Joseph Byrd

Byrd, Joseph, amerikanischer Musiker (Gesang, Komposition, Text) und Musikwissenschaftler, * Louisville (Kentucky) 19.12. 1937

Biografie

Joseph Byrd hatte zwar als Jugendlicher in verschiedenen Country-Bands gespielt, wandte sich aber als Student zunehmend der musikalischen Avantgarde zu. So studierte er kurze Zeit auch bei dem Komponisten John Cage. Anfang der 1960er-Jahre experimentierte er auch im Rahmen der seinerzeit aktuellen Kunstbewegung Fluxus. In New York arbeitete Byrd unter anderem als Leiter von Konzerten mit Avantgarde-Musik, als Arrangeur und bei einer Plattenfirma als Produzent. Zu seinem Bekannten- und Freundeskreis zählte neben anderen Yoko Ono und die Sängerin, Pianistin und Musikethnologin Dorothy Moskowitz. Mit Moskowitz wechselte Byrd nach Kalifornien, übernahm eine Assistentenstelle an der University of California (Los Angeles), belegte aber parallel dazu Kurse zu Psychologie, Akustik und Musik der Indianer. An der Universität gründete er mit dem Jazztrompeter Don Ellis den New Music Workshop.

1967 verließ Byrd die Universität und versuchte, elektronische Musik, Performing und Rockmusik miteinander zu verbinden und als Vehikel für politische Inhalte zu nutzen. Mit Moskowitz, dem Bassisten Rand Forbes, dem Geiger Gordon Marron und dem Schlagzeuger Craig Woodson gründete er die Formation The United States of America. Ende 1967 nahm die Band eine LP auf, die Anfang 1968 erschien. Danach ging Byrd mit der Band auf Tournee und trat etwa im Rahmen der Konzerte von The Troggs und The Velvet Underground auf. Kommerzieller Erfolg blieb in den USA indes aus, und wenn die LP in Europa auch einen gewissen Kultstatus erreichte, löste Byrd die Band auf. Während Moskowitz ein Engagement bei der Rockband Country Joe McDonald annahm, machte Byrd sich unter der Bezeichnung Joe Byrd and the Field Hippies an die Aufnahmen zu einem weiteren Album. The Field Hippies waren keine reguläre Band, sondern eine Schar von Studiomusikern, die Byrds Einfälle einspielten. Das Resultat, die LP »The American Metaphysical Circus«, wurde 1969 veröffentlicht. Vom Rock-Publikum wurde die LP als Zeugnis des Psychedelic Rock aufgefasst und errang ebenso wie die LP der United States of America den Status eines Kultobjektes. Die Platte ist die einzige Platte aus dem Rockbereich, die die CBS in ihrer »Masterworks«-Reihe veröffentlichte, eigentlich eine der Kunstmusik vorbehaltene Reihe.

Byrd verfolgte seine Musikerkarriere nicht weiter, sondern nahm eine Anstellung an der Universität in Fullerton (Kalifornien) an. Hier widmete er sich in Lehre und Forschung der originär amerikanischen Musik und editierte im Rahmen dieser Tätigkeit auch einige Schallplattenveröffentlichungen. In späteren Jahren tauchte sein Name mal hier, mal da auf. So steuerte er etwa für »Jazz« (1978), ein Album des Gitarristen Ry Cooder, ein Arrangement und etwas elektronische Musik bei. In jüngerer Zeit arbeitete er mit der norwegischen Gruppe Spunk und der britischen Formation Dreams of Tall Buildings zusammen, lehrte außerdem am College of the Redwoods in Eureka (Kalifornien) Musiktheorie und Komposition.

Diskografie

Mit The United States of America

The United States of America (1968)

Mit Joe Byrd and the Field Hippies

The American Metapysical Circus (1969)