King Crimson

King Crimson, britische Progressive Band, 1968 aus der Band Giles, Giles and Fripp hervorgegangen.

Bandbiografie

Der Schlagzeuger Michal Rex Giles (* 1942) und sein Bruder, der Bassist Peter Giles (* 1944), hatten bereits in diversen Bands professionell als Musiker gearbeitet und trugen sich mit dem Plan, eine eigene Band zu gründen. Da die Hammond-Orgel als zentrales Instrument von Rock-Bands etwa ab Mitte der 1960er-Jahre populär geworden war, suchten die Brüder für ihre Band einen Organisten, der gleichzeitig auch den Gesangspart übernehmen konnte. Die Suche blieb erfolglos, so dass sie beschlossen, mit dem Gitarristen Robert Fripp (* 1946) zunächst eine Art Interimsband zu gründen, die sie Giles, Giles and Fripp nannten. Das Trio nahm einige Singles auf und veröffentlichte 1968 die LP »The Cheerful Insanity of Giles, Giles and Fripp«. Singles wie Album weckten allerdings nicht das Interesse des Publikums, so dass die Band, nunmehr verstärkt um den Saxofonisten Ian McDonald (* 1946) und die Sängerin Judy Dyble (* 1949) weitere Aufnahmen zuhause anfertigte. Zu einer Veröffentlichung dieser Aufnahmen kam es allerdings seinerzeit nicht mehr, Ende 1968 ging Peter Giles, wenn auch wohl nicht ganz freiwillig – Fripp hielt nicht allzu viel von den mehr am gängigen Pop orientierten Songs des Bassisten.
Michael Giles, Fripp und McDonald gründeten King Crimson. In Greg Lake, eigentlich Gregory Stuart Lake, (* 1947), fanden sie einen Bassisten, der auch als Sänger überzeugen konnte, und der Dichter Pete Sinfield schrieb als voll gültiges Bandmitglied fortan die Texte zu den Kompositionen der Songs. Die Band stürzte sich in die Arbeit, Fripp hatte das seinerzeit revolutionäre Mellotron entdeckt und experimentierte mit dem seltsamen Keyboard, im Frühjahr 1969 trat King Crimson mit neuen Kompositionen, die meisten von McDonald geschrieben, vor das Publikum. Bald war die Band unter Musikern bekannt, und trat im Sommer des Jahres im Rahmenprogramm des legendären Konzertes der Rolling Stones im Hyde Park auf. Das erste Album der Band, »In the Court of the Crimson King« wurde im Herbst 1969 bei dem Label EG Records veröffentlicht. Die Gruppe tourte zunächst durch Großbritannien, dann durch die USA. Während der Tourneen verstärkten sich die persönlichen Spannungen unter den Musikern. Obwohl es keinen eigentlichen Band-Leader gab, fühlten sich vor allem Giles und McDonald von Fripp an den Rand gedrängt, sahen die Zukunft der Band aber auch eher in einer Art Softrock, nicht aber in der eklektizistischen Musik, die der Gitarrist bevorzugte. Im Dezember 1969 gingen McDonald und Giles.
Der ständige Musikerwechsel wurde zu einem Dauerzustand: 1970 verließ Greg Lake King Crimson und wurde Teil des Trios Emerson, Lake & Palmer, Fripp blieb mit Sinfield allein zurück. Das zweite Album, »In the Wake of Poseidon«, kam dennoch zustande: Die Giles-Brüder, der Saxofonist Mel Collins und der Pianist Keith Tippett halfen im Studio aus, und Tippett ließ sich auch für Konzerte engagieren, wollte aber nicht reguläres Mitglied in Fripps Band werden. Fripp überredete schließlich den Bassisten und Sänger Gordon Haskell (* 1946), sich der Band anzuschließen, und fand in Andy McCulloch (* 1945) einen geeigneten Drummer; auch Mel Collins blieb.
Weder Haskell noch McCulloch hatten allerdings bei den Aufnahmen zu »Lizard« etwas zu sagen, Fripp setzte sich auf der ganzen Linie durch und ließ lediglich Sinfields Beiträge gelten. Folgerichtig verließen Haskell und McCulloch King Crimson. Fripp fragte diverse Musiker, sich seiner Band anzuschließen – John Wetton, Rick Kemp –, doch lehnten alle ab. Schließlich brachte Fripp dem neu gefundenen Sänger Raymond Burrell (* 1946), genannt Boz, das Bass-Spiel bei. In Ian Wallace (* 1946, † 2007) fand Fripp wenigstens einen neuen Drummer und es gelang ihm, mit dieser Band eine komplette Tournee durchzustehen. Auch ein Album kam zustande, »Islands« (1971). An diesem Album war Sinfield noch beteiligt, dann überwarf er sich mit Fripp und ging. Die Spannungen innerhalb der Band waren damit aber nicht ausgeräumt und zeigten sich in einer unentschlossenen Suche nach einer musikalischen Richtung – der eigenwillige Gitarrist wollte etwas anderes als die übrigen Bandmitglieder. Fripp bedeutete seinen Musikern zu gehen, ein Wunsch, dem diese nicht ungern gern nachkamen.
