Keith Emerson

Emerson, Keith Noel, britischer Rockmusiker (Keyboards, Komposition), * Todmorden (Lancashire, England) 2.11.1945, † Santa Monica (Kalifornien, USA) 10.3.2016

Biografie

Keith Emerson erhielt als Kind privat Klavierunterricht bei örtlich ansässigen Klavierlehrerinnen. Nach der Schulzeit begann er eine Banklehre, verbrachte aber viel Zeit in lokalen Jazz- und Rockgruppen, spielte im Worthing Youth Swing Orchestra, leitete ein unter seinem Namen firmierendes Jazz-Trio und saß in der Blues-Band John Brown’s Body am Klavier. In Brighton traf er auf den Schlagzeuger Brian Walkley, der ihn zu den Proben der Rhythm & Blues-Band Gary Farr & The T-Bones mitnahm. Als Farr ihn für seine Band engagierte, vollzog Emerson den Schritt vom Amateur zum professionellen Musiker; in dieser Band auch wechselte er vom Klavier zur Hammond-Orgel und orientierte sich mit seinem Spiel an Organisten wie Brother Jack McDuff und Georgie Fame. 1967 schloss er sich der Blues-Band The V.I.P.s an. In dieser Band begegnete er dem Bassisten Lee Jackson, mit dem er von der Soul-Sängerin P.P. Arnold für deren Begleit-Band engagiert wurde. Zu Arnolds Backing Band gehörten auch der Gitarrist David O´List und der Schlagzeuger Ian Hague. Unter dem Namen The Nice machten sich die vier Musiker selbständig – Hague war durch Brian Davison ersetzt worden – und veröffentlichten im November 1967 ihre erste Single.

Als The Nice sich Mitte 1970 auflöste, gründete Emerson gemeinsam mit dem Bassisten Greg Lake von King Crimson und dem Schlagzeuger Carl Palmer von Atomic Rooster die Band Emerson, Lake & Palmer. Nach höchst erfolgreichen Jahren brach die Band 1978 auseinander und Emerson zog sich zurück. Gelegentlich schrieb er Filmmusik (»Inferno«, 1980; »Nighthawks«, 1981; »Godzilla: Final Wars«, 2004) und veröffentlichte Solo-Alben. Mehrmals versuchte er innerhalb eines Trios – mal mit Lake und dem Schlagzeuger Cozy Powell, mal mit Palmer und dem Bassisten Robert Berry – ein Comeback, doch misslangen diese Versuche. 1991 kam es zu einer erneuten Zusammenarbeit mit Lake und Palmer, es wurden einige Studio- und Live-LPs veröffentlicht, doch konnten die Musiker nicht mehr an das frühere Erfolgsniveau anknüpfen. 1999 löste sich die Band erneut auf.

Eine Nervenerkrankung an der rechten Hand zwang Emerson zeitweilig, seine Karriere als Pianist und Organist aufzugeben. Nach Rekonvaleszenz kam es Anfang des neuen Jahrtausends zu einer Reunion mit Jackson und Davison, die 2002 in einigen Konzerten mit den alten Weggefährten ihren Höhepunkt hatte; der Mitschnitt des Konzertes wurde 2003 veröffentlicht. 2008 stellte Emerson eine Band zusammen, zu der der Gitarrist Marc Bonilla, der Bassist Travis Davis und der Schlagzeuger Tony Pia gehören; Emerson arbeitete bereits in den 1990er-Jahren mit Bonilla zusammen. Unter dem Titel »Keith Emerson Band featuring Marc Bonilla« legte Emerson 2008 eine CD vor. Eine geplante Tournee der Band musste wegen erneuter Erkrankung Emersons abgesagt werden. Gesundheitliche Probleme verhinderten auch eine Tournee durch Europa und Japan, die er nach einem Auftritt von ELP bei dem High Voltage Festival Mitte 2010 gemeinsam mit Greg Lake aufnehmen wollte: Im Herbst 2010 musste sich Emerson einer Darmoperation unterziehen, die die Absage der Tourneen nach sich zog.

