Peter Blegvad

Blegvad, Peter, * New York 14.8. 1951, amerikanischer Rockmusiker, Schriftsteller und Cartoon-Zeichner

Peter Blegvad, Sohn eines Dänen und einer Amerikanerin, wuchs in Connecticut auf. Nach den Attentaten auf John F. Kennedy und Martin Luther King entschlossen sich die Eltern aufgrund der veränderten politischen Atmosphäre in den USA, in Europa zu leben und wechselten 1965 nach Großbritannien. Als Schüler schloss er Freundschaft mit Anthony Moore, und gemeinsam spielten die beiden Jugendlichen in verschiedenen Bands. Als Moore 1972 nach Hamburg ging, folgte ihm Blegvad. In Hamburg lernten die beiden Musiker die Sängerin Dagmar Krause, vorher bei The City Preachers, kennen und gründeten mit ihr das Trio Slapp Happy. Es gelang ihnen recht schnell, bei Polydor einen Schallplattenvertrag zu bekommen, doch benötigten sie für die anstehenden Aufnahmen weitere Musiker. Der Journalist Uwe Nettelbeck, der auch als Schallplattenproduzent arbeitete, vermittelt ihnen die Musiker der deutsche Band Faust als Begleitgruppe. Polydor veröffentlichte zwar »Sort of« (1972), die erste LP des Trios, wies aber die zweite, »Casablanca Moon«, zurück. Enttäuscht verließen Krause, Blegvad und Moore Hamburg und ließen sich in London nieder. Nettelbeck, der inzwischen Kontakte zu dem aufstrebenden Label Virgin Records geknüpft hatte, half ihnen auch in dieser Situation und so erhielt Slapp Happy bei Virgin einen Vertrag. Der Plan war, »Casablanca Moon« einfach noch einmal mit anderen Musikern einzuspielen und unter neuem Titel zu veröffentlichen. »Slapp Happy« kam 1974 in die Plattenläden.
Krause, Blegvad und Moore lernten durch gemeinsame Konzerte die Musik der britischen Band ↑Henry Cow kennen. Gemeinsam wurden unter dem Namen Slapp Happy/HenryCow die Alben »Desperate Straights« (1975) und »In Praise of Learning« (1975) aufgenommen.
In der ungewöhnlichen personellen Konstellation der Gruppe aber kriselte es: Blegvad, schriftstellerisch begabt, sollte und wollte auch einige Texte für die Songs der Band schreiben. Die aber lehnten die Musiker von Henry Cow – allesamt politisch links ausgerichtet – als zu wenig ernsthaft zurück. Blegvad seinerseits sah sich nicht in der Lage, der durchaus komplizierten Musik der Band instrumentaltechnisch zu genügen und verließ schließlich die Formation; Moore war schon vorher gegangen. Dagmar Krause aber wollte bleiben und so löste sich Slapp Happy auf.
Peter Blegvad wechselte von Europa in die USA und arbeitete als Cartoon-Zeichner. Zu neuen Plattenaufnahmen kam es aber erst 1976, als er mit der Sängerin Lisa Herman und John Greaves, zuvor Bassist bei Henry Cow, in Woodstock die LP »Kew. Rhone« (1977) einspielte; bei den Texten zu dem Konzeptalbum ließ Blegvad seiner Fantasie freien Lauf und füllte sie mit diversen Wortspielereien, Anagrammen und Palindromen. Die Musik, für die vor allem Greaves verantwortlich zeichnete, ist ebenfalls so ungewöhnlich und skurril wie die Texte, zusammengesetzt aus Bruchstücken vom Jazz, Minimal Music und ambitionierter Rockmusik. Das bei Virgin veröffentlichte Album zeigte aber auch Blegvads Vermögen, diverse andere Musiker mit teils weit auseinanderliegenden musikalischen Interessen für seine Musik zu begeistern: An »Kew. Rhone« waren auch Carla Bley, Mike Mantler und Andrew Cyrille beteiligt. Blegvad, das zeigen auch seine in den 1980er-Jahren veröffentlichten Alben »The Naked Shakespeare« (1983) und »Knights Like This« (1985), war in dieser Zeit eine zentrale Figur für die Zusammenarbeit von britischen Jazz- und Rockmusikern mit amerikanischen Jazz- und Rockmusikern. So finden sich unter den Musikern, die Blegvad bei den beiden Alben unterstützten, Namen wie Andy Partridge von XTC – er produzierte »The Naked Shakespeare« –, Anton Fier, Gründer von The Golden Palominos – bei deren Alben »The Golden Palominos« (1983) und »Blast of Silence (Axed My Baby for a Nickel)« (1986) auch Blegvad mitarbeitete –, Jakko Jakszyk (King Crimson, Steven Wilson Band), Guy Evans (Van der Graaf Generator), Glenn Tilbrook (Squeeze), einmal mehr John Greaves und Blegvads Bruder Kristoffer. Beide Alben-Cover zeigen Zeichnungen und Gemälde von Blegvad.
Dennoch: Virgin sah auf die Verkaufszahlen und beendete den Vertrag mit Blegvad. Seitdem veröffentlichte er seine Platten, im Abstand von drei oder vier Jahren, bei verschiedenen Labels, oft bei ↑Recommended Records. Nach wie vor auch sucht und findet er für seine Produktionen Hilfe im Musiker-Umfeld von Henry Cow – zu seinem Peter Blegvad Trio gehören Chris Culter und John Greaves –, und eine weitere in Andy Partridge, der ihm für »Orpheus – The Lowdown« (2003) und »Gonwards« (2012) zur Seite sprang.
Musik allein ist Blegvad allerdings nach wie vor nicht genug: Von 1992 bis 1999 veröffentlichte die Sonntagsausgabe der Tageszeitung »The Independent« einen von ihm gezeichneten Comic Strip, der den Titel »Leviathan« trug: Die Bildergeschichten handeln von einem gesichtslosen Baby, das ständig Diskussionen mit einer Katze führt, in seiner Art den Comics »Krazy Kat«, seinerzeit, 1913 – 1944, avantgardistische Comics von George Herriman (* 1880, † 1944) und »Calvin and Hobbes« von Bill Watterson (* 1958) nicht unähnlich. Auch als Schriftsteller und Text-Experimentator ist Blegvad stets aktiv geblieben. Abgesehen von seinen Texten für Songs betätigt er sich auf diesem Gebiet auch als Lehrer für Erwachsene und Kinder. Als Sprecher ist Peter Blegvad in dem Song »Squarer for Maud« von National Health zu hören (»Of Queues and Cures«, 1978).


Diskografie

Solo und mit The Peter Blegvad Trio

The Naked Shakespeare (1983)
Knights Like This (1985)
Downtime (1988)
King Strut & Other Stories (1990)
Just Woke Up (1995)
Hangman’s Hill (1998)

Mit John Zorn

Locus Solus (1983)

Mit The Golden Palominos

The Golden Palominos (1983; als »Vocal Coach«)
Blast of Silence (Axed My Baby for a Nickel) (1986)

Mit John Greaves

Parrot Fashions (1984)
Unearthed (1995)

Mit Andy Partridge

Orpheus – The Lowdown (2003)
Gonwards (2012)

Weitere mit The Lodge, National Health, Slapp Happy, Slapp Happy/Henry Cow


Weblinks

http://www.dreamgeo.com/blegvad.html (Interview mit Peter Blegvad über seine Anfänge als Zeichner, Schriftsteller und Musiker)
http://leviathan.co.uk (Archiv der Leviathan-Comic Strips von Peter Blegvad)