Pink Floyd

Pink Floyd, britische Rockband, 1965 in London aus diversen Vorläuferbands hervorgegangen. Bis Anfang 1967 nannte sich die Band The Pink Floyd Sound; der dann auf Pink Floyd verkürzte Name setzt sich aus den Vornamen der Bluesmusiker Pink Anderson, eigentlich Pinkney Anderson, (* 1900, † 1974) und Floyd Council (* 1911, † 1976) zusammen.

Bandbiografie

Der Schlagzeuger Nick Mason, eigentlich Nicholas Berkeley Mason, (* 1944) und der Gitarrist und Bassist Roger Waters, eigentlich George Roger Waters, (* 1943) lernten sich in dem Institut Regent Street Polytechnic, einer Einrichtung der University of London kennen; beide studierten Architektur. Sie schlossen sich einer von Keith Noble und Clive Metcalfe gegründeten Band an, in der Sheilagh Noble sich von Zeit zu Zeit als Sängerin betätigte. Als sich wenig später der Keyboard-Spieler Rick Wright, eigentlich Richard Wright, (* 1943, † 2008) der Gruppe anschloss, nannten die Musiker ihre Band Sigma 6. Das Repertoire von Sigma 6 bestand zu dieser Zeit aus Songs der britischen Band The Searchers und einigen Songs, die Ken Chapman – wie auch Wright Kommilitone von Mason und Waters – verfasste.

Die mittlerweile zu erheblicher personeller Stärke angewachsene Band fand nun nicht mehr in dem als »Tearoom« bezeichneten Kellerraum der Hochschule Platz, in dem sie bisher ihre Proben abhielt. So nahmen die Musiker 1963 das Angebot von Mike Leonard, Dozent an der Hochschule, an, einen ungenutzten Raum seiner Wohnung als Übungsraum zu benutzen. Leonard, der elektrisch betriebene Maschinen für Lichteffekte baute, spielte eine Zeit lang auch Keyboards bei Sigma 6. Als mit dem Gitarristen Bob Klose sich ein weiterer Musiker der Band anschloss, wurde aus Sigma 6 allmählich eine professionelle Band. Mehrmals wurde der Name geändert, zunächst in The Megadeath, dann in Architectural Adabs, schließlich in The Tea Set.

Ende 1963 verließen Metcalfe und Noble die Band. Für sie kam Anfang 1964 ein Freund Waters’, der gerade 18jährige Sänger und Gitarrist Syd Barrett, eigentlich Roger Keith Barrett, (* 1946, † 2006), zu The Tea Set. Dennoch suchte die Band einen Sänger und fand ihn in Chris Dennis. Als die Musiker erfuhren, dass es bereits eine Band namens Tea Set gab, ließen sie den Namen fallen und nannten sich auf Vorschlag Barretts The Pink Floyd Sound. Barrett rückte ins Zentrum, als Dennis die Band verließ. Ende 1964 wagte sich The Pink Floyd Sound an die Aufnahme einiger Songs für eine Promotion-Platte, mit der sie sich bei Konzertveranstaltern bekannt machen wollten. Zu dieser Zeit bestand das Repertoire der Band aus Blues- und Rhythm-and-Blues-Titeln; auch Barrett hatte bereits einige Songs geschrieben. Tatsächlich erhielt The Pink Floyd Sound ein Engagement im Countdown Club als Hausband, allerdings zu denkbar schlechten Bedingungen: Ihr Auftritt, der aus drei je 90 Minuten dauernden Teilen, so genannten Sets, bestand, begann am späten Abend und endete stets am frühen Morgen des folgenden Tages. Die Musiker verständigten sich darauf, die insgesamt viereinhalb Stunden, die sie Musik liefern sollten, vor allem mit Instrumentalimprovisationen zu füllen. Klose war das dennoch bald zuviel und er verließ 1965 die Band; Barrett übernahm nun zusätzlich zum Gesang auch die Aufgabe des Lead-Gitarristen.

