Marius Westernhagen

Westernhagen, Marius, eigentlich Marius Müller-Westernhagen, deutscher Schauspieler und Rockmusiker (Gesang, Text, Komposition) * Düsseldorf 6.12.1948; Marius Westernhagen ist Sohn des Schauspielers Hans Müller Westernhagen (* 1918, † 18. Dezember 1963).

Biografie

Marius Müller-Westernhagen trat dank der Kontakte seines Vaters bereits als 15-Jähriger als Schauspieler in Erscheinung: Er spielte eine Rolle in Wilhelm Semmelrogges Film »Die höhere Schule«, der Beginn seiner Karriere als Darsteller, denn im Anschluss an diesen Film wurde Müller-Westernhagen immer wieder zu Film, Fernseh- und Rundfunkproduktionen geholt. Autodidaktisch lernte er Gitarrespielen und schloss sich der Düsseldorfer Rockband Harakiri Whoom als Sänger an; mit der Band entstand auch ein Kurzfilm über Wehrdienstverweigerung.

1972 wurde Marius Müller-Westernhagen einem größeren Publikum bekannt, als er in einer Folge der der Satire-Sendereihe »Express« des ZDF einen furiosen Auftritt mit einer Cover Version von Paul McCartneys »Give Ireland back to the Irish« hatte; Westernhagen sang allerdings nicht den originalen Text, sondern »Gebt Bayern zurück an die Bayern«. Die Single wurde zwar schnell wieder vom Markt genommen, doch hatte der dürre Sänger nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Unentschlossen, ob er nun eine Karriere als Schauspieler oder eine als Rockmusiker forcieren sollte, ging er 1972 nach Hamburg, seinerzeit Zentrum der deutschen Rockmusik. Für den Film »Supermarkt« (1973; Regie: Roland Klick) schrieb er den Song »Celebration« und lernte bei den Aufnahmen den Produzenten Peter Hesslein kennen. Hesslein, selbst Rockmusiker etwa bei Pink Mice und Lucifer’s Friend, bahnte eine Verbindung zu der Schallplattenfirma Warner Records an, bei der Westernhagen 1974 einen Vertrag unterschrieb. Das Debütalbum »Das erste Mal« (1975) wurde vom Publikum allerdings kaum beachtet und Westernhagen wandte sich wieder verstärkt seiner Arbeit als Schauspieler zu.

1976 drehte er unter der Regie von Peter F. Bringmann den Film »Aufforderung zum Tanz« (1977). Die Figur des Fernfahrers Theo Gromberg schien dem jungen Schauspieler auf den Leib geschneidert und spätestens, als Westernhagen 1980 in dem Folgefilm »Theo gegen den Rest der Welt« (Regie: Peter F. Bringmann) erneut den nicht unterzukriegenden LKW-Fahrer spielte, wurde er vom Publikum mit der Filmfigur identifiziert.

Die Popularität als Fernfahrer-Schauspieler strahlte auf seine Karriere als Sänger aus. Nach der Veröffentlichung der eher erfolglosen Alben »Bittersüß« (1976) und »Ganz allein krieg ich’s nicht hin« (1977) legte er 1978 die Platte »Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz« vor. Hatte Hesslein die ersten drei Alben produziert, so war »Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz« unter der Leitung von Lothar Meid, früher bei der deutschen Rockband Amon Düül II Bassist, entstanden. Es enthielt, etwa mit dem Titelsong, geradlinigen Rock amerikanischer Prägung, den Westernhagen kongenial sang.

