My Bloody Valentine

My Bloody Valentine, irisch-britische Rockband, 1983 aus der Punk-Band The Complex hervorgegangen.

Bandbiografie

Kevin Patrick Shields (* 1963; Gitarre) und Colm Ó Cíosóig (* 1964; Schlagzeug) lernten sich als Halbwüchsige kennen und schlossen sich gegen Ende der 1970er Jahre der Punk-Band The Complex an. 1983 gründeten sie mit dem Sänger Dave Stelfox, eigentlich Dave Conway eine eigene Band, die sie My Bloody Valentine nannten. Zu dieser Band gehörte auch Conways Freundin, die Keybaords spielte. Durch Vermittlung der Dubliner Band The Virgin Prunes erhielt die Band ein Engagement in den Niederlanden, bestritt dort einige Konzerte, verließ das Land aber nach wenigen Monaten und ging nach Berlin. Mitte der 1980er-Jahre hatte die Stadt den Ruf, unkonventioneller Musik ein Publikum bieten zu können, und tatsächlich konnte My Bloody Valentine in der Mauerstadt ihre erste EP einspielen. »This is your bloody Valentine« (1985) fand allerdings nur wenige Käufer und die Band wechselte frustriert nach London. Dort formierte sie sich neu: Die Keyboardspielerin, als Tina, ohne Nachnamen, in die Rockgeschichte eingegangen, verließ My Bloody Valentine, der verwaiste Platz an den Tasteninstrumenten wurde aber nicht neu besetzt, sondern statt dessen kam die Bassistin Debbie Googe (* 1962) in die Band.
Damit änderte sich der Gruppenklang radikal: War die Band im Konzert ohnehin schon extrem laut, so verstärkte sich dieser Eindruck noch durch das wuchtige, monolithische Bassspiel Googes; im Studio dagegen fühlte Googe sich eingeengt und überließ das Einspielen der Bassparts zumeist Shields. In dieser Konstellation nahm die Gruppe weitere EPs auf, so etwa »Geek« (1985), »The new record by My Bloody Valentine« (1986) und »Sunny Sundae Smile« (1987). EPs und zahllose Konzert im Raum London verhalfen der Band zu einer treuen Anhängerschaft, doch blieb größerer Erfolg aus. Conway verließ 1987 die Band.
Um einen neuen Sänger zu finden, veröffentlichte Shields eine Anzeige in einem Musik-Fachblatt. Es meldeten sich der Sänger Joe Byfield und die Sängerin Bilinda Jayne Butcher (* 1961), die schließlich den Zuschlag erhielt. Shields brachte ihr einige Griffe auf der Gitarre bei und abermals veränderte sich der Klang der Band. Zwar fühlte sich die Band zunächst unfähig, eine komplette CD einzuspielen, doch wurden wieder EPs produziert. Nach »Strawberry wine« (1987), »Ecstasy« (1987), »You made me realise« (19889 und »Feed my with your kiss« (19889 kam dann endlich 1988 die erste komplette CD der Band, »Isn’ t it anything« auf den Markt. Zwar nahm die Band gleich nach der relativ erfolgreichen Veröffentlichung ihres Debüt-Albums die Arbeit an einer weiteren CD auf, doch zogen sich die Aufnahmen zunächst monatelang hin, dann wichen die Musiker wieder auf die Produktion von EPs aus, und schlossen die Aufnahmen zu »Loveless« 1991 ab. Über die langandauernde Produkltion der CD aber war es zum Zerwürfnis zwischen Shields und dem Label Creation Records gekommen, so dass die Band zwar mit einer recht erfolgreichen CD endlich breitere Anerkennung fand, aber keinen Vertrag mehr hatte. Erst 1992 gelang es Shields, einen Vertrag mit Island Records für seien Band abzuschließen, richtete von dem Vorschuss ein Studio ein, um unabhängig agieren zu können – doch kam es kaum noch zu Aufnahmen. Die Band löste sich langsam auf, die Musiker arbeiteten vereinzelt mit anderen Bands zusammen oder gründeten parallel eigene Bands, Googe verdingte sich gar als Taxifahrerin. Ende der 1990er-Jahre existierte My Bloody Valentine de facto nicht mehr.
2007 taten sich die Musiker wieder zusammen, um das in den 1990er-Jahren aufgenommene Material zu einer CD zusammenzustellen. Zwar gelang dies zunächst nicht, doch gab My Bloody Valentine 2008 eine Reihe von Konzerten in Europa und den USA, die bewiesen, dass die Band nichts von ihrem Nimbus eingebüßt hatte.
My Bloody Valentine gehört aufgrund ihres statuarischen Gebarens auf der Bühne zu den sogenannten Shoegazing-Bands. Doch ist das Starren auf ihre Instrumente kein Tick der Musiker, sondern entspringt dem Willen, trotz begrenzter instrumentaler Fähigkeiten ihre Musik möglichst perfekt zu präsentieren. Bemerkenswert ist zunächst die enorme Lautstärke der Konzerte von My Bloody Valentine, die selbst die manch einer Heavy-Metal-Gruppe eher als Hintergrundmusik erscheinen lässt. Doch ist die Lautstärke nicht Selbstzweck, sondern hat ähnlich wie bei den Lärm-Symphonien eines Glenn Branca oder von Sonic Youth eine Funktion, denn aus den Unisono-Abläufen ergeben sich immer wieder neue, zufällige Konstellationen von schwirrenden, ineinander verschwimmenden Obertönen, die eigenartige Tänze aufführen. Andere Kompositionen der Gruppe dagegen konfrontieren den Zuhörer mit ätherischen Gesängen und ausgefeilten Instrumentationen, die ahnen lassen, warum Shields Monate und Jahre im Studio verbrauchte.



Diskografie

Isn’ t anything (1988)
Loveless (1991)




Weblinks

http://www.mybloodyvalentine.co.uk (Offizielle Website der irisch-britischen Band My Bloody Valentine)