Lester Polsfuss

Polsfuss, Lester William, bekannt unter dem Namen Les Paul, amerikanischer Instrumentenbauer, Gitarrist und Studiotechniker, * Waukesha (Wisconsin) 9. Juni 1915, † White Plains (New York) 13.8. 2009.

Biografie

Lester Polsfuss lernte als Kind, die Mundharmonika zu spielen. Wenige Jahre später versuchte er, Banjo zu spielen, wechselte aber bald zur Gitarre. Im Alter von 13 Jahren schloss er sich einer Country-and-Western-Band an, mit 17 war er so versiert, dass er als professioneller Musiker in der C & W-Band Rube Tronson’s Texas Cowboys arbeiten konnte. Nach Beendigung der High School nahm er ein Engagement in St. Louis ein Engagement in der Wolverton’s Radio Band an.
Mitte der 1930er-Jahre spielte Polsfuss in einer Jazzband, dachte zu dieser Zeit aber bereits über eine elektrisch verstärkte Gitarre nach, da ihm die bis dahin gebräuchlichen akustischen Gitarren für eine Arbeit in Big Bands oder C & W-Bands ungeeignet erschienen. Zu dieser Zeit begann auch seine Platten-Karriere: 1936 wurden seine ersten Platten veröffentlicht.
Neben seiner Karriere als Musiker arbeitete Lester Polsfuss intensiv an seiner Idee einer Gitarre, die mit Hilfe von elektrischen Verstärkern den Bläsern einer Big Band Paroli bieten konnte. 1939 hatte er einen Prototyp fertig gestellt, der als The Log in die Geschichte des Instrumentes einging. Es bestand aus wenig mehr als einem Griffbrett, einer Brücke und einem Tonabnehmer. Das Gebilde baut er in den Korpus einer akustischen Gitarre der Firma Epiphone ein – es funktionierte.
Er verwendete das neuartige Instrument auch in seinem Trio, das er 1938 mit Jim Atkins – einem Halbbruder von Chet Atkins – und Ernie Newton gegründet hatte. Das Les Paul Trio war recht erfolgreich, trat obligat in Radio-Shows auf – etwa bei Bing Crosby – und brachte es 1944 sogar bis in die renommierte Konzert-Serie Jazz at the Philharmonics. Daneben veröffentlichte das Trio Jahr für Jahr eine Handvoll Platten.
Die Idee einer elektrisch verstärkbaren Gitarre ohne Resonanzkörper – eine so genannte Solid Body Guitar – trieb auch andere Tüftler um: Adolph Rickenbacker hatte ebenfalls in den 1930er-Jahre ein derartiges Instrument zusammengebastelt, Leo Fender Ende der 1940er-Jahre seine Vorstellungen von einem derartigen Instrument in eine industriell nutzbare Form gebracht. Die längst etablierte Firma Gibson, erfolgreich mit diversen akustischen und halbakustischen Gitarren, die mit einem Tonabnehmer versehen waren, griff Polsfuss‘ in The Log manifestierten Ideen auf und baute eine Gitarre, die sie dem erfolgreichen Gitarristen zur Erprobung gab. Polsfuss, der sich jahrelang vergeblich bemüht hatte, Gibson von seiner Idee zu überzeugen, war so angetan von dem Instrument, dass er mit der Firma einen Vertrag machte: Gibson durfte seine Erfindung und seinen Namen nutzen, er wollte seinerseits fortan nur noch das Les-Paul-Model, wie die Gitarre genannt wurde, spielen. Es handelte sich um eine goldfarben lackierte Gitarre mit einem eingeleimten Hals, einem Cutaway und zwei Humbucker-Tonabnehmern. Das Instrument ging wie die Telecaster- und Stratocaster-Gitarren von Leo Fender in die Musikgeschichte ein, von diesen drei Gitarren leiten sich alle anderen elektrischen Gitarren ab. Die Zusammenarbeit mit Gibson erfuhr in den 1960er-Jahren allerdings allerlei Trübungen, als die Gibson-Gitarren – und damit auch die Les Paul – nur schwer verkauft werden konnten. 1961 nannte Gibson eine Gitarre mit zwei Cutaways und einem relativ simplen Brett-Korpus Les Paul SG; nach Polsfuss‘ Protesten wurde aus der Gitarre 1963 die SG. Im Laufe der 1960er-Jahre allerdings, als einige renommierte Rockmusiker wie etwa Eric Clapton zumindest zeitweise die Les Paul spielten, wurde das Instrument zu dem, was es heute ist: Die Gitarre, die unlösbar mit Blues, Hard Rock und Heavy Metal verbunden ist.
