Quintessence (Band)

Quintessence, international besetzte Progressive- und Psychedelic-Rock-Band, 1969 von dem in Melbourne geborenen Flötisten Ronald Rothfield (* 1941)in Notting Hill, London, gegründet.
Rothfield hatte schon Ende der 1950er-Jahre ein Leben geführt, wie es erst in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre zum Ideal der Hippies wurde: Ungebunden, mobil, spirituell aufgeschlossen. Als etwa ab 1965 die Rockmusik, nicht zuletzt angeregt durch die Beatles, ihr musikalisches Spektrum stark erweiterte, und auch die Volksmusik anderer als europäischer Länder auf das Interesse von Rockmusikern stieß, fasste Rothfield den Entschluss, aufbauend auf dieser Entwicklung wie auf seine eigenen Erfahrungen eine Band zu gründen. Mittels Anzeigen in der Musikzeitschrift »Melody Maker« fand er die ihm geeignet erscheinenden Mitstreiter: den australischen Sänger und Keyboardspieler Phil Jones, den kanadischen Schlagzeuger Jake Milton, den US-amerikanischen Bassisten und Gitarristen Richard Vaughn, den von der Insel Mauritius kommenden Gitarristen und Vina-Spieler Allan Mostert – einziger gebürtiger Engländer war der Gitarrist Dave Codling.
Die sich ähnelnden Interessen der Musiker beschränkten sich nicht auf die Musik: Angeregt von dem Hindu Swami Ambikananda gaben sie sich neuen Namen. Rothfield nannte sich fortan Raja Ram, Jones Shiva Shankar, Vaughan Sambhu Babaji und Codling Maha Dev; nur Mostert und Milton wollten ihre Namen behalten, bekannten sich aber dennoch zum Hinduismus.
Die Band machte sich in London schnell einen Namen, zumal die Musiker aus ihrer Liebe zur indischen Kultur und zum hinduistischen Glauben keinen Hehl machten, beispielsweise ihren Mentor mit weiteren Glaubensbrüdern mit auf die Bühne nahmen, Räucherstäbchen entzündeten und die Bühne mit allerlei aus Indien stammenden Requisiten ornamentierten. Bedeutsamer war, dass den indischen Vina, Sitar und Tabla tatsächlich wesentliche Rollen im Instrumentarium der Band zugewiesen wurden und die Konzerte häufig aus einer einzigen lang andauernden Improvisation bestanden, darin den Konzerten von The Grateful Dead ähnlich. Schon nach recht kurzer Zeit, noch 1969, erhielt Quintessence bei dem Label Island Records einen Vertrag und veröffentlichte ebenfalls noch 1969 mit »In Blissful Company« ihr erstes Album, weitere folgten 1970 und 1971. Auch der Wechsel der Band zu RCA Records im Jahre 1972 zeigte sie auf einem Hochplateau des Erfolges, denn noch im selben Jahr veröffentlichte das Label zwei LPs der Gruppe. Als Jones und Codling allerdings gingen, um eigene Pläne zu verfolgen – sie gründeten die Band Kala –, begann abrupt das Siechtum der Band, zumal kurze Zeit später auch Mostert und Milton Quintessence verließen. Zwar kamen mit dem Keyboard-Spieler Keith Hale und den Gebrüdern Fichter, Sänger der eine Schlagzeuger der andere, neue Musiker zu Quintessence, an die früheren Erfolge konnte sie aber nicht mehr anschließen.
Jones verfolgte die Idee einer Musik zwischen den Kulturen weiter, erinnerte sich an das Instrument seiner Heimat, das Didgeridoo, und nahm Musik zum Meditieren auf. 2003 fand er in dem Schweizer Rudra Beauvert einen Gesinnungsgenossen. Beauvert beschäftigte sich mit Instrumenten mit elektronischer Klangerzeugung und aufbauend auf den Erfahrungen aus früheren Zeiten mit indischer Musik, Improvisation und meditativer Musik konstruierten Jones und Beauvert eine spezielle Musik zwischen Techno und Trance Music. Als dann noch Codling das Duo zum Terzett erweiterte, wurde aus Shiva Shakti, dem ursprünglichen Namen, Shiva’s Quintessence.
Ende der 1960er-Jahre war es durchaus noch möglich, Musik zu extrapolieren, die erst wenige Jahre zuvor, als etwa Sitar und Tabla zum obligaten Rock-Instrumentarium zählen konnte, zumindest plausibel erschien. Dass die Band noch Anfang der 1970er-Jahre erfolgreich sein konnte, erstaunt dann aber doch, denn der Psychedelic Rock, zu dem man die Musik Quintessences noch hätte rechnen können, war bereits Geschichte und der Progressive Rock, als dessen Teil man sie hätte ebenso hätte ansehen können, hatte bereits einen anderen Weg eingeschlagen. Wenn auch die britische Gruppe Yes mit »Close to the Edge« noch 1972 ein Album vorlegte, in dem Indien eine zentrale Rolle spielte. Dies war aber das Indien von Hermann Hesse und nicht das Indien von Quintessence, ein stilisiertes Indien und nicht das »authentische«, das die Musiker von Quintessence im Hinduismus suchten. Im jüngeren Progressive Rock dürfte man Spuren der Musik von Quintessence vergeblich suchen.


Diskografie

In Blissful Company (1969)
Quintessenc (1970)
Dive Deep (1971)
Self (1972)
Indweller (1972)


Weblink

http://www.mooncowhq.ch/Quintessence (Website zu der Band Quintessence)