Emerson, Lake & Palmer

Stichworte P.P. Arnold | The Nice | King Crimson | Atomic Rooster | Bootleg | Yes



Emerson, Lake & Palmer, abgekürzt ELP, britische Progressive-Rock-Band, 1970 gegründet.

Bandbiografie

Der Organist und Pianist Keith Emerson (* 1944) war im Laufe des Jahres 1969 mit seiner Band The Nice zweimal im Rahmen von Konzerten mit den Musikern der Progressive-Rock-Band King Crimson zusammengekommen; King Crimson war auch an der letzten Tour der Nice durch die USA beteiligt. Emerson und der Bassist King Crimsons, Greg Lake (* 1947), kamen ins Gespräch und konstatierten einige Übereinstimmungen hinsichtlich ihrer favorisierten Musik. Die beiden Musiker kamen schließlich überein, gemeinsam eine neue Band zu gründen. Auf der Suche nach einem geeigneten Schlagzeuger wandten sie sich an Mitch Mitchell, ehemals Schlagzeuger in der Jimi Hendrix’ Experience, der jedoch ablehnte. Mitchell sprach allerdings mit Hendrix über die neue Gruppe Emersons, der sich wiederum interessiert zeigte. Inzwischen hatten Emerson und Lake in Carl Palmer den Schlagzeuger für ihre Band gefunden; Palmer hatte wenige Monate vorher mit dem Organisten Vincent Crane das Trio Atomic Rooster gegründet, das er für sein Engagement bei Emerson und Lake verließ. Die neue Band nannte sich nach den Namen der Bandmitglieder Emerson, Lake & Palmer. Hendrix nahm Kontakt zu dem Trio auf und die Musiker verabredeten einige Termine zu gemeinsamen Proben, zu deren Verwirklichung es durch den Tod des Gitarristen jedoch nicht mehr kam.
Emerson, Lake & Palmer traten erstmals am 23. August 1970 in der Guild Hall in Plymouth öffentlich auf. Zwar wurde dieser erste Auftritt nur wenig wahrgenommen, doch bereits mit seinem Auftritt anlässlich des Isle of Wight Festival wenige Tage später machte sich das Trio einem größeren Publikum bekannt. Das Programm bestand – abgesehen von »Rondo« aus dem Repertoire von The Nice – neben der Eigenkomposition »Take a Pebble« vor allem aus zwei Bearbeitungen von Vorlagen aus der Kunstmusik: »The Barbarian« (nach »Allegro Barbaro« von Béla Bartók) und »Pictures at an Exhibition« (nach »Bilder einer Ausstellung« von Modest Mussorgski). Vor allem die Bearbeitung des Klavierzyklus’ von Mussorgski erregte einiges Aufsehen und sicherte dem Trio von Anfang an auch das Interesse der Anhängerschaft von The Nice.
Noch im selben Jahr veröffentlichte die Band ihr Debüt-Album. »Emerson, Lake & Palmer« enthielt neben weiteren neuen Kompositionen zwar auch »The Barbarian«, nicht aber »Pictures at an Exhibition«; fortan kursierten diverse Bootlegs. Mit dem Album »Tarkus« (1971) fügte sich die Band in die Reihe der bedeutenden Progressive-Rock-Bands wie Pink Floyd, Yes und Genesis ein. »Tarkus«, ein Konzeptalbum, hat für den Progressive Rock eine ähnlich große Bedeutung wie etwa »Close to the Edge« (1972) oder »The Lamb Lies Down on Broadway« (1974). Um der Flut von Bootlegs von »Pictures at an Exhibition« entgegen zu wirken, veröffentlichte die Band ebenfalls 1971 den Mitschnitt eines Konzertes in Newcastle – zu einem geringeren als dem üblichen Preis. Mit diesen drei LP erreichten die Musiker den Status von Superstars, den sie mit einer aus dem Album »Trilogy« (1972) ausgekoppelten Single noch steigerten – »From the Beginning« wurde von den Fans der Band noch häufiger gekauft als »Lucky Man«, Greg Lakes Song aus dem ersten Album der Band.
Emerson, Lake & Palmer standen noch vor Mitte der 1970er-Jahre auf der Höhe ihres Erfolges: 1973 gründeten sie ihr eigenes Label, das sie nach einer Figur in »Tarkus« Manticore Records nannten, veröffentlichten mit »Brain Salad Surgery« ein weiteres Album – für das auffällig gestaltete Cover hatten sie den Schweizer Maler und Grafiker H. R. Giger gewonnen, und verwiesen auf einer USA-Tournee selbst Bands wie Deep Purple in ihr Vorprogramm. Für die nach der Veröffentlichung von »Brain Salad Surgery« durchgeführte Welt-Tournee setzte ELP ein, was die Musikelektronik seinerzeit zu bieten hatte und füllte mit dem Equipment mehrere Sattelschlepper. Die Konzerte wurden auf Band konserviert und 1974 auf dem Dreifach-Album »Welcome Back my Friends to the Show that never ends … Ladies and Gentleman, Emerson, Lake & Palmer« in Ausschnitten veröffentlicht.
Im Grunde war die Show damit aber tatsächlich beendet. Die Band benötigte eine Pause, die schließlich mehr als drei Jahre andauerte. Während dieser Zeit veränderte sich die britische Rockmusik radikal. Die Rockhörer wandten sich von der Rockmusik von Pink Floyd, Yes, Genesis und eben auch Emerson, Lake & Palmer ab. Während Punk und wenig später New Wave die Hitparaden Großbritanniens und der USA eroberten, arbeiteten die drei Musiker getrennt, Emerson schrieb ein Konzert für Klavier und Orchester. 1977 veröffentlichte die Band ein Doppelalbum, mit großem Anspruch »Works Volume I« genannt: Je eine LP-Seite war jedem der Musiker vorbehalten, erst auf Seite vier kam die Band zu ihrem Recht. Noch im selben Jahr folgte »Works Volume II«, eine lustlos wirkende Zusammenstellung von Evergreens und Stilzitaten, darunter allerdings auch »I believe in Father Christmas« – der Song von Greg Lake gehört seitdem zum Kanon angloamerikanischer Weihnachtslieder. Die Verkäufe der Alben erreichten allerdings bei Weitem nicht die Größe früherer Veröffentlichungen.
1978 veröffentlichte ELP – unbekümmert um die aktuelle Rockmusik – »Love Beach«. Das Album fiel vor allem bei den Fans der Band durch, weniger wegen der Musik als wegen des Covers, das die Band in seltsamer Aufmachung zeigte – als hätten sich Emerson, Lake und Palmer als Bee Gees verkleidet. Auch dieses Album verkaufte sich gemessen an früheren Alben schlecht. Eine USA-Tournee, die die Band mit einem Orchester 1977 begann, endete in einem Desaster: Nach wenigen Terminen wurde das Orchester entlassen, die Band sagte Auftritte ab und die drei Musiker gerieten über die musikalische Richtung der Gruppe in Streit
»Love Beach« besiegelte nicht nur das Ende von Emerson, Lake & Palmer, sondern auch das des gesamten Genres, zumindest dessen erster Phase: Progressive Rock spielte fortan nur noch eine Nebenrolle. Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer suchten jeder für sich, in der veränderten Rockmusik wieder Fuß zu fassen. Keith Emerson wollte nach einer Solo-LP im Verein mit Lake und dem Schlagzeuger Cozy Powell oder mit Palmer und dem Bassisten Robert Berry, den Trio-Gedanken wieder aufleben zu lassen, doch misslang dies regelmäßig.
1991 hatte Emerson es geschafft, Lake und Palmer zu einer Reunion zu überreden, ein neues Album erschien mit »Black Moon« 1992. Im Anschluss an die Veröffentlichung der CD ging die Band auf eine monatelange Welttournee. Zwar gelang es den drei Musikern noch, mit »In the Hot Seat« (1994) eine weitere CD einzuspielen, doch hatten Emerson und Palmer mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen: Emerson litt an einem RSI-Syndrom, Palmer an einem Karpaltunnel-Syndrom – beide Musiker waren monatelang außerstande, ihre Instrumente zu spielen. Nach mehr als einem Jahr Pause gingen die Musiker wieder auf Tourneen, die in den Jahren 1996, 1997 und 1998 stattfanden. Zu Aufnahmen für ein neues Studioalbum kam es nicht mehr: Lake wollte das Album produzieren – mit Hinweis darauf, dass er in den 1970er-Jahren alle erfolgreichen Alben der Band produziert habe -, Emerson und Palmer warfen dem Bassisten vor, nicht genug für Instrument und Stimme zu tun. Ende 1998 gingen die Musiker wieder getrennte Wege. Erst 2010 kam es zu einer erneuten Annäherung zwischen Emerson und Lake, die Anfang des Jahres gemeinsam eine kleine Tour durch die USA absolvierten. Als die Veranstalter des Progressive-Rock-Festivals High Voltage das Programm für den im Sommer 2010 anstehenden Konzertzyklus präsentierten, konnte das einschlägig interessierte Publikum mit Staunen feststellen, dass die drei Musiker dabei gemeinsam im Konzert auftreten wollten. Palmer sah sich zwar außerstande, dem Konzert mehr Zeit als nötig zu widmen – er fühlte sich mit Asia und seiner eigenen Band ausgelastet -, doch konnte man sich dahin verständigen, das Konzert mit den Klassikern der 1970er-Jahre zu bestreiten. Das Konzert wurde Ende des Jahres 2010 dann auch auf CD veröffentlicht. Zu einer längeren Zusammenarbeit der drei Musiker, gar zur Einspielung neuer Kompositionen, kam es zwar nicht, aber wenigstens wollte Lake mit Emerson auf eine gemeinsame Tournee durch Europa und Japan gehen. Nachdem bei Keith Emerson aber wenig später eine Darmerkrankung festgestellt worden war, musste die Tour abgesagt werden.
Emerson, Lake & Palmer haben mir ihrer Musik – vor allem mit den zwischen 1970 und 1974 veröffentlichten Schallplatten – das Genre Progressive Rock mit begründet und entscheidend geprägt. Keith Emerson, der als erster Rockmusiker den modularen Synthesizer der Firma Moog auf die Bühne brachte, gilt als der Prototyp des Keyboard-Spielers im Progressive Rock, der Piano, Hammond-Orgel und diverse Synthesizer gleichermaßen virtuos beherrscht. Zwar geriet ihm die Hammond-Orgel im Laufe der 1970er-Jahre in den Hintergrund, doch rückte er dafür den Synthesizer in den Mittelpunkt, ihm ist es zum großen Teil zu verdanken, dass das Instrument überhaupt sich als Rockinstrument etablieren konnte, und bis in jüngste Zeit sind Klänge, die zuerst auf Platten von ELP zu hören waren, als Presets auf diversen Synthesizern vorrätig. Greg Lake verband diese Welt der Elektronik mit seinem Gesang und seinem Spiel auf der akustischen Gitarre – etwa in »Take a Pebble«, »Lucky Man« oder »The Sage« – zu einem attraktiven Ganzen, während Carl Palmer, virtuos wie nur wenige andere Rockschlagzeuger, den Drums eine Rolle gab, die sie in der Rockmusik bis dahin nur dann hatten, wenn es sich um vom Jazz beeinflusste Rockmusik handelte.
Die Stellung der Band innerhalb des Progressive Rock ist einzigartig: ELP setzte mit »Tarkus« einen Maßstab, der nur von wenigen Veröffentlichungen des Genres erreicht wurde. Daneben führte Emerson mit ELP fort, was er bei The Nice begonnen hatte: Die Bearbeitung von Werken der traditionellen Kunstmusik. Doch ist der Hauptteil dieser Bearbeitungen auf der ersten LP zu finden, später gab es zwar immer wieder mal ein Stück, das auf Kunstmusik beruhte – darunter die durchaus bemerkenswerte Bearbeitung des vierten Satzes von Alberto Ginasteras erstem Klavierkonzert –, doch standen die Arrangements nicht mehr im Vordergrund. Stattdessen wuchsen die Ambitionen der drei Bandmitglieder – ohne es wohl selbst recht zu bemerken oder gar dem entgegenwirken zu wollen, entfernten sie sich von der Masse der Rockhörer, die, überwältigt von massiv eingesetzter Technik und stupender Musik, sich seit 1977 von der Band abwandten, und nicht wenige sahen diese Musik nicht einmal mehr als Rock an.
Nach dem Ende der Band setzte eine Flut von Veröffentlichungen ein. Gehörte ELP schon immer zu den Bands, von deren Konzertauftritten es eine Unmenge Bootlegs gab, so wurden im Laufe der Jahre zahlreiche Live-Mitschnitte offiziell veröffentlicht, darunter auch eine Aufnahme und ein Film vom Auftritt der Band 1970 auf der Isle of Wight, dem zweiten überhaupt.



Diskografie

Emerson, Lake & Palmer (1970)
Tarkus (1971
Pictures at an Exhibition (1971)
Trilogy (1972)
Brain Salad Surgery (1973)
Welcome Back my Friends to the Show that never ends … Ladies and Gentleman, Emerson, Lake & Palmer (1974)
Works Volume I (1977)
Works Volume II (1977)
Love Beach (1978)
In Concert (1979)
Black Moon (1992)
Live at the Royal Albert Hall (1993)
Works Live (1993)
In the Hot Seat (1994)
Live at the Isle of Wight Festival 1970 (1997)
Then and Now (1998)
The Original Bootleg Series from the Manticore Vaults: Volum One (2001)
The Original Bootleg Series from the Manticore Vaults: Volum Two (2001)
The Original Bootleg Series from the Manticore Vaults: Volum Three (2002)
The Original Bootleg Series from the Manticore Vaults: Volum Four (2006)
At High Voltage (2010)



Literatur

Forrester, George/Hanson, Martyn/Askew, Frank: Emerson, Lake & Palmer – The Show that never ends; London 2001
Emerson, Keith: Pictures of an Exhibitionist; London 2003
Macan, Edward: Endless Enigma – A Musical Biography of Emerson, Lake and Palmer; Chicago 2006



Weblink

http://www.emersonlakepalmer.com/elp2.html (Offizielle Website der britischen Rockband Emerson, Lake & Palmer)