Der Vorteil der vielen Auftritte im Countdown Club lag darin, das The Pink Floyd Sound bald in ganz London bekannt war. 1966 trat die Band erstmals im renommierten Marquee Club auf, wo Peter Jenner und Andrew King auf die Band aufmerksam wurden und anboten, ihr Management zu übernehmen. Die Musiker um Barrett nahmen das Angebot an und nach kürzester Zeit war The Pink Floyd Sound fester Bestandteil der Londoner Musik-Szenerie. So wurde die Band engagiert, als im Oktober 1966 der Musik-Club The Roundhouse eröffnete: Seit ihrer Zeit in der Wohnung des Licht-Designers Mike Leonard hatten die Musiker Lichteffekte zur Illumination ihrer Auftritte eingesetzt, nun fügten sie diesen eher simplen Effekten weitere hinzu. Zusätzlich zu dem farbigen Licht, das Scheinwerfer lieferten, vor denen sich Scheiben mit mehreren in ihnen befestigten Farbfiltern drehten, ließ die Band Dias auf den Bühnenhintergrund projizieren, die mit verschieden eingefärbtem Öl gefüllt waren, das sich aufgrund der Erwärmung durch den Projektor langsam bewegte. Der Auftritt vor annähernd 2000 Menschen, darunter die Protagonisten von Swinging London, ging als Markstein des Psychedelic Rock in die Geschichte der Rockmusik ein und etablierte Pink Floyd, wie sich die Band nun endgültig nannte, als führende Formation, erst recht, als die Band einige Male im UFO Club auftrat.

Der UFO Club wurde für Pink Floyd indes schnell zu klein. Psychedelic Rock war nun nicht mehr nur für Konzertgänger interessant, sondern auch für die Plattenfirmen. Anfang 1967 hatte Pink Floyd zwei Songs aufgenommen, »Arnold Layne« und »Interstellar Overdrive«. Zunächst interessierte sich das Schallplatten-Label Polydor Records für die Band, doch erhielt EMI Records den Zuschlag. Noch im Frühjahr veröffentlichte EMI die erste Single von Pink Floyd, den von Barrett geschriebenen Song »Arnold Layne«. Wenige Monate später wurde mit »See Emily play« die zweite Single veröffentlicht; mit Emily war die spätere Bildhauerin und Malerin Emily Young (* 1951) gemeint, die später die Covers für die Schallplatten der Formation Penguin Cafe Orchestra gestaltete. »See Emily play«, wiederum von Barrett geschrieben, war der erste Hit-Paraden-Erfolg Pink Floyds und stieg bis auf den fünften Platz der britischen Single-Charts.

Die Honorare für die Schallplattenaufnahmen setzte die Band in Equipment um: Die Gerätschaften für die Bühnenbeleuchtung wurden um Polarisationsfilter und Spiegel erweitert; bei Konzerten – inzwischen zog die Band genügend Publikum an, um die Queen Elizabeth Hall zu füllen – wurde eine vierkanalige Audioanlage, »Azimuth co-ordinator« genannt, eingesetzt. Für die Aufnahme der ersten LP schickte die EMI Pink Floyd im Frühjahr 1967 in die Abbey Road Studios, wo zur gleichen Zeit die Beatles ihre LP »Sergeant’s Peppers Lonely Hearts Club Band« (1967) einspielten. Während der Aufnahmen schon fiel das seltsame Verhalten Barretts auf. Er schien den Anforderungen, die das Musikgeschäft an die Musiker stellte, nicht gewachsen zu sein. Im Spätsommer 1967 wurde die LP unter dem Titel »The Piper at the Gates of Dawn« in Europa veröffentlicht, wenige Monate später und in einer gekürzten Fassung auch in den USA. Bei den Konzerten, die Pink Floyd nach der Veröffentlichung der LP gab, kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Barrett und den anderen Mitgliedern der Band. Als Pink Floyd mit der Jimi Hendrix Experience auf eine Tournee durch England ging, musste gelegentlich der Gitarrist David O’List, später bei The Nice, für den indisponierten Barrett einspringen. Gleichzeitig drang Barrett darauf, die Band um weitere Musiker zu erweitern. Resultat dieses Ansinnens war schließlich, dass Waters, Mason und Wright akzeptierten, den Gitarristen David Jon Gilmour (* 1946) in die Band zu nehmen. Gilmour hatte seit 1962 schon in der Band Joker’s Wild erste Erfahrungen gesammelt und war seit Schülertagen mit Barrett mehr oder weniger gut befreundet. Den letzten Anstoß, Gilmour 1968 in die Band zu nehmen, gab Nick Mason.

