Ekseption

Stichworte The Nice | Sinfonie | Concept Album | Keith Emerson |Emerson, Lake & Palmer | Yes

 

Ekseption, niederländische Progressive–Rock-Band, 1965 aus der Jazz-Formation The Jokers hervorgegangen.

Bandbiografie

Der Trompeter Rein van den Broek (* 1945) war schon seit 1958 Mitglied der Jazzband The Jokers gewesen und hatte schließlich deren Leitung übernommen, als er 1968 für die 1965 in Ekseption umbenannte Band den Pianisten und Organisten Rick van der Linden (* 1946, † 2006) engagierte. Nach dem gemeinsamen Besuch eines Konzertes der britischen Band The Nice entschlossen sich die Musiker, ebenfalls Kompositionen der traditionellen europäischen Kunstmusik in Rock-Arrangements mit eigenen Stücken zu mischen. Zu der Band gehörten zu dieser Zeit neben van den Broek der Saxofonist Rob Kruisman, der Gitarrist und Saxofonist Hub van Kampen, der Bassist Cor Dekker und der Schlagzeuger Peter de Leeuwe. Die Aufnahmen zu der ersten LP nach dem Entschluss zur Änderung der neuen Richtung gestaltete sich allerdings schwierig: Van der Linden, der die Aufgabe übernommen hatte, geeignete Werke aus der Kunstmusik zu finden und zu bearbeiten, hatte ein Arrangement des ersten Satzes der Symphonie Nr. V von Ludwig van Beethoven geschrieben, doch weigerte sich das Orchester der Wahl, das North-Holland Philharmonic, gemeinsam mit einer Rockband aufzutreten. Die Aufnahme des Stückes war aber bereits fertig und wurde 1968 als Single wie als Eröffnungstück der LP »Ekseption« veröffentlicht, unter Verwendung einer alten Orchesteraufnahme.
»The Fifth«, so der Titel des Arrangments war überaus erfolgreich, machte die Band innerhalb kürzester Zeit in Europa bekannt und bestärkte van der Linden in der Ansicht, dass das Bearbeiten von wohlbekannten Werken der Kunstmusik allemal Erfolg haben kann. Schon auf der ersten LP fanden sich etwa Rockfassungen des »Säbeltanzes« aus einem Ballett von A. Katschaturjan, die Air aus der Orchester-Suite D-Dur von J.S. Bach, die »Rhapsody in Blue« von G. Gershwin und weitere mehr.
Das zweite Album, »Beggar Julia’s Time Trip«, 1969, stellte dann so etwas wie ein Konzeptalbum dar und beschrieb den Spaziergang einer Figur, Julia, durch die Jahrhunderte anhand von Kompositionen der jeweiligen Zeit. Van den Broek hatte die Band umbesetzen müssen: Am Schlagzeug saß nun Dennis Whitbread, der Saxofonist Dick Remelink ersetzte Kruisman und van Kampen und mit Michel van Dijk war ein Sänger engagiert worden; weitere Gastmusiker kamen hinzu. Für die Musik hatte van der Linden wieder einige Hits der Kunstmusik vergangener Tage arrangiert: Das fälschlich T. Albinoni zugeschriebene »Adagio«, den ersten Satz des »Italienischen Konzertes« von J.S. Bach und eine Orchesterkomposition von P.I. Tschaikowsky. Verbunden waren diese Arrangements mit eigenen Songs und diversen Zwischenmusiken, dazu gab es einen »Prologue«, einen »Epilogue« und ein Finale, »Music for Mind«. Van der Linden war der Garant für den Erfolg der Alben von Ekseption und so ließ ihm van den Broek freie Hand in der Gestaltung des Repertoires. Die Besetzung der Band änderte sich auch für das dritte Album: An den Trommeln saß nun wieder Peter de Leeuwe, Sänger van Dijk hatte die Band verlassen. Am Klang der Band änderten all die Umbesetzungen nichts, der war von der Hammond-Orgel van der Lindens bestimmt. Zwar sollte auch »Ekseption 3«, 1970 veröffentlicht, wieder ein Konzeptalbum sein und basierte auf Saint Exuperys Buch »Der kleine Prinz«, doch blieb das eine Ankündigung auf dem Cover. Van der Linden