Renaissance (Band)

Stichworte Klavier | Orchester | Curved Air | Zitat



Renaissance, britische Progressive-Rock-Band, 1969 in London gegründet.

Bandbiografie

Der Sänger Keith William Relf (* 1943, † 1976) und der Schlagzeuger Jim McCarty, eigentlich James Stanley McCarty, (* 1943) hatten nach dem Bruch ihrer Band The Yardbirds 1968 zunächst versucht, ein Duo zu bilden, stockten dieses aber Anfang 1969 zu einer Band auf. Zusammen mit der Sängerin Jane Relf, Schwester von Keith, (* 1947), dem Bassisten Louis Cennamo (* 1946), vorher bei The Herd, und dem Pianisten John Christopher Hawken (* 1940) wollten Relf und McCarty unter dem Namen Renaissance mit einer Mischung von Rock, Folk und traditioneller Kunstmusik einige Strömungen der britischen Rockmusik jener Zeit aufgreifen und zu einem schlüssigen Ganzen verbinden. Zwar gelang es der Band schnell, bei dem Schallplatten-Label Elektra Records einen Vertrag zu bekommen, auch trat Renaissance häufig auf, doch warf die Vergangenheit besonders von Relf und McCarty lange Schatten: Das Publikum erwartete von den beiden ehemaligen Yardbirds-Musikern schlichtweg eine andere Musik als den artifiziellen und noch keineswegs übermäßig populären Progressive-Rock, den die Band tatsächlich präsentierte. So war die erste Formation der Band bereits 1970 am Ende; das nach der Veröffentlichung von »Renaissance« (1969) gerade in Angriff genommene zweite Album blieb zunächst unvollendet. Hawken allerdings mochte nicht so schnell aufgeben und arbeitete mit Jane Relf und einigen Musikern seiner früheren Band The Nashville Teens, darunter der Sänger Terry Crowe, an dem Album weiter. Aber auch Relf und McCarty blieben nicht untätig, engagierten den Keyboard-Spieler Don Shin und steuerten zu »Illusions«, wie das 1971 dann endlich zumindest in Deutschland veröffentlichte Album hieß, einen Track bei; in Großbritannien konnte man die LP erst 1976 kaufen. Personell konsolidiert war Renaissance damit nicht: Jane Relf ging, wurde durch die amerikanische Sängerin Marie-Louise Cullom ersetzt, Hawken ging zu Spooky Tooth, für ihn kam John Tout, Relf und McCarty zogen sich auf die Organisation zurück. Beide waren noch in das Engagement der Sängerin Annie Haslam einbezogen, die Marie-Louise Cullom ersetzte, und McCarty schrieb auch weiter Songs für die Band, doch Relf ging endgültig.
Hawken hatte den Gitarristen Michael Dunford in die Band gebracht, der sich mit der ebenfalls von Hawken angesprochenen Texterin Betty Thatcher-Newsinger gut verstand und bald mit ihr maßgeblich für Texte und Kompositionen verantwortlich zeichnete. So bestand Renaissance Ende 1971 aus Annie Haslam, Dunford, Tout, dem Bassisten Jon Camp und dem Schlagzeuger Terence Sullivan; Betty Thatcher-Newsinger wirkte im Hintergrund. Fast wichtiger war, dass der Manager Miles Copeland, Bruder des Drummers Steve Copeland (Curved Air, The Police) die Geschicke der Band übernommen hatte und gleich die Zuständigkeiten in der Band neu regelte: Annie Haslam sollte im Zentrum stehen, Hawken mehr Gewicht im Gesamtklang der Band erhalten. So ging Renaissance nach nur wenigen Konzerten in der neuen Besetzung ins Studio und legte 1972 »Prologue« vor.
Nach der obligaten Tour zum Album standen die Aufnahmen zur nächsten LP an. Die Band hatte sich mittlerweile ein gewisses Renommee erarbeitet, wenn sich dies auch nicht in Platzierungen in den Charts ausdrückte. Für »Ashes are burning« (1973) steuerte Andy Powell, Gitarrist der Band Wishbone Ash, für das etwa 20 Minuten einnehmende Titelstück ein markantes Gitarrensolo bei, und tatsächlich erreichte Renaissance mit dieser LP erstmals eine Notierung in der US-Hitparade. Copeland nahm dies zum Anlass, die Band mehr auf den amerikanischen Markt auszurichten. Der Anteil der Folk-Elemente wurde zugunsten eines melancholischen, etwas pathetischen Progressive Rock zurückgedrängt. »Turn of the Cards«, 1974 auf Copelands eigenem Label BTM Records vorgelegt, wartete dann auch mit langen Stücken auf, eines davon, »Mother Russia, « dem russischen Schriftsteller Alexander Solschenizyn gewidmet. In ähnlicher Weise gearbeitet, enthielt das 1975 präsentierte Album »Scheherazade and other Stories« eine Vertonung von Motiven der Märchensammlung von Tausend und eine Nacht.
