Kevin Ayers

Ayers, Kevin, britischer Rockmusiker (Gesang, Gitarre, Bass, Komposition), * Herne Bay (Kent) 16.8. 1944, † Montolieu (Languedoc-Roussillon) 18.2. 2013

Biografie

Kevin Ayers wuchs nach der Trennung seiner Eltern und der Wiederheirat seiner Mutter in Malaysia auf, dem Dienstort seines Stiefvaters. Als er 12 Jahre alt war, kehrten seine Eltern nach Großbritannien zurück. An Rockmusik stark interessiert, schloss er sich als Teenager der gerade gegründeten Band The Wilde Flowers an. Zwar ging diese Band bald wieder auseinander, doch entstanden zwei neue Bands: Caravan und Soft Machine. Ayers gehörte zu den Gründungsmitgliedern von Soft Machine. Die Band besetzte in dem seinerzeit neuen Psychedelic Rock neben Pink Floyd einen bedeutenden Platz, spielte die Single »Love Makes Sweet Music« (1967) ein und eröffnete die Konzerte einer USA-Tournee von Jimi Hendrix.

Nach dem Ende der Tournee schenkte Ayers seinen Bass dem Bassisten der Hendrix Experience Noel Redding, verließ Soft Machine und ging nach Ibiza. Dort begann er für ein Solo-Album Songs zu schreiben. »Joy of a Toy« wurde Ende 1969 von dem Schallplatten-Label Harvest Records veröffentlicht. Ayers schuf sich mit dem Album einen Ruf, der ihn seine gesamte Karriere hindurch begleitete. So konnte er schon knapp ein Jahr später das Album »Shooting at the Moon« (1970) präsentieren. Ayers hatte für die Aufnahmen eine Schar von Musikern um sich versammelt, darunter Mike Oldfield und den Keyboard-Spieler David Bedford. Mit eben dieser Formation von Musikern, die er The Whole World nannte, spielte Ayers auch sein drittes Album, »Whatevershebringswesing« (1971) ein. Am obligaten Rock-Zirkus mochte er allerdings nicht teilnehmen, fand sich zu nur wenigen Auftritten bereit und lehnte es ab, auf längere Tourneen zu gehen. Mit »Bananamour« (1973) hatte Ayers endgültig seinen Stil gefunden; seine Band hatte sich mit neuen Musikern, dem Bassisten Archie Legget und dem Schlagzeuger Eddie Sparrow konsolidiert. Für »The Confessions of Dr. Dream and Other Short Stories« (1974) war auch der Gitarrist Ollie Halsall, eigentlich Peter John Halsall, (* 1949, † 1992) zu Ayers Band gestoßen; die Zusammenarbeit der beiden Musik währte bis zu Halsalls Tod. Höhepunkt dieser für Ayers äußerst fruchtbaren Jahre war ein Konzert im Rainbow-Theater in London, an dem neben anderen John Cale, Nico, Brian Eno und Mike Oldfield beteiligt waren. Der Mitschnitt des Konzertes wurde wenige Wochen später unter dem Titel »June 1, 1974« von Ayers neuer Plattenfirma Island Records veröffentlicht.

Doch schon ein Jahr später schien Ayers die Lust am Musikgeschäft verloren zu haben, kehrte zu Harvest zurück und legte 1976 noch »Yes We Have no Mañanas (So get Your Mañanas Today)« vor. Dann verließ er Großbritannien und zog sich ans Mittelmeer zurück. 1983 brachte er wieder ein Album zustande, doch schon das Cover von »Diamond Jack and the Queen of Pain« (1983) zeigte einen müden Mann. Desinteressiert an jüngeren Entwicklungen der Rockmusik veröffentlichte er bis 1988 einigermaßen regelmäßig LP um LP; »Falling up« zeigte ihn nunmehr offensichtlich völlig erschöpft.

Nach einer vierjährigen Pause legte Ayers 1992 das Album »Still Life with Guitar« vor. Er schien mit den zehn, vornehmlich von akustischen Instrumenten getragenen Songs wieder an seine erfolgreiche Zeit in den 1970er-Jahren anknüpfen zu können. Der Tod seines Freundes Ollie Halsall indes traf Ayers schwer und ließ ihn für 15 Jahre verstummen.

Erst 2007 erschien »The Unfairground«, eine Sammlung von Songs in der Tradition amerikanischer Rockmusik und britischem Pop, zu dessen Hauptfiguren er selbst Jahrzehnte zuvor gehört hatte. An den Aufnahmen hatten neben vielen anderen Musikern auch Phil Manzanera von Roxy Music und Robbie McIntosh (The Pretenders, Paul McCartney, John Mayer) mitgewirkt. Danach zog er sich wieder zurück und lebte in Montolieu in Südfrankreich. Dort wurde er am 20. Februar 2013 in seiner Wohnung tot aufgefunden; gestorben war er vermutlich am 18. Februar.

Kevin Ayers gehörte zu den in der Rockmusik gar nicht selten anzutreffenden Künstlern, die in der Musik die ideale Möglichkeit sehen, ihren Ideen, ihren Empfindungen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen zu können und dabei übersehen, dass Musik immer auch Geschäft ist. In den ausgehenden 1960er- und den 1970er-Jahren war Ayers neben seinem Freund Syd Barrett sicherlich der Musiker, an dessen Songs sich am ehesten ablesen ließ, was Psychedelic Rock sein konnte: vor musikalischen und literarischen, oft surrealen Einfällen überbordende Pretiosen. Ayers etwa griff mit Alben wie »Joy of a Toy« und »Shooting at the Moon« auf, was die Beatles mit »Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band« (1967) angestoßen hatte, führte es fort und erweiterte es, bis hin zu an Dada erinnernden Skurrilitäten.

Diskografie

Joy of a Toy (1969)
Shooting at the Moon (1970)
Whatevershebringswesing (1971)
Bananamour (1973)
The Confessions of Dr. Dream and other Stories (1974)
June 1, 1974 (1974)
Lady June’s Linguistic Leprosy (1974)
Sweet Deceiver (1975)
Yes we have no Mañanas (So get Your Mañanas today) (1976)
Odd Ditties (1976)
Rainbow Takeaway (1978)
That’s what You get Babe (1980)
Diamond Jack and the Queen of Pain (1983)
Dejà …Vue (1984)
As close as You think (1986)
Falling up (1988)
Still Life with Guitar (1992)
BBC Live in Concert (1992)
First Show in the Appearance Business: The BBC Sessions 1973-1976 (1996)
Singing the Bruise: The BBC Sessions 1970-1972 (1998)
The Unfairground (2007)

Weblink

http://www.kevin-ayers.com/ (Offizielle Website des britischen Rockmusikers Kevin Ayers)