Barretts, vermutlich durch übermäßigen Genuss verschiedener Drogen forciertes Verhalten änderte sich durch Gilmours Anwesenheit nicht. So übernahm Gilmour innerhalb kurzer Zeit die Aufgaben Barretts als Sänger und Lead-Gitarrist, bis dieser 1968 Pink Floyd verließ. Mit ihm gingen Jenner und King, die in Barrett die eigentliche künstlerische Kraft sahen.

Pink Floyd blieb Quartett. Die Aufnahmen zum zweiten Album hatten bereits begonnen, Barretts »Jugband Blues« war dann auch Teil von »A Saucerful of Secrets«, alle anderen Songs des Albums stammten von Waters. Die in einem von Hipgnosis gestalteten Cover steckende LP wurde Mitte 1968 veröffentlicht und untermauerte den Status der Band. Pink Floyd trat mit Roy Harper und Jethro Tull im Hyde Park auf, die anstehende USA-Tournee unternahmen die Musiker mit The Who und Soft Machine – Pink Floyd war aber die Hauptattraktion.

An der Popularität Pink Floyds wollten auch andere teilhaben. So steuerte die Band für die Soundtracks einiger Filme Songs bei, so etwa für »The Committee« (1968; Regie Peter Sykes), für »More« (1969; Regie Barbet Schroeder) und schließlich für Michelangelo Antonionis Film »Zabriskie Point« (1970). Allemal handelt es sich um mehr oder weniger surreale Stoffe, in denen die jugendliche Gegenkultur dieser Jahre im Vordergrund steht und Drogen und Gewalt eine Rolle spielen. Die Filme entsprachen dem Bild, das sich das Publikum von der Band und ihrer Musik machte.

Die Doppel-LP »Ummagumma«, 1969 veröffentlicht, stellte so etwas wie die Dokumentation eines Umbruchs dar. Eine der beiden LPs enthielt Live-Aufnahmen, die andere Experimente der vier Musiker. Bereits wenige Monate später folgte mit »Atom Heart Mother« (1970) die Hinwendung zu den ausgedehnten Kompositionen, die die nächsten Jahre der Musik der Band bestimmten. Die Suite »Atom Heart Mother« nahm die gesamte erste Seite der LP ein. Bei den Aufnahmen war die Band massiv von dem Komponisten Ron Geesin, eigentlich Ronald Geesin, (* 1943) unterstützt worden; Geesin hatte Teile der Suite komponiert, für Orchester und Chor eingerichtet und das Orchester dirigiert. Die zweite Seite des Albums war ähnlich konzipiert wie die zweite LP von »Ummagumma«: Jeder Musiker steuerte einen Teil bei, Wright, Waters und Gilmour je eine Komposition, während Mason eine Miniatur-Sutite aus diversen Klängen und Geräuschen collagiert hatte. Die LP, deren Hülle das Foto einer schwarz-bunten Kuh zeigt, wurde zu einem Sinnbild der Rockmusik jener Zeit. Mit »Meddle« (1971) setzte Pink Floyd diesen Weg allerdings nicht unmittelbar fort. Für die Aufnahmen brauchte die Band, nicht zuletzt aufgrund von Tournee- und Konzertverpflichtungen, recht lange. Auch litten die Aufnahmen unter den sich verändernden technischen Bedingungen: Bis dahin hatte Pink Floyd im Abbey-Road-Studio auf einer achtkanaligen Tonbandmaschine aufnehmen können, nun erwarteten die Musiker mit 16 Kanälen, die ihnen im Air-Studio George Martins zur Verfügung stand. So verbrachten sie ihre nächtlichen Aufnahme-Sessions mit endlosen Experimenten. Dennoch enthielt »Meddle« einige Kompositionen, die als für die Band typisch gelten, so etwa »One of these Days« und vor allem »Echoes«, eine Komposition, die die gesamte zweite Seite des Albums einnahm.