Der Erfolg der Gruppe wuchs langsam, aber stetig, wenn auch fast nur in den USA, wo das Album »Novella« 1977 immerhin Platz 46 der LP-Hitparade einnehmen konnte. Lediglich die Single »Northern Light« brachte es 1978 bis auf den zehnten Platz der britischen Charts. Zu schaffen machte Renaissance allerdings, dass sich gegen Ende der 1970er-Jahre die britischen Orchestermusiker in Gewerkschaften organisierten, und die Band ihren angestammten Gruppenklang mit Synthesizern nachzuahmen versuchte. Die ohnehin schmale Fan-Basis in Großbritannien nahm das übel und größere Erfolge im Heimatland rückten in weite Ferne. So begann die Band zu bröckeln: Erst ging Tout, dann Sullivan. Die übrigen Musiker suchten das Heil in der Flucht nach vorn, die Alben »Camera Camera« (1981) und »Time-Line« (1983) brachten aber nicht das erhoffte neue Publikum, sondern verschreckten gründlich das alte, so dass nun auch der Erfolg in den USA nachließ; ohnehin hatten sich die Rundfunkstationen in den USA innerhalb weniger Jahre anders orientiert und Progresive Rock hatte kaum noch eine Chance. Auch Camp ging dann 1985, Annie Haslam und Dunford versuchten noch bis 1987 das Überleben als Folk-Duo, gaben dann aber auch auf.
Mitte der 1990er-Jahre reformierten sowohl Annie Haslam als auch Dunford eigene Bands unter dem Namen Renaissance, taten sich 1998 mit Sullivan und Tout erneut unter dem Namen zusammen – zeitweilige gehörte auch Roy Wood, früher bei The Move und Electric Light Orchestra zu der Formation -, dann wieder war Renaissance lediglich nur ein Trio, nach der Jahrtausendwende noch einmal eine Band, man ging sogar auf Tournee und veröffentlichte ein Live-Album, doch löste sich Renaissance etwa Mitte des Jahrzehnts erneut auf.
Die erste Inkarnation von Renaissance zeigte mit der Musik ihres Debütalbum »Renaissance« weit mehr Ähnlichkeit mit der Musik von The Mamas & The Papas oder vielleicht sogar The Fifth Dimension. Erst als die Band sich Anfang der 1970er-Jahre konsolidierte, bildete sich der spezifische Klang dieser Band heraus: Er basierte vor allem auf Klavier, Schlagzeug und Bass, die Gitarre spielt selten eine herausragende Rolle und viele Arrangements machten üppigen Gebrauch der Klänge, die ein Orchester zur Verfügung stellen kann. Über allem aber schwebte die Stimme von Annie Haslam. Diese Mischung von Klavier, Orchester und Folk-Gesang hatte natürlich per se ihren Reiz, und so war es nahezu gleichgültig, was die Band da eigentlich vortrug: Von den vielen mal mehr, mal weniger ausgedehnten Kompositionen, in denen hier und da auch Zitate aus Kompositionen der Kunstmusik auftauchten, hat es eigentlich nur »Ashes are burning« zu einem die Zeit überdauernden Ruhm gebracht.



Diskografie

Renaissance (19699
Illusion (1970)
Prologue (1971)
Ashes are burning (1973)
Turn of the Cards (1974)
Scheherazade and other Stories (1975)
Live at Carnegie Hall (1976)
Novella (1977)
A Song fro all Seasons 81978)
Azure d’Or (1979)
Camera camera (1981)
Time-Line (1983)
Tuscany (2001)
In the Land of the Rising Sun: Live in Japan 2002 (2002)



Weblink

http://www.renaissancetouring.com (Offizielle Website der britischen Band Renaissance)
http://www.nlightsweb.com/ (Website zu der britischen Band Renaissance)
http://www.anniehaslam.com/ (Offizielle Website der britischen Sängerin Annie Haslam)