Melissa Etheridge

Etheridge, Melissa Lou, amerikanische Rockmusikerin (Gesang, Gitarre, Komposition, Text), * Leavenworth (Kansas), 29.5.1961.

Biografie

Melissa Etheridge begann als Kind, Gitarre zu spielen und eigene Songs zu schreiben. Musik begeisterte sie so, dass sie sich am Berklee College of Music einschrieb, nebenbei aber weiterhin in kleinen Clubs auftrat. Anfang der 1980er-Jahre ging sie nach Los Angeles, in der Hoffnung, ihre musikalische Karriere professionalisieren zu können. Durch Vermittlung des Musikmanagers Bill Leopold erhielt sie von dem Plattenlabel A & M einen Vertrag als Songwriterin, konnte jedoch keine eigene CD bei dem renommierten Label veröffentlichen. Auch das Label Olivia Records, an das Etheridge ein Demo-Band geschickt hatte, lehnte es ab, eine CD mit ihr zu produzieren.

1986 entdeckte sie Chris Blackwell, Label-Chef von Island Records, in einem Club in Los Angeles und nahm sie unter Vertrag. Die ersten Aufnahmen der Sängerin mit der rauen Stimme überzeugten ihn aber nicht, erscheinen ihm zu geschönt und er schickte Etheridge erneut ins Studio. Die Debüt-CD »Melissa Etheridge« erschien erst 1988 und enthielt den Song »Bring me some water«, der ihr nicht nur eine Nominierung für den Grammy, sondern auch Vergleiche mit Janis Joplin, Kim Carnes und selbst Bruce Springsteen einbrachte. Tatsächlich setzte Etheridge auf schnörkellose, dem Blues verhafteten Rocksongs, die sie mit einer geradlinig agierenden Rockband eingespielt hatte; altgediente Studiogrößen wie Waddy Wachtel, Wally Badarou und Craig Kampf hatten sie dabei unterstützt.

So populär die Platte in den USA war, so wenig interessierte man sich in Europa für die amerikanische Sängerin zorniger Liebeslieder. Während sie in den USA CD um CD veröffentlichte und ihr Publikum bald größte Hallen füllte, behielten die wenigen Tourneen in Europa eine deutlich kleineren Rahmen. Auch ein Wechsel des Images – sie betonte für den europäischen Markt stärker ihre Weiblichkeit, doch hörten die Europäer vor allem konventionellen Mainstream-Rock aus ihren Platten heraus.

1993 gab Melissa Etheridge anlässlich der Einsetzungsfeiern von Präsident Bill Clinton ihre Homosexualität bekannt. Das Outing schadete ihr nicht, die im selben Jahr veröffentlichte LP »Yes I am« enthielt den Song »Come to my window« einen Top-Ten-Hit, der 1995 mit einem Grammy ausgezeichnet wurde.
Dennoch hatte Etheridge mit dem Outing ihr Privatleben öffentlich gemacht. Ihre Lebensgefährtin, die Schauspielerin Judy Cypher, gebar 1997 und 1998 zwei Söhne, deren Vater zunächst geheim blieb, aber Gegenstand ständiger Spekulation in Musikmagazinen wie Klatschblättern war. Schließlich gaben die beiden Frauen und der Rockmusiker David Crosby bekannt, dass er den Samen gespendet hatte. Cypher und Etheridge trennten sich 2000. Seit 2003 ist die Musikerin mit der Schauspielerin Tammy Lynn Michaels verheiratet und hat mit ihr seit 2006 Zwillingssöhne; der Vater blieb dieses Mal anonym.

Das öffentliche Interesse an ihrem Privatleben verdeckte ein wenig, dass sie als Musikerin nach wie vor auf höchstem Niveau erfolgreich war. 2006 schrieb sie nach überstandener Brustkrebserkrankung Teile der Musik für den Film »Bärenbrüder 2«, 2007 erschien ihre CD »The Awakening« und im selben Jahr erhielt sie einen Oscar für den besten Filmsong.

Wie viele europäische Musiker in den USA nicht reüssieren können, so ist Melissa Etheridge eine amerikanische Rockmusikerin, die in Europa über ein gewisses Maß an Publikumsgunst nicht hinaus kommt. Obwohl ihr häufig sehr persönlich gehaltenen Songs – so thematisierte sie in den Songs »I run for life« und »Message to myself« auch ihre Krebserkrankung – sich als handwerklich hervorragend gemachte Rockmusik präsentieren, blieb der Kreis ihrer Zuhörerschaft in Europa relativ klein. In den USA dagegen ist sie nicht nur eine musikalische Größe, sondern aufgrund ihres Engagementes für die Rechte Homosexueller wie für den Schutz der Umwelt auch eine gesellschaftliche. So erhielt sie als einer der wenigen Rockmusiker einen Oscar für einen Filmsong – für Al Gores Film »An inconvenient truth« hatte sie 2006 den Song »I need to wake up« geschrieben und 2007 dafür die begehrte Auszeichnung entgegennehmen können.

Auszeichnungen

1992 Grammy in einer Kategorie
1994 Grammy in einer Kategorie
2007 Oscar in einer Kategorie

Diskografie

Melissa Etheridge (1988)
Brave and crazy (1989)
Never enough (1992)
Yes I am (1993)
Your little secret (1995)
Breakdown (1999)
Skin (2001)
Lucky (2004)
The Awakening (2007)

Weblink

melissaetheridge.com (offizielle Website der amerikanischen Rockmusikerin Melissa Etheridge)