Fripp suchte und fand neue Musiker: ↑Bill Bruford (* 1949), zuvor Schlagzeuger bei Yes, übernahm die Drums, der Perkussionist Jamie Muir setze sich an ein zweites Drumset, John Wetton spielte Bass und sang, David Cross (* 1949) widmete sich den Keyboards, spielte aber auch Violine. Die neue Band stand auch für eine vollkommen neue Musik, wie das 1973 veröffentlichte Album »Larks’ Tongues in Aspik« eindrucksvoll zeigte. Muir ging allerdings schon im selben Jahr und King Crimsons schrumpfte wieder zum Quartett. Ungerührt arbeitete Fripp an seiner Musik weiter, »Starless and Bible Black« kam im Frühjahr1974 auf den Markt. 1974 drehte Fripp – dieses Mal verstärkt von Bruford und Wetton -, am Personalkarussell und gemeinsam bugsierten die drei Musiker Cross aus der Gruppe, der allerdings ohnehin von Fripps Dominanz frustriert schien. Das Rest-Trio nahm Mitte des Jahres »Red« auf, selbstbewusst präsentierten sich die drei Musiker auf dem Cover der LP. Fripp allerdings durchlebte zur gleichen Zeit eine persönliche Krise und erklärte das Ende von King Crimson.
1981 beendete der Gitarrist sein Band-Projekt The League of Gentleman, das er nach dem Ende von King Crimson begonnen hatte. Zwar hatte er nicht im Sinn, King Crimson wieder zu beleben, doch nahm er Kontakt zu früheren Mitgliedern der Band auf, so etwa zu Bill Bruford. Der Schlagzeuger sagte zu, wie auch der Gitarrist Adrain Belew (* 1949) – zum ersten Mal spielte ein zweiter Gitarrist neben Fripp selbst in der Band. In dem Amerikaner Tony Levin (* 1946) fand Fripp einen äußerst virtuosen Bassisten, der neben der Bassgitarre auch den Chapmann Stick beherrschte. Noch war der »Arbeitsname« der neuen Gruppe Discipline, und unter diesem Namen trat die Band ab 1981 zunächst auch öffentlich auf. Ende 1981 aber kamen die vier Musiker überein, die neue Band mit dem alten Namen King Crimson zu versehen. Noch im selben Jahr wurde das erste Album in der neuen Besetzung veröffentlicht, »Discipline«, dem 1982 »Beat« folgte – erstmals gab es zwei Alben von King Crimson in derselben Besetzung. Konfliktfrei war allerdings die Produktion von »Beat« nicht verlaufen, schrieb doch Belew einen Großteil der Musik und war mehr als einmal mit Fripp aneinander geraten. Immerhin waren Fripp, Bruford, Belew und Levin immer noch zusammen, als es an die Aufnahmen zu »Three of a Perfect Pair« (1984) ging. Dennoch legten die Musiker nach Veröffentlichung des Albums eine Pause ein.
Anfang der 1990er-Jahre regte Belew eine Reunion der Band an. Levin sagte ebenfalls zu und als Schlagzeuger wurde zunächst Jerry Marotta engagiert, der später durch Pat Mastelotto ersetzt wurde. Mit Trey Gunn kam ein weiterer Stick-Virtuose in die Band, der auch andere exotische Saiteninstrumente wie etwa die Warr Guitar beherrschte. Als auch Bruford seine Teilnahme zusagte, sprach Fripp von einem »Doppeltrio«: zwei Gitarristen, zwei Bassisten, zwei Drummer.
Zunächst ging Fripp mit seinem Doppeltrio aber nicht ins Studio, sondern die Musiker erprobten die für Rockmusik ungewöhnliche Konstellation auf der Bühne. 1995 wurde der Konzertmitschnitt »B ’Boom: Live in Argentina« veröffentlicht, auf dem die Band nicht nur aktuelles Material vorstellte, sondern auch weit in die Geschichte der Band zurückgriff und etwa Stücke von »Red« und »Lark’s Tongue in Aspik Part 2« präsentierte. Noch im selben Jahr allerdings erschien mit »Thrak« auch die erste Studio-LP der Band, das zum großen Teil neue Versionen alter Crimson-Kompositionen enthielt. »Thrakattack« (1996) war dann wieder eine Live-CD. Die Größe der Band forderte allerdings schon wenig später ihren Tribut: Bruford fand das Spiel in der Band sehr anstrengend und verließ die Band – wenn auch nicht gänzlich, denn Fripp sah ebenfalls die Überlastung der Musiker und spaltete die Gruppe in so genannte »ProjeKcts« auf, in denen jeweils ein Teil der Musiker zusammenkam, um Neues zu erproben. Insgesamt gab es sechs ProjeKcts.
