Les Claypool

Claypool, Les, eigentlich Leslie Edward Claypool, * Richmond (Kalifornien) 29.9. 1963, amerikanischer Bassgitarrist, Sänger und Komponist; Claypool verwendet auch die Namen Colonel Claypool, Snap, Snappy und Snapdad.

Les Claypool wuchs in El Sobrante (Kalifornien) auf, wo ihm ein Freund seiner Eltern eine Spieltechniken der elektrischen Bassgitarre zeigte. Während seiner Schulzeit vervollkommnete Claypool seine instrumentalen Fähigkeiten, bis sein Mitschüler Kirk Hammet auf ihn aufmerksam wurde und ihn zu überreden versuchte, in der Band, in der er Gitarre spielte, den Bass zu übernehmen. Claypool lehnte ab und schloss sich der Heavy-Metal-Band an, ohne zunächst eine professionelle Karriere als Musiker anzustreben. Stattdessen absolvierte er eine Ausbildung zum Tischler, arbeitete in einer Zimmerei und spielte Bass in einer lokal ansässigen Rockband, der Tommy Crank Band, vor allem Blues, Funk und Songs der Top 40. Da die Band beinahe täglich auftrat, hatte Claypool bald die Routine, in sich in jedem Rockstil virtuos bewegen zu können.
Hammett war mittlerweile Mitglied der Heavy-Metal-Band Metallica. Als 1986 deren Bassist Cliff Burton in Schweden tödlich verunglückte, lud Hammett Claypool zu einem Vorspiel ein. Um dieses Vorspiel ranken sich einige Mythen, jedenfalls ist nicht klar, ob Metallica Claypool ablehnte oder Claypool dann doch nicht in der Band spielen wollte; er selbst behauptete, er »sei zu gut für die Band«. Der durchaus eigenwillige Bassist hatte zu dieser Zeit schon begonnen, eigene Songs zu schreiben und gründete, um diese präsentieren zu können, ein Trio, dem er den Namen Primate gab. Neben ihm spielten der Gitarrist Todd Huth (* 1963) und zunächst verschiedene Schlagzeuger in der Band, bis Claypool in Jay Lane (* 1964) den für seinen Funk-Rock geeigneten Drummer fand. Die ungewöhnlichen Auftritte der Band, die allemal von Claypools singulärem Bassspiel, seinen im Sprechgesang vorgetragenen skurrilen, nicht immer ganz stubenreinen Texten und seinen phantasievollen Verkleidungen – meist trägt er einen Hut, oft einen Bowler, aber auch Tropenhelme und Polizeimützen – machten die Band bald bekannt. 1989 gingen Huth und Lane, Claypool spielte für kurze Zeit bei Blind Illusion Bass und nahm mit der Band ein Album auf, renovierte dann aber Primate: Nunmehr gehörten der Gitarrist Larry LaLonde (* 1968; auch Lalonde) und den Schlagzeuger Tim Alexander (* 1965) zu Claypools Trio; 1996 kam Brian Mantia (* 1963) für Alexander.
Anfang der 1990er-Jahre war die mittlerweile zu Primus umgetaufte Band so bekannt, dass sie zu überregional ausgestrahlten Fernsehsendungen eingeladen wurde und 1993 als Hauptattraktion beim Lollapalooza-Festival auftrat – nicht zuletzt aufgrund des Erfolges seines Albums »Pork Soda« (1993). Eine enge Partnerschaft verband Claypool seit 1991 mit Tom Waits, gegenseitig halfen sie sich bei den Aufnahmen zu ihren Alben. 2000 beendete Claypool vorübergehende die Aktivitäten von Primus, tat sich aber schon 2003 wieder mit Alexander und LaLonde zu einem Trio zusammen und ging mit ihm auf Tournee.
Neben seinem Engagement in Primus hat Claypool stets auch in diversen anderen Formationen seinen Bass gespielt, immer aber auch Solo-Projekte verfolgt, so mit Huth und Lane in Sausage und in Holy Mackerel unter anderen mit Lane und Henry Rollins. In Europa wurde er einem größeren Publikum vor allem durch Oysterhead bekannt. Zu dem Trio gehörten der Gitarrist und Sänger Trey Anastasio von der amerikanischen Band Phish und dem Schlagzeuger Stewart Copeland, einst bei The Police; Copeland ist eng mit Claypool befreundet, die beiden Musiker teilen denselben Sinn für etwas ungewöhnlichen Humor.
Der sich auch im Namen von Claypools Band Colonel Les Claypool’s Fearless Flying Frog Brigade zeigt, der Claypool in grüner Phantasieuniform mitsamt Tropenhelm vorsteht. In seiner fliegenden Frosch-Truppe tun etwa Huth, Lane, der Keyboards-Spieler Jeff Chimenti, der Saxophonist Skerik und der Gitarrist Eenor Dienst. Mit dieser Band wandte sich Claypool auch älterem britischen Progressive Rock, etwa von King Crimson und Pink Floyd zu, aber auch der Musik der Beatles. Im Abstand von wenigen Jahren gründete Claypool weitere Bands, 2002 Colonel Claypool’s Bucket of Bernie Brains und 2006 Les Claypool’s Fancy Band. Electric Apricot war eine fiktive Band, die in Claypools Dokumentarfilm »Electric Apricot: Quest For Festero« die Hauptrolle spielt – natürlich handelte sich bei der Dokumentation um eine von Claypool erdachte Fälschung. 2006 schließlich veröffentlichte der umtriebige Musiker sein erstes Buch, »South of the Pumphouse«.
Claypool erinnert als Musikerpersönlichkeit stark an Fank Zappa: Er hat einen ähnlich respektlosen Humor, verwendet beispielsweise für seine Texte und Song-Titel diverse Elementen aus Comics, kennt bis ins kleinste Detail die Musik etwa von Parliament, fühlt sich andererseits aber vom britischen Progressive Rock der frühen 1970er-Jahre beeinflusst und nennt als seine Vorbilder Bassisten wie neben anderen Paul McCartney, Chris Squire, Stanley Clarke, Geddy Lee und Bootsy Collins. Unter Bassisten ist Claypool hoch angesehen und zählt zu den exzeptionellen Virtuosen der elektrischen Bassgitarre; neben dem viersaitigen Gitarreninstrument – stets aus der Werkstatt von Carl Thompson – spielt er auch Kontrabass, elektrischen Kontrabass, Banjo und Teekistenbass. Die Auftritte, die er mit seinen Bands, allen voran dem wieder aktivierten Trio Primus, absolviert, leben von seinen mitunter marionettenhaften Tänzen und eckigen Bewegungen, zumal der obligate Hut, eine dicke schwarze Brille und sein Schnurrbart seinem Gesicht ein maskenhaftes, wie unbeteiligt wirkendes Aussehen geben.