hatte lediglich seine Arrangements mit eigenen Titel versehen: Aus J.S. Bachs Badinerie aus der h-Moll-Suite wurde »Peace Planet«, aus Präludium und Fuge a-Moll aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S. Bach »The Lamplighter« und »On Sunday They Will Kill the World« lag das Präludium op. 3. Nr. 2 cis-Moll von S. Rachmaninow zugrunde – letzteres das einzige Stück mit Gesang, den Steve Allet beisteuerte. Van der Linden hatte Großes vor: Für »Ekseption 3« hatte er schon ein dreisätziges »Piece for Symphonic und Rock Group« geschrieben, für »Ekseption 00.04« (1971) in Anlehnung an Keith Emersons »Five Bridges Suite« (1970) ein ausgedehntes Orchesterwerk. Die LP enthielt allerdings auch eine für Synthesizer bearbeitete Fassung eines Teils der Partita c-Moll von J.S. Bach, mit der van der Linden seine umfassende Kenntnis der europäischen Kunstmusik wie der elektronischen Musik andeutete: Die Einleitung zu diesem Arrangement erinnerte an Stockhausens »Gesang der Jünglinge im Feuerofen«. Natürlich fehlten auch die Hits nicht, dieses Mal war es zum Beispiel ein Arrangement der Fuge aus »Toccata und Fuge d-Moll« BWV 565 von J.S. Bach.
Für »Ekseption 5« (1972) und »Trinity« (1973) änderte van der Linden sein Konzept nicht, doch wurde die Band erneut umbesetzt: Für die Aufnahmen zum fünften Album hatte der Saxofonist Jan Vennik Remelink ersetzt, für de Leeuwe war Pieter Voogt gekommen. Das Publikum allerdings zeigte sich von der Vielzahl der Arrangements, die sich nun auch zu wiederholen begannen und dem doch eindimensionalen Klang der Band ermüdet und der Erfolg, zumal in Deutschland stets immens, ließ nach. Van der Linden verließ die Band und gründete sein Trio Trace. »Bingo!«, 1974 vorgelegt, zeigte dann die Abhängigkeit Ekseptions von dem höchst virtuosen Organisten: Sein Nachfolger Hans Jansen war weniger an Klassik und mehr an Jazz interessiert, und der Erfolg der Band nahm ein abruptes Ende. Es erschienen noch zwei weitere LPs, vom Publikum kaum wahrgenommen. 1975 gab auch van den Broek auf und gründete mit Spin eine neue Band.
Ekseption war besonders in Deutschland erfolgreich, wo Jazz- oder Rockbearbeitungen von Kompositionen der traditionellen Kunstmusik eine lange Tradition haben und immer ihr Publikum finden. Rockhörer allerdings hatten mit Ekseption stets Schwierigkeiten, nicht wenige sahen die Band als Jazz-Gruppe, wenn nicht gleich als Muzak für Gebildete. Ein Manko der Gruppe war sicherlich, dass es keinen Gesang gab, der Ekseption hätte ein Profil geben können. Die Vormachtstellung van der Lindens, die sich einerseits aus seiner überragenden Virtuosität im Umgang mit Tasteninstrumenten, andererseits aus seinen Fähigkeiten als Komponist und Arrangeur ergeben hatte, degradierte die anderen Musiker, selbst Leiter van den Broek, zu Statisten, die mal ein Solo beisteuern konnten, ansonsten aber nur Ecktöne spielen durften. Mit der Musik der zur gleichen Zeit extrem erfolgreichen britischen Bands wie Emerson, Lake & Palmer oder Yes, in denen Keyboard-Spieler zentrale Stellungen eingenommen hatten, war die Musik Ekseptions ohnehin nicht zu vergleichen. Wie beliebt die Musik Ekseptions allerdings war, beweist die große Zahl von Zusammenstellungen ihrer Erfolgsstücke.

 

Diskografie

Ekseption (1968)
Beggar Julia’s Time Trip (1969)
Ekseption 3 (1970)
Ekseption 00.04 (1971)
Ekseption 5 (1972)
Trinity (1973)
Bingo! (1974)
Mindmirror (1975)
Ekseption ’78 (1978)

 

Weblink

http://members.home.nl/ekseption/ (Website zu der niederländischen Band Ekseption)

 

Audio