Kate Bush

Bush, Kate, eigentlich Catherine Bush, britische Rockmusikerin (Gesang, Keyboards, Komposition), * Bexleyheath (Kent) 30.7. 1958.

Biografie

Kate Bush wuchs als drittes Kind eines englisch-irischen Ehepaares in einer der Musik zugewandten Umgebung auf. Ihr Vater, Robert Bush, spielte Klavier, ihre Mutter Hannah beschäftigte sich mit irischen Volkstänzen. Die älteren Brüder Paddy – der auch Musikinstrumente selbst baute – und John waren Teil der lokalen Folk-Music-Szene. Im Alter von elf Jahren begann Kate Bush autodidaktisch das Klavierspiel zu lernen und fügte den eigenen Melodien bald selbst erdachte Texte hinzu. Nach wenigen Jahren hatte sie eine große Anzahl eigener Songs, die sie auf Tonbandkassetten sammelte. Rick Hopper, ein Freund ihres Bruders Paddy, gab eine der Kassetten seinem Freund David Gilmour, Gitarrist und Sänger bei der erfolgreichen Rockband Pink Floyd. Gilmour war zwar angetan von den eigenwilligen Ellaboraten des jungen Mädchens, war sich aber auch sicher, dass es zu früh für Kate Bush war, mit ihrer Musik an die Öffentlichkeit zu gehen, zumal er ahnte, dass keine Plattenfirma diese Songs ohne Weiteres zur Veröffentlichung annehmen würde. Er nahm aber im Haus der Bushs selbst einige der Songs auf und gab sie dem Produzenten Andrew Powell, der sie für Demonstrationszwecke überarbeitete. Mit diesen Demos überzeugte Gilmour den A & R-Manager Terry Slater von der britischen EMI, Kate Bush unter Vertrag zu nehmen. Slater stellte damit einen Wechsel auf die Zukunft aus, denn Ziel des schnellen Vertragsabschlusses war es nicht, gleich ein Album mit der jungen Sängerin zu produzieren. Vielmehr sollte Kate Bush ihre schulische Ausbildung abschließen und sich nebenbei durch Klavier- und Ballettstunden künstlerisch vervollkommnen.

In dieser Zeit entstanden mehr als 200 Songs, von denen die Mehrzahl allerdings nie einem größeren Publikum bekannt wurde. Mit ihrem Bruder Paddy, dem Bassisten Del Palmer, dem Gitarristen Brian Bath und dem Schlagzeuger Vic King bildete die Sängerin eine Band, der sie den Namen KT (Knigth Templar) Bush Band gab und mit der sie ab und an in den lokalen Pubs und Konzertsälen auftrat. Für die Aufnahmen ihres ersten Albums wurden allerdings andere Musiker engagiert, allemal versierte Instrumentalisten, wie der Keyboard-Spieler Duncan Mackay, der Perkussionist Morris Pert, der Bassist David Paton und der Saxofonist Alan Skidmore. Nur Kate Bushs Bruder Paddy war noch als Musiker zugelassen. Als Produzenten für das Album, das dann 1978 unter dem Titel »The Kick Inside« erschien, hatte die EMI Andrew Powell engagiert. Kate Bush wollte sich allerdings nicht auf der ganzen Linie Vorschriften machen lassen: Trotz ihrer Jugend – sie war zu diesem Zeitpunkt erst 19 Jahre alt – und ihrer Unerfahrenheit im Musikgeschäft bestand sie darauf, als erste Single den Song »Wuthering Heights« zu veröffentlichen – die EMI hatte mit ihrem Favoriten, »James and the Cold Gun«, das Nachsehen. »Wuthering Heights«, dessen Text auf Motiven des gleichnamigen Romans von Emily Brontë (* 1818, † 1848) basierte, erreichte binnen kürzester Zeit die Top-Positionen der Charts in Großbritannien und Australien. Ganz so erfolgreich waren die weiteren, nach und nach veröffentlichten Singles dann nicht mehr, »The Man with the Child in His Eyes«, »Them Heavy People« und »Moving« festigten gleichwohl die Reputation der jungen Sängerin.

