Mike Oldfield

Oldfield, Mike, eigentlich Michael Gordon Oldfield, britischer Rockmusiker (Gitarre, diverse Instrumente, Komposition), * Reading (Berkshire) 15.5. 1953

Biografie

Mike Oldfield lernte als Jugendlicher Gitarre zu spielen und trat seit 1967 gelegentlich schon in Folk-Clubs auf. Für kurze zeit engagierte er sich auch in einer Beat-Gruppe. 1968 gründete er mit seiner Schwester Sally (* 1947) das Duo The Sallangie. Gemeinsam nahmen sie 1969 die LP »Children of the Sun« auf. Die Verbindung hielt allerdings den Belastungen der nachfolgenden Tour nicht stand und so trennten sich die künstlerischen Wege der Geschwister noch im selben Jahr. Danach bildete Mike Oldfield mit seinem Bruder Terry Oldfield, eigentlich Terence (* 1949), das mehr der Rockmusik zugeneigte Duo Barefoot. Die Formation bestand aber nur einige Monate, denn Mike Oldfield schloss sich als Bassgitarrist der Band von Kevin Ayers an. Mit dieser Band war Oldfield an zwei Alben von Ayers, »Shooting at the Moon« (1970) und »Whatevershebringswesing« (1971), beteiligt.

In Ayers’ Band lernte Oldfield den Keyboard-Spieler David Bedford kennen, der ihn darin bestärkte, seine als Idee vorhandene Komposition »Tubular Bells« auszuarbeiten. Oldfield stellte daraufhin tatsächlich eine Demo-Version seiner Komposition her und versuchte einen Vertrag bei einer Plattenfirma zu bekommen. Dies gelang ihm erst, als er den Schallplattenhändler Richard Branson kennenlernte. Branson hatte mit seinem Schallplatten-Versandhandel sehr viel Geld eingenommen, ein Studio, The Manor, aufgebaut und mit Virign Records ein Schallplatten-Label gegründet. Es fehlten ihm lediglich Musiker und Bands, die er unter Vertrag nehmen konnte. Er ließ sich von Oldfield überzeugen und räumte ihm Termine in The Manor ein, zu denen der Musiker an »Tubular Bells« arbeiten konnte. Oldfield spielte für das Album fast zwei Dutzend Instrumente, die er Vivian Stanshall von der Bonzo Dog Band am Ende des ersten Teils seines Opus Magnum aufzählen ließ. Nur wenige Instrumente ließ er von anderen Musikern spielen, etwa Kontrabass von Lindsay Cooper, Flöten von John Fields und Percussion von Steve Broughton, Schwester Sally sang. Spur um Spur schichtete Oldfield auf das Band der Mehrkanalmaschine und ließ dabei kaum eine Art von Musik aus. Als das Album 1973 auf den Markt kam, setzte es sich für 279 Wochen in den britischen Charts fest. Oldfield war weiterhin fleißig und brachte 1974 »Hergest Ridge« heraus, mit zunächst noch größerem Erfolg: Die LP schaffte es bis auf den ersten Platz der britischen LP-Charts, blieb da allerdings nur für drei Wochen, dann musste für »Tubular Bells« die Top-Position räumen. 1974 auch erhielt Oldfield seinen einzigen Grammy – ein Teil von »Tubular Bells« war für den Film »The Exorzist« (1973; Regie: William Friedkin) verwendet worden.

Die Produktionsweise hielt Oldfield auch für »Ommadawn« (1975) und »Incantations« (1978) bei: Er selbst spielte den größten Teil der Musik ein, wenige Gastmusiker, darunter immer wieder seine Geschwister, halfen ihm. Er selbst schien seinen Erfolg und die Bedingungen, unter denen dieser entstand, kritisch zu sehen, litt wohl auch psychisch unter den Anforderungen an ihn als Star, der er nun gewordenen war. Er unterzog sich einer methodisch umstrittenen Psychotherapie, trat dann auch vor großem Publikum auf und veröffentlichte 1979 ein Live-Album, dem er den mitteilsamen Titel »Exposed« gab.
Damit war auch die Phase der ausgedehnten, über weite Strecken instrumental gehaltenen, mit Rock, Folk und »Weltmusik« jonglierenden Schallplattenwerke vorüber. »Platinum« enthielt mit »Platinum« zwar noch eine vierteilige Suite, die die gesamte erste Seite der LP einnahm. Die zweite aber enthielt vier Songs, die thematisch nicht zusammenhingen und nur einer überschritt die Dauer von fünf Minuten. Wie schon bei den Aufnahmen von »Platinum« sah sich Oldfield auch bei den Aufnahmen zu »QE2« (1980) – dem Dampfschiff Queen Elizabeth 2 gewidmet – nicht mehr in der Pflicht, die meisten Instrumente selbst zu spielen, sondern engagierte stattdessen Könner ihres Faches, darunter den Schlagzeuger Phil Collins und den Perkussionisten Morris Pert, vor allem aber die Sängerin Maggie Reilly (* 1956).