Die Erinnerung an King Crimson blieb über diese Zeit aber präsent. Ende der 1990er-Jahre beschlossen Fripp, Belew und Gunn, mit Mastoletto King Crimson auf’s Neue zu beleben; Bruford hatte sich entschieden, sich ausschließlich seiner Band Earthworks zu widmen. Gunn wechselte zwischen Bariton-Gitarre und dem Ashbury Bass, einer speziellen Bassgitarre, die einen dem Kontrabass ähnlichen Klang zu erzeugen in der Lage ist. 2000 wurde die erste CD in der neuen Besetzung veröffentlicht. King Crimson hatte den verzerrten Klang elektrischer Gitarren auf diversen Alben präsentiert, doch stellte »The ConstruKction of Light« in dieser Hinsicht eine Ausnahme dar und gilt als das »Heavy«-Album der Band. Parallel zu diesem Album nahmen die vier Musiker unter dem Namen ProjeKct X aber auch eine CD auf, auf der Mastelotto und Gunn die Hauptrollen spielten, »Heaven and Earth«. Mit der Musik beider Alben im Repertoire ging King Crimson auf Tournee und veröffentlichte danach eine Live-CD, die den bezeichnenden Titel »Heavy ConstruKction« trägt.
King Crimson veröffentlichte zu Beginn des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts noch einige EPs und auch Live-Aufnahmen, doch entschied sich Trey Gunn 2003, die Band zu verlassen und sich seiner eigenen Band zu widmen. Für ihn kam 2004 Tony Levin wieder zu King Crimson, doch brachte diese Band keine Aufnahmen zustande. Erst als 2008 ↑Gavin Harrison als zweiter Schlagzeuger zu King Crimson stieß, kam auch der Band-Betrieb wieder in Gang, ergab zunächst aber nur ein Download-Album, das einen Konzertmitschnitt enthielt.
Unter den fünf Fixsternen des Progressive Rock der ersten Phase dieses Rocks-Stils – Pink Floyd, Genesis, Yes, Emerson, Lake & Palmer und eben King Crimson – nimmt King Crimson eine Sonderstellung ein. Einerseits repräsentiert diese Band in nahezu all ihren Inkarnationen das, was Progressive Rock ausmacht: Eklektizismus bis hin zur Wahllosigkeit, das Beharren auf dem Primat der Musik und nicht der Hitparade, und die Aufgeschlossenheit gegenüber jeder neuen technischen Entwicklung. Trotz der vielen Wechsel in der Besetzung der Band – die allerdings zwischen 1972 und 2008, als Gavin Harrison zu King Crimson stieß, aus einem relativ kleinen Kreis von Musiker bestand – ist der Klang der Band über die Jahrzehnte erstaunlich konstant und wieder erkennbar geblieben. Zum Teil mag sich das auf den Gebrauch des Mellotrons, jenem seltsamen Tasteninstrument mit dem wimmernden Klang, das zum Markenzeichen King Crimsons wurde, zurückzuführen sein, wenn es auch keineswegs auf allen Alben zu hören ist.
Die Sonderstellung der Band mag aber auch daher rühren, dass hier ein Musiker, Robert Fripp, seine Vorstellung von Musik durchzusetzen versuchte, dafür aber auf die Hilfe anderer Musiker angewiesen ist und deren Interessen keineswegs widerstands- und kampflos berücksichtigt. King Crimson wirkt mit mehr als einem Album wie die Idee eines Jazz-Musikers, den es in die Gefielde der Rockmusik verschlagen hat und der nicht einsehen will, dass diese Musik – aus der Sicht des Jazz – mit gewissen Beschränkungen leben will. Auch sind die Alben durchweg Dokumentationen der Suche Fripps nach neuen Klängen, die er für seine »Soundscapes« benötigte. Er verwendete als einer der ersten Gitarristen den Gitarren-Synthesizer, er baute eine Reihe von elektronischen Geräten, die er Frippertronics nannte und setzte, kaum dass sie verfügbar waren, die V-Instrumente der japanischen Firma Roland ein.
Bei King Crimson haben hervorragende Musiker gespielt, die zu der Handvoll der Besten ihres Instrumentes zählten und zählen: Bill Bruford, John Wetton, Tony Levin, Trey Gunn, Adrian Belew, Gavin Harrison – um nur einige wenige zu nennen. Dennoch ist King Crimson stets die Band Robert Fripps geblieben, nicht immer zur Freude seiner Musiker, nicht immer zu seiner eigenen Freude.



