National Health

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National Health, britische Rockband, 1975 von Dave Stewart und Alan Gowen gegründet, die Band bestand in ständig wechselnder Besetzung bis 1981. Der Bandname bezieht sich auf das Brillengestell des Keyboardspielers Dave Stewart, das als »Kassengestell« sozusagen die unterste Stufe der Gesundheitsversorgung darstellte. National Health wird zur so genannten Canterbury-Scene gezählt.

Bandbiografie

Stewart, Keyboardspieler bei Hatfield and the North, und Gowen, Gitarrist bei Gilgamesh, hatten anlässlich eines gemeinsamen Konzertes der beiden Bands im Jahre 1973 – bei der die Bands auch gemeinsam jammten – die Idee, eine orchestrale Formation zu gründen, zu der zwei Gitarristen, zwei Keyboardspieler, Bassist und Drummer sowie ein Backgroundchor gehören sollten. Zu dieser Großformation fanden sich 1975 dann die Gitarristen Phil Miller und Phil Lee, die Keyboardspieler Dave Stewart du Alan Gowen, der Bassist Mont Campbell, der Schlagzeuger Bill Bruford und die Sängerin Amanda Parsons zusammen. Bis auf Bruford, der zuvor bei Yes gespielt hatte, waren alle Musiker zuvor in der so genannten Canterbury-Scene aktiv gewesen: Parsons und Campbell bei Egg, Stewart und Miller bei Hatfield and The North, Gowan und Lee bei Gilgamesh.
Nach ausgedehnten Proben wurden noch 1975 zwei Songs aufgenommen, danach ging die Gruppe auf Tournee. Für Phil Lee, der die Band kurz vor der Tournee verließ, war der Gitarrist Steve Hillage eingesprungen. Nach der Tour ginge auch Bill Bruford – er wurde für kurze Zeit durch den Schlagzeuger John Mitchell ersetzt – und Campbell. Bruford half noch einige Male aus, bis Pip Pyle den verwaisten Drum-Hocker besetzte.
Die Besetzungsschwierigkeiten gingen aber auch dann weiter: Gowen und Parsons erließen die Band, wenn auch Gowan als Gast zu anstehenden Plattenaufnahmen wieder zurückkehrte. Neue Mitglieder kamen hinzu: Der Flötist Jimmy Hastings und der Schlagzeuger John Mitchell. So wurde das Debütalbum in wechselnden Besetzungen aufgenommen, doch war die ursprüngliche Absicht – eine Art Rock-Orchester zu etablieren – zumindest für »National Health« (1978) einigermaßen erfüllt worden – wenn auch das Orchester im Kern aus dem Quartett Dave Stewart, Phil Miller, Neil Murray und Pip Pyle bestand, das eben um diverse Gastmusiker aufgefüllt worden war.
Murray ging 1978 und übernahm bei Whitesnake den Bass und wurde durch John Greaves ersetzt, der zuvor bei Henry Cow das tieftönende Instrument gespielt hatte. Von Vorteil war es, dass er auch den Vokalpart ausfüllen konnte. In dieser Besetzung wurde »Of Queues and Cures« aufgenommen, wiederum unter Mithilfe diverser Gastmusiker.
Nach Veröffentlichung dieser LP 1978zerfaserte die Band. Die Cellistin Georgie Born wie auch die Fagottistin Lindsay Cooper – beide von Henry Cow – waren noch kurzzeitig Mitglieder geworden, als Dave Stewart sich entschloss, die Band zu verlassen. Gowen kam zurück und die Band, die nun wieder aus Miller, Greaves, Pyle und Gowen bestand, ging auf Tournee. Zu Plattenaufnahmen kam es indes nicht mehr.
Nach dem Tode Gowens – er war 1981 an Leukämie gestorben – reformierte Miller die Band, einzig, um mit Dave Stewart, John Greaves und Pip Pyle einige Kompositionen Gowens einzuspielen. »D.S. al Coda« erschien 1982.
National Health ist so etwas wie die »Supergroup« der Canterbury-Scene, haben in dieser Band doch diverse Musiker dieser Strömung britischer Rockmusik zumindest Gastspiele gegeben. Aller Besetzungsschwierigkeiten zum Trotz vermochten es die Musiker, mit »National Health« und »Of Queues and Cures« zwei wichtige Platten der Canterbury-Scene zu veröffentlichen, die alle Vorzüge dieser spezifisch britischen Musik aufweisen: Durchdachte, vom Jazz beeinflusste Kompositionen, ausgedehnte Instrumentalimprovisationen und ein unaufgeregter Gesang, dies alles eingebettet in eine ganz eigene Klangwelt.



Diskografie

National Health (1978)
Of Queues and Cures (1978)
D.S. Al Coda (1982)
Missing pieces (1996)
Playtime (1979; Aufnahmen von 1979)