Diskografie

Solo

Of Whales and Woe (2006)
Of Fungi and Foe (2009)

Mit Blind Illusion

The Sane Asylum (1988)

Mit Primus

Suck on This (1989)
Frizzle Fry (1990)
Sailing the Seas of Cheese (1991)
Pork Soda (1993)
Tales from the Punchbowl (1995)
Brown Album (1997)
Rhnoplasty (1998)
Antipop (1999)
Animals Should Not Try to act Like people (2003; mit DVD)
Green Naugahyde (2011)

Mit Sausage

Riddles Are Abound Tonight (1994)

Mit Les Claypool and the Holy Mackerel

Highball with the Devil (1996)

Mit Colonel Les Claypool’s Fearless Flying Frog Brigade

Lve Frogs Set 1 (2001)
Live Frogs Set 2 (2001)

Mit The Les Claypool Frog Brigade

Purple Onion (2002)

Mit Colonel Claypool’s Bucket of Bernie Brains

The Big Eyeball in the Sky (2004)

Mit Electric Apricot

Quest for Festeroo (2008)



Werke

South of the Pumphouse; New York 2006



Literatur



Classic Rock Presents PROG No.15, 05/10; S. 34



Weblink

http://www.lesclaypool.com:7080/news/ (Offizielle Website des amerikanischen Bassisten Les Claypool)