Nun sah sich die EMI am Zuge und drängte Kate Bush, schnell eine weitere LP aufzunehmen. Bush gab nach und noch 1978 wurde »Lionheart«, wiederum von Powell produziert, veröffentlicht. Kate Bush hatte allerdings schnell gelernt und das Heft in der Hand behalten: Mit Kate Bush Music hatte sie einen eigenen Verlag gegründet und ließ auch ihr Management von einer eigenen Firma, Novercia, besorgen; das Personal ihrer Unternehmen hatte sie aus einem Kreis von Familienmitgliedern und engen Freunden rekrutiert. Die EMI allerdings wollte sie wie jede andere Sängerin oder Band vermarkten und bestand darauf, dass sie auf Tour ging. Wieder gab Kate Bush nach, entwarf eine opulente Bühnenshow, die denen etablierter Bands wie Pink Floyd oder Genesis in nichts nachstand. Dennoch blieb diese Tournee ihre einzige Konzertserie, die sie je gab.

Von nun an ließ Kate Bush sich nicht mehr auf halbherzige Kompromisse und die Wünsche anderer ein. Schon bei den Aufnahmen zu »Lionheart« hatte sie Powell aufmerksam über die Schulter geschaut und an der Produktion mitgewirkt. Für das nächste Album übernahm sie komplett die Kontrolle. So erschien »Never forever« erst 1980, »The Dreaming« 1982, »Hounds of Love« 1985. Immer größer wurden die Zeiträume zwischen den Veröffentlichungen: »The Sensual World« wurde 1989 veröffentlicht, »The Red Shoes« vier Jahre später und ihre vorerst letzte Produktion, »Aerial« legte sie erst 2005 vor. Unter dieser Veröffentlichungspolitik, völlig ungewöhnlich für Rock und Pop, litt ihrer Karriere indes nicht, stets konnte sie sich des Interesses von Publikum und Kritik sicher sein. Und ihre Musik war weiterhin erfolgreich: Die Single »Running up that Hill« aus »Hounds of Love« brachte es bis auf Platz 30 der Hit-Liste des amerikanischen Branchenblattes »Billboard«, das Album »The Red Shoes« auf Platz 28 und aus dem Album entnommene Singles fanden sich in den Top-Twenty der Charts einiger europäischer Länder. Wegen »The Red Shoes« hatte Kate Bush ihren Entschluss, nicht mehr öffentlich aufzutreten, überdacht, war aber zu dem Schluss gekommen, dass ihre raffinierte, artifizielle Musik eine öffentliche Aufführung im Konzertsaal nicht erlaubte. Stattdessen produzierte sie den Film »The Line, the Cross & the Curve«, in dem sie neben der Schauspielerin Miranda Richardson auch eine Hauptrolle übernahm.

Die Veröffentlichung von »Aerial« setzte sie dann ebenfalls gekonnt und etwas übertrieben in Szene: Lange angekündigt, wurde die Presse mit winzigen Bruchstücken von Information versehen. Journalisten, die sich vor Veröffentlichung kundig machen wollten, durften keine Aufnahmegeräte mit sich führen, der CD-Player, der schließlich die da kommen sollende CD enthielt, war versiegelt und fest auf seiner Unterlage verschraubt. Die Vorstellung manch eines Fans, Kate Bush sei ein versponnenes, von Efeu umkränztes Mädchen hinter den Sieben Bergen, das dort in einer geheimnisvollen Sound-Küche ihre Musik zusammenrührte, wurde spätestens durch diese Marketingkampagne ad Absurdum geführt.
Geradezu überraschend schnell folgte auf »Aerial« 2011 ein Album mit überarbeiteten Songs von »The Red Shoes« und »The Sensual World«. Der Titel »Director’s Cut« ließ ahnen, dass der Sängerin die älteren Aufnahmen in ihrer veröffentlichten Form wohl nicht genügt hatten. »The Red Shoes« war seinerzeit digital aufgenommen worden, nun hatte sie die Songs noch einmal auf zumindest teilweise analogem Equipment ein. In Interviews deutete Kate Bush an, dass sie die früher erschienen Alben in diffus als nicht befriedigend erachtete. »Director’s Cut« wurde in zwei Aufmachungen veröffentlicht: Als einzelne CD und in einem drei CD umfassenden Album. Für den Fan Ehrensache, dass er nur das Dreifach-Album akzeptierte. Um die Musik Bushs aber als Entwicklungsprozess in ihrer Gesamtheit würdigen zu können, zeigen aber gerade die überarbeiteten Versionen der Songs der früher veröffentlichten Platten, dass Kate Bush auf eine zielstrebige Weise »altmodisch« im Sinne einiger Komponisten des 19. Jahrhunderts ist, die ihre eigenen Werke wieder und wieder hervorholten, um sie sich selbst erneut anzupassen.

