honky-Tonk-Geklimper und allerlei bühnenwirksamen Effekten zusammengezimmerten eigenen Stil entwickelt. Mit dieser Musik und seinem schneidenden Gesang trat er hier und da auf.
Nachdem er sich an der God University in Waxahachie (Texas) eingeschrieben hatte, um Geistlicher zu werden, wurden diese Pläne gerade von seiner Musik durchkreuzt: Er spielte seine Interpretation des Chorals »God is real«, die von der Universitätsleitung umgehend als »Musik des Teufels« erkannt wurde und Lewis musste die Ausbildungsstätte verlassen.
Lewis war nunmehr fest entschlossen, als Musiker erfolgreich zu sein. Er tingelte durch die Clubs und Bier-Etablissements der Südstaaten und nahm 1954 zum ersten Mal seine Musik auf Schallplatte auf. Mit dieser Demo-Platte ging er nach Nashville (Tennessee), in der Hoffnung, in der Hochburg der Country and Wester Music seine Karriere beschleunigen zu können. Von den einschlägigen Studios wurde er abgelehnt, ebenso von den Veranstaltern der großen Rundfunk-Shows wie The Grand Ole Opry, stets mit der Begründung, solistisch agierende Pianisten seien nicht gefragt.
Ende 1956 wechselte Lewis nach Memphis und wandte sich an das Schallplattenlabel Sun Records. Der Besitzer des legendären Labels, Sam Phillips, nahm ihn tatsächlich unter Vertrag, einerseits als Studiomusiker, andererseits als Solo-Künstler. Bei Phillips waren einige der Größen der Country- und Rockmusik unter Vertrag: Carl Perkins, Elvis Presley, Johnny Cash und Roy Orbison. In Phillips Studio kam es noch 1956 zu der legendären Session, die Perkins, Presley, Cash und Lewis zusammenbrachte; die vier zufällig gleichzeitig im Studio anwesenden Musiker – als »Million Dollar Quartet« in die Rockgeschichte eingegangen – nahmen einige Gospel-, Rock- und Country-Songs auf.
Lewis Karriere kam tatsächlich in Gang. Von Phillips als Jerry Lee Lewis and his Pumping Piano verkauft, hatte er von 1957 an Erfolg mit Songs wie »Whole lotta shakin’ going on« und »Great balls of Fire«. Beide Songs, besonders aber »Great balls of fire« waren in den USA wie in Europa überaus erfolgreich. Wegen seiner sexuelle Anspielungen wurde »Great balls of fire« von einigen amerikanischen Rundfunkstationen aber abgelehnt, und seine Heirat mit seiner angeblich erst dreizehnjährigen Cousine verbesserte nicht sein Ansehen in der amerikanischen Öffentlichkeit, die ihm bis dahin seine Single-Schallplatten millionenfach abgekauft hatte.
Dies bedeutete nicht lediglich einen kleinen Knick in der Karriere des Sängers und Pianisten, sondern schlichtweg einen Bruch. Lewis war wieder darauf angewiesen, auf endlosen Tourneen durch große, kleine und sehr kleine Konzertsäle zu tingeln. So machte er in den 1960er-Jahren vor allem durch sein Privatleben – das er keineswegs privat behandelt wissen wollte – von sich reden.
Ende der 1960er-Jahre wendete sich das Blatt wieder für ihn, er hatte den Rock ‚n’ Roll gegen die Country Music eingetauscht und legte einige Platten vor, die ihm wieder Ansehen und Geld brachten. Der Rockmusik wandte er sich 2006 wieder zu, dann aber gleich in alter Überheblichkeit: »Last man standing« – darauf anspielend, das Presley, Perkins, Cash, Orbison, die alten Sun-Protagonisten, alle schon nicht mehr lebten, er aber immer noch aufrecht am brennenden Flügel stand – enthielt über 20 Duette mit einer Reihe von Partnern. Die Liste der Namen liest sich wie ein Who is Who der Rockmusik: Seiner Einladung folgten Jimmy Page, B.B. King, Bruce Springsteen, Mick Jagger, Ron Wood, Keith Richards, Neil Young, Robbie Robertson, John Fogerty, Ringo Starr, Merle Haggard, Rod Stewart, George Jones, Willie Nelson, Eric Clapton, Little Richard, Buddy Guy, Don Henley und Kris Kristofferson gefolgt; selbst Kid Rock durfte als Nesthäkchen mitmachen. Der Beitrag manch eines Gastkünstlers war aber kaum mehr als die Erlaubnis, den Namen auf dem Booklet der CD nennen zu dürfen, Lewis zeigte jedem, wer der regierende »King of Rock« ist.
Jerry Lee Lewis ist der Prototyp des wilden Rockstars und ließe man die Musik beiseite, so wäre da immer noch ein Leben, das ein interessiertes Publikum bestaunen dürfte. Lewis war insgesamt sieben Mal verheiratet; eine seiner Ehefrauen ertrank im Swimming Pool seines Wohnhauses, eine andere an einer Überdosis von Drogen. Er selbst war zeitweise abhängig von Drogen oder von Alkohol. Seine Impulsivität ist legendär und führte etwa dazu, dass er bei einem Auftritt einen Flügel mit Benzin übergoss und anzündete. Versehentlich schoss er einem der Musiker seiner Begleitband in die Brust. Zwei seiner Söhne kamen bei Unfällen ums Leben. Sein Leben war als Thema gut für Bücher und einen Film, der 1989 unter der Regei von Jim McBride mit Dennis Quaid in der Hauptrolle auch zustande kommt. »Great balls of fire« (dt. »Jerry Lee Lewis – ein Leben für den Rock’ n’ Roll«) konzentriert sich auf die Episode seiner Heirat mit seiner minderjährigen Cousine.
Neben Little Richard ist Jerry Lee Lewis der Rockmusiker, der dem Klavier in der Rockmusik eine eigene Stimme gab. Er setzte die vorgefundenen Elemente zu etwas wirkungsvollem Ganzen zusammen: Boogie-Woogie-Oktaven im Bass, Honky-Tonk-Diatonik im Diskant, unterbrochen von vollgriffigen Akkorden und Glissandi über die Tastatur. Etwas Show gehörte auch dazu, dann setzte er schon mal einen Fuß auf die Tasten und ließ wilde Cluster hören. Teile seines Gesangsstils wurden von diversen Rocksängern übernommen, und wenn es nur als Parodie war. Tatsächlich ist sein zur Schau gestelltes Selbstbewusstsein – mal sagt er von sich »I am what I am«, mal nennt er sich »Rocker«, mal »Killer« – fester Bestandteil seiner Karriere und keineswegs so dahin gesagt: So sang er für die CD »Last man standing« – auch dieser Titel eine einzige Anmaßung – zwar mit mehr als zwei Dutzend Sängern und Musikern zusammen, die allesamt weltbekannt und zum Teil immens erfolgreich sind, er selbst lässt aber keinen von ihnen wirklich gelten, sondern sieht allenfalls in dem Crooner Al Jolson und den Country-Musikern Jimmie Rodgers und Hank Williams ihm Ebenbürtige.