Mit Veröffentlichung der LP »Dark Side of the Moon« (1973) begann eine zweite Phase in der Karriere Pink Floyds, nachgerade die »klassische«, überaus erfolgreiche Phase. Mit »Meddle« war diese zwar bereits angedeutet worden, doch erst »Dark Side of the Moon«, »Wish You were Here« (1975), »Animals« (1977) und schließlich das Doppelalbum »The Wall« (1979) gaben der Band ihre einmalige Stellung nicht nur innerhalb des Progressive Rock, der Rockmusik, sondern der Musik überhaupt.

Waters hatte bereits für »Dark Side of the Moon « die Führung übernommen, zunächst kaum offensichtlich, doch im weiteren Verlauf der 1970er-Jahre in zunehmendem Maße. Die Band erprobte für die Aufnahmen von »Dark Side of the Moon« eine neue Vorgehensweise: Zunächst wurde mit neuen Kompositionen im Konzert experimentiert, erst dann gingen die Musiker ins Studio, um die Stücke in wenigen Sessions einzuspielen. So fanden die Aufnahmen für die von Waters, Gilmour und Wright geschriebenen Kompositionen von »Darks Side of the Moon« im Anschluss an in den vorangegangenen Monaten durchgeführte Konzerte Mitte 1972 und Anfang 1973 in zwei Sitzungen statt. Am Mischpult saß der Toningenieur Alan Parsons, der bei den Aufnahmen zu »Atom Heart Mother« noch Studioassistent war; er war verantwortlich für eine Reihe von Ideen, die Instrumentation und Klang des Albums beeinflussten, wenn auch für die Produktion des Albums selbst die Band verantwortlich zeichnete. Von Parsons stammte der Einfall, die Sängerin Clare Torry in dem Song »The Great Gig in the Sky« ein ausgedehntes, vom Bluesgesang beeinflusstes, aber textloses Solo singen zu lassen.

»Dark Side of the Moon«, im Frühjahr 1973 veröffentlicht, war überaus erfolgreich: In Großbritannien erreichte es den ersten Platz der Hitparade, in den USA, Neuseeland und Kanada den ersten; in allen für den Musikmarkt relevanten Ländern schaffte es die LP in die Charts. Die LP wurde über 14 Jahre lang in den Top 200 der Charts des Branchenblattes Billboard geführt – ein einsamer Rekord. Mit weit mehr als 40 Millionen verkaufter Exemplare gehört »Dark Side of the Moon« zu den meist verkauften Tonträgern überhaupt.

Dabei sind die Themen, denen sich die Musiker mit ihrer LP widmeten, keineswegs etwa für »Easy Listening« geeignet. Allemal drehten sich die Songs um die Schattenseiten des menschlichen Daseins wie Krankheit, Tod und seelische Erkrankung, damit mehr oder weniger auch Bezug auf das Schicksal Syd Barretts nehmend.