Diskografie

In the Court of the Crimson King (1969)
In the Wake of Poseidon (1970)
Lizard (1970)
Islands (1971)
Earthbound (1972)
USA (1972)
Larks‘ Tongues in Aspic (1973)
Starless and Bible Black (1974)
Red (1974)
Discipline (1981)
Beat (1982)
Three of a Perfect Pair (1984)
The great Deceiver (1982; Aufnahmen von 1973/1974)
B’Boom: Live in Argentina (1995; Aufnahmen von 1994)
Thrakattack (1996; Aufnahmen von 1995)
Thrak (1995)
Epitaph (1997; Aufnahmen von 1969)
The Night Watch (1998; Aufnahmen von 1973)
Absents Lovers: Live in Montreal (1998; Aufnahmen von 1984)
Cirkus: The Young Persons’ Guide to King Crimson Live (1999; Aufnahmen von 1969-1998)
King Crimson on Broadway (1999; Aufnahmen von 1995)
Live in Mexiko City (1999; Aufnahmen von 1996)
The ProjeKcts (1999; Aufnahmen von 1997-1999)
The Deception of the Thrush: A Beginners’ Guide to ProjeKcts (1999; Aufnahmen von 1997-1999)
The Beginners’ Guide to the King Crimson Collectors’ Club (2000; Aufnahmen von 1969-1998)
Live in Central Park, NYC (2000; Aufnahmen von 1974)
Heavy ConstruKction (2000)
The ConstruKction of Light (2000)
Vrooom Vrooom (2001; Aufnahmen von 1995/1996)
Ladies of the Road (2002; Aufnahemn von 1971/1972)
The Power to Believe (2003)
EleKtrik: Live in Japan (2003)
The Power to believe Tour Box (2003)



Weblinks

http://www.dgmlive.com (Website zu Robert Fripp und King Crimson)

http://www.elephant-talk.com/wiki/ETWiki_Home (Wiki zu King Crimson und Robert Fripp)

http://www.connollyco.com/discography/king_crimson/index.html (Website mit Diskographien zu King Crimson und den an der Band beteiligten Musikern)



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