Joshua Rifkin

Rifkin, Joshua, US-amerikanischer Dirigent, Musikwissenschaftler und Pianist, * New York 22.4. 1944

Joshua Rifkin studierte an der Juilliard School in New York City, unter anderem bei dem Komponisten und Dirigenten Vincent Persichetti, nach einem ersten Abschluss dann an der New York University, unter anderem bei dem Musikwissenschaftler Gustav Reese, und in den Jahren 1966 und 1967 an der Universität Göttingen. 1968 vervollständigte er seine Studien an der Princeton University, wo etwa Milton Babbitt, Arthur Mendel und Lewis Lockwood seine Lehrer waren.
Im Laufe der Jahre arbeitete Rifkin mit vielen Orchestern in den USA und Europa, teils als Dirigent, teils als Solist zusammen. Sein Interesse an der Musik ist dabei weit gefächert: Zwar legte er das Hauptgewicht seiner Tätigkeit auf die Alte Musik zwischen C. Monteverdi und J.S. Bach, ist aber auch eine zentrale Figur der Ragtime-Renaissance in den 1970er-Jahren; er selbst veröffentlichte drei Alben mit Ragtime-Musik bei dem amerikanischen Label Nonesuch Records. Sein hauptsächliches Interesse aber gilt der Musik J.S. Bachs: Seine Ansicht, dass Bach die Chorsätze in Kantaten und Oratorien nicht chorisch besetzte, sondern von Solisten singen ließ, erregte in der Musikwissenschaft einiges Aufsehen. Rifkin beließ es nicht bei einer theoretischen Anmerkung, sondern untermauerte sie mit entsprechend besetzten Aufführungen; im Konzert wirkte seine umstrittene Auffassung der Werke Bachs auch weit plausibler als auf dem Papier.
Sein von Dünkeln freier Zugang zur Musik brachte Rifkin einige Male auch in die Nähe der Rock- und Folkmusik. 1965 veröffentlichte er unter dem Titel »The Baroque Beatles Book« eine LP, die Songs der Beatles in Arrangments für Kammerorchester enthielt. Rifkin hatte die Songs im Stile barocker Streichermusik – dabei Bezug auf Komposition J.S. Bachs und G.F. Händels genommen – arrangiert und damit weniger die Musik der Beatles als die stereotype und mitunter etwas weihevolle Auffassung zeitgenössischer Protagonisten der Alten Musik parodiert, all dies ganz im Sinne von Peter Schickele und seiner Kunstfigur P.D.Q Bach. Ernsthaft wurde Rifkin, als er für die amerikanische Folk-Sängerin Judy Collins und ihre Alben »In My Life« (19669 und »Wildflowers« (1967) einige Arrangements für »barockes« Streichorchester schrieb. Beide Alben sind Zeugnisse der Zeit, als die Grenzen zwischen »Kunstmusik« und ambitionierter Popmusik aufgehoben schienen.
Rifkin hat an der Brandeis University (Waltham, Massachusetts), in Harvard und Yale gelehrt und ist derzeit Professor an der Boston University. In Deutschland ist er seit 2011 Künstlerischer Leiter des Bach: Sommers, dem alljährlich im Sommer stattfindenden Bach-Festival in Arnstadt und Wandersleben.


Werke (Auswahl)

Rifkin, Joshua: The Chronology of Bach’s Saint Matthew Passion, in: Musical Quarterly Nr. 61 (1975), S. 360–387
Rifkin, Joshua: Bach’s Chorus: A Preliminary Report, in: The Musical Times, November 1982, S. 747–754


Diskografie (Auswahl)

The Baroque Beatles Book (1965)
Scott Joplin: Digital Ragtime – Wall Street Rag (1985; Interpret: Joshua Rifkin)
Ragtime: Music of Scott Joplin (2005; Interpret: Joshua Rifkin)
American Classics: Joplin: Rags & Waltzes (2008; Interpreten: Joshua Rifkin, Southland Singers)