Refugee

Refugee, britische Rockband, 1973 gegründet.

Bandbiografie

Nach Auflösung des Rock-Trios The Nice 1970 gründete der Organist und Pianist der Band, Keiht Emerson (* 1944) das Trio Emerson, Lake and Palmer. Der Bassist Lee Jackson (* 1943) gründete Jackson Heights und der Schlagzeuger Brian Davison (* 1942, † 2008) Brian Davison’s Every Which Way. Emerson wurde mit ELP zum Superstar des Progressive Rock, doch Jackson und Davison hatten weit weniger Erfolg. Jackson veröffentlichte mit seiner Band zwar einige LPs, doch litt Jackson Heights unter ständigem Musikerwechsel. Als der Bassist wieder einmal nach neuen Musikern suchte, stieß er auf den Schweizer Keyboardspieler Patrick Moraz (* 1948). Moraz hatte zuvor in der Band Mainhorse gespielt und war nach England gegangen, um auf dem größeren und daher lukrativeren englischen Markt Fuß zu fassen. In der Zusammenarbeit mit Moraz, der starkes Interesse an Jazz und Jazz Rock hatte, sah Jackson schließlich die Möglichkeit, wieder ein Trio zu gründen. Er löste Jackson Heights auf und überzeugte Brian Davison, Schlagzeuger des neuen Trios zu werden. Beziehungsreich wurde das Trio Refugee genannt.
Refugee hatte zunächst den erwarteten Erfolg. Nach kurzer Zeit schon wurden Moraz, Jackson und Davison für diverse Konzerte gebucht, die sie mit neuen eigenen Kompositionen und älterem Material aus dem Repertoire von The Nice bestritten. 1973 gab ihnen Tony Stratton-Smith, Inhaber des renommierten, 1968 gegründeten Labels Charisma Records, einen Vertrag.
Ein Jahr später erschien das Debütlabum »Refugee« (1974), mit dem sich das Trio von Anfang an einen eigenen Platz innerhalb des Progressive Rock erobern konnte. Mit Moraz an den Keyboards war Refugee eine ernstzunehmende Konkurrenz für Emerson, Lake und Palmer und Yes gleichermaßen.
Refugee ging nach Veröffentlichung des Albums auf Tournee. Als die Planungen für das zweite Album anstanden, entschloss Moraz sich, das Angebot von Jon Anderson und Chris Squire anzunehmen, Rick Wakeman zu ersetzen; Wakeman hatte den Dienst bei Yes quittiert. Jackson und Davison sahen es als unmöglich an, adäquaten Ersatz für Moraz zu finden und lösten Refugee auf.
Refugee hatte als Band durchaus das Potenzial, Emerson, Lake & Palmer wie Yes Paroli bieten zu können. Moraz, der noch mehr auf Elemente aus dem jüngeren Jazz in sein Spiel integrierte als Emerson, bestimmte die musikalische Richtung der Band und auch das einzige Album, das er mit Yes aufnahm (»Relayer«; 1974), zeigte seine singuläre Stellung innerhalb der Rockmusik, die er neben Wakeman und Emerson einnimmt. Auch die auf dem einzigen Studioalbum und dem Mitschnitt eines 1974 gegebenen Konzertes der Band vertretenen Kompositionen zeigen die Musiker auf der Höhe der Zeit: Es finden sich hier mit der fünfsätzigen »Grand Canyon Suite« und dem achtsätzigen »Credo« ausgedehnte formale Prozesse, die in Anspruch und Durchführung wenigstens in Teilen mit Emerson, Lake & Palmers »Tarkus« oder »Close to the edge« von Yes verglichen werden können. Moraz‘ Entscheidung für Yes war für Jackson und Davison zwar fatal endgültig, für Yes aber auf jedenFall ein Gewinn und für ihn selbst schicksalhaft – fortan gehörte er wirklich zur Creme der britischen Rockmusik.



Diskografie

Refugee (1974)
Refugee – Live in Concert (2007; Aufnahme von 1974)