Barrett stand 1975 eines Tages in den Abbey Road Studios, als die Band mit den Aufnahmen zu »Whishing You were here«, dem Nachfolger von »Dark Side of the Moon«, begonnen hatte. Der früherer Sänger und Gitarrist der Band war kaum wieder zu erkennen: Den Kopf fast kahl geschoren, schob er einen beachtlichen Bauch vor sich her, war sich der Situation aber wohl nicht bewusst und ging schließlich ohne ein Wort des Grußes. Der Besuch des kranken Barretts war zufällig erfolgt, doch hatten die Musiker ohnehin beschlossen, die Thematik des Vorgänger-Albums zu vertiefen. So erhielt das Auftauchen Barretts eine gewisse Bedeutung für die Musik. Der Song »Shine on You crazy Diamond«, der in zwei Teilen die Musik des Albums wie einen Rahmen umgibt, ist ihm gewidmet. Ansonsten wiederholten die Musiker das mit »Dark Side of the Moon« erprobte Verfahren: Die Songs wurden zuerst auf den Tourneen des Jahres 1974 erprobt, dann im Studio ausgearbeitet. Unterstützung bei der Produktion erhielt Pink Floyd von dem Toningenieur Brian Humphries, dem allerdings das Missgeschick unterlief, einen Teil des bereits eingespielten »Shine on You crazy Diamond« zu zerstören, so dass der Song noch einmal aufgenommen werden musste.

Der Erfolg von »Dark Side of the Moon« setzte die Band unter Druck. So stand als Konzept des Albums zwar Barretts Schicksal vage im Hintergrund, doch drehte Waters den Spieß geradezu um und nahm mit einigen anderen Songs die Rolle der Musikindustrie ins Visier.

Das Album, im Spätsommer 1975 veröffentlicht, nahm die Top-Positionen der britischen und amerikanischen Charts ein und wurde in Million-Stückzahl verkauft, wenn auch nicht annähernd in der Größe des Vorgängeralbums.

»Animals«, 1977 veröffentlicht, nahm Pink Floyd nicht mehr in den Abbey Road Studios auf: 1975 hatte die Band einen dreistöckigen Gebäudekomplex zu einem Studio ausbauen lassen. Die Umbauarbeiten zogen sich hin, so dass die Band erst im Frühjahr 1976 an die Aufnahmen zu »Animals« gehen konnte. Wieder hatte Waters ein Konzept zur Grundlage des Albums gemacht und sich dabei von George Orwells Roman »Animal Farm« (1945; deutsch: Farm der Tiere) inspirieren lassen. So trugen die Kompositionen Titel, die auf die relevanten Tiergruppen auf Orwells Farm Bezug nahmen: Schweine als Führungselite, Hunde als Ausführende der Befehle der Schweine und Schafe als die hilflose, politisch indifferente Masse – »Pigs on the Wing 1«, »Pigs (Three different Ones)«, »Pigs on the Wing 2«,»Dogs« und »Sheep«. Waters steuerte die meisten Songs bei, doch nahm Gilmours »Dogs« fast die gesamte erste Seit der LP ein. In der Band machte sich Unmut breit: Da die Musiker die Tantiemen je Song, nicht aber nach dessen Länge aufteilten, erhielt Waters den Löwenanteil.

»Animals« war zwar nicht ganz so erfolgreich wie die vorangegangenen Alben, erreichte dennoch in Großbritannien den zweiten Platz der LP-Hitparade und in den USA den dritten Platz der Charts der Zeitschrift Billboard. Pink Floyd hatte mittlerweile einen Status erreicht, dass die Band auch in den USA in den größten Hallen und in Sportstadien auftreten konnte. Dem Verhältnis der Musiker untereinander half das nicht, eher im Gegenteil: Waters sah sich zunächst als Primus inter Pares, dann als Primus und geriet vor allem mit Wright aneinander. Sowohl Wright als auch Gilmour suchten einen Ausweg aus der Hegemonie Waters’, wandten sich ihren eigenen Ideen zu und legten 1978 Solo-Alben vor.

