Pell Mell

Pell Mell, deutsche Progressive-Rock-Band, 1971 in Marburg gegründet

Bandbiografie

Bereits im selben Jahr gewann die Band, zu der Thoma Schmitt (* 1950; Gesang, Gitarre, Violine), Bruno Kniesmeijer (Schlagzeug), Rudolf Schön (* 1949; Gesang, Gitarre), Jörg Götzfried (Bassgitarre) und Hans Otto Pusch (Klavier, Orgel) gehörten, den von der Stadt Wiesbaden ausgelobten »Beatband-Wettbewerb«. Zwar trennten sich die Musiker kurz darauf, fanden Ende 1971 aber erneut zusammen. Mit einem strafferen Konzept, in dem neben Rock Bearbeitungen von Werken der traditionellen Kunstmusik stehen sollten, spielte die Band Anfang 1972 in dem Studio von Dieter Dierks das Album »Marburg« ein. Durch den Klang von Violine und Keyboard-Instrumenten ohnehin vorbelastet, trat die Band immer wieder gemeinsam mit Orchester auf, meist Schüler- oder Studentenorchestern. 1973 wurde mit »From the New World« eine weitere LP veröffentlicht der 1975 das Album »Rhapsody« folgte. Inzwischen war die Band mehrfach umbesetzt, an »Rhapsody« waren von der Gründungsbesetzung nur noch Schmitt und Schön übrig geblieben, Ralph »Flipper« Lippmann (* 1953) und Cherry Hochdörfer (* 1951) saßen an den Keybaords, Bass spielte Götz Draeger (* 1954), die Drums hatte Cornelis »Mitch« Kniesmijer übernommen.

Hatte Schmitt für »Rhapsody« erneut einige Kompositionen aus der Kunstmusik herangezogen – so von Franz Liszt und Sergej Rachmaninow –, so setze er für »Only a Star« ausschließlich auf Eigenes. Auch spielte der Gesang mittlerweile eine weiter größere Rolle als auf den ersten Alben. Die Neuorientierung kam allerdings zu spät: Progressive Rock, erst recht von einer deutschen Band, war gegen angloamerikanischen Punk und New Wave längst ins Hintertreffen geraten. 1979 löste sich die Band auf.

Bereits 1980 versuchte Schmitt es indes erneut, gründete mit Pusch, dem Gitarristen Ralph Fricke und dem Bassisten Stephan Rehlich die Band Skyrider und veröffentlichte unter dem Titel »Skyrider« auch eine LP (1980). 1981 entschlossen sich die Musiker, ihre Band in Pell Mell umzubenennen und legten eine Neuaufnahme des erfolgreichen Klassikers der Band, »Die Moldau«, eine Bearbeitung des Werkes von B. Smetana, vor; dieses Mal blieb allerdings die Gunst der Zuhörer aus und Pell Mell löste sich endgültig auf.

Pell Mell betrat die Bühne auf dem Höhepunkt des Erfolges von Bands wie The Nice, Ekseption und Emerson, Lake & Palmer, als Bearbeitungen von Werken der traditionellen Kunstmusik allemal das Interesse eines breiten Publikums auf sich ziehen konnten. Doch hielt das Interesse nur wenige Jahre, bereits Mitte der 1970er-Jahre wirkte Classic Rock, wie diese Art von Rockmusik genannt wurde, bereits merkwürdig bemüht und steif. Den Musikern der Band, allesamt versierte Instrumentalisten, gelang es zunächst nicht, dieses einst erfolgreiche Konzept zu verlassen, und als sie sich dazu entschlossen hatten, war es zu spät. Geblieben ist eine Handvoll von Adaptionen romantischer Kunstmusik, von Smetana, von Liszt, von Rachmaninow – schon seinerzeit singulär, machten die anderen Classic-Rock-Gruppen doch einen Bogen um diese Komponisten.

Diskografie

Marburg (1972)
From the New World (1973)
Rhapsody (1975)
Only a Star (1978)

Mit Skyrider

Skyrider (1980)