Patrick Moraz

Moraz, Patrick Philippe, französisch-schweizerischer Rockmusiker (Keyboards, Komposition), * Morges (Schweiz) 24.6. 1948

Patrick Moraz wuchs in einem an Musik interessierten Elternhaus auf und erhielt seit seinem sechsten Lebensjahr Klavier- und Violinunterricht. Trotz einer schwerwiegenden Handverletzung, die er im Alter von 13 Jahren erlitten hatte, gelang es ihm deren Folgen mit verstärktem Üben zu überwinden und später am Konservatorium von Lausanne zu studieren. Zu dieser Zeit setzte er sich intensiv mit dem Jazz auseinander und gründete kaum zwanzigjährig ein eigenes Trio, mit dem er auch auf Konzertreisen durch Europa ging. So erkannte er, dass vor allem der Musikmarkt in Großbritannien jungen Musikern eine Chance für eine eigene Karriere bot, und ging daher nach Bournemouth; dort schloss er sich für kurze Zeit der Band The Night People an. Als seine Arbeitsgenehmigung auslief, kehrte er in die Schweiz zurück, studierte unentschieden kurz in Genf, dann in New York City, bevor er sich endgültig entschloss, eine Karriere als Musiker einzuschlagen.

1969 gründete er mit den britischen Musikern Bryson Graham (Schlagzeug) und Peter Cockett (Gitarre) und dem Schweizer Jean Ristori ein eigenes Quartett, dem er den Namen Mainhorse gab. Mit Mainhorse versuchte er erneut, in Großbritannien Fuß zu fassen. Wenn die Band 1971 auch ihre einzige LP veröffentliche konnte, so verlief auch dieses Unternehmen letztlich erfolglos. Moraz verlegte sich auf die Komposition von Filmmusik und ließ sich von einer brasilianischen Ballettgruppe als musikalischer Direktor engagieren.

Die Nähe zur Rockmusik fand er erst wieder, als Lee Jackson ihn als Mitglied für seine Band Jackson Heights gewinnen wollte. Schnell fanden die beiden Musiker heraus, dass sich die Interessen von Moraz zwar mit der eher an einem sanften Folkrock orientierten Musik von Jacksons Band nicht vereinbaren ließen, man aber mit dem früheren Schlagzeuger von The Nice, Brian Davison, zusammen ein Trio gründen und damit an die Tage von The Nice anknüpfen konnte. Das Trio, das sie Refugee nannten, erhielt erstaunlich schnell einen Vertrag bei Charisma und legte bald auch sein erstes Album vor. Der Neubeginn endete für Davison und Jackson mit einer herben Enttäuschung: Moraz nahm ein Angebot von Yes an, Mitglied der Band zu werden. Rick Wakeman hatte die seinerzeit extrem erfolgreiche Gruppe verlassen und Chris Squire und Jon Anderson waren auf der Suche nach einem adäquaten Ersatz, den sie in Moraz gefunden zu haben glaubten. Dies bedeutete das Ende von Refugee. Glücklich wurde indes Moraz mit seinem Engagement für Yes auch nicht, denn schon nach der Veröffentlichung der einzigen LP, die er mit Yes einspielte, »Relayer« (1974), wurde er von Yes aus dem Vertrag entlassen; Wakeman war zurückgekehrt.

Moraz nahm seine Solo-Arbeit wieder auf, zog sich nach Brasilien zurück und gab dann und wann Konzerte, meist in einem Jazz-Kontext. Als Michael Pinder sich um 1977/78 von der von ihm mitgegründeten Band The Moody Blues zurückzog, suchte die Gruppe für anstehende Aufnahmen zu einem weiteren Album einen Keyboard-Spieler. Moraz erhielt nach einem Probevorspiel zwar den Zuschlag, es war aber nie klar gesagt, ob er hinzu-engagierter Sideman oder voll gültiges Mitglied der Band sein sollte. So geriet man schließlich in Streit und Moraz verließ 1991 verbittert die Band, nicht zuletzt, weil man ihm einen zweiten Keyboard-Spieler zur Seite gestellt hatte.

Seitdem ging Moraz keine auf Dauer angelegte Verbindung mit anderen Musikern mehr ein. Er arbeitete häufig solo, aber auch etwa mit Bill Bruford, Chick Corea und dem Panflötisten Syrinx zusammen, in diversen Bereichen zwischen Jazz, Filmmusik und New Age. Rock spielt keine Rolle mehr.

Die Karriere von Patrick Moraz ist eine der seltsamsten der Rockmusik. Instrumentaltechnisch ist er allemal neben Rick Wakeman und Keith Emerson zu stellen – letzterer hatte noch in den 1960er-Jahren, lange vor Moraz’ Karriere in Großbritannien, eine denkwürdige Begegnung mit ihm am Piano einer Hotelbar, die Emerson allen Respekt abnötigte. Aber schon in diesen Anfängen wird das Unstete in Moraz Planungen deutlich, der Unwillen, sich ausschließlich für die Rockmusik zu entscheiden, sondern immer wieder dem Jazz nachzuhängen. »Relayer« ist dann auch das am stärksten vom Jazz beeinflusste Album von Yes, kann als deren »Jazzrock«-Album gelten und gehört sicher zu der Handvoll bedeutender Veröffentlichungen der Band. Ähnlich einprägsam seine Arbeit bei Refugee: Das einzige Album des Trios ist eine einzige Verheißung, was hätte kommen können, wäre diese Formation wenigstens für einige Jahre zusammen geblieben.

Diskografie

Story of I (1976)
Out in the Sun (1977)
Patrick Moraz III (1978)
Future Memories Live On TV (1979)
Timecode (1984)
Future Memories II (1984)
Future Memories I & II (1985)
Human Interface (1987)
Windows of Time (1994)
PM in Princeton (1995)
Resonance (2000)
ESP (2003)
Change of Space (2009)

Mit Bill Bruford

Music for Piano and Drums (1983)
Flags (1985)
In Tokyo (1985; Live-Aufnahme)

Mit Syrinx

Coexistence (1980)

Literatur

Emerson, Keith: Pictures of an Exhibitionist; London 2003
Hanson, Martyn: Hang On to a Dream – The Story of The Nice; London 2002

Weblink

http://www.patrickmoraz.com (Offizielle Website des Keyboard-Spielers Patric Moraz)