Rick Wakeman

Wakeman, Rick, eigentlich Richard Christopher Wakeman, britischer Rockmusiker (Keyboards, Komposition), * Perivale (London) 18. 5. 1949. Bekannt ist Rick Wakeman vor allem als Keyboarder der Progressiv-Rock-Band Yes.

Biografie

Rick Wakeman begann im Alter von sieben Jahren, Klavier spielen zu lernen. Die Anfangsschritte lehrte ihn sein musikalisch begabter und interessierter Vater, doch wechselte er bald zu professionellen Klavierlehrern. Bald nahm er an Klavierwettbewerben teil und brachte es im Laufe der Zeit auf mehr als 100 Vorspiele. Sein Talent erlaubte es ihm, im Alter von 18 Jahren ein Klavier- und Klarinettenstudium am Royal College of Music in London aufzunehmen. Nebenbei arbeitete er als Studiomusiker und war bald so gefragt, dass er zu Aufnahmen etwa von David Bowie, Marc Bolan, Cat Stevens und Lou Reed geholt wurde und an diversen Hits mitwirkte – in »Space Oddity«, »Get it on« und »Morning has broken« ist sein Klavierspiel mehr oder weniger deutlich zu hören. Die BBC engagierte ihn, gemeinsam mit Ian Paice, Jimmy Page und John Entwistle Zwischenmusiken für ihr Programm einzuspielen. Bald war Wakeman als Studiomusiker so gefragt, dass er sich entschloss, sein Instrumentalstudium aufzugeben und professionell als Musiker zu arbeiten.

1969 vermittelte ihm der Produzent Tony Visconti einen Studiotermin mit der Folk-Rockgruppe Strawbs. Nach dem Termin fragte ihn der Leader der Gruppe, Dave Cousins, ob er nicht ständiges Mitglied seiner Band werden wolle. Wakeman, überzeugt von der Zukunftsfähigkeit der Strawbs willigte ein und blieb für vier LPs.

Wakemans Renommee als nahezu omnipotenter Pianist, das durch sein Engagement bei Strawbs noch wuchs, führte im August 1971 zu zwei Anfragen: David Bowie wollte ihn für seine Spiders-from-Mars-Gruppe haben, Yes als Ersatz für ihren Keyboards-Spieler Tony Kaye. Wakeman entschied sich für Yes; mit ihm wurde die »klassische Phase« der Band eingeleitet, in der mit »Fragile« (1971) und »Close to the Edge« (1972) die bedeutendsten LPs entstanden.

Direkt nach den Aufnahmen von »Tales from Topographic Oceans« (1973) verließ Wakeman die immens erfolgreiche Band. Wakeman war vorbereitet: Noch im gleichen Jahr veröffentlichte er mit »The Six Wives of Henry VIII« seine zweite Solo-LP, ein nach historischen Motiven gestaltetes Konzeptalbum, dem 1974 »Journey to the Center of the Earth« folgte, wieder ein Konzeptalbum, diesmal nach einem Roman Jules Vernes. Mit diesen und folgenden Produktionen führte der groß gewachsene, stets in einen weitern glitzernden Umhang gehüllte Musiker vor, was ihm seine Bandkollegen von Yes nicht erlaubt hatten: Historische Stoffe in opulente Platten- und Konzertproduktionen zu fassen – mit ihm als Mittelpunkt. Die Platten waren zwar erfolgreich, allerdings nicht im selben Maße wie die früheren Yes-Veröffentlichungen.
In diesen Jahren entstanden dennoch eine Vielzahl von Schallplattenwerken, häufig Soundtracks wie »Lisztomania« (1975) oder »White Rock« (1977). Doch legte Wakeman, »The Caped Crusader«, wie ihn ein Biograf nannte, in der Wahl seiner Sujets bald keine Beschränkungen mehr auf. Er veröffentlichte veritable Rockmusik ebenso wie Piano-Soloaufnahmen und komplett auf Synthesizern eingespielte New-Age-Music.

Zwischendurch nahm er sich immer wieder die Zeit, mit Yes Platten aufzunehmen oder auf Tournee zu gehen. Er hatte einige Distanz zu der Band aufgebaut, war sich aber wohl bewusst, dass er dieser Band seinen Ruhm zu verdanken hatte. In Großbritannien allerdings nahm man nur wenig Notiz von der Flut seiner CDs. Sein Sohn Adam war inzwischen zu einem fähigen Pianisten herangewachsen, gemeinsam nahmen Vater und Sohn CDs auf, die Rick Wakeman, der 1982 das Label Moon Records und 1991 Ambient Records gegründet hatte, seinem umfangreichen Katalog hinzufügte. Brian May holte ihn für eine Solo-CD.