Dennoch konnten sich die Musiker einigen, ein neues Album zu produzieren; nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, hatte die Band doch einiges Geld bei riskanten Spekulationen verloren. Waters präsentierte zwei Ideen und erhielt die Zustimmung für eine Art Rockoper, die er zunächst »Bricks in the Wall« nannte. Für die Produktion des Albums engagierte die Band den Produzenten Bob Ezrin, eigentlich Robert Alan, (* 1949), der aus Waters stark autobiografischem Entwurf zunächst eine Art Libretto machte. Im Mittelpunkt des Werkes, das schließlich zwei LPs umfassen sollte, stand der Protagonist Pink, dessen Charakter durch diverse Schicksalsschläge deformiert wurde und der nur durch die Zerstörung der Mauer zwischen sich und seinen Mitmenschen gerettet wird; das Vorbild, das The Who mit »Tommy« 1969 geliefert hatten, schimmerte natürlich durch.

Die Aufnahmen gestalteten sich überaus schwierig. Vor allem zwischen Waters und Wright kam es zu Reibereien: Die Plattenfirma der Band, Columbia, hatte die Musiker geködert, mehr Honorar zu zahlen, wenn das Album noch zum Weihnachtsgeschäft vorliegen würde. Waters ging darauf ein, doch wollte sich Wright, der mit familiären Schwierigkeiten kämpfte, nicht das Arbeitspensum erhöhen lassen. Als Waters dann noch vor dem Mix Down mit Änderungswünschen kam, lehnte Wright dies brüsk ab, woraufhin ihm nicht nur Waters, sondern dann auch Gilmour vorhielten, nicht genug für das Album getan zu haben. Waters seinerseits gab sich stur und verlangte, dass Wright die Band verließ. Dieser kam dem Wunsch nach, steuerte als bezahlter Session-Musiker aber noch einige Details bei. »The Wall« wurde dann unter Hinzuziehung von einigen Studiomusikern im Spätsommer fertig gestellt. Mason nutzte die Zeit, um sein Soloalbum »Nick Mason’s Fictitious Sports« einzuspielen; die Platte wurde erst 1981 veröffentlicht.

Zur Promotion von »The Wall« wurde der Song »Another Brick in the Wall (Part II)« veröffentlicht. Die Single erwies sich als überaus erfolgreich und nahm sowohl in den USA als auch in Großbritannien den ersten Platz der Single-Charts ein. Als das Album auf dem Markt war, konnte es sich 15 Wochen lang auf dem ersten Platz der Hitparade der Zeitschrift Billboard halten.

Die Band allerdings war im Grunde zerstört. Während der opulent ausgestatteten Tournee zum Album gingen sich Waters, Gilmour und Mason aus dem Wege und trafen sich nur auf der Bühne, wo Wright als Honorarmusiker saß. Als das Album verfilmt wurde, verfeindete sich Waters bald mit dem Regisseur Alan Parker, der einige Details der Geschichte verändern wollte. Allerdings wollte der Bassist weiter mit Gilmour und Mason als Pink Floyd auftreten. So vermittelte Michael Kamen, der die Orchester-Parts für »The Wall« geschrieben und dirigiert hatte, zwischen den Musikern und setzte sich auch an die Keyboards. Doch bald begann Waters auch mit Kamen einen Streit, warf dann Gilmour vor, zu wenig für die Band zu tun und ließ allenfalls Mason in Ruhe, der versuchte, sich aus den Streitereien heraus zu halten; dafür musste er in Kau nahmen, dass Waters zwei Studio-Schlagzeuger engagierte. Dennoch konnte das Resultat dieser seltsamen Zusammenarbeit unter dem Titel »The Final Cut« 1983 veröffentlicht werden. Mit gewohntem Erfolg, nahm es doch sogleich den ersten Platz der britischen Hitparade ein.
Nach Veröffentlichung des Albums begann sich das Ausmaß des Zerwürfnisses zu zeigen: Gilmour nahm sein Solo-Album »About Face« (1984) auf, Waters »The Pros and Cons of Hitch Hiking« (1984), Mason »Profiles« (1985). Dann fand Waters heraus, dass es formaljuristisch keine Band Pink Floyd gab, und versuchte, den Gebrauch des Namens durch Gilmour und Mason zu verhindern. Zwar gab es keine Entscheidung, doch verließ Waters die Band und ging an die Aufnahmen zu seinem zweiten Solo-Album, das er 1987 unter dem Titel »Radio K.A.O.S« präsentierte.

