Magma

Stichwort Zeuhl



Magma, französische Progressive-Rock-Band, 1969 von dem französischen Schlagzeuger Christian Vander (* 1948) in Paris gegründet; die Band gilt als Hauptvertreter der artifiziellen Musikrichtung Zeuhl.

Bandbiografie

Vander, traditionell als Schlagzeuger ausgebildet, scharte einige Musiker um sich, darunter auch seine Frau Stalla Vander (* 1950). Obligat gehörte zu der wie eine Rockband besetzten Formation Bläser, und wenn Magma auch nicht eine um personelle Konstanz bemühte Band ist, so wurde doch über die Jahrzehnte ein erstaunlich konsistentes Klangbild erhalten. Im Mittelpunkt steht in der Musik Magmas stets die Rhythmusgruppe, doch spielen einerseits Bläser in unterschiedliche Besetzung, andererseits Sänger – vom Solosänger bis zum mehrere Mitglieder starken Chor – eine wichtige Rolle.
Die erste LP, 1970 unter dem Titel »Magma« veröffentlicht, stellt so etwas wie das Manifest der Band Vanders dar. Es erzählt die Geschichte eines fiktiven Planeten namens Kobaï, der einst von Bewohnern der Erde besiedelt wurde. Die Kobaïaner kehren eines Tages zur Erde zurück, angeführt von Kreuhn Kohrmann, um Bewohner der Erde aus dem Zeitalter des Hasses zu retten. Vander und seine Musiker identifizierten sich mit der ebenso esoterischen wie kruden Geschichte so sehr, dass viele Texte zu den Songs in »kobaïanisch«, einer erfundenen Sprache, gehalten sind.
Unter diesen Prämissen veröffentlichte Magma in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre in rascher Folge einige Alben. Wenn Vander auch die Band ständig umbesetzte, so fand er stets ausgezeichnete Musiker für seine Kompositionen. Vor allem die Alben, die zwischen 1970 und 1977 entstanden und Titel wie »Mekanik Destruktiw Kommandöh« (1973), »Köhntarksz« (1974), »Üdü Wüdü« (1976) und »Attahk« (1977) tragen, werden mit dem Namen der Band verbunden und in diesen Jahren fand die Band auch das Interesse eines größeren Publikums.
Gegen Ende der 1970er-Jahre nutzte Vander den Namen der Band nicht mehr durchgängig, veröffentlichte aber in den folgenden Jahren gelegentlich Alben unter eigenem Namen, die sich nicht von den Produktionen Magmas unterschieden. In den 1980er- und der ersten Hälfte der 1990er-Jahre wurden diverse Aufnahmen von Live-Konzerten vornehmlich aus den 1970er-Jahrne veröffentlichte. 1996 taten sich Stella und Christian Vander mit Don’t Die, einer Cover-Band Magmas, zusammen. Seitdem tritt Magma hier und da öffentlich auf und veröffentlich gelegentlich CDs.
Vander verfolgte von Anbeginn seiner Arbeit mit Magma ein Konzept, das die Grenzen von Rockmusik sprengt, und die Band als Teil eines Gesamtkunstwerkes erscheinen lässt, das deutliche Anzeichen einer Pseudoreligion trägt. Anregungen für seine Musik, die im Kern Rockmusik ist, bezog der charismatische Schlagzeuger vornehmlich aus Jazz bis hin zum Funk, aber auch aus dem Werk Carl Orffs (* 1895, † 1982). Innerhalb der Rockmusik nimmt Vander mit seiner Band eine Sonderstellung ein. Tatsächlich dürfte der esoterische Unterbau der Musik viele Rockhörer abgeschreckt haben. Dennoch verfügt Magma über eine beständige Anhängerschaft und hat im Laufe der Jahrzehnte einen gewissen Kultstatus erreicht.



Diskografie

Magma (1970; unter dem Titel Kobaïa wiederveröffentlicht)
1001° Centigrades (1971)
Mekanïk Destruktïw Kommandöh (1973)
Wurdah Ïtah (1974)
Köhntarkösz (1974)
Live (Hhai) (1975)
Üdü Wüdü (1976)
Inédits (1976)
Attahk (1977)
Retrospektïw 3 (1981)
Concert Bobino 1981 (1984)
Merci (1984)
Mekanïk Kommandöh (1989)
Les Voix Concert 1992 (1992)
Concert 1971 Bruxelles – Théâtre 140 (1996)
Theatre du taur Concert – Toulouse 1975 (1996)
Concert 1976 Opéra de Reims (1996)
BBC 1974 Londres (1999)
Theusz Hamtaahk Trilogie (2001)
Bourges 1979 (2008)
K.A. (2004)
Ëmëhntëhtt-Ré (2009)
Live in Tokyo (2009)