The Moody Blues

Stichworte Decca Records Ltd. | Deram Records | Mellotron | Sinfonie | Querflöte | Yes | Genesis



Moody Blues, The, britische Progressive-Rock-Band, 1964 aus diversen Vorgängerbands in Birmingham hervorgegangen

Bandbiografie

Der Sänger und Flötist Ray Thomas (* 1941), der Sänger und Bassist John Lodge (* 1945) und der Sänger und Keyboard-Spieler Mike Poinder, eigentlich Michael Thomas Pinder, (* 1941) hatte in der Rhythm ’n’ Blues-Band El Riot & the Rebels zusammengespielt. Nachdem die Band wegen divergierender persönlicher Interessen der Mitglieder auseinanderbrach, gründete Pinder mit Thomas die Formation Krew Cats. Zu der Band stießen der Sänger und Gitarrist Denny Laine, eigentlich Brian Frederick Arthur Hines, (* 1944), der Schlagzeguer Graeme Charles Ede (* 1941) und der Bassist Clint Warwick (* 1940). 1964 benannten die Musiker ihre Band in Anlehnung an Duke Ellingtons Komposition »Mood Indigo« in Moody Bues um. Bereits nach wenigen Wochen konnten die Musiker bei Decca Records einen Vertrag unterschreiben und die Single »Steal Your Heart away« veröffentlichen. Zwar war schon diese Single durchaus erfolgreich, doch wurde die Band erst mit der zweiten Single, »Go now!« (1964), einem Song von Larry Banks und Milton Bennett, einem größeren Publikum bekannt – nicht zuletzt, weil zu dieser Single ein kleiner Promotion-Film gedreht wurde, für Rockmusik seinerzeit ein absolutes Novum.
1965 legte die Band mit »The Magnificient Moodies« ihr erstes Album vor. Entsprechend der damaligen Gepflogenheiten enthielt die Platte neben den zuvor veröffentlichten Singles vor allem Cover Versions von Beat- und R&B-Songs, doch auch einige Kompositionen von Denny Laine und Michael Pinder. Mit Veröffentlichung der LP schienen die Möglichkeiten der Band aber auch schon erschöpft, einige weitere Singles verzeichneten nicht den erwarteten Erfolg, Warwick verließ The Moody Blues, dann gingen auch Laine und Clark. Pinder mochte allerdings nicht aufgegeben, holte Lodge als Bassisten und fand in Justin Hayward, eigentlich David Justin Hayward, (* 1946) auch einen geeigneten neuen Sänger und Gitarristen. Da Hayward ebenfalls selbst Songs schrieb, kamen die Musiker überein, ihr Glück nicht mehr mit dem Nachspielen amerikanischer Bluesstücke zu versuchen, sondern ausschließlich auf eigene Kompositionen zu setzen. Als Pinder sich ein Mellotron kaufte, änderte sich auch der Gruppenklang radikal.
Zwar lief zur gleichen Zeit der Vertrag mit Decca aus, doch kam The Moody Blues bei dem gerade gegründeten Unterlabel der Firma Deram Records, unter. Deram für exakt für die Musik eingerichtet worden, die Pinder, Hayward und Thomas nun favorisierten, und die später Progressive Rock genannt werden sollte. Das Label erwartete Gewaltiges von The Moody Blues: Sie sollten, auch um eine neue stereophone Technik zu demonstrieren, eine Rock-Fassung von Antonin Dvo?áks Sinfonie Nr. 9 »Aus der Neuen Welt« aufnehmen, unter Einsatz eines veritablen Orchesters. Halbherzig willigten die Musiker ein, doch stellte sich bald heraus, dass die Band das vorgegebene Ziel nicht erreichen wollte. Stattdessen setzten die Musiker auf Eigenes und veröffentlichten 1967 unter den skeptischen Blicken der Deram-Manager »Days of Future passed«, ein ambitioniertes Konzeptalbum, bei dem neben dem erweiterten Rock-Instrumentarium der Band eben ein Orchester, das London Festival Orchestra, zum Einsatz kam. Produziert hatte das Album Tony Clarke, der der Band jahrelang als Produzent verbunden blieb.
»Days of Future passed« war immens erfolgreich, nicht zuletzt Dank des Erfolges der Single »Nights in white Satin«, ein Klassiker der Rockmusik. 1968 veröffentlichte The Moody Blues »In Search of the lost Chord«, 1969 »On the Treshold of a Dream«. Danach gründete die Band ihr Label Treshold Records und legte im selben Jahr »To our Children’s Childrens Children« vor. All diese LP waren frühe Zeugnisse des Progressive Rock, farbig und opulent instrumentiert, aber kaum auf die Konzertbühne zu bringen. So veröffentlichte die Band 1970 das Album »A Question of Balance«, um auch bei Live-Auftritten überzeugen zu können. Zwar blieb der Erfolg trotz dieser musikalischen Kehrtwendung der Band treu, doch kehrten die Musiker mit »Every good boy deserves Favour« (1971) und »Seventh Sojourn« (1972) zum orchestralen Breitwand-Klang zurück. Nach einer ausgedehnten Tour durch Asien beschlossen die Musiker, eine Pause einzulegen, doch bleib es unklar, ob es nur eine kurzes Atemschöpfen oder der Bruch der Band sein sollte.
Bis 1977 erschienen einige Solo-Alben der Musiker, dann entschlossen sie sich, The Moody Blues wieder aufleben zu lassen. Der alte Gruppengeist stellte sich allerdings nicht mehr ein und Pinder verließ noch vor Abschluss der Aufnahmen die Band. »Octave« kam 1978 in die Plattenläden und für die sich anschließende Tournee fand die Band in Patrick Moraz, vorher bei Yes, den geeigneten Ersatzmann für Pinder. Moraz blieb auch nach Abschluss der Tour 1979 bei The Moody Blues.
Im Laufe der 1980er-Jahre veröffentlichte die Band eine Reihe von Alben, doch änderte sich allmählich der Gruppenklang. Thomas, stets im Zentrum der Band, wurde an den Rand gedrängt, die Kompositionen wurden, auch unter dem Einfluss wechselnder Produzenten, einfacher und näherten sich gegen Ende der 1980er-Jahre gar dem seinerzeit beliebten Synth-Pop an, bis Moraz, dem mit Bias Boshell längst ein zweiter Keyboards-Spieler zur Seite gestellt worden war, sich 1991 öffentlich Luft machte und danach die Band verließ.
Mit Boshell und dem neuen Mann Paul Bliss, Ersatz für Moraz, machte die Band unverdrossen weiter, ging – immer mit weiteren Musikern – auf Tournee. Moraz hatte die Band verklagt, wie seinerzeit Pinder, doch schien das Hayward, Lodge und Edge nicht weiter zu beeindrucken. Von 1991 bis 1998 gingen die Musiker zwar nicht für ein neues eigenes Album ins Studio, veröffentlichten aber 2000 mit »Hall of Fame« einen Konzertmitschnitt. 2003 reichte es dann noch für ein Weihnachtsalbum, danach waren die Musiker nicht mehr im Studio, sondern nur auf der Bühne zusehen.
Wenn The Moody Blues auch zu den Progressive-Rock-Bands der ersten Stunde zählt –als es den Begriff noch gar nicht gab –, so wird diese Gruppe dennoch nicht zu den Großen des Genres gezählt – nicht zu Recht. Denn zur Popularisierung des Progressive Rocks haben Pinder, Thomas, Hayward und Edge Einiges beigetragen – an den obligaten Einsatz von Orchester, Mellotron, exotischen Instrumenten, Konzepten und ungewohnter Thematik musste ein Rockpublikum sich erst gewöhnen. So mag zwar die Musik der Band nicht so ausdifferenziert wie die von Yes, nicht so »englisch« wie die von Genesis und nicht so technisch überwältigend wie die von Emerson, Lake & Palmer gewesen sein, aber sie kann auch nicht auf den einen Song, »Nights in white Satin« zurückgeführt werden – einen Song wie diesen kann aber kaum eine Band vorweisen.



Diskografie

The Magnificent Moodies (1965)
Days of Future Passed (1967)
In Search of the lost Chord (1968)
On the Threshold of a Dream (1969)
To our Children’s Children’s Children (1969)
A Question of Balance (1970)
Every good Boy deserves Favour (1971)
Seventh Sojourn (1972)
Caught Live + 5 (1977)
Octave (1978)
Long Distance Voyager (1981)
The Present (1983)
The other Side of Life (1986)
Sur La Mer (1988)
Keys of the Kingdom (1991)
A Night at Red Rocks (1993)
Strange Times (1999)
Hall Of Fame – Live at the Royal Albert Hall (2000)
December (2003)
Lovely To See You – Live At The Greek (2005)
Live at the BBC (1967–1970) (2007)
Live at the Isle of Wight – 1970 (2008)



Weblink

http://www.moodyblues.co.uk/ (Offizielle Website der britischen Band The Moody Blues)