Kansas

Stichworte Dream Theater | Spock’s Beard | Progressive Rock



Kansas, amerikanische Rockband, 1970 in Topeka (Kansas) gegründet.

Bandbiografie

Der Sänger Lynn Meredith, der Bassist Dave Hope, die Keyboard-Spieler Don Montre und Dan Wright, der Schlagzeuger Phil Ehart sowie der Gitarrist Kerry Livgren (* 1949) hatten 1969 in ihrer Heimatstadt Topeka gemeinsam eine Band namens The Reason Why gegründet. Nach einigen Umbesetzungen benannten die Musiker, zu denen nunmehr der Saxofonist Larry Baker, der Bassist Scott Kessler und der Schlagzeuger Zeke Lowe gehörten, ihre Band 1970 in Saratoga um. Das Repertoire Saratogas bestand vor allem aus den Kompositionen Livgrens, der neben Gitarre auch diverse Keyboards spielte. Als sich 1970 die Band White Clover, ebenfalls in Topeka beheimatet, auflöste, bildeten Musiker beider Bands eine neue Formation, die sie Kansas nannten. Die Besetzung war allerdings nicht stabil, einige Musiker verließen die Band, um White Clover wieder zu beleben. So gab es 1971 zwar eine Band namens Kansas, aber eine arbeitsfähige Besetzung hatte sich noch nicht herausgestellt. Ehart ging 1972 nach Großbritannien, um dort Musiker für Kansas zu begeistern. Als das fehlschlug, fanden sich wiederum einzelne Musiker von Kansas bei White Clover wieder. Diese Band, der Ehart, Hope, Livgren, der Geiger Robby Steinhardt, der Sänger und Keyboard-Spieler Steve Walsh und der Gitarrist Rich Williams angehörten, erhielt 1973 einen Plattenvertrag.
Wieder in Kansas umbenannt, legte die Band mit »Kansas« ihr Debüt-Album vor. Innerhalb weniger Jahre konnten sich die instrumental höchst versierten Musiker mit einem spezifisch amerikanischen ↑Progressive Rock einen Namen machen und traten bereits Mitte der 1970er-Jahre in den größten Hallen und Stadien auf. Durchweg wurden Alben wie »Song for America« (1975) und »Masque« (1975) in den Top 100 der amerikanischen Charts notiert. Die größten Erfolge hatte die Band 1976 mit »Leftoverture« und 1977 mit »Point of Know Return«. Auch in den Single-Hitparaden fand die Band ihre Songs auf vorderen Plätzen, wenn auch nur einmal in den Top Ten: »Dust in the Wind« brachte es 1978 auf Platz sechs der amerikanischen Single-Hitparade.
Anfang der 1980er-Jahre änderte sich das Klima in der erfolgsverwöhnten Band: Livgren und dann auch Hope schlossen sich einer Kirche der Erweckungsbewegung an, trugen ihren Glauben auch in die Band und damit in die Musik. Als Walsh 1980 ging und mit Street eine eigene Band gründete, ersetzten ihn Hope und Livgren durch den Glaubensbruder John Elefante (* 1958). Dem Erfolg der Band tat das keinen Abbruch: Das in dieser Besetzung 1982 produziere Album »Vinyl Confessions« war eher erfolgreicher als der Vorgänger, und die ausgekoppelte Single »Play the Game Tonight« brachte es in die Top-Twenty: Die nun offen von christlich bestimmter Thematik geprägten Songs des Albums hatten Kansas eine neue Zuhörerschaft beschert. Elefante hatte die musikalische Führung in der Band übernommen, Steinfeld nahm an den Aufnahmen zu »Drastic Measures« (1983) nicht teil und auch Livgren war mit nur drei eigenen Stücken gemessen an früheren Alben kaum präsent. Die latenten Widersprüche innerhalb der Band führten Ende 1983 schließlich dazu, dass Livgren und Hope Kansas verließen und die Band AD gründeten. Kansas, zum Trio von Elefante, Ehart und Williams geschrumpft, bestand 1984 nicht mehr.
1985 formierte Walsh eine neue Band unter dem alten Namen; zu dieser Inkarnation von Kansas gehörte außerdem der Bassist Billy Greer und der Gitarrist Steve Morse (* 1954), Gründer der Dixie Dregs. Die Band konnte nahezu nahtlos an die früheren Erfolge anknüpfen, doch fand sie etwa ab Mitte der 1990er-Jahre nicht mehr das ganz große Publikum. Anfang der 1990er-Jahre kamen für eine Europa-Tournee mit Ausnahme Steinhardts noch einmal die Mitglieder der Gründungsformation zusammen; seitdem tritt ein Großteil der Musiker in wechselnder Zusammenstellung unter dem Namen Kansas für einzelne Konzerte auf, absolviert Tourneen und veröffentlicht auch sporadisch CDs. 2009, nahezu 40 Jahre nach Gründung, trat Kansas in Topeka auf, begleitet von einem Orchester und alten Weggefährten wie Livgren und Morse.
Wenn Kansas neben Styx auch als Progressive Band gilt, so ist die Musik der Band nur bedingt mit der der britischen Vertreter dieser Stilrichtung der Rockmusik zu vergleichen. In der Musik von Kansas findet sich nämlich originäre amerikanische Rockmusik wie Blues und Boogie. Zwar stehen allemal Lead-Gitarre und Gesang, auch im Satz, im Vordergrund, doch spielen die Keyboards eine herausragende Rolle, die weit über das hinausgeht, was im Stadion-Rock sonst geboten wird. Ausgedehnte Stücke, die auch mal eine Seite einer LP einnehmen, sucht man allerdings vergebens und der Bezug auf die Kunstmusik bleibt vage und geht über Stilzitate nicht hinaus. Auffällig ist natürlich der Einsatz der Violine, zumal Steinhardt nicht von der amerikanischen Tradition des Instrumentes in Country und Folk Gebrauch macht, wie es etwa bei The Dixie Dregs der Fall ist. Kansas war in den USA überaus erfolgreich, hinterließ aber in Europa keinen größeren Eindruck; Mitte der 1970er-Jahre und in den 1980er-Jahren wurde im Alten Kontinent anderer Musik der Vorzug gegeben, und Musik, die ein Publikum fesselte, das Konzerte in Stadien besuchte, war ohnehin a priori suspekt. Die Nachwirkung von Kansas allerdings ist immens, noch Dream Theater und Spock’s Beard beziehen sich mit ihrer Musik – eingestandenermaßen oder nicht – auf die Band aus Topeka.



Diskografie

Kansas (1974)
Song for America (1975)
Masque (1975)
Leftoverture (1976)
Point of Know Return (1977)
Two for the Show (1978)
Monolith (1979)
Audio-Visions (19809
Vinyl Confessions (1982)
Drastic Measure 81983)
Power (1986)
In the Spirit of Things (1988)
Live at the Whisky (1992)
Freaks of Nature (1995)
King Biscuit Flower Hour presents Kansas (1998)
Somewhere to Elsewhere (2000)
There’s Know Place like Home (2009)



Weblink

http://www.kansasband.com/ (Offizielle Website der amerikanischen Rockband Kansas)