Den, vielleicht auch bewusst, etwas pubertären Rock’n’Roll seiner Alben dieser Jahre – 1980 folgte »Sekt oder Selter«, 1981 »Stinker«, 1982 »Das Herz eines Boxers« –, ließ Westernhagen im Lauf der 1980er-Jahre ein wenig hinter sich. Schon früher hatte er – manchmal geradezu unvermittelt – mit seiner etwas provokativen Sicht der Dinge seine Zuhörer überrascht, so etwa mit Songs wie »Dicke«, »Von Drüben« oder »Grüss mir die Genossen«, nun sang er auch Brecht/Weill: Auf »Die Sonne so rot« (1984) den Mackie-Messer-Song. Größeren Erfolg als mit seinen einzelnen Platten hatte er aber mit seinen Balladen, die 1985 gesammelt auf einer CD erschienen. Tatsächlich war Westernhagen aber kein Star der Schallplatte, der Konzerte nur gab, um die Fans zu erfreuen, sondern umgekehrt erarbeitete er sich in den 1980er-Jahren seien Reputation als Live-Sänger. Wie Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer konnte er die großen Hallen füllen und sang mehrmals bei »Rock am Ring«.

Mit »Westernhagen« ließ er 1987 den »alten« Marius Müller-Westernhagen samt Theo, Bindestrich-Müller und unverblümtem Rock hinter sich; auch seine Karriere als Schauspieler beendete er mit dem Film »Der Madonna-Mann« (Regie: Christoph Blumenberg). »Westernhagen« enthielt den Song »Freiheit«, ein auch für sein Leben fast programmatisch zu verstehendes Lied, das Ende der 1980er-Jahre eine der Hymnen der Wiedervereinigung Deutschlands wurde.

1989 brachte »Halleluja« dann endlich den Erfolg auf dem CD-Markt. Die CD war sein erster Top-Hit in den Verkaufscharts und die Tour zum Album geriet ihm zum Triumphzug. Zur Tournee gehörte auch ein Konzert in der Werner-Seelenbinder-Halle im Ostteil Berlins, bei dem offensichtlich wurde, dass Westernhagen im Osten Deutschlands nicht unbekannt geblieben war: »Freiheit« erhielt in dem heruntergekommenen Betonbau eine reale Bedeutung. Die Verkaufszahlen von Live-Album und – DVD zur Tour, 1990 auf den Markt gebracht, bestätigten den Erfolg Westernhagens.

Nach der Veröffentlichung von »Jaja« (1992) stieg Westernhagen zum Primus inter Pares – Lindenberg und Grönemeyer – auf, buchte für seine Tourneen die größten Hallen und erstmals Fußballstadien, 1994, zur »Affentheater«-Tournee, gar nur noch Stadien. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges zog er sich zurück und erst 1998 erschien mit »Radio Maria« ein neues Album. Die Wirkung auf sein Publikum hatte über die Jahre nicht nachgelassen, auch »Radio Maria« stieg auf den ersten Platz der Verkaufscharts auf und die Tour war gewohnt erfolgreich. Aber der Sänger hatte genug von den Superlativen: Bei seinem Auftritt in Hamburg, dem letzten der monatelang vorbereiteten Tournee, gab er bekannt, in Zukunft nicht mehr in Stadien auftreten zu wollen.

Nach der Jahrtausendwende veröffentlichte Westernhagen nur sporadisch CDs, die übliche Best-of-Sammlung 2000, »In den Wahnsinn« 2002 und »Nahaufnahme« 2005. CDs und auch die auf die Veröffentlichung von »Nahaufnahme« folgende Tournee konnten die früheren Erfolge zwar nicht ganz wiederholen, doch wollten immer noch Hunderttausende den Star sehen. Westernhagen aber schien auf der Suche nach einem neuen Weg, was auch daran abgelesen werden kann, dass er nach Jahrzehnten bei Warner einen Vertrag bei Edel Music unterschrieb.

