Peter Gabriel

Gabriel, Peter Brian, britischer Rockmusiker (Gesang, Komposition, Text, Produktion), * Chobham (Surrey, England) 13.2. 1950

Biografie

Peter Gabriel kam in seinem Elternhaus als Kind näher mit Musik in Berührung: Seine Mutter lehrte ihn das Klarinettenspiel. Als Teenager entdeckte er den Soul von Musikern wie Otis Redding für sich und gründete 1967 mit seinen Schulkameraden Tony Banks, Anthony Phillips, Mike Rutherford und Chris Stewart eine Band, die die Musiker auf Anraten des Musikmanagers Jonathan King Genesis nannten. Bei Genesis entwickelte Peter Gabriel einen seinerzeit völlig singulären Stil der Präsentation von Musik, trat in phantasievollen, mitunter bizarren Kostümen auf und machte die Konzerte der Band durch seinen Gesang und die Songs verbindende Texte zu eigenartigen Gesamtkunstwerken. Während der Produktion der LP »The Lamb Lies Down on Broadway« kam es zu persönlichen Spannungen unter den Musikern, die 1975 schließlich dazu führten, dass Gabriel die Band verließ.

Schon kurz nach der Trennung veröffentlichte Gabriel die Single »Solsbury Hill«, mit der er die Trennung in schwach verklausulierter Form verarbeitete. Die Single bewies ihm, dass er auch ohne die Band als Musiker erfolgreich sein konnte. Zwischen 1977 und 1982 veröffentlichte er vier LP, die allesamt keinen eigenen Titel hatten, sondern lediglich unter seinem Namen geführt wurden. Dennoch setzten sich anhand der Cover-Gestaltung Namen für die LP durch: Die 1977 vorgelegte LP erhielt den Namen »Car«, weil sie den Sänger hinter der Windschutzscheibe eines Autos zeigte, die zweite (1978) wurde »Scratch« genannt – Gabriel zog mit seinen Fingern weiße Spuren auf der Cover-Abbildung, »Melt« wurde die 1980 veröffentlichte LP genannt, weil sie das Gesicht des Sängers in einer merkwürdig verschwommenen Form zeigte und die 1982 erschienene vierte LP schließlich wurde »Security« genannt – das Cover mit der Fotografie eines seltsamen Kriegers gab dem Betrachter Rätsel auf. In den USA wurde dieser Name offiziell. Von »Melt« und »Security« gab es jeweils auch eine komplett in deutscher Sprache gesungene Fassung.

Gabriel hatte an der Musik der vier Alben intensiv gearbeitet, Kate Bush, Robert Fripp und Tony Levin einbezogen, neue Instrumente wie den Fairlight CMI Musik-Computer erprobt. Auch Phil Collins von Genesis hatte ihm einmal geholfen. 1986 legte er sein bis dato erfolgreichstes Album vor. »So« enthielt drei Songs – »Sledge Hammer«, »Big Time« und »Don’t Give up«, ein Duett mit Kate Bush – die es in die Top Twenty der britischen Hitparaden schafften und weltweit erfolgreich waren. »So«, gemeinsam mit Daniel Lanois produziert, dokumentierte mit einigen Videos auch Gabriels nach wie vor vorhandenes Interesse an der optischen Ausgestaltung seiner Musik. Das Video zu »Sledgehammer«, mit Hilfe u.a. der Trickfilmer von Aardman Animations (»Wallace & Gromit«, »Chicken Run«) zustande gekommen, setzte Maßstäbe für Musikvideos und erhielt eine Reihe von Auszeichnungen bei den MTV Awards 1987.

1990 erhielt Gabriel sogar einen Grammy, allerdings nicht für eine Solo-CD und auch nicht etwa in einer Rock-Kategorie: Er bekam das kleine Grammophon für »Passion«, den Soundtrack, den er für Martin Scorseses Film »The Last Temptation of Christ« (1988) komponiert und produziert hatte – in der Kategorie »Best New Age Performance«.

1992 legte der Sänger, in diversen Projekten engagiert, eine Art Paraphrase zu »So« vor. Mit »Us« problematisierte er sein schwieriges Privatleben, doch abseits der Düsternis des Protagonisten Gabriel war das Album ähnlich erfolgreich wie »So«, erreichte beiderseits des Atlantiks die Top Ten und enthielt mit »Steam«, »Digging in the Dirt« und »Come Talk to Me« veritable Hits. Gabriel ließ zu dem Album und der Arbeit daran eine Reihe von Videos drehen, hatte dazu etwa die Künstler Helen Chadwick, Rebecca Horn, Andy Goldsworthy und David Mach engagiert, die elf kleine Filme schufen. Ein Resultat dieser Arbeit war auch die CD-ROM »Xplora1«, ein auf Musik basierendes Computerspiel, doch enthielt die CD auch die Videos, die zum Teil nichts mit Spiel im Sinn hatten, etwa eine in Saudi Arabien heimlich gefilmte Hinrichtung in einem Stadion. In diese Zeit persönlicher Unsicherheit fiel auch Gabriels Engagement mit der Sängerin Sinead O’Connor und der Schauspielerin Rosanna Arquette.

