Sigur Rós

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Sigur Rós, isländische Rockband, 1994 in Reykjavik gegründet; der Name der Band geht auf den Namen der Schwester des Gründers Jón Þór Birgisson (* 1975; Gesang, Gitarre, Komposition, Text) zurück, die am Tag der Bandgründung geboren wurde und den Vornamen Sigurrós trägt.

Bandbiografie

Birgisson war seit Anfang der 1990er-Jahre bereits Mitglied in verschiedenen konventionellen isländischen Rockbands gewesen – darunter stoned und Bee Spiders -, bevor er mit dem Bassisten Goggi Hólm, eigentlich Georg Hólm (* 1976), und dem Schlagzeuger Ágúst Ævar Gunnarsson Sigur Rós ins Leben rief. Bei Sigur Rós nannte Birgisson sich Jónsi und setzte damit eine eigene Tradition fort, hatte er sich doch früher schon die Namen Frakkur und Jonny B gegeben.
Sigur Rós erhielt bald bei dem den Sugarcubes gehörenden Label Bad Taste Records einen Vertrag und veröffentlichte 1997 mit »Von« das erste Album. Da die Band mit dem Ergebnis allerdings nicht sonderlich zufrieden war, wurde von dem Album ein Remix angefertigt, der 1998 unter dem Titel » Von brigði« erschien. Im selben Jahr stieß der traditionell am Klavier ausgebildete Keyboard-Spieler Kjarri Sveinsson, eigentlich Kjartan Sveinsson (* 1978) zu der Band. In dieser Besetzung wurde das zweite Album, »Ágætis byrjun« aufgenommen. Mit der 1999 veröffentlichten CD wurde die Band über ihr Heimatland hinaus bekannt. Als im gleichen Jahr Gunnarsson Sigur Rós verließ, schien zunächst das Ende der Gruppe besiegelt, doch fand Birgisson in dem Drummer Orri Páll Dýrason (* 1977) noch 1999 adäquaten Ersatz. Mit Dýrason ging die Band auf Tournee und spielte unter anderem im Rahmen einiger Konzerte von Radiohead.
Songs von »Ágætis byrjun« waren Anfang des neuen Jahrtausends in die Soundtracks von Filmen und Fernsehfilmen integriert worden und steigerten auf diese Weise den Bekanntheitsgrad der ungewöhnlichen Band, die allerdings unbeirrt ihren Weg fortsetzte: Vor der Veröffentlichung von »Rímur« legte Sigur Rós eine EP vor, an der der isländische Fischer Steindór Andersen mitgewirkt und zu der Musik der Gruppe isländische Gedichte rezitiert hatte.
In den folgenden Jahren legte die Band neben drei Alben – »( )« (2002), »Takk…« (2005) und » Með suð í eyrum við spilum endalaust« (2008) eine Vielzahl von Singles, EPs, Soundtracks und DVDs vor. In der Musik der Formation hatten Elemente der traditionellen Kunstmusik eine bedeutende Stellung eingenommen; Sveinsson schrieb Arrangements für kleine und größere Streichergruppen, häufig trat die Band gemeinsam mit dem isländischen Streichquartett Amiina auf. Merce Cunningham gab eine Ballettmusik in Auftrag und 2005 steuerte Sigur Rós Musik zu einer Aufführung von Hans Christian Andersens »Das Mädchen mit den Schwefelhölzern« durch das Königliche Ballett Dänemark bei. Von ihren eigenen CDs und DVDs verkaufte Sigur Rós im Laufe der Jahre über zwei Millionen Exemplare.
Die Musik von Sigur Rós sprengt sicherlich die Grenzen von Rockmusik: Einerseits wurzelt sie zwar in der Musik von Yes – etwa zur Zeit von »Tales from Topographic Oceans« (1973) –, Pink Floyd und Coctau Twins, verwendete Birgisson doch für seine Songs die sinnlose Kunstsprache Vonlenska, wie seinerzeit Jon Anderson und Liz Frazer Worte um ihres Klanges willen aneinanderreihten, andererseits aber sind die Elemente aus der jüngeren traditionellen Kunstmusik unübersehbar. Birgisson, der zumeist im Falsett singt, spielt seine elektrisches Instrument häufig mit einem Cellobogen, wie es schon Jimmy Page von Led Zeppelin und Lee Jackson von The Nice taten. Doch steht dies weniger im Zentrum der Musik als vielmehr der Rückgriff auf die Minimal Music etwa eines Philip Glass. Diese wird indes nicht puristisch als Inspirationsquelle genutzt, sondern in einer Weise, die an die spielerische Musik des Penguin Café Orchestras Simon Jeffes’ erinnert. Aus all diesen Ingredienzien erschafft Birgisson eine singuläre, versponnene, meist sehr melancholische Musik, die seltsam richtungslos erscheint. Erstaunlicherweise finden die Klanggemälde von Sigur Rós weltweit ein großes Publikum.

 

Diskografie

Von (1997)
Ágætis byrjun (1999)
( ) (2002)
Takk… (2005)
Með suð í eyrum við spilum endalaust (2008)
Inni (2011)
Valtari (2012)

 

Weblinks

http://www.sigur-ros.co.uk/index2.php (Offizielle Website der isländischen Band Sigur Rós)
http://www.sigurros-music.de/ (Offizielle deutsche Website der isländischen Band Sigur Rós)