Jon Anderson

Anderson, Jon, eigentlich John Ray Anderson, britischer Rockmusiker (Gesang, Gitarre, Text, Komposition), * Accrington (Lancashire, England) 25.10. 1944. 1970 änderte der Sänger seinen Namen von John auf Jon; auf früheren LPs von Yes findet sich daher auch der Vorname John.

Biografie

Jon Anderson war als Jugendlicher zwar ein wenig mit Musik in direkte Berührung gekommen – er spielte das Waschbrett in Little John’s Skiffle Group –, arbeitet nach der Schulzeit aber als Landarbeiter, Lastwagenfahrer und Milchmann. 1962 schloss er sich allerdings der Band The Warriors an, in der er gemeinsam mit seinem Bruder Tony am Gesangsmikrofon stand. 1967 verließ Anderson die Band, nahm unter dem Namen Hans Christian Anderson zwei Singles auf und sang ein wenig in den Bands The Gun und The Open Mind.

1968 lernte Anderson den Bassisten Chris Squire kennen und ließ sich von ihm überreden, in der Band Mabel Greer’s Toyshop, in der Squire selbst Bass spielte, den Gesang zu übernehmen. Doch schon nach kurzer Zeit verloren die beiden Musiker, wie schon zuvor deren Gitarrist Peter Banks, die Lust an der wenig zielstrebigen Band und gründeten ihrerseits eine eigene Band: Yes. Neben Anderson, Squire und Banks gehörten zu dieser ersten Formation noch der Organist Tony Kaye und der Schlagzeuger Bill Bruford. Anderson fand sich nach einiger Zeit in der keineswegs offiziellen Rolle des Band-Leaders, von seinen Bandkollegen wegen seiner zierlichen Statur scherzhaft Napoleon genannt.

Anderson war bis 1980 Mitglied von Yes und maßgeblich an den klassischen, für die Geschichte der Rockmusik bedeutsamen Alben der Gruppe »Fragile« (1971), »Close to the Edge« (1972), »Tales from Topographic Oceans« (1973) und »Relayer« (1974) beteiligt.

Anderson kehrte später zu Yes zurück, war also wieder von 1983 bis 1988 Mitglied der Band, gehörte dann 1989 zu der Formation Anderson, Howe, Bruford, Wakeman, war 1991 an dem Album »Union« beteiligt und blieb weiterhin in der Band; wegen gesundheitlicher Probleme Andersons musste 2008 eine Tournee abgesagt werden, doch kündigte die Band mit Einverständnis Andersons an, dass für geplante Tourneen 2010 der kanadische Sänger Benoît David von der Yes-Tributeband Close to the Edge den Gesang übernehmen würde.

Anderson hat im Laufe der Jahre, auch parallel zu seinem Engagement bei Yes, immer wieder Solo-Alben aufgenommen und arbeitete mit einer Vielzahl von Rockmusikern zusammen, sang etwa für King Crimson (»Lizard«, 1970), den griechischen Keyboard-Spieler Vangelis (»Heaven and Hell«, 1975; »Short Stories«, 1980), Mike Oldfield (»Crises«, 1983), Toto (»The Seventh One«, 1988), Kitaro (»Dream«, 1988) und Glass Hammer (»Culture of Ascent«, 2007). Andersons Karriere blieb allerdings stets mit Yes verbunden, und außer auf »Drama« (1980) ist er auf jedem Album der Band zu hören.
Anderson ist der eigentlich Urheber des »Klangs« von Yes: Seine hohe, helle Stimme ist so sehr mit Yes verbunden, dass daneben die singulären Spielweisen etwa von Chris Squire und Steve Howe ein wenig in den Hintergrund geraten. Der Sänger, der selbst zwar ab und an zur Gitarre oder keltischen Harfe griff, aber eben kein versierter Instrumentalist ist, schrieb die meisten Texte und entfernte sich dabei im Laufe der Jahre zwischen 1970 und 1975 immer mehr von narrativen Inhalten hin zu Wort- und Vokalreihungen, die er um ihres Zusammenklanges willen, nicht wegen ihrer Bedeutung zusammenstellte. Sein persönliches Interesse an spirituellen Fragen ließ ihn allerdings auch zu Themen greifen, die mitunter wenig mit Rockmusik, dafür mehr mit New Age zu tun haben.

Der hohe, helle Klang der Stimme Andersons hat mitunter zu der Annahme geführt, er singe im Falsett. Wenn Falsettgesang in der Rockmusik auch durchaus üblich ist, so singt gerade Anderson nicht im Falsett, dürfte aufgrund der hohen Lage seiner normalen Sprech- und Singstimme – seine Stimme liegt leicht über dem Tenorbereich – sogar Schwierigkeiten haben, dies zu können. Neben seinen einzigartigen Qualitäten als Sänger darf seine Leistung als Komponist nicht übersehen werden. Gerade die klassischen Alben der Band aus den 1970er-Jahren beruhen zu einem Großteil auf seinen Ideen. Was als Progressive Rock zu gelten hat, bezieht sich zu einem Großteil auf diese Musik.

Diskografie

Jon Anderson Solo

Olias of Sunhillow (1976)
Song of Seven (1980)
Animation (1982)
3 Ships (1985)
In The City of Angels (1988)
Deseo (1994)
Change we must (1994)
Angels Embrace (1995)
Lost Tapes of Opio (1996; Aufnahmen von 1989/1990)
Toltec (1996)
The Promise Ring (1997)
Earth Mother Earth (1997)
The More You Know (1998)

Mit Vangelis als Jon & Vangelis

Short Stories (1980)
The Friends of Mr. Cairo (1981)
Private Collection (1983)
Page of Life (1991)
Chronicles (1994)
Page Of Life (1998; Alternativ-Version ohne Beteiligung von Vangelis)

Weblink

http://www.jonanderson.com/ (Offizielle Website des britischen Rockmusikers Jon Anderson)