Der Name Keith Emersons steht in der Rockmusik für die Hauptströmung des Classical Rock, der eine Richtung innerhalb des Progressive Rock darstellt. Die starke Ausrichtung dieser Spielart der Rockmusik auf Keyboard-Instrumente wie Klavier, Hammond-Orgel und Synthesizer geht auf die Vormachtstellung Emersons in den Jahren 1967 bis etwa 1974 zurück. Emerson legte den Synthesizer früh als Rockinstrument fest und bestimmte mit seiner Musik und seiner Spielweise bis in die 1990er-Jahre hinein die Klangwelt dieser Instrumente. Wesentliche Entwicklungen in der Synthesizertechnik gehen darauf zurück, dass Emerson den Synthesizer im Konzert benutzte. So ist die Entwicklung des Minimoogs, des Poly Moogs und des Memory Moogs Resultat der Bedürfnisse von Rockmusikern – die um 1970 fast ausnahmslos Emerson nacheiferten. Neben den Instrumenten der Firma Moog verwendete Emerson jahrelang den GX1-Synthesizer der Firma Yamaha, später die ersten polyphonen Synthesizer der japanischen Firma Korg, PS-3300 und PS-3100.

Als Organist schuf er einen von Brother Jack MacDuff und Georgie Fame beeinflussten singulären Orgelstil, der als der erste genuine Rock-Orgelstil anzusehen ist. Sein Hauptinstrument war dabei eine Hammond C3, während eine Hammond L 100 für diverse Show-Einlagen – das Instrument wurde hin- und her bewegt, zu Boden geworfen, schließlich stach Emerson mit einem Messer auf die Tastatur ein – herhalten musste. Der Legende nach erhielt er das Messer von Lemmy Killmister, früher Roadie bei The Nice, später Bassist der Heavy-Metal-Band Motörhead.

Keith Emersons Klavierstil ist vom Boogie bestimmt, dessen Elemente immer wieder in seinen Improvisationen auftauchen. Daneben verfügt Emerson über eine immense Kenntnis insbesondere der Klavierliteratur der europäischen Kunstmusik. Emersons Ambitionen, mit epigonalen Kompositionen – wie etwa seinem »Piano Concerto No. 1« – auch selbst auf dem Gebiet der Kunstmusik zu reüssieren, schlugen fehl. Es sind einmalige Ereignisse, die weder innerhalb der Rockmusik noch innerhalb der Kunstmusik etwas bedeuten. Doch dürfte aus der Kunstmusik sein Antrieb herrühren, immer wieder zu ausgedehnten Formen und orchestralen Effekten zu greifen. Emerson ist daher als Rockmusiker nicht unumstritten bis hin zum Vorwurf, überhaupt kein Rockmusiker zu sein, wenn er auch bei Leser-Abstimmungen in einschlägigen Instrumentenmagazinen viele Jahre lang als eindeutiger Sieger hervorging.

Diskografie

Inferno (1980; Soundtrack)
Nighthawks (1981; Soundtrack)
The Best Of Keith Emerson (1985)
Honky (1985)
Best Revenge(1986; Soundtrack)
Murderrock (1986; Soundtrack)
Harmageddon (1987)
Emerson – The Christmas Album (1988)
Changing States (1995)
Emerson plays Emerson (2002)
La Chiesa (2002; Soundtrack)
Godzilla: Final Wars (2004; Soundtrack)
At the Movies (2005)
Hammer it out (2005)
Off the Shelf (2006)

Mit Keith Emerson Band

Keith Emerson Band (2008)

Literatur

Emerson, Keith: Pictures of an Exhibitionist; London 2003
Hanson, Martyn: Hang on to a Dream – The Story of The Nice; London 2002
Forrester, George/Hanson, Martyn/Askew, Frank: Emerson, Lake & Palmer – The Show that never ends; London 2001
Macan, Edward: Endless Enigma – A Musical Biography of Emerson,Lake and Palmer; Chicago 2006

Weblink

www.keithemerson.com (Offizielle Website des britischen Rockmusikers Keith Emerson)