Polsfuss hatte bereits in den ausgehenden 1940er-Jahren Bekanntschaft mit den nach dem Krieg aus Deutschland geholten Magnet-Tonbandgeräten gemacht und sah das technische Potential dieser Geräte für die Aufnahme von Musik. Bald experimentierte er mit den amerikanischen Nachfolgern dieser Geräte von Ampex, tüftelte an Mehrspurgeräten, tüftelte an Variationen der Bandgeschwindigkeit, tüftelte an Multitrack-Aufnahmen. Er »erfand« das Over-Dubbing. Die ersten Aufnahmen dieser Art, später jedem Amateur der Tonbandtechnik zugänglich, stammen von Polsfuss und seiner Frau Mary Ford. Ampex griff Polsfuss’ Ideen auf und konstruierte Zweispur- und Dreispur-Geräte. Die Idee der »Produktion« von Musik bis in die Gegenwart mit Hard-Disc-Recording und Sequencing geht auf Polsfuss’ Versuche zurück.
Die Popularität des Gitarristen, der gemeinsam mit seiner Frau zahllose Aufnahmen veröffentlichte, war zeitweise so groß, dass er in den 1950er-Jahren seine eigene Radio-Show hatte, The Les Paul Show, in der er mit seiner Frau und dem Gitarristen Eddie Stapleton auftrat.
In den 1960er-Jahren zog Les Paul sich allmählich aus dem Musikleben zurück. Gelegentlich veröffentlichte er noch Schallplatten, etwa 1976 mit Chet Atkins »Chester and Lester«. Vergessen war er nicht, in den 1980er-Jahren gab er dann und wann wieder Konzerte und 2006 erhielt er für sein Album »Les Paul & Friends: American Made World played« zwei Grammys. Außerdem trat er jeden Monat in New York mit einem Trio im Iridium-Jazz-Club auf.
Les Paul ist als Konstrukteur der Les Paul jedem Rock- und Jazz-Gitarristen bekannt, nahezu jeder Gitarrist dieser Stilrichtungen hat schon einmal eine Les Paul in der Hand gehabt. Jedem Studiotechniker, jedem Produzenten sollte sein Namen im Zusammenhang mit der Geschichte der Tonaufnahme bekannt sein. Dahinter verblasst seine Bedeutung als Musiker ein wenig. Mögen seine Kompositionen – »Danger, Men at Work«, »Golden Sands«, »Dance Hall Blues«, »Deep in the Blues«, »Come back to Me«, um nur einige wenige zu nennen – auch mehr oder weniger vergessen, viele seiner Platten nicht mehr greifbar sein, so bestechen noch heute seine makellosen Aufnahmen mit Mary Ford, die Eleganz seines Spiels und die noble Zurückhaltung, die sein ganzes Auftreten bestimmten.



Diskografie
Auswahl

Feedback (1944)
Hawaiian Paradise (1949)
The Hit Makers! (1950)
The New Sound (1950)
Les Paul’s New Sound, Volume 2 (1951)
Bye Bye Blues! (1952)
Les and Mary (1955)
Time to Dream (1957)
Lover’s Luau (1959)
Bouquet of Roses (1962)
Warm and Wonderful (1962)
Swingin‘ South (1963)
Fabulous Les Paul and Mary Ford (1965)
Les Paul Now! (1968)
The Guitar Artistry of Les Paul (1971)
Chester and Lester (1976; mit Chet Atkins)
Guitar Monsters (1977; mit Chet Atkins)
Multi Trackin‘ (1979)
California Melodies (2003)
Les Paul & Friends: American Made World Played (2005)
Les Paul And Friends: A Tribute To A Legend (2008)



Weblink

http://www.lespaulonline.com/ (Offizielle Website des amerikanischen Gitarristen Lester Polsfuss)