Martin Barre

Barre, Martin Lancelot, britischer Rockgitarrist, * Kings Heath, Birmingham, England 17.11. 1946

Barre lernte als Schüler Flöte, wandte sich aber nicht zuletzt unter dem Einfluss seines Vaters im Alter von 14 Jahren der Gitarre zu. Als Jugendlicher spielte er zeitweise auch Querflöte, Saxophon und sogar Bassklarinette. Anfang der 1960er-Jahre war er in seiner Heimatstadt Birmingham Mitglied einer Band namens The Dwellers, die sich bald in The Moonrakers umbenannte. 1966 schloss er sich in London einer Band an, die einen Sänger begleitete, der sich nach dem Dandy Beau Brummell nannte; zeitweise spielte er hier auch Saxophon. Die Band machte sich bald selbständig und nannte sich dann The Motivation. Mäßig erfolgreich, wechselte die Band1967 einmal mehr den Namen, nannte sich dann The Penny Peeps und veröffentlichte bei dem Label Liberty Records zwei Singles. Barre spielte nunmehr elektrische Gitarre. Die Band gab sich abermals einen neuen Namen – Gethsemane – und glaubte, im Blues und Bluesrock eine Zukunft zu haben. Zwar nahmen die Musiker auch weitere Songs auf, doch ergab sich keine Möglichkeit, diese auch zu veröffentlichen, so dass sich die Band Ende 1968 auflöste.
Etwa zur gleichen Zeit verließ der Gitarrist Mick Abrahams die Gruppe Jethro Tull um den Sänger und Flötisten Ian Andeson. Anderson suchte für seine Band einen neuen Gitarristen und veranstaltete einige Auditions, an denen beispielsweise auch David O’List von The Nice teilnahm. Auch Barre bemühte sich um den Posten, kam aber zunächst wegen seines Lampenfiebers nicht zum Zug. Nach einer zweiten Audition entschied sich Anderson für Barre, der für Jahrzehnte Gitarrist der Band war und neben Anderson die einzige feste Größe in der Besetzung von Jethro Tull. Erst nach der Jahrtausendwende lockerte sich das Verhältnis zwischen ihm und Anderson, an den Aufnahmen zu »Thick as a Brick 2« von 2012 etwa nahm er nicht mehr teil. Dafür war er an den wichtigen Alben der Band, die durchweg in den späten 1960er- und 1970er-Jahren entstanden,also »Stand Up« (1969), »Aqualung« (1971), »Thick as a Brick« (1972), »A Passion Play« (1973), »War Child« (1974) und »Minstrel in the Gallery« (1975), maßgeblich beteiligt; das Riff zu »Aqualung« etwa wurde – wenn es auch von Anderson stammt – von Barre gespielt und zählt zu der Handvoll Riffs, die für die Rockmusik insgesamt stehen können.
Da Jethro Tull in den 1990er-Jahren nur wenig aktiv war, begann Barre eine eigene Karriere aufzubauen, spielte einige Solo-Alben ein, tat sich 2006 mit dem Sänger und Gitarristen Dan Crisp und dem Bassisten Alan Bray zu einem Trio zusammen und gründete 2012 mit dem Sänger und Gitarristen Pat O’May, dem Gitarristen und Bassisten John Mitchell, dem Saxophonisten Frank Mead, dem Bassisten Jonathan Noyce und dem Schlagzeuger Geoff Dunn eine Band, die er beziehungsreich Martin Barre’s New Day nannte. Mit dieser Band präsentiert der Gitarrist auch ältere Musik aus dem Œuvre Jethro Tulls.
Martin Barre steht mit seinem Spiel zwischen dem Blues und englischer Folk Music – so spielte er den größten Teil seiner Karriere lang eine Les-Paul-Gitarre der amerikanischen Firma Gibson, greift aber auch zur akustischen Gitarre und zur Mandoline; in jüngerer Zeit verwendet er Instrumente der Firma Paul Reed Smith, spielte aber auch Gitarren von Fender und Hamer. Bei Jethro Tull war er stets der Garant für die Nähe der Band zu Blues und Hardrock, so dass JT etwa Anfang der 1970er-Jahre von nicht wenigen Rockhörern als Hardrock-Band eingestuft wurde. Als Instrumentalist tritt Barre zwar nicht spektakulär auf, er ist aber ohne jeden Zweifel neben Gitarristen seiner Generation wie Eric Clapton und Jeff Beck zu stellen. Geradezu phänomenal ist sein Gedächtnis, das es ihm erlaubt, das nicht gerade kleine Repertoire der Band stets abrufen zu können und ihm dennoch auf der Bühne den Raum lässt, drei Meter hohe Malerleitern zu überklettern – dabei sein Solo spielend.


Diskografie

A Summer Band (1992)
A Trick of Memory (1994)
The Meeting (1996)
Stage Left (2003)
Martin Barre (2012)


Weblink

http://www.martinbarre.com (Offizielle Website des britischen Gitarristen Martin Barre)