Neben Keith Emerson ist Rick Wakeman der Prototyp des Keyboard-Spielers einer Progressive-Rock-Band. Pianistisch routiniert, technisch interessiert und mit der Musikgeschichte jenseits von Rock und Jazz vertraut, versuchte er den Kanon des Bildungsbürgertums als Inspirationsgrundlage für seine Musik zu nutzen. Dabei setzte er weniger auf direkte Zitate aus Werken von Barock, Klassik und Romantik – die natürlich, wenn auch selten, in seiner Musik zu finden sind –, sondern schuf eine Art Rock-Programm-Musik, die ihm mehr als einmal den Vorwurf der bombastischen Erzeugung von Kitsch einbrachte. Mit dem Richtungswechsel der Rockmusik in den späten 1970er-Jahren hatte sich diese Auffassung von Rockmusik überlebt und Wakeman verlor nolens volens an aktuelle Entwicklungen der Rockmusik den Anschluss. Geblieben ist neben seiner kaum zu überschätzenden Bedeutung für den Progressive Rock bis in jüngste Zeit auch sein Einsatz für seinerzeit neuartige Klangerzeuger wie den Mini Moog und das Mellotron – für dessen Weiterentwicklung in Form des Birotrons er sich sogar finanziell engagierte.

Seine Meinung, die er prononciert vorzutragen versteht, ist nach wie vor geschätzt: Er war es, der in einem Interview einer britischen Musikschrift der Band Radiohead das Etikett »Progressive Rock« anklebte – sachlich gerechtfertigt, dennoch zum Leidwesen Thom Yorkes, Mastermind von Radiohead.

Werke

Wakeman, Rick: Say Yes! An Autobiography; London 1995
Wakeman, Rick: Grumpy Old Rock Star and Other Wondrous Stories; London 2008
Wakeman, Rick: Further Adventures of a Grumpy Old Rock Star; London 2009

Diskografie

Piano vibrations (1971)
The six wives of Henry VIII (1973)
Journey to the centre of the earth (1974)
The myths & legends of King Arthur & the knights of the round table (1975)
Lisztomania (1975; Soundtrack)
No earthly connection (1976)
White rock (1976; Soundtrack)
Rick Wakeman’s criminal record (1977)
Rhapsodies (1979)
1984 (1981)
The burning (1981; Soundtrack)
Rock ’n‘ roll prophet (1982)
G’Ole (1983)
The cost of living (1983)
Silent nights (1985)
Live at Hammersmith (1985)
Crimes of passion (1986; Soundtrack)
Country airs (1986)
The family album (1987)
A suite of Gods (1988)
Zodiaque (1988)
Time machine (1988)
Sea airs (1989)
Night airs (1990)
Aspirant sunset (1990)
In the beginning (1990)
No expense spared (1991)
Black knights in the court of Ferdinand IV (1991)
Phantom power (1991; Soundtrack)
Softsword: King John and the Magna Charta (1991)
A world of wisdom (1991)
The private collection (1991)
The classical connection (1991)
The classical connection II (1991)
2000 A. D. – Into the future (1991)
Country airs (1992; Neuaufnahme mit Digital-Piano)
Aspirant sunshadow (1992)
Wakeman with Wakeman (mit Adam Wakeman, 1993)
Prayers (1993)
Heritage suite (1993)
African Bach (1993)
Romance of the victorian age (1994; mit Adam Wakeman)
The gospels (1994)
The classic tracks (1994)
The official bootleg (1994; mit Adam Wakeman)
Live on the test (1994; mit The English Rock Ensemble)
The seven wonders of the world (1995)
Cirque surreal – State circus of imagination (1995)
Visions (1995)
The piano album – Live (1995)
Seven wonders of the world (1995)
Cirque surreal (1995)
Romance of te Victorian Age (1995)
King biscuit flower hour ? In concert (1995; Aufnahmen von 1975)
Visions (1995)
Simply acoustic (1995)
The private collection (1995)
Almost live in Europe (1995)
Rock & pop legends: Rick Wakeman (1995)
Fields of green (1996)
Voyage (1996)
The new gospels (1996)
Tapestries (1996)
The word and music (1996)
Orisons (1996)
Can you hear me? (1996)
Vignettes (1996)
Tribute (1997)
Themes (1998)
Return to the centre of the earth (1999)
The natural world trilogy (1999)
The art in music trilogy (1999)
White rock II (1999)
Stella bianca alla corte de Re Ferdinando (1999)
Preludes to a century (2000)
Chronicles of man (2000)
Christmas variations (2000)
Rick Wakeman live in concert 2000 (2000)
Out of the blue (2001)
Classical variations (2001)
Two sides of Yes (2001)
The wizard and the forest of all dreams (2002)
Wakeman & Cousins ? Hummingbird (2002)
The Yes piano variations (2002)
Two sides of Yes ? Volume 2 (2002)
Out there (2003)
Wakeman & Cousins ? Live (2005)
Retro (2006)
Retro 2 (2007)
From Brush and Stone (2009; mit Gordon Giltrap)
Always with You (2010)

Weblink

http://www.rwcc.com (Website zu dem Rockmusiker Rick Wakeman)