Robert Fripp

Fripp, Robert, britischer Rockmusiker (Gitarre, Keyboards, Komposition), * Wimborne Minster (Dorset, England) 16.5. 1946

Biografie

Robert Fripp begann im Alter von elf Jahren Gitarre zu spielen; kurze Zeit hatte er Unterricht bei dem Gitarristen Don Strike. Seine Karriere als professioneller Rockmusiker nahm Fripp 1967 auf, als er auf eine Anzeige der Brüder Peter und Michael Giles, Bassist der eine, Schlagzeuger der andere, antwortete. Die Brüder suchten für eine neu zu gründende Band einen Organisten, der auch den Gesang übernehmen sollte. Fripp war weder Sänger noch Organist, doch gelang es ihm, die Giles-Brüder zu überreden, mit ihm die Band zu gründen. Das ging nicht lange gut, doch konnte Giles, Giles and Fripp, wie sich das Trio nannte, wenigstens zwei Singles veröffentlichen.

Nach dem Bruch der Band gründete Fripp 1968 mit Michael Giles, dem Bassisten Greg Lake, dem Saxofonisten und Keyboard-Spieler Ian McDonald und dem Texter Peter Sinfield seine eigene Band, die er King Crimson nannte. Diese Band bestand – in verschiedenen Besetzungen – bis 1974, doch löste Fripp die Band immer mal wieder auf, um sie dann auch wieder aufleben zu lassen. Er selbst ist der einzige Musiker, der an allen Inkarnationen der Gruppe beteiligt war – Robert Fripp ist King Crimson.

Robert Fripp hat stets auch mit Musikern zusammengearbeitet, die nicht zu King Crimson gehörten oder – wie der Pianist Keith Tippett – nicht zu King Crimson gehören wollten. So war er in den 1970er-Jahren in Konzerten und auf Platten von Musikern und Bands wie Brian Eno, Peter Gabriel, David Bowie, Daryl Hall, Centipede und Van der Graaf Generator. Bemerkenswert ist seine Zusammenarbeit mit Brian Eno: Für »Here Come the Warm Jets« (1975) steuerte er ein auffälliges Gitarrensolo bei, für »No Pussyfooting« (1972) und »Evening Star« (1974) ersann er eine Aufnahmetechnik, die seine damalige Freundin Joanna Walton »Frippertronics« taufte; im Wesentlichen bestand die dazugehörige Gerätschaft aus zwei Tonbandgeräten. Nachdem er diversen Musikern wie Peter Hammill, Jerry Marotta, Phil Collins, Tony Levin und Terre Roche bei deren LPs geholfen hatte, präsentierte er 1979 mit »Exposure« 1979 sein erstes eigenes Album. Gleich danach stand er mit Blondie auf der Bühne und engagierte sich bei den Talking Heads.

In den 1980er-Jahren tat sich Fripp für kurze Zeit mit David Byrne von den Talking Heads zusammen, gründete dann aber mit dem Bassisten Sara Lee, dem Keyboard-Spieler Barry Anderes und dem Schlagzeuger Johnny Toobad die League of Gentleman. Dieser Band widmete Fripp einen Großteil seiner Zeit in den 1980er-Jahren, fand aber auch Zeit, mit dem Gitarristen Andy Summers (The Police) zwei Alben einzuspielen, »I Advanced Masked« (1984) und »Bewitched« (1984). Etwa zur gleichen Zeit hatte er auch King Crimson reanimiert und drei Alben mit der Band produziert – »Discipline« (1981), »Beat« (1982) und »Three of a Perfect Pair« (1984). Einige Male ging er auch mit David Sylvian, früher Sänger von Japan, ins Studio und versuchte ihn zu überreden, Sänger bei King Crimson zu werden, was ihm aber nicht gelang.

Fripp hat sich während seiner gesamten Karriere nie in einen mehr oder weniger großen Kreis von Musikern eingeschlossen, sondern war immer interessiert an neuen Entwicklung in der Rock- und Pop-Music. So war sein Namen auch auf den CDs von so verschiedenen Formationen wie The Orb, No-Man, The Beloved und Iona zu lesen. In den 1990er-Jahren übertrug er die mittlerweile veraltete Technik seiner Frippertronics auf digital arbeitende Gerätschaften und nahm unter dem übergreifenden Titel »Soundscapes« eine Reihe von Alben auf.

