PFM

Stichworte King Crimson | Jethro Tull | Ekseption | Minimoog | Emerson, Lake & Palmer | Manticore Records | Peter Sinfield | NEARFest | New Trolls



PFM, Premiata Forneria Marconi, abgekürzt PFM, italienische Progressive-Rock-Band, 1970 in Mailand gegründet; der Name geht teilweise (Forneria Marconi) auf den Namen einer in Brescia tatsächlich existierenden Bäckerei zurück.

Bandbiografie

Der Gitarrist Franco Mussida (* 1947), der Keyboard-Spieler Flavio Franco Premoli (* 19499, der Bassist Fico Piazza, eigentlich Giorgio Piazza, und der Schlagzeuger Franz Di Ciocci (* 1946) hatten in den 1960er-Jahren schon in den Begleitbands von italienischen Sängern wie Mina, Adriano Celentano, Fabrizio André und Lucio Battisti einige Erfahrungen im Musikgeschäft gesammelt, als sie sich 1968 entschlossen, eine eigene Band zu gründen. I Quelli, etwa: Jene da, wie sich die Band nannte, gab sich 1970 den Namen Premiata Forneri Marconi, als der Flötist und Geiger Mauro Pagani zu der Band stieß und durch sein Engagement den Klang der Band gründlich veränderte.
Zunächst gehörten zum Repertoire von PFM oder auch La Premiata, wie die Band kurz genannt wurde, Cover Versions von Stücken britischer und amerikanischer Bands wie King Crimson, Jethro Tull, Ekseption, The Flock und Chicago. Die Band wurde schnell bekannt und konnte sich dann auch 1971 beim Festival d’Avanguardi e Nuove Tendenze in Viareggio, einem Festival mit Wettbewerbscharakter, durchsetzen. So erhielten die Musiker noch im selben Jahr bei dem Schallplatten-Label RCA Records einen Vertrag und veröffentlichten die Single »Impressioni di Settembre« (1971). Die Band repräsentierte mit der Single ihren internationalen Ansprüchen standhaltenden Status: Der Song wurde ganz wesentlich vom Einsatz des seinerzeit neuen Minimoogs bestimmt. Das erste Album, »Storia di un minuto« kam 1972 in die Plattenläden und nahm mit seiner ruhig dahin fließenden Musik, den sanften Klängen akustischer Gitarren, Flöte, Violine und Synthesizer-Tupfern das Publikum für sich ein: Platz 1 der italienischen Charts. Beim zweiten Album, dem 1972 präsentierten »Per un Amico«, verstärkte PFM diese Anmutung von spezifisch italienischer Melodien-Seligkeit, bette die Songs in teils üppige Streicherarrangements und erregte damit auch die Aufmerksamkeit eine europäischen Publikums. So wurden die britischen Rockmusiker Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer anlässlich einer eigenen Tournee durch Italien auf PFM aufmerksam und nahmen die Band für ihr gerade gegründetes Label Manticore Records unter Vertrag »Per un Amico« wurde dann in einer überarbeiteten Version und mit englischen Texten versehen unter dem Titel »Photos of Ghosts« 1973 in ganz Europa veröffentlicht. Die Texte waren allerdings nicht einfach übersetzt worden, sondern Peter Sinfield hatte neue verfasst.
Noch vor den Aufnahmen zum Nachfolge-Album von »Per un Amico« verließ Piazza die Band und wurde durch den Bassisten Patrick Djivas ersetzt. An dem erprobten Konzept, erst eine LP in Italien zu veröffentlichen, diese dann an den internationalen Markt anzupassen, hielt PFM fest: »L’isoal di niente« war 1974 fertig, »The World became the World« wurde wenige Monate später nachgeliefert. Beide mit englischen Texten versehenen Platten waren vor allem in den USA erfolgreich, und so konnte PFM auch in den USA auf Tournee gehen. Einige Konzerte wurden mitgeschnitten und aus den Bändern die Live-LP »Live in USA« (1974) zusammengestellt; die englische Fassung trug den Titel »Cook« und war die letzte LP von PFM, die bei Manticore veröffentlicht wurde.
Die englischen Texte hatten schonungslos aufgedeckt, dass der Band ein restlos überzeugender Sänger fehlte, der auch die englische Sprache souverän beherrschte. Man fand ihn schließlich in Bernado Lanzetti, vorher bei der Band Acqua Fragile. Mit ihm änderte sich auch der Klang der Gruppe, doch bewirkte die Hinwendung zu einem milden Hardrock, dass »Chocolate Kings« (1975) beim heimischen Publikum nur wenige Freunde fand. Fatal war auch, dass Mauro Pagani den neuen Weg der Band nicht mitgehen wollte und ging.