In den folgenden Jahren veröffentlichte Gabriel nichts, was das Interesse des Rock-Publikums hätte auf sich ziehen können, so die Soundtracks »OVO« (2000) und »Long Walk Home« (2002), die Musik zu dem australischen Film »Rabbit-Proof Fence«. Doch erschien Ende 2002 das Album »Up«, das wie eine Rückschau auf die Alben »So« und »Us« wirkte, gleichwohl deren Erfolg nicht ganz erreichte. Immerhin ergab die sich an die Veröffentlichung der CD anschließende Tournee zwei Konzert-DVDs. Gegen Ende des Jahrzehnts arbeitete Gabriel dann wieder einmal für einen Film und steuerte für den Soundtrack des 3D-SciFi-Märchens »Wall-E« einige Songs bei. Die Seiten vom Song-Schreiber zum Interpreten wechselte er 2010 mit »Scratch My Back«: 12 altbekannte Songs von Größen wie David Bowie, Paul Simon, Regina Spektor, Neil Young, Lou Reed, The Magnetic Fields und Radiohead hatte er – zumeist von John Metcalfe – in mehr oder weniger opulente Orchesterarrangements fassen lassen. Mit Rockmusik hatte das fast nichts mehr zu tun.

Nach seinem Bruch mit Genesis hatte Peter Gabriel seinen musikalischen Horizont Zug um Zug erweitert, Einflüsse aus der so genannten Weltmusik in seine Musik aufgenommen und 1980 schließlich gemeinsam mit Thomas Brooman und Bob Hooton die Organisation World of Music, Arts and Dance (WOMAD) gegründet. Er baute eine alte Mühle in Box (Wiltshire) in das Real World Studio um und verband dieses mit der Schallplattenfirma Real World Records Ltd. zu einem Musikkonzern, dessen Aufgabe in der Förderung von Musikern aus aller Welt liegt. Er selbst veröffentlichte seit 1989 alle seine Alben bei Real World. Das Renommee Gabriels wie des Studios sorgte dafür, dass in Box eine Vielzahl von Musikern aus aller Welt ihre Musik aufnahmen, darunter auch Stars wie Kylie Minogue, Tom Jones und die Band Oasis. Stets interessiert an neuer Technik, gehört Gabriel zu den Pionieren des Online-Musikgeschäfts und gründete mit anderen On Demand Distribution (OD2); die hier entwickelten technischen Grundlagen wurden später von Microsoft für deren Musiknetzwerk in Großbritannien verwendet. Unvoreingenommen richtete Gabriel sein Interesse auch auf ein musikalisches Experiment mit Menschenaffen, bei dem Bonobos vermutlich zu deren Leidwesen mit Keyboards konfrontiert wurden.

Im Laufe der Jahrzehnte hat Peter Gabriel mit einer Vielzahl von Musikern zusammengearbeitet, entweder für seine Musik engagiert oder an deren Musik mitgewirkt. Dazu gehören etwa Kate Bush, Sinead O’Connor, Youssou N’dour, Tony Levin, Manu Katché, Brian Eno, Steve Lillywhite, Peter Hammill, Paula Cole, Robbie Robertson, Angelique Kidjo, Natalie Merchant und Stewart Copeland.

Peter Gabriel ist in der Musik nach 1970 ohne Zweifel eine ebenso einzigartige wie überragende Figur. Seine Arbeit bei Genesis machte die Band zu dem, was sie über Jahre, auch nach seinem Weggang, war. Mit ihr setzte er Maßstäbe für den Progressive Rock und definierte, was Progressive Rock unter anderem sein sollte. Späteren Bands bot er ein Vorbild, Marillion mit deren Sänger Fish sind ohne Genesis und Gabriel nicht denkbar. Als Sänger gehört er zu der Handvoll Vokalisten, die überhaupt festlegten, was Gesang in der Rockmusik ist. Daneben bestimmte er Trends, wie es beispielsweise White Soul mit »Sledge Hammer« oder die komplette so genannte Weltmusik wurden. Und schließlich: Er genießt aufgrund seiner persönlichen Integrität und seines politischen, allemal humanistisch bestimmten Engagements höchstes Ansehen bei Musikern wie Publikum.

Auszeichnungen

Grammy 1989
Grammy 1992
Grammy 1993
Grammy 1995
Grammy 2008 in zwei Kategorien

Diskografie

Peter Gabriel (1977; genannt Car)
Peter Gabriel (1978; genannt Scratch)
Peter Gabriel (1980; genannt Melt)
Peter Gabriel (1982; genannt Security, in den USA offizieller Titel)
Plays Live (1983)
Birdy (1985; Soundtrack)
So (1986)
Passion (1989; Soundtrack)
Us (1992)
Secret World Live (1994)
OVO (2000; Soundtrack)
Up (2002)
Long Walk Home: Music from the Rabbit-Proof Fence (2002; Soundtrack)

CD-ROM

Xplora1 (1995)
Eve (1997)

Weblink

http://www.petergabriel.com/ (Offizielle Website des britischen Rockmusikers Peter Gabriel)