Westernhagen gehört zwar wie Lindenberg und Grönemeyer zum Dreigestirn der deutschen Rockmusik, doch ist er einen ganz anderen Weg gegangen als diese beiden: Er hat sich nicht wie Lindenberg zu einer Kunstfigur ausgebaut und bietet nicht die Angriffsflächen eines Grönemeyers; Parodien Westernhagens stammen allenfalls von ihm selbst. Westernhagen ist im Konzert weit mehr erkennbar als mit seinen CDs. Dann ist er jederzeit imstande, auch den grölenden Rocker zu geben, macht vor Kitsch nicht halt und spricht das Publikum weit unmittelbarer an als Lindenberg und Grönemeyer. Dennoch ist er aber nicht der Kumpel, für den viele seiner Fans ihn halten, die immer noch den Theo in ihm sehen wollen. Seine Musik ist auf vielen der CDs stark an amerikanischen Vorbildern orientiert, oft genug auch an den Songs der klassischen Phase der Rolling Stones. Von unterschiedlicher Überzeugungskraft sind seine Texte: Neben offensichtlichem Nonsense stehen Liebeslieder, in denen sich viele seiner Fans wiederfinden, und »Freiheit« war der Song zur Zeit. Westernhagens Wirkung auf die deutsche Rockmusik ist eher gering; anders als etwa Herbert Grönemeyer hat er nur wenig mit seiner Musik experimentiert und sich eher auf den tradierten Klang von Rockmusik beschränkt.

Westernhagen war von 1974-1986 mit der Schauspielerin Katrin Schaake liiert. 1986 ging er eine Verbindung mit der Schauspielerin Polly Eltes ein; mit ihr hat er die Tochter Sarah. 1987 lernte er das amerikanische Model Romney Williams kennen; das Paar heiratete 1988.

Auszeichnungen

2001 Bundesverdienstkreuz
1980 Ernst-Lubtisch-Preis
1992 Echo
1993 Echo in drei Kategorien
1995 Echo in zwei Kategorien
1999 Echo

Diskografie

Das erste Mal (1975)
Bittersüß (1976)
Ganz allein krieg ich’s nicht hin (1977)
Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz (1978)
Sekt oder Selters (1980)
Stinker (1981)
Das Herz eines Boxers (1982)
Geiler is‘ schon (1983)
Die Sonne so rot (1984)
Lausige Zeiten (1986)
Westernhagen (1987)
Halleluja (1989)
Live (1990)
Jaja (1992)
Affentheater (1994)
1996: Keine Zeit (1996; Soundtrack)
Radio Maria (1998)
In den Wahnsinn (2002)
Nahaufnahme (2005)
Wenn das Licht auf dich fällt (2007)

Filme

Die höhere Schule (1962; Regie: Wilhelm Semmelroth)
Sechs Personen suchen einen Autor (1964; Regie: Eberhard Itzenplitz)
Ostern (1967; Regie: Wilm ten Haaf)
Harakiri Whoom (1968; Regie: Gerhard Schmidt)
Der Unfall (1968; Regie: Peter Beauvais)
no prizes-no wagering (1970)
Veränderung in Milden (1973; Regie: Eberhard Itzenplitz)
Ein deutsches Attentat (1974; Regie: Günther Gräwert)
Verlorenes Leben (1975; Regie: Ottokar Runze)
Sladek oder die schwarze Armee (1976; Regie: Oswald Döpke)
Aufforderung zum Tanz (1976; Regie: Peter F. Bringmann)
Das zweite Erwachen der Christa Klages (1977; Regie: Margarethe von Trotta)
Klaras Mutter (1977; Regie: Tankred Dorst)
Der Gehilfe (1978; Regie: Ludwig Cremer)
Der Tote bin ich (1979; Regie: Alexander von Eschwege)
Der Mörder (1979; Regie: Ottokar Runze)
Theo gegen den Rest der Welt (1980; Regie: Peter F. Bringmann)
Geteilte Freude (1980; Regie: Gabi Kubach)
Mosch (1980; Regie: Tankred Dorst)
Der Mann auf der Mauer (1982; Regie: Reinhard Hauff)
Der Schneemann (1984; Regie: Peter F. Bringmann)
Deshima (1987; Regie: Beat Kuert)
Der Madonna-Mann (1987; Regie: Hans-Christoph Blumenberg)

Weblinks

http://www.westernhagen.de (Offizielle Website des deutschen Rockmusikers Marius Westernhagen)