Gilmour hatte in der Zwischenzeit sich nicht nur wieder mit Wright geeinigt, sondern auch mit den Vorarbeiten zu einem neuen Pink-Floyd-Album begonnen. Er brauchte eine ganze Armada, die ihm bei den Aufnahmen zu »A Momentary Lapse of Reason«: Mason fühlte sich indisponiert und wurde hier und da durch einen Studiomusiker ersetzt, Phil Manzanera von Roxy Music spielte etwas Gitarre, Eric Stewart von 10cc half beim Komponieren, Anthony Moore, früher bei Slapp Happy und Henry Cow beim Texten. Waters, immer noch rechtlich mit seinen alten Band-Gefährten verbunden, gab zwar ein paar Querschüsse ab, um eine Tour unter dem Namen Pink Floyd zu verhindern, doch fand diese dessen ungeachtet 1987 statt. Ende 1987 einigte man sich salomonisch: Gilmour, Mason und Wright durften den Namen Pink Floyd exklusiv benutzen, Waters erhielt dafür die kompletten Rechte an »The Wall«.
»A Momentary Lapse of Reason« war zwar wieder leicht in die Top-Ten diesseits und jenseits des Atlantiks gelangt, nicht aber auf Platz eins; einige Zuhörer nahmen das Album wohl auch als einen Alleingang Gilmours war.

Anfang der 1990er-Jahre fanden sich Gilmour, Mason und Wright – nach wie vor nicht ordentliches Mitglied von Pink Floyd – zu einer Kraftanstrengung bereit und planten ein neues Pink-Floyd-Album. Man griff auf Bewährtes zurück: Aufnahmen in den bandeigenen Britannia Row Studios und auf Gilmours Hausboot »Astoria«, Bob Ezrin wurde ebenso wie Michael Kamen gerufen, Strom Thorgerson von Hipgnosis entwarf das Cover. Auch Gilmours Freundin, die Schriftstellerin Polly Samson half und steuerte einige Texte bei. Die sich an die Veröffentlichung1994 anschließende Tournee ergab noch das Live-Album »Pulse« (1995). Seitdem unternahm Pink Floyd keine Tournee mehr.

2005 war es Bob Geldof gelungen, Waters, Gilmour, Mason und Wright zu überreden, beim Live 8-Konzert am 2. Juli 2005 im Londoner Hyde Park als gemeinsam unter dem Bandnamen aufzutreten. Es blieb der einzige Auftritt Pink Floyds nach dem Ausscheiden von Waters 1985.

Pink Floyd nimmt unter den Rockbands – wie auch The Beatles, The Rolling Stones, Led Zeppelin oder Queen – eine Sonderstellung ein. Aus einer Studentenband entstand die Psychedelic-Rockband schlechthin, aus dieser wiederum eine Progressive-Rock-Band, bis die Gruppe an ihrer eigenen Größe zerbrach. Es drängt sich der Vergleich mit den Beatles auf, deren Karriere in ähnlicher Weise in Phasen zerlegt werden kann: Suchten die Musiker zunächst nach einem Platz im Musikgeschäft, folgte bald das Erstaunen des Publikums – ganz real im Round House und im UFO Club in London –, dann übernahm die Band die Rolle des Vorreiters, wenn zumal Waters auch ältere Ideen wie die des Konzeptalbums und der Rockoper in seiner sehr persönlich und subjektiv gefärbten Weise aufnahm und einmalige Werke schuf. Als die Gemeinsamkeiten erschöpft waren, wurden aus den Menschen, die ein nach Millionen zählendes Publikum begeistern konnten, wieder die, die persönlicher Niedertracht freien Lauf ließen. Danach konnte man sich wieder vertragen.