Als Kate Bush die Bühne der Rock- und Popmusik betrat, hallte die Musik der Beatles noch nach und Bands wie Roxy Music und 10cc gaben mit ihrem Artrock – der sich durchaus auf die Musik der Beatles bezog – den Ton an. Die ersten Punk-Bands veröffentlichten ihre Debüt-Singles, New Wave war noch in weiter Ferne, gerade versank der Progressive Rock von Bands wie Emerson, Lake & Palmer, Gentle Giant und Yes. In diesem Gemisch von Geräuschen stellte Kate Bushs Musik, die sich mit den Begriffen Rock oder Pop nur unzureichend kennzeichnen lässt, eine Ausnahme dar. In dieser Musik finden sich Bruchstücke aus diverser anderer Musik, aus Rock und Pop ohnehin, aber auch aus Ska und lateinamerikanischer Musik, es gibt nachgemachte Renaissance-Musik und Folk. In der Faktur der Musik, zumindest, was die Harmonik betrifft, geht Bush nicht über das in der Rockmusik, vornehmlich dem Progressive Rock Bekannte hinaus, und viele ihrer Songs, vor allem auf den ersten Alben, sind durchaus konventionell gebaut.

Unverwechselbar und einzigartig wird ihre Musik vor allem durch zweierlei: Zum einen ist das der Einsatz ihrer Stimme, die sie zum Instrument, zum Lieferant von weiter zu verarbeitendem Klang macht. Zum anderen ist es der souveräne Umgang mit elektronischen und authentischen Klängen, das Beherrschen der Studiotechnik. Schon kurz nach Verfügbarkeit des Fairlight CMI Musik-Computers kaufte sie ein Gerät und setzte Maßstäbe in seinem Einsatz. Zentrales Instrument blieb dennoch das Klavier – sie ist eine passable Pianistin –, dass in nahezu jedem ihrer Songs eine Rolle spielt. Klänge, die sie selbst nicht erzeugen kann, Instrumente, die sie nicht spielen kann, engagiert sie hinzu, und es scheint ihr gleichgültig zu sein, welche Musik jeweils der eigentliche Hintergrund ihrer Gastmusiker ist: In ihrem Studio spielen sie alle Kate Bushs Musik, Folk-Musiker, Rock-Musiker, Jazz-Musiker. So holte sie den Schlagzeuger Peter Erskine, den Bassisten Eberhard Weber, den Gitarristen Jeff Beck, den Geiger Nigel Kennedy, das Trio Bulgarka, Prince, Gary Brooker, Michael Kamen und Eric Clapton. Keinem dieser Musiker – durchweg für zum Teil sehr eigenen »Personalklang« bekannt – gelang es, erkennbaren Einfluss auf Bushs Musik zu nehmen: Sie bestimmte, was zu hören sein sollte. Diese ihre Produktionsweise, das Zerlegen und wieder Zusammensetzen von authentischen, häufig aus Samples bestehenden und elektronisch erzeugten Klängen, ist längst Standard in der Produktion von Musik geworden.

Exemplarisch lässt sich das etwa an dem Album »The Dreaming« ablesen: Mit dem Fairlight-Sampler nahm sie vokale Passagen – Gesang, Sprechen, Schreie, Flüstern – und schichtete diese Bruchstücke dann übereinander. Mitunter verändert sie die Lautstärkeverhältnisse radikal oder kehrt sie sogar um. So kann ein Flüstern überdimensional laut im Vordergrund stehen, während im Hintergrund sehr leise laute Schreie zu hören sind. Sie verfügt über einen in der Höhe auch schrill und gepresst klingenden Sopran, der manch einem Rockjournalisten die Tinte im Füller gefrieren ließ, produziert mit ihrer Stimme aber auch Klänge, die jenseits von Kategorien wie »schön« oder »hässlich« sind.