Maggie Reilly sang auch Oldfields Song »Five Miles Out«. Der noch im selben Jahr aus dem gleichnamigen Album ausgekoppelte Song zog das Album wieder auf Charts-Positionen, die den vorangegangenen zwei Alben nicht mehr zugänglich gewesen waren. Wenn die LP »Five Miles out« zwar auch wieder ein längere Komposition Oldfields enthielt, so war die Hinwendung des eigenbrötlerischen Musikers zu rundfunktauglicher Musik dennoch nicht mehr zu übersehen; der Song »Family Man« war sogar handfester Rock. Die Anordnung der Musik – erste Seite der LP für ein suitenähnliches, stark instrumental geprägtes Werk, Seite zwei für einzelne kurzen Songs, die auch mal eine Single ergeben konnten – schien sich für Oldfield als die ideale Form zu erweisen. Außerdem fand Oldfield Betätigungsfelder außerhalb des Rock-Zirkus’: Für Roland Joffés Film »The Killing Fields« (1984) schrieb er die Musik.

Jahr für Jahr veröffentlichte Oldfield Alben, holte die Sängerin Bonnie Tyler und den Sänger Max Bacon vor das Mikrofon. 1985, für die Single »Pictures in the Dark«, engagierte er die norwegische Sängerin Anita Hegerland (*’ 1961) – sie hatte als Kind Anfang der 1970er-Jahre mit dem deutschen Schlagersänger Roy Black (* 1943, † 1991) »Schön ist es, auf der Welt zu sein« gesungen – und ging mit ihr eine Verbindung ein.

Der Erfolg der früheren Alben ließ sich für Oldfield dennoch nicht wiederholen. Branson und seine Firma Virgin Records hatten längst das Establishment des Musikgeschäfts erreicht, waren mit Punk und New Wave äußerst erfolgreich gewesen und hatten selbst die Rolling Stones unter Vertrag genommen. Oldfield hätte allenfalls mit einem »Tubular Bells II« die Gunst des Labels wieder erlangen können. Stattdessen legte er »Amarok« (1990) vor. Die CD bestand aus einem einzigen Stück Musik, eine Stunde Musik von Mike Oldfield, die nahezu allem widersprach, was 1990 gefragt war und nebenbei noch einige kleine Spitzen gegen Branson enthielt – der Oldfield einiges, wenn nicht alles zu verdanken hatte. Ergebnis seiner Emanzipation von Branson war »Heaven’s open« von 1991, das Oldfield unter seinem kompletten Namen veröffentlichte. Zum ersten Mal hatte er auch alle Gesangsparts allein bewältigt. Und bei der Gelegenheit Branson noch Unflätiges hinterhergerufen. Dann nahm er seien Abschied von Virgin Records.
Oldfield erhielt innerhalb kürzester Zeit bei Warner Bros. einen neuen Vertrag und veröffentlichte als erstes »Tubular Bells II« (1992) – wohl auch in der Hoffnung, dass Branson sich ärgerte, was der aber nicht tat. Andererseits erreichte Oldfield in den 1990er-Jahren ein gewisse Abgeklärtheit, die ihn weniger nach bestimmten Positionen in den Charts schielen ließ. So veröffentlichte er 1994 »The Songs of Distant Earth« – mit New-Age-Anklängen -, 1996 »Voyager« – mit irgendwie »keltischer« Musik, die tatsächlich aber neben Kompositionen Odlfields Arrangements irischer und schottischer Songs enthielt – und 1998 eine weitere Fassung von »Tubular Bells«, dieses Mal mit dem Titel »Tubular Bells III« versehen. Auch »Guitars« (1999) und »The Millenium Bell« (1999) folgten im Grunde Konzepten: Mit »Guitars« folgte Oldfield der Idee, alle Klänge seiner Kompositionen mithilfe von Gitarren zu erzeugen; »The Millenium Bell« dagegen kam einer musikalische Wanderung durch die Jahrhunderte gleich – für ein an Rockmusik interessiertes Publikum war nicht gedacht. 2003 schließlich nahm er »Tubular Bells« noch einmal auf, »Tubular Bells 2003« sollte nach dem Willen Oldfields alle Unzulänglichkeiten seines Debüts aus dem Wege räumen.