Wenn Pink Floyd auch als eine der »Big Four« des Progressive Rocks betrachtet wird, so unterscheidet sich ihre Musik erheblich von der, die Yes, Genesis und Emerson, Lake & Palmer in den Studios austüftelten. Allemal handelt es sich um eher einfache Rock-Songs: »Money« oder »Another Brick in the Wall« basieren auf ebenso simplen wie wirkungsvollen Bass-Figuren. Dass Waters kein exzeptioneller Instrumentalist ist, wusste er selbst und ließ ihn Gilmour immer wieder mal spüren. Gilmour seinerseits ist einer der bedeutendsten Gitarristen, die die Rockmusik hervorgebracht hat und sein vom Blues bestimmtes Spiel lässt zweifeln, ob diese Band wirklich dem Progressive Rock zugerechnet werden kann. Wright und Mason sind der Harrison und der Starr Pink Floyds, nicht mehr, nicht weniger und keineswegs austauschbar. Abseits aller Einfachheit der Faktur und abseits der mitunter allzu pathetischen, auch vage politisch verbrämten Thematik der Musik Pink Floyds bleibt die einmalige Klangwelt, die die Band mit ihrer Musik konstruierte, hatte etwas in die Zukunft Weisendes und ließ manch einen Zuhörer an die Weite und Einsamkeit des Alls denken, Grund genug für Musikindustrie dun Journalisten, von Space Rock zu schwafeln. Dabei zeigt ein Blick auf die Cover der Schallplatten »Dark Side of the Moon« (1973) oder »Wish You were here« (1975) zeigt, dass lediglich die kleinen AKS- und VCS3-Synthesizer der Firma EMS zum Einsatz kamen, für musikalische Zwecke nicht unbedingt die erste Wahl, repräsentierten diese kleinen Geräte auch nicht mehr den Stand der Technik. Die Tonbandmanipulationen, die quadrofonischen Effekte und der häufige Einsatz von konkreten Geräuschen hingegen ließ manch einen Hörer an die Avantgarde-Musik der 1950er-Jahre denken, und so lud der Pianist Friedrich Gulda die Band 1971 zu seinem Musikfestival am Ossiacher See ein.

Der Einfluss Pink Floyds auf die Musik ist enorm und beschränkt sich keineswegs nur auf die Rockmusik. Den Ansatz der Beatles, das Studio als Instrument zu begreifen, setzten Waters, Gilmour, Wright und vor allem Mason fort. Neben der Musik für die eigenen Platten zählen auch zahlreiche Filmmusiken zum Gesamtwerk der Band, wenn auch von den Fans häufig nur als Nebensächlichkeit wahrgenommen. Dennoch ist der Einfluss der Band auf die Filmmusik bis in jüngste Zeit spürbar. Ebenso nachhaltig ist die Wirkung Pink Floyds auf die Rockmusik selbst: Ohne sie ist die Musik von Bands wie Radiohead, Muse, Porcupine Tree, Gazpacho oder Crippled Black Phoenix, um nur einige wenige zu nennen, nicht denkbar.

Auszeichnungen

Grammy 1980
Grammy 1995
Polar Music Prize 2008

Diskografie

The Piper at the Gates of Dawn (1967)
A Saucerful of Secrets (1968)
Ummagumma (1969)
Atom Heart Mother (1970)
Meddle (1971)
Obscured by Clouds (1972)
The Dark Side of the Moon (1973)
Wish You Were Here (1975)
Animals (1977)
The Wall (1979)
The Final Cut (1983)
A Momentary Lapse of Reason (1987)
The Division Bell (1994)

Literatur

Mason, Nick (mit Philip Dodd): Inside Out – A Personal History of Pink Floyd; London 2005; dt. Inside out. Mein persönliches Porträt von Pink Floyd; Schlüchtern 2005

Weblink

http://www.pinkfloyd.com/ (Offizielle Website der britischen Rockband Pink Floyd)