Kate Bush ist nicht nur ein musikalisches Talent, sondern auch ein literarisches und gilt als außerordentlich belesen. Schon auf ihrer ersten LP »The Kick Inside« breitete sie unverhohlen ihre literarische Bildung aus. Die meisten ihrer Alben sind – zumindest in Teilen – Konzeptalben: Alle oder wenigstens mehrere Song sind einem Thema untergeordnet. Doch bezog Kate Bush ihre Inspiration nicht nur aus der Literatur, sondern aus vielerlei Quellen. Offensichtlich ist ein gewisser Hang zu obskuren Themen – etwa ein Gedankenfluss der Witwe des Entfesselungskünstlers Harry Houdini oder die Gedanken einer Frau beim Ertrinken (»Hounds of love«; 1985). Zumeist aber bezieht sie ihre Anregungen aus dem eigenen Leben und Erleben, wovon zumal »Aerial« beredtes Zeugnis gibt. »Aerial« ist aber auch das Manifest, ein »normales« Leben führen zu wollen, und nicht, etwas Besonderes zu sein.

Kate Bush hat in der Rockmusik kein Vorbild und keinen Vorläufer. Ihrerseits ist sie vielen Musikerinnen und Musikern Vorbild geworden und unter Musikern gleich welchen Bereiches in höchstem Maße anerkannt; selbst Größen wie Peter Gabriel, der sie für den Song »Don’t Give Up« (»So«; 1986) engagierte und gewahr werden musste, dass sie als gleichberechtigte Partnerin überraschend viel zur Wirkung »seines« Songs beitrug. »Don’t Give Up« kann mit Fug und Recht auch als »ihr« Song betrachtet werden. Die Musik Kate Bushs hat aber für Sängerinnen die Tür zur Rock- und Popmusik aufgestoßen, die sich nicht als »Rockröhre« sahen oder als bloßes attraktives Moment gesehen werden wollten. Tori Amos, Björk, Joanna Newsom, Regina Spektor hätte ein größeres Publikum möglicherweise niemals zu Gesicht bekommen, hätte Kate Bush dieser Art von Musik nicht den Boden bereitet. Doch auch männliche Musiker zeigten sich von den Platten und CDs der Sängerin beeindruckt und beeinflusst: Bloc Party, Coldplay, Muse gehören dazu und Formationen wie Goldfrapp sind ohne die musikalischen Tüfteleien Kate Bushs gar nicht denkbar. Abseits der Musik hat sie durch ihre weit reichende Autarkie bewiesen, dass man als Künstler nicht zwangsläufig der Musikindustrie ausgeliefert ist: Sie gründete früh einen eigenen Verlag und ein eigenes Management, produzierte seit 1980 alle ihre CDs selbst, baute Mitte der 1980er-Jahre ein eigenes Studio und entscheidet auch über Veröffentlichung und Marketing.

Kate Bush war lange mit dem Bassisten Del Palmer liiert. Seit den 1990er-Jahre ist der Gitarrist Danny McIntosh ihr Lebensgefährte; es ist nicht sicher bekannt, ob sie mit ihm verheiratet ist. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn, Albert (* 1999). Ihm, »Bertie«, ist ein Song auf »Aerial« gewidmet, wie das gesamte Album starken Bezug auf Familienleben und Mutterschaft nimmt – bis hin zu Betrachtungen über die Bedeutung einer Waschmaschine.

Auszeichnungen

1987 Brit Award

Diskografie

The Kick Inside (1978)
Lionheart (1978)
Never for Ever (1980)
The Dreaming (1982)
Hounds of Love (1985)
The Sensual World (1989)
The Red Shoes (1993)
Aerial (2005)
Director’s Cut (2011)

Literatur

Vermorel, Fred: The very Secret History of Kate Bush (& the strange Art of Pop), London 1983
Kerton, Paul: Kate Bush – An illustrated Biography, London 1980
Thomson, Graeme: Under the Ivy – The Life & Music of Kate Bush; London/New York 2010
Mojo Nr. 145, Dezember 2005: Kate Bush, Seite 76 ff.

Weblinks

www.katebush.com (Offizielle Website der britischen Sängerin und Musikerin Kate Bush)
www.katebushnews.com/katenews.htm (Website zu der britischen Sängerin und Musikerin Kate Bush)