Im selben Jahr wechselte Oldfield von Warner zu Mercury Records. Dabei hatte er sich längst vom Pop- und Rock-Markt abgekoppelt: Er fertigte Musik für Computer-Spiele, sein Doppel-Album »Light + Shade« (2005) enthielt Song-Bruchstücke, die der Käufer des Albums zu eigenen Remixes zusammensetzen konnte, und »Music of the Spheres« machte 2007 auf dem so genannten »Classical Market« Furore; Karl Jenkins, früher bei Soft Machine, hatte ihm bei der Instrumentierung der Musik geholfen. 2008 endlich fielen die Rechte an den von Virgin Records verlegten Alben an ihn zurück.

Mike Oldfield hat sich über 40 Jahre im Musikgeschäft behaupten können. Dabei war und ist er kein Rock-Star, kein Vergleich zu Bruce Springsteen oder Paul McCartney. In seinen Anfängen war er eher der »Musik-Nerd«, der seine Musik im Studio zusammentüftelte und nichts mehr fürchtete als öffentliche Auftritte. Er hat es mühsam lernen müssen, und noch in den 1980er-Jahren stand er auf der Bühne, von Mitmusikern und Publikum durch eine Wand von Monitor-Lautsprechern abgeschirmt. Zu dieser Zeit gehörten zu den von ihm engagierten Musikern große Namen, doch war ihm nie an einer eigenen Band gelegen. Über die Zeit hat er seine Methode, Musik zu produzieren, erhalten: Was er nicht selbst einspielt, lässt er gegen Honorar von anderen aufnehmen. Oldfield ist Perfektionist. Davon legt nicht nur das ständige Herumschrauben an »Tubular Bells« Zeugnis ab, sondern auch sein Interesse an Technik, zumal an avancierter Ton-Technik und neuen Instrumenten. Früh setzte er den Computer ein, stets schleppte er die neuesten Synthesizer und schließlich auch den Fairlight Musik-Computer in seine Studios.

Für Branson und sein seinerzeit gerade gegründetes Label Virgin Records war Oldfield ein Glücksfall: Während Branson sein Studio an bekannte Musiker vermietete, saß in den Mietpausen Oldfield am Mischpult und nahm seine »Tubular Bells« auf. Jahre später kam sich Oldfield wie der »nützliche Idiot« vor, denn der Erfolg von »Tubular Bells« machte den Siegeszug von Virgin und Branson erst möglich – und Branson litt ihn nur noch. »Tubular Bells« nimmt sicherlich eine Sonderstellung in Oldfields umfangreichem Schallplattenwerk ein – hätte er nur dieses Album und vielleicht noch »Hergest Ridge« veröffentlicht, wäre ihm ein Platz im Olymp des Rock sicher gewesen. Er hat aber weitere Schallplatten und CDs veröffentlicht, bewiesen, dass er Hits wie »Five Miles out« schreiben, New-Age-Musik fabrizieren und selbst im so genannten Klassik-Markt reüssieren kann.

Auszeichnungen

Grammy 1974

Diskografie

Tubular Bells (1973)
Hergest Ridge (1974)
The Orchestral Tubular Bells (1975)
Ommadawn (1975)
Incantations (1978)
Exposed (1979)
Platinum (1979)
QE2 (1980)
Five Miles Out (1982)
Crises (1983)
Discovery (1984)
The Killing Fields (1984; Soundtrack)
Islands (1987)
Earth Moving (1989)
Amarok (1990)
Heaven’s Open (1991)
Tubular Bells II (1992)
The Songs of Distant Earth (1994)
Voyager (1996)
Tubular Bells III (1998)
Guitars (1999)
The Millennium Bell (1999)
Tr3s Lunas (2002)
Tubular Bells 2003 (2003)
Light + Shade (2005)
Music of the Spheres (2008)

Website

www.mikeoldfield.org (Offizielle Website des Mike Oldfield Information Service)