Auszeichnungen

1986 Rock and Roll Hall of Fame
2005 Grammy für sein Lebenswerk (Lifetime Achievement Award)



Diskografie

Jerry Lee Lewis (1957)
Jerry Lee’s Greatest (1961)
The Greatest Live Show on Earth (1964)
Country Songs for City Folks (1965)
The Return of Rock (1965)
Breathless (1967)
Soul My Way (1967)
Got You on My Mind (1968)
In Demand (1968)
Unlimited (19689
All Country (1969)
Another Place Another Time (1969)
Country Music Hall of Fame (1969)
Country Music Hall of Fame, Vol. 2 (1969)
She Still Comes Around (To Love What’s Left of …) (1969)
Ole Tyme Country Music (1970)
She Even Woke Me Up to Say Goodbye (1970)
Taste of Country (1970)
Together (1970; mit seiner Schwester Linda Gail)
Roots (1971)
The Golden Cream of the Country (1971)
There Must Be More to Love Than This (1971)
Touching Home (1971)
Rockin‘ (1972)
Southern Roots Radio Special (1972)
The Killer Rocks On (1972)
Who’s Gonna Play This Old Piano (1972)
Would You Take Another Chance on Me (19729
I-40 Country (1973)
Live at the International (1973)
Sometimes a Memory Ain’t Enough (1973)
The Session (1973)
Southern Roots
Sunstroke (1974; mit Carl Perkins)
Boogie Woogie Country Man (1975)
I’m a Rocker (1975)
Odd Man In (1975)
Country Class (1976)
Country Memories (1977)
In Loving Memories (1978)
Jerry Lee Lewis Keeps on Rockin‘ (1978)
Jerry Lee Lewis (1979)
When Two Worlds Collide (1980)
My Fingers Do the Talkin‘ (1983)
Fan Club Choice (1984)
I Am What I Am (1984)
I’m on Fire (1985)
That Good Old Times (1989)
Jerry Lee Lewis: Portrait (1991)
Young Blood (1995)
Concert (1995)
Jerry Lee Lewis (1996)
The Original Great Balls of Fire (1997)
At the Palomino (1999)
Live at Gilley’s (1999)
The Jerry Lee Lewis Silver Eagle Show (2003)
From the Front Row: Live (2003)
Middle Aged Crazy: Live! (2003)
Last Man Standing (2006)
Last Man Standing: Live (2007)
Live from Austin, TX (2007)
Absolutely Live! (2008)



Weblinks

http://www.jerryleelewis.com (Offizielle Website des amerikanischen Rockmusikers Jerry Lee Lewis)