10cc

10cc, britische Rockband, 1972 in Manchester aus der Formation Hotlegs hervorgegangen; zu 10cc gehörten Eric Stewart (* 1945; Gesang, Gitarre), Graham Gouldman (* 1946; Gesang, Bassgitarre), Kevin Godley (* 1945; Schlagzeug, Gesang) und Lol Creme (* 1947; Gitarre, Gesang).

Bandbiografie

Eric Stewart hatte bereits 1965 mit The Mindbenders einen Hit (»A Groovy Kind of Love«), Gouldman hatte Hits für andere Bands, unter anderem 1966 für The Hollies, geschrieben (»Bus stop«), außerdem für amerikanische Abnehmer einige namenlose Bubblegum-Songs. Als Stewart mit Lol Creme und Kevin Godley die seinerzeit hochmoderne Vier-Spur-Bandmaschine des gerade gegründeten Stockport Recording Studios – später in Strawberry Studio umbenannt – erprobten, hatten sie nach einiger Zeit eine Song erarbeitet, der später als »Neanderthal Man« zum Hit wurde. Stewart hatte Godley und Creme bei der Produktion des Albums »Space Hymns« von Ramases kennen gelernt; Gouldman kannte Godley von der Gruppe The Mockingbirds. Der unerwartete Erfolg von »Neanderthal Man« veranlasste die drei Musiker, mit Gouldman die Formation Hotlegs als tatsächliche Band zu etablieren. Weiterer Erfolg blieb allerdings aus, das Publikum hatte »Neanderthal Man« zwar als einmaligen Nonsense-Hit akzeptiert, nicht aber die dahinter stehende Band. So entschlossen sich die vier Musiker, ihrer Band den Namen 10cc zugeben – angeblich nach der durchschnittlichen Flüssigkeitsmenge einer männlichen Ejakulation.
Alle vier Musiker spielten mehrere Instrumente, Stewart war ein versierter Toningenieur, alle vier konnten singen und alle vier schrieben Songs, und schon das erste Album, »10cc« (1973), zeigte, dass hier eigentlich zwei Duos am Werke waren: Stewart und Gouldman einerseits, Godley und Creme andererseits. Entsprechend farbig fiel das Debüt-Album aus. Jahr für Jahr veröffentlichte die Band ein Album. 1974 »Sheet Music«, 1975 »The Original Soundtrack« – keineswegs ein Soundtrack zu einem Film – , 1976 »How dare You!«. Im selben Jahr kam es zum Bruch zwischen Stewart und Gouldman einerseits, Godley und Creme andererseits. Die Gründe blieben trotz einer Vielzahl von Aussagen der Musiker weitgehend im Dunkeln: Stewart und Gouldman hatte stets die eingängigeren Hits geliefert, Godley und Creme aber die interessanten und witzigen Experimente. Als Godley und Creme sich aber in die Entwicklung des Gizmotrons verbissen und dem kleine Gerät eine komplette LP widmen wollten – die 1977 als Dreifach-Album unter dem vielsagenden Titel »Consequences« doch noch erschien –, geriet das Quartett in Streit und trennte sich in zwei Duos. Der Name blieb bei Stewart und Gouldman.
Eine Schlagzeuger hatten Stewart und Gouldman schon: Paul Burgess (* 1950) hatte schon bei den Tourneen der Band an den Drums gesessen, nun wurde er offizielles Mitglied. In dieser Formation wurde »Deceptive Bands« (1977) aufgenommen und veröffentlicht. Für die anstehenden Tourneen kamen der Gitarrist Rick Fenn, eigentlich Richard Fenn (* 1953), der Keyboard-Spieler Tony O’Malley (* 1948) und zweiter Schlagzeuger Stuart Tosh (* 1951) zu 10cc. In dieser Besetzung wurde das Live-Album »Live and let live« produziert. Die Besetzung blieb allerdings nicht stabil: O’Malley ging und wurde durch Duncan Mackay ersetzt.

Wenn die Alben »Deceptive Bands« und das Live Album auch nicht so erfolgreich waren wie einige der vorangegangenen, gelang 10cc mit »Dreadlock Holiday«, ausgekoppelt aus der LP »Bloody Tourists«, 1978 ein Hit, der letzte Erfolg der Band. 1979 verletzte sich Motorsport-Fan Eric Stewart schwer bei einem Autounfall und benötigte Monate für die Rekonvalenz. 1980 veröffentlichten er und Gouldman Solo-Alben und im selben Jahr das Album »Look hear?« (1980). Der Draht zum Publikum aber war gerissen: Waren bis auf das Debüt-Album alle Veröffentlichungen der Band in die Top Ten der britischen Charts gekommen, brachte es »Look hear?« mit Ach und Krach in die Top Fourty, die folgenden Alben nicht einmal mehr das. Unschlüssig, welche Musik die Band überhaupt machen wollte, wurde der amerikanische Song-Schreiber Andrew Gold hinzugezogen, aber auch wieder nicht konsequent genug, um der Band zu mehr Publikumsresonanz zu verhelfen. 1983 schlossen Stewart und Gouldman das Kapitel 10cc für fast 10 Jahre.

Erst 1992 legten sie mit »Meanwhile« wieder ein Album unter dem Bandnamen vor, hatten sogar Creme und Godley zu ein wenig Mitarbeit bewegen können, doch nützte das alles nichts mehr. Mit »Mirror Mirror « kam 1995 das letzte Album der Formation, die eigentlich nur noch aus Stewart und Gouldman bestand, in die Plattenläden.

Über das Publikum ergoss sich seitdem eine Flut von Live-Aufnahmen und Kompilationen der alten Erfolge, häufig lieblos zusammengestellt, manchmal allenfalls von dokumentarischem Wert. Wie Godley und Creme, die sich zu Beginn des Video-Zeitalters in den 1980er-Jahren einen Namen als Regisseure von Musikvideos machen konnten und einen respektlosen Band mit Comics – Thema: die Rockband auf Tour – vorlegte, tauchten die Namen von Gouldman und Stewart mal hier, mal da auf; Stewart etwa arbeitete einige Zeit mit Paul McCartney zusammen. Unter Führung von Graham Gouldman gibt es eine weitere Inkarnation der Band – zu ihr gehören auch Paul Burgess und Rick Fenn –, die allerdings keine Ambitionen hegt, neue Platten vorzulegen und vor allem den Nostalgie-Zirkus bedient.
Von den Songs der Band brachten es wenigstens »I’m not in Love« und »Dreadlock Holiday« zu dauerhaftem Ruhm, »I’m not in Love« beispielsweise wurde und wird bis in jüngste Zeit immer wieder von anderen Bands und Musikern interpretiert, so etwa von Will to Power, The Pretenders und Fun Lovin’ Criminals.
Wollte man das Phänomen Art Rock charakterisieren, so würden dazu zwei Namen genügen: Roxy Music und 10cc. Rock als Musik über Musik – dann wieder, aber nicht nur Rockmusik – zu verwenden, diese Musik dabei stets durch die Brille der Ironie zu betrachten, gelang diesen beiden Bands überzeugend, bei vielen anderen blieb es bei einmaligen Versuchen. Auch bei 10cc gab es durchaus Uneinigkeit, denn tatsächlich lagen hier zwei Auffassungen, was Rock und Pop sein sollten, in einer Art fruchtbarem Widerstreit: Hier Godley und Creme, die mit Rückgriffen und Experimenten die Grenze der damaligen Rockmusik ausweiteten, dort Stewart und Gouldman, ausgezeichnete Song-Schreiber, die die Zukunft ihrer Band in der Produktion von ausgefeilten Mainstream-Songs sahen. Manch eine Komposition des Quartetts hätte auch aus dem Repertoire der Beatles stammen können, zumal Eric Stewart über einen auffallend ähnlichen Stimmklang wie Paul McCartney verfügt und Gouldman alles daran setzte, ähnliche Basslinien wie der Meister aus Liverpool zu erfinden. Die Respektlosigkeit von Godley und Creme, ihre Bereitschaft, jederzeit musikalische und literarische Anspielung in die Musik ihrer Partner einzuflechten, gaben der Musik ihre Schärfe und machten die Einzigartigkeit dieser Band aus. Nachdem Godley und Creme die Gruppe verlassen hatten, blitzte das Vermögen, Witz und Ironie in schöne Melodien und ausgefuchste Arrangements zu verpacken, nur noch gelegentlich auf. Die vier Alben, die Stewart, Gouldman, Godley und Creme aber zwischen 1973 und 1977 vorlegten, gehören allemal zu den Klassikern der Rockmusik.

 

Diskografie

10cc (1973)
Sheet Music (1974)
The Original Soundtrack (1975)
How Dare You! (1976)
Deceptive Bends (1977)
Live and Let Live (1977)
Bloody Tourists (1978)
Look Hear? (1980)
Ten Out of 10 (1981)
In Concert (1981)
Windows in the Jungle (1983)
…Meanwhile (1992)
Alive (1993)
Mirror Mirror (1995)
King Biscuit Flower Hour (1996)
Live (2000)
Alive: The Classic Hits Tour (2002)
The Best of 10cc Live (2007)

 

Weblink

http://www.10ccworld.com (Offizielle Website der britischen Rockband 10cc)