So erschien »Jet Lag« erst 1977 und überraschte das Publikum der Band abermals mit einem stilistischen Schwenk: Nun gab es Jazzrock zu hören.
Die Erfolglosigkeit auf dem internationalen Markt – »Jet Lag« war das letzte Album der Band, das Texte in englischer Sprache enthielt – bewirkte erneut eine Änderung der musikalischen Ausrichtung – nun besannen sich die Musiker auf die Vorlieben ihrer Landsleute, engagierten den Geiger Gregory Bloch, der vorher bei der britischen Band It’s A Beautiful Day die Saiten seines Instrumentes gestrichen hatte, und schrieben eher einfache Lieder, orientiert an gängiger Pop Music, die 1978 mit »Paspartù« veröffentlicht wurde.
Der Stern PFMs sank dennoch. Bloch war schon gegangen, Lanzetti ging ebenfalls, 1979 verdingte sich die zum Quartett geschrumpfte Band wieder als Begleitband für Fabrizio De André. Auf den zwei Veröffentlichungen aus dieser Zeit war zwar der Name PFM zu lesen, doch waren die Musiker weit von den Höhepunkten ihrer Karriere wenige Jahr zuvor entfernt. In den 1980er-Jahren arbeitete die Band zwar weiter, beendete aber 1987 nach Veröffentlichung einiger wenig erfolgreicher Alben ihre Karriere. Mittlerweile gehörte auch Premli nicht mehr dazu; für Bloch war Lucio Fabbri Mitglied der Band geworden. Von Premoli allerdings ging 1997 die Reunion der Band aus: Er tat sich mit DiCiocci, Djivas und Mussida zusammen und nahm mit ihnen gemeinsam das Konzeptalbum »Ulisse« (1997) auf, basierend auf einigen Motiven aus Homers Epos. Die Musiker hatten sich auf die Musik ihrer erfolgreichen Zeit zurück besonnen und fanden mit ihrem spezifischen Progressive Rock tatsächlich wieder ein Publikum. So blieb PFM auch nach der Jahrtausendwende aktiv, trat etwa 2005 und 2009 beim NEARFest in den USA auf und veröffentlichte von Zeit zu Studio- und Live-Alben, so 2005 auch die Rockoper »Dracula«. Nach Präsentation der CD verließ der gesundheitlich angeschlagene Premoli die Band.
Progressive Rock war Anfang der 1970er-Jahre international eine der stärksten Strömungen der Rockmusik und fand daher in vielen Ländern außerhalb Großbritanniens und der USA Anhänger, so auch in Italien. Premiata Forneria Marconi war neben New Trolls die zweite italienische Band, die auch international Anerkennung fand. Mitte der 1970er-Jahre allerdings fand PFM genau so wenig eine Antwort auf den sich verändernden Musikmarkt wie die britischen Bands. Der besondere, dem Klang akustischer Instrumente und einem mehr oder weniger breit aufgefächerte Orchesterklang verhaftete Progressive Rock der Italiener fand dann auch außerhalb ihres Heimatlandes kaum mehr Zuhörer. Eine weitere Barriere zum großen internationalen Publikum mag die Sprache bedeutet haben, und möglicherweise spiegelte der Erfolg der wenigen LP in englischer Sprache der Band auf dem internationalen Markt eine Bedeutung vor, die sie tatsächlich nicht hatte.



Diskografie

Storia di un minuto (1972)
Per un amico (1972; Photos of Ghosts, 1973 veröffentlichte englischsprachige Version von Per un amico)
L’isola di niente (1974; The World Became the World, 1974 veröffentlichte englischsprachige von L’isola di niente)
Live in USA (1974; auch unter dem Titel Cook veröffentlicht)
Chocolate kings (1975)
Jet lag (1977)
Passpartù (1978)
Suonare suonare (1980)
Come ti va in riva alla città (1981)
Performance (1981)
P.F.M.? P.F.M.! (1984)
Miss Baker (1987)
Ulisse (1997)
Serendipity (2000)
www.pfmpfm.it (1998)
Live in Japan 2002 (2002)
Piazza del Campo (2005)
Dracula (2005)
Stati di immaginazione (2006)

Mit Fabrizio Di André

In Concerto – Arrangiamenti PFM (1979)
In Concerto – Arrangiamenti PFM, Vol 2 (1980)



Weblink

http://www.pfmpfm.it/ (Offizielle Website der italienischen Rockband Premiata Forneria Marconi)