Ayreon

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Ayreon, Bezeichnung des niederländischen Rockmusikers Arjen Anthony Lucassen (* Hilversum 3.4.1960) für sein Projekt, in dem er CDs im Bereich des Progressive Rock veröffentlicht.

Bandbiografie

Lucassen interessierte sich als Jugendlicher zwar für die Musik von David Bowie, Alice Cooper und den ↑Beatles, sah sich aber zunächst selbst nicht als Musiker. Stattdessen trat er mit einer Playback-Band, The Flying Potatoes, auf. Erst als er die LP »Made in Japan« (1973) der britischen Hardrock-Band Deep Purple kennen gelernt hatte, entschloss er sich, Gitarre zu lernen. Bald spielte er in verschiedenen Bands, so in der Gruppe Mover, bis zu der niederländischen Heavy-Metal Band Bodine stieß. Die Band suchte einen neuen Sänger und lehnte Lucassen daher prompt ab – doch hatte der damit gerechnet und spielte den Musiker der Band einige ihrer Songs vor, woraufhin diese ihn als zweiten Gitarristen akzeptierten. Bis 1984 blieb Lucassen bei Bodine, wechselte 1984 aber zu der im Vorjahr gegründeten Metal-Band Vengeance. Bei Vengeance begann Lucassen, selbst Songs zu schreiben und bestimmte bald die Musik der Gruppe. Anfang der 1990er-Jahre divergierten indes die Interessen der Musiker – einige favorisierten den seinerzeit modischen Grunge, während Lucassen Chancen eher in einer Hinwendung zum ↑Progressive Metal und Progressive Rock sah. So verließ er 1992 die Band und schlug eine Solo-Karriere ein.
Bereits 1993 veröffentlichte er die CD »Pools of Sorrow, Waves of Joy«. Lucassen hatte alle Instrumentalparts selbst eingespielt, lediglich für Schlagzeug und Keyboards Studiomusiker engagiert. Für die Veröffentlichung hatte er auf seinen Namen Anthony zurückgegriffen, unter dem er dem Publikum unbekannt war – das Album blieb in den Plattenläden liegen. Lucassen entschloss sich daher zu einem radikalen Schritt: Er fasste den Plan, Anregungen aus dem Progressive Rock der 1970er-Jahre – etwa von ↑Pink Floyd – wie aus den ↑Rockopern der 1960er- und 1970er-Jahre – etwa von Andrew Lloyd Webber – zusammen zu fassen. Von diesem Konzept konnte er das niederländische Label Transmission Records überzeugen und wollte die zum großen Teil im Alleingang aufgenommene CD unter dem Titel »Ayreon: The Final Experiment« veröffentlichen. Das Managment von Transmission Records bestand allerdings darauf, den Titel in eine Art mythischen Bandnamen und einen eigentlichen Titel zu trennen: Lucassen gab seinem Projekt daher den Namen Ayreon, während die 1995 veröffentlichte CD den Titel »The Final Experiment« trug.
Wider Lucassens Erwartung war die CD erfolgreich. Zwar hatte er seine Produktionsweise gegenüber seinem Solo-Album nicht verändert – er hatte Kompositionen und Texte geschrieben, die meisten Instrumentalparts eingespielt und für den Gesang wie für einige Instrumente weitere Musiker hinzugezogen –, doch hatte das Etikett Ayreon seinem Projekt einen griffigen Namen gegeben. Lucassens beließ es nicht bei diesem einen Projekt, sondern gründete neben Ayreon weitere: Ambeon, Star One, Stream of Passion, ↑Guilt Machine.
Im Zentrum seiner Ambitionen stand fortan aber zunächst Ayreon. Bis 2000 legte er im Zweijahres-Rhythmus weitere CDs unter diesem Namen vor, dann wurden die Abstände zwischen den Veröffentlichungen größer, Lucassens wandte sich nach 2008 verstärkt seiner unter dem Namen Guilt Machine veröffentlichten Musik zu.
Über all die Jahre blieb die Produktionsweise von Lucassen nahezu gleich: Er wählte die Themen, schrieb Musik und Texte und steuerte den Großteil der Instrumentalparts bei. Doch engagierte er für besondere Aufgaben – meist den Gesang – weitere Musiker hinzu, und bald las der Hörer illustre Namen auf den Booklets der CDs, unter anderem Andi Deris von Helloween, Barry Hai von Golden Earring, Bruce Dickinson von Iron Maiden, Daniel Gildenlöw von Pain of Salvation, ↑Devon Townsend, Edward Reekers von Kayak, ↑Fish, früher bei ↑Marillion, Hansi Kürsch von Blind Guardian, James LaBrie von ↑Dream Theater, Jonas Renkse von Katatonia, Mikael Åkerfeld von ↑Opeth, Neal Morse, früher bei ↑Spock’s Beard, Simone Simons von Epica, Timo Kotipelto von Stratovarius, Ty Tabor von King’s X, Thijs van Leer von ↑Focus, Derek Sherinian, früher bei Dream Theater, Thomas Bodin von ↑The Flower Kings. Lediglich der Schlagzeuger Edward R. Warby (* 1968) ist obligat an den Aufnahmen zu Lucassens Musik beteiligt.
Auch in der Anlage seiner Musik blieb Lucassen sich treu. Allemal handelt es sich bei seinen weit ausholenden, epischen Schallplattenwerken um Konzeptalben, thematisch sich zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Mittelalter und Science Fiction bewegend, nicht selten von apokalyptischen Elementen bestimmt.
Lucassens nimmt zwar Bezug auf die Musik etwa von ↑Yes und ↑Genesis, auch auf die von Marillion, wie auch auf die Konstruktion der frühen ↑Rockopern, doch entsteht dennoch durchweg Eigenes, das keinerlei Rücksicht auf die Rockmusik der Gegenwart nimmt.
Lucassen hat sich sein eigenes Genre geschaffen, das durchaus zwar Teil des Progressive Rock ist, gleichzeitig aber zeigt, dass dieser Teil der Rockmusik die Möglichkeit sehr subjektiver Ausdrucksformen bietet.



Diskografie

The Final Experiment (1995)
Actual Fantasy (1996)
Into the Electric Castle (1998)
Universal Migrator Part 1: The Dream Sequencer (2000)
Universal Migrator Part 2: Flight of the Migrator (2000)
The Human Equation (2004)
01011001 (2008)



Weblink

http://www.arjenlucassen.com/Ayreon/ay_index.html (Offizielle Website des niederländischen Gitarristen Arjen Lucassen zu seinem Rock-Projekt Ayreon)