Dann wandte er sich wieder der Gitarre zu, bildete 2004 mit Joe Satriani und Steve Vai das Trio G3, nahm danach einige Klänge für das Betriebssystem Windows Vista der amerikanischen Firma Microsoft auf und ging dann 2006 mit dem Gitarristen Peter Buck, dem Bassisten Fred Chalenour, dem Schlagzeuger Matt Chamberlain und dem Elektronikspezialisten Hector Zazou auf eine kurze Tournee. Seit Mitte des Jahrzehnts arbeitete er häufig mit Steven Wilson von Porcupine Tree zusammen und ist etwa auf den CDs »Fear of a Blank Planet« (2007) und »Nil Recurring« (2007) zu hören. Wilson seinerseits übernahm das Remastering einiger früherer Alben von King Crimson. 2009 trat Fripp mit seiner Frau, der britischen Sängerin und Schauspielerin Toyah Willcox, und zwei weiteren Musikern unter dem Namen The Humans auf.

Robert Fripp ist unter den Gitarristen der Rockmusik ein Außenseiter. Das Instrument ist ihm ein unerschöpfliches Experimentiergerät, um ihm Klänge zu entlocken, die irgendwo zwischen Rock, Jazz und Neuer Musik stehen, eigentlich aber in Anlehnung an seine Frippertronics eben Frippersounds genannt werden müssten. Zwar ist er Linkshänder, spielt die Gitarre aber wie ein Rechtshänder. Unter der globalen Bezeichnung Guitar Craft – unter der er sich auch als Gitarrenlehrer versteht – entwickelte er bestimmte Anschlagstechniken wie er auch seit 1984 eine eigene Stimmung, benutzt, das »New Standard Tuning«, das größtenteils auf Quinten, nicht auf Quarten beruht.

Fripps bisherige Karriere als Ganzes zeigt einen unermüdlichen Musiker, der ständig auf der Suche zu sein scheint. Er hat künstlerisch wie kommerziell erfolgreiche Bands wie etwa King Crimson mit John Wetton und Bill Bruford von heute auf morgen aufgegeben und dabei mehr als einmal Kollegen verprellt. Fripp ist ohne Zweifel eine zentrale Figur des Progressive Rock, doch ist er mit dieser Musik innerlich vermutlich weit weniger verbunden als die ersten paar Platten dieser Band glauben machen könnten. Dafür hat er der Rockmusik bereits in den 1970er-Jahren – wissentlich oder nicht – eine Perspektive gegeben, die erst seit den 1990er-Jahren auch von anderen Musikern wie eben Steven Wilson genutzt wird. Insofern kann Fripps Bedeutung für die Rockmusik noch gar nicht abgeschätzt werden.

Diskografie

The Cheerful Insanity of Giles, Giles and Fripp (1968)
No Pussyfooting (1973; mit Brian Eno)
Evening Star (1975; mit Brian Eno)
Exposure (19799
God Save the Queen/Under Heavy Manners (1981)
The League of Gentlemen (1981; mit The League of Gentlemen)
Let the Power Fall: An Album of Frippertronics (1981)
I Advance Masked (1982; mit Andy Summers)
Bewitched (1984; mit Andy Summers)
Network (1985)
God Save The King (1985; mit The League of Gentlemen)
The League of Crafty Guitarists Live! (1986)
The Lady or the Tiger (1986; Toyah Willcox)
Show of Hands (1990; mit The League of Crafty Guitarists)
Kneeling at the Shrine (1991; mit Sunday All Over The World)
The First Day (1993; mit David Sylvian)
Darshan (The Road To Graceland) (1993; mit David Sylvian)
The Bridge Between (1994; mit The California Guitar Trio)
1999 Soundscapes: Live in Argentina (1994)
Damage: Live (1994; mit David Sylvian)
Redemption-Approaching Silence (1994; mit David Sylvian)
FFWD (1994; mit The Orb)
Intergalactic Boogie Express: Live in Europe… (1995)
A Blessing of Tears: 1995 Soundscapes, Vol. 2 (1995)
Radiophonics: 1995 Soundscapes, Vol. 1 (1995)
That Which Passes: 1995 Soundscapes, Vol. 3′ (1996)
Thrang Thrang Gozinbulx (1996; mit The League of Gentlemen)
November Suite: 1996 Soundscapes – Live at Green Park Station (1997)
Pie Jesu (1997)
The Gates of Paradise (1998)
Lightness: for the Marble Palace (1998; mit Brian Eno)
The Repercussions of Angelic Behavior (1999; mit Bill Rieflin and Trey Gunn)
A Temple in the Clouds (2000; mit Jeffrey Fayman)
The Equatorial Stars (2004; mit Brian Eno)
Love Cannot Bear (Soundscapes – Live In The USA) (2005)
The Cotswold Gnomes (2006; mit Brian Eno)
At the End of Time (Churchscapes Live in England and Estonia) (2007)
Beyond Even (1992 – 2006) (2007; mit Brian Eno)
Thread (2998; mit Theo Travis)

Weblink

http://www.dgmlive.com/ (Website